E-Book, Deutsch, 364 Seiten
Ashley Ein Cottage für Zwei
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-96655-021-5
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman
E-Book, Deutsch, 364 Seiten
ISBN: 978-3-96655-021-5
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Trisha Ashley wurde in Lancashire, Großbritannien geboren und studierte Glasmalerei am Swansea College of Art. Ihre Bücher stürmen in ihrer Heimat mit Regelmäßigkeit die Bestsellerliste und wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Sie lebt mit ihrem betagten Papagei in Wales. Trisha Ashley veröffentlichte bei dotbooks auch die folgenden eBooks: »Ein Cottage für Zwei« »Ein Landhaus zum Verlieben« »Das kleine Cottage des Glücks«
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Kapitel 1
Das ist für mich alles Griechisch
Ein weiterer herrlicher griechischer Zweitausendertag dämmert über Bobs »Kreativ- und Freizeitzentrum« auf der Insel Lefkada herauf, und die Luft draußen ist wie warme Milch, ganz zart vermischt mit dem Duft glühender Holzkohle ...
Zum Glück bin ich eine Frau von großer Entschlusskraft! Die brauche ich heute auch, denn nicht nur die Insel versucht, mich von meiner morgendlichen Arbeit fortzulocken, sondern auch der Stapel Geburtstagspost auf meinem Nachttisch.
Ich bin wie ein Jogger: Ich brauche meinen täglichen Rausch, und ich bin darauf programmiert, jeden Morgen zu schreiben. Das einzige Alternativprogramm dazu heißt Selbstzerstörung. Es spielt keine Rolle, in welchem entlegenen Winkel der Erde ich mich aufhalte, ob ich an Bord einer Fähre bin, in einem Flugzeug oder in einem Kanu sitze – zwischen fünf und sieben Uhr am Morgen brabbele ich entweder in einen Kassettenrekorder oder kritzele in ein Notizbuch. Mit Spiralbindung.
Wenn ich mal einen eigenen Wagen besitze, klebe ich mir den Sticker: »Schriftsteller tun es überall« auf die Stoßstange.
Nun denn, es bleiben mir noch zehn Minuten, und das derzeitige Kapitel von Vengeane: Dunkle Stunden, dunkle Taten ist noch zu beschließen. Nala, die Heldin, teilt zwei Eigenschaften mit mir (und auch mit Margaret Thatcher, wie es aussieht): Sie braucht sehr wenig Schlaf und verfügt über große Selbstbeherrschung.
So gesehen ist sie wohl ein wenig wie eine jugendliche Margaret Thatcher in Lederhosen, denn auch wenn sie nicht direkt mit einer Reihe am Gürtel baumelnder, runzliger männlicher Geschlechtsteile die Wälder durchstreift, geht ihr doch die Entmannung mit Worten recht flott über die Lippen.
Wenn ich dasselbe doch nur auch von mir behaupten könnte.
»Das Reich Mirrign gehörte jetzt rechtmäßig Nala ... Aber war es ihr bestimmt, es ganz allein zu beherrschen? Während ihrer Jahre als vagabundierende Gesetzlose hatte sie davon geträumt, einen wahren Gefährten zu finden, der ihr ebenbürtig war an Talent, Wissen und Stärke.
Einmal hatte sie geglaubt, Raarg sei dieser Mann, bis ihr die Schuppen von den geblendeten Augen gerissen worden waren und sie die seichte, eitle, selbstsüchtige Wirklichkeit hinter der schönen Fassade gesehen hatte.
In der ganzen Verbitterung über ihre Zurückweisung folgte er ihr wie ein bösartiger Schatten und verführte wiederum seine Verfolger unter dem Einfluss des teuflischen, aus Flechten gebrauten Laags zu verderbten Taten.
Und jetzt war der mysteriöse, fremde Drachentöter, hochgewachsen und vor dem Hintergrund des dunklen Waldes von gespenstischer Blässe, gekommen, um sie zu quälen. Seine Augen, die wie klare Kristalle waren, schienen selbst ihre Seele zu durchdringen ...
Drachentöter? Was für ein Ort mochte die Dunkle Seite sein, wenn Drachen Feinde waren, die getötet werden mussten? Und was wollte er von ihr?«
»Ich weiß es nicht, mein Augapfel«, antwortete ich ihr und klickte den Kassettenrekorder aus. »Du musst wohl selbst dahinter kommen.«
Und ich muss einen anderen Namen für diesen Drink suchen, der das Böse zu Tage bringt: Ich kann Laag Louts nicht in meinem Fantasieroman gebrauchen, das wäre einfach zu viel. Ich werde mir heute Nachmittag etwas anderes ausdenken, während die jetzt anwesenden »Kreativen Freizeitler« ihre Mußestunden zum Schreiben, zum Schlafen oder zur Unzucht nutzen, ganz nach Geschmack. (Und Vermögen.)
Ich mag zwar schreiben, aber ganz sicher gebe ich mich nicht der Unzucht hin: Diese bedeutungslosen, schnellen Nummern ohne Liebe führen mich schon seit Jahren nicht mehr wirklich in Versuchung, obwohl ich in letzter Zeit aus irgendeinem Grund fast so viel über Sex nachdenke wie über meinen Roman. (Etwa alle dreißig Sekunden also.)
Vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass es wieder einmal so weit ist: Mein Geburtstag ist da, der Vorläufer einer neuerlichen Stufe auf der steil bergab führenden Treppe in Richtung vierzig, ohne dass es die geringste Spur von dem Mann in meinem Leben gäbe. Und mit schwindenden Chancen, ihn jemals zu finden.
Sehen wir den Tatsachen ins Auge: In meinem Stadium ist nur noch eine Sorte Männer auf dem Regal der Ladenhüter verfügbar – die letzten paar Verschmähten, Verfallsdatum lange überschritten, für die eine genetische Modifikation nur eine gute Idee sein könnte.
Bei einer weniger stark ausgeprägten Persönlichkeit hätte sich zu diesem Zeitpunkt womöglich Verzweiflung breit gemacht, aber ich stehe keineswegs im Begriff, nach dem nächstbesten männlichen Treibgut zu grabschen wie die Ach so tief gesunkene Frau. Ich hatte in meiner Jugend eine überstürzte und unbedachte Affäre, daher weiß ich, dass das Spiel eigentlich nicht der Mühe wert ist.
Raarg, der atemberaubende, aber böse Antiheld meines Romans, orientiert sich locker an der Person meines Ex- Lovers Dave, obwohl Dave nicht wirklich böse war, sondern höchstens ein klein bisschen fies – wie ein Hund mit einem winzigen Hang zur Verschlagenheit.
Er wurde ein bisschen komisch, nachdem mir aufgegangen war, dass ich einen großen Fehler gemacht hatte, und ihm den Laufpass gab; er gewöhnte es sich an, mir auf dunklen Straßen nachzuschleichen, seltsame Telefonanrufe bei mir zu tätigen und dergleichen mehr. Eines Abends hielt ich ihn dann für einen Straßenräuber und erwischte ihn kalt.
Hätte er von meinen Kursen im Kickboxen gewusst, wäre er bei der Wahl seiner Methoden wohl ein wenig vorsichtiger gewesen. Aber im Krankenhaus ließ man ihn schon am nächsten Tag wieder gehen, es konnte also nichts Gravierendes passiert sein.
Allerdings behält er mich immer noch im Auge und schickt mir per Post hin und wieder ein kleines Memento mori,um mich wissen zu lassen