Awert | Die tote Waldelfe | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 9, 193 Seiten

Reihe: Drachenblut

Awert Die tote Waldelfe

Drachenblut 9
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-95959-188-1
Verlag: Machandel Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Drachenblut 9

E-Book, Deutsch, Band 9, 193 Seiten

Reihe: Drachenblut

ISBN: 978-3-95959-188-1
Verlag: Machandel Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Nicht nur die Welt Halva selbst, auch ihre Bewohner merken inzwischen, dass Unheil vor der Tüt steht. Es herrscht Krieg zwischen Menschen und Waldelfen. Die Menschen sind Zahlreich, die Waldelfen nur wenige. Haben sie überhaupt eine Chance? Der Erste Berater des Elfenwaldes wurde von einem Geist ermordet. Wer soll ihn ersetzen? Und welcher Geist ist in der Lage, die Welt der Lebenden zu betreten und dort einen Vierteldrachen zu töten? Während Tama und ihre Verbündeten darüber nachdenken, versammelt Drachentochter Zsardyne die verstreut lebenden Halbdrachen ein. Die Drachenmutter braucht jede Unterstützung in ihrem Kampf gegen den unsterblichen Godwin. Der Hintergrund: Unerwartet tauchen auf der Welt Halva Gestaltwandler auf. Dem Aussehen nach wilde Tiere, doch mit Vernunft gesegnet und der entsetzlichen Fähigkeit, biologische Grenzen zu durchbrechen und sich mit anderen Arten fortzupflanzen. Bereits ihre bloße Gegenwart bringt in den anderen vernunftbegabten Arten, den Drachen, Elfen und Menschen, die finstersten Seiten zum Vorschein. Die Elfen versuchen deshalb, die Gestaltwandler und ihre Mischlings-Nachkommen einzufangen und wegzusperren, doch der Keim des Zerfalls breitet sich unaufhaltsam aus. Unter den Elfen droht ein Bürgerkrieg, die Menschen dringen in den Siedlungsraum der Elfen ein und die Drachen scheinen unschöne Geheimnisse zu haben. Am Ende beginnt sogar Halva, sich selbst zu zerstören. In dieser Welt macht sich die Viertelelfe Tamalone auf, ihre Ziehmutter wiederzufinden und die Rätsel ihrer Herkunft zu lösen. Niemand rechnet mit dem, was ihre Suche auslösen wird - sie selbst am wenigsten.

Ab wann Wolf Awert anfing, Geschichten zu schreiben, ist nicht überliefert. Erfunden und erzählt hat er sie, ab dem Zeitpunkt, an dem seine Erinnerung einsetzte. Vielleicht auch früher. Weggefährten berichten, dass er oft auf dem Weg zur Schule in ständige Selbstgespräche vertieft war. Später studierte er Geographie, Biologie, Geologie, Bodenkunde, Meterologie und Ethnologie, nicht alles mit Abschluss, und arbeitete danach als Umweltwissenschaftler an der Universität. Er schrieb wissenschaftliche Publikationen, Sachbücher und Lehrbücher, erfand Denkwerkzeuge und baute ein System für ein Ideenmanagement auf. Seine Berufstätigkeit führte ihn in viele Teile der Welt, wo er mehr als nur Konferenzsäle besuchte. In China bekam er 1980 zum ersten Mal Kontakt mit dem Qi Gong und Tai Chi Quan, das er heute ehrenamtlich lehrt. Für Fantasygeschichten sind es ideale Voraussetzungen, wenn man Waffen wie Schwert, Säbel, Lanze, Langstock und Fächer aus der eigenen Erfahrung kennt. Katana und Jo (Kurzstock) kamen aus dem Aikido dazu, Florett, Degen und Sportsäbel sorgten bereits zu Studentenzeiten für die Fitness. Heute führt Wolf Awert das geruhsame Leben eines Pensionär in der Eifel und schreibt nur noch Belletristik.
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Tamalone


Ihr Name. Ta-Ma-Lone!

Diese drei Worte dröhnten in ihren Ohren, als wollten sie Hallen und Thronsäle füllen. Und der Mann, der ihr einst diesen Namen gab, stand vor ihr. Der Aufpasser – ihr Vater? Unmöglich. Sie hatte von sich immer angenommen, dass sie ein guter Mensch wäre. Trotz des Viertels Elfenblut, das in Wahrheit nur ein Achtel war. Wenn überhaupt. Wie sollte sie das weiterhin von sich selbst glauben, wenn ihr Vater …

Pandos Vater hatte gesagt, dass der Mann, der einen elfenblütigen Vierteldrachen so schnell töten konnte, dass der sich nicht hatte wehren können, der mächtigsten Magier dieser Welt sein musste. Und dass er, wenn er auch noch in der Lage war, als Geist die Welt der Lebenden zu durchwandern, sogar die Magier der alten Zeit übertroffen hätte. Außerdem war er ein Monster, das Menschen tötete, um ihnen die Haut abzuziehen und Kleidung daraus zu nähen. Auch wenn er es anders darstellte, er tauschte Leichenteile ein gegen … Doch das hatte er ihr verschwiegen. Was war die Gegenleistung für das Fleisch, das Blut, die Knochen, Haut und Haare?

Dass sich durch sein Geständnis nun auch noch der erste Mann, mit dem sie das Bett geteilt hatte, als ihr Halbbruder herausstellte, war im Vergleich zu all diesen Dingen nur noch eine lässliche Sünde.

„Wäre deine Mutter geblieben, wären unser beider Leben anders verlaufen. Doch lohnt es sich nicht, der Vergangenheit hinterherzulaufen. Es stehen uns immer noch alle Möglichkeiten offen.“

Noch mehr Worte, die das Dröhnen nur verstärkten. Laute ohne Sinn und Bedeutung. Hall und Echo, Schmerz und Unverständnis. Tama schlug sich gegen die Ohren, als ob das helfen würde.

„Du kannst dir meine Freude kaum vorstellen, als du zurückkamst. In Begleitung dieser wunderschönen Frau, die aus einem Kind eine Zauberin machte. Sie hier vor meinen Augen aufzog.“

„Freude.“ „Frau.“ „Augen.“ Erste Worte wurden verständlich und fanden ihren Weg durch Tamas Ohren.

„Ich sehe Verwunderung auf deinem Gesicht. Und Verwirrung in deinen Augen. Du verstehst nicht? Wer, meinst du, hat dafür gesorgt, dass du hier eine Bleibe fandst und genug zu essen bekamst? Wer hat dich denn beschützt, dir die Gelegenheit gegeben zu lernen und erste Erfahrungen zu machen? Bitte verzeih mir, dass ich nicht anders konnte, als mich in die Frau an deiner Seite zu verlieben. Sie ist der Grund, dass ich mit deiner leiblichen Mutter brach. Denn bis zu der Begegnung mit euch beiden hoffte ich auf ihre Rückkehr. Doch dann verließet auch ihr mich. Erst deine Begleiterin, dann du. Aber alles ist nun gut, weil ihr zurückkamt.“

„Ich habe also zwei Halbbrüder.“ Ein kurzer Satz auf halber Strecke zwischen Feststellung und Frage verbrauchte das Bisschen an Kraft, das zu Tama zurückgekehrt war.

„Das ist richtig. Sie wuchsen gemeinsam mit dir auf, bis sie eines Tages verschwunden waren. Ihre Mutter hatte sie mitgenommen. Ich hoffe, es geht ihnen gut.“

Tama lehnte sich gegen die Felswand. Ihre Beine zitterten, aber ihr Verstand kam zurück. Lug, Trug und Halbwahrheiten waren zu einem Mantel verwoben worden, der niemandem passte. Altwi und der Aufpasser erzählten ihr zwei so unterschiedliche Geschichten, dass nur eine von ihnen wahr sein konnte. Möglich auch, dass beide erfunden waren.

Altwi traute sie nicht. Ihre leibliche Mutter war eine Frau voller Geheimnisse. Dem Aufpasser traute sie noch weniger, denn seine Geschichte war voller kleiner Lügen. Sie und ihre Halbbrüder waren nicht gemeinsam aufgewachsen, wie er sagte. Sie hatten nur ein paar Jahre hier in der Siedlung verbracht. Zur selben Zeit, aber nicht gemeinsam. Sie hatten sich gelegentlich gesehen, aus der Ferne, nie miteinander gesprochen und stets Abstand gehalten. Auf wessen Geheiß wusste sie nicht. Die Unaussprechliche hatte ihren Zustand verborgen, ihre Kinder in einem Versteck zur Welt gebracht und nach Drachenart aufgezogen. Aber Tama wollte nicht über ihre Halbbrüder sprechen. Sie wollte überhaupt nicht über ihre Familie sprechen, bevor sie nicht Altwis Sicht der Dinge kannte. Sie wollte über die Geister sprechen. Und die Toten. Und die Welt der Geister und Toten. Doch dazu musste sie erst den Redefluss des Aufpassers unterbrechen, der wie ein schnell fließender Bach unaufhörlich vor sich hin murmelte.

„Glaube mir, ich habe mich die ganze Zeit nach einer Familie gesehnt. Die Frau, die ich liebte, an meiner Seite und ihre Kinder und dich noch dazu. Wir fünf. Bis heute weiß ich nicht, warum sie ging. Und jetzt weiß ich nicht, warum sie kam. Sie erschien mir freundlich, sprach mit mir über alles Mögliche, nur nicht über uns. Was ist das für eine Frau? Tamalone, du kennst sie besser als ich, hilf mir ein wenig. Ich möchte euch nicht erneut verlieren.“

Jetzt war der Moment gekommen, das Thema zu wechseln. Es schien, als wäre der Aufpasser wirklich verzweifelt, doch Tama traute ihm keinen Fingernagelkratzer über den Weg. Jemand, der so mächtig war, wie sie vermutete, würde niemals vor anderen eine solche Schwäche zeigen. Alles deutete darauf hin, dass er ihr nur etwas vorspielte, um von ihr das zu bekommen, was er von ihr haben wollte. Aber was konnte das sein?

„Ich befürchte, ich kann Euch dabei nicht helfen, auch wenn ich es gerne täte. Für mich war diese Frau immer an meiner Seite, solange ich denken kann. Ich nannte sie Mutter, obwohl sie das nicht gerne hörte. Obwohl sie kein persönliches Wort zu mir sprach. Es ging immer nur darum, was ich tun sollte und was nicht. Und doch. Wenn es mir nicht gut ging, nahm sie mich in den Arm. Sie zeigte mir ihre Liebe, indem sie sich um mich sorgte. Nur eines tat sie nicht: viel reden.“

Tama wusste, einer Lüge begegnete man am besten mit einer Lüge oder bestenfalls mit einer Halbwahrheit. Nur wusste sie nicht, wie groß und verzweigt das Lügengespinst des Aufpassers war. Sie würde fragen müssen.

„Vater, wenn ich Euch jetzt so anreden darf, sagt mir lieber, warum uns die Welt der Toten und Geister hier in Eurem Haus so nahe ist.“

Jetzt würde er alles abstreiten. Da war Tama sich sicher. Um so größer war ihre Überraschung als sie den Aufpasser sagen hörte: „Du hast sie gespürt? Die Toten und die Geister? Ja, sie sind ganz in der Nähe, doch warum das so ist, kann ich dir nicht sagen. Vielleicht, weil wir hier eine große Mine haben. Vielleicht auch nur, weil es diesen Gang hier gibt. Aber der Gang hatte ursprünglich mit den Toten nichts zu tun. Ein Gebäude wie dieses braucht Werkräume, und die legt man am besten im Keller an. Dazu gehören auch die Gänge und Flure, die die Räume miteinander verbinden. Wie sollte es anders sein? Es verhielt sich also lange Zeit alles ganz normal. Aber irgendwann weigerten sich die Arbeiter, weiterzugraben. Ich sah mir die Stelle an und spürte die Magie unserer Ahnen. Ich habe daraufhin die Arbeiten abbrechen lassen. Seither ist hier nichts mehr geschehen.“

Lügner! Tama konnte Lebensenergie spüren und das Gedächtnis des Gesteins erahnen. Der Gang wurde ständig besucht. Wahrscheinlich sogar täglich. Aber mit Widerspruch oder Anklagen würden sie nichts erreichen. Eine Frage wollte sie noch riskieren, nur eine, aber welche? Sollte sie nach den Knochen fragen oder nach der Lederkleidung? Beide Fragen waren gefährlich, weil sie sich nicht leicht erklären ließen und seinen Argwohn schüren könnten. Also wonach fragen?

„Ich habe in einer Kammer Knochen gefunden. Menschenknochen. Was ist denn mit ihrem Fleisch geschehen? Warum wurden sie nicht bestattet?“

„Du warst in der Kammer?“ Des Aufpassers Ton hatte sich verändert, war scharf geworden und fordernd. Genau das hatte sie befürchtet.

„Wundert Euch das? Es war der Geruch faulen Fleisches, der mich neugierig machte.“

„Menschen sterben, Tamalone. Das ist ein Teil des Lebens. Hier sterben die meisten Menschen in der Mine, weil die Arbeit dort gefährlich ist, weil die Menschen bei dem, was sie tun, nicht aufpassen, weil der Fels feindlich ist und sein Erz nicht hergeben möchte. Ich könnte ihre Überreste in der Mine belassen. Es wäre ein würdiges Grab. Aber die Bergleute wollen das nicht. Ihre Toten müssen an die Erdoberfläche zurück, da sie sonst für Ewigkeiten in den Stollen umherspuken könnten. Gegen den Aberglauben der Bergleute kommt niemand an. Die Mine ist voller Geister – sagen sie. Aber ich habe dort noch nie einen gesehen, muss allerdings zugeben, dass ich unter der Erde weder lebe noch arbeite und sich meine Besuche dort in Grenzen halten.

Also bringen wir unsere Toten an die Erdoberfläche. Ist dir nie aufgefallen, dass diese Siedlung keinen Friedhof aufweist, wir also noch nie jemanden hier bestattet haben? Das ist so, weil ich hier keinen Friedhof haben will, denn wenn wir einmal weiterziehen sollten, müsste ich alle Toten wieder ausgraben. Wir, die wir unter den Menschen die Wissenden sind, lassen unsere Toten nicht einfach so zurück. Sie haben uns immer noch viel zu geben. Und wenn wir weiterziehen, sollten wir sie mitnehmen. Es sei denn, sie wollten bleiben. Lange Zeit wusste ich nicht, wie ich damit umgehen sollte. Jetzt bringe ich sie in den Gang und lege sie dort ab. Das Gestein nimmt sie auf. In einem Punkt hast du recht. Die Toten und Geister leben nicht weit von uns entfernt. Die Mine, die Siedlung und das rote Haus in unserer Siedlung sind ganz besondere Orte. Du hast die Toten gespürt. Du glaubst nicht, wie mich das freut. Das ist die erste Voraussetzung, um zu den Wissenden zu gehören. Ich kann dich ihre Magie lehren, wenn dich das interessiert. Ich habe immer schon gewusst, dass du alle Voraussetzungen dafür erfüllst. Aber erst jetzt bist du erwachsen und mir immer willkommen.“

Tama wusste, dass sie nicht weiter fragen durfte....



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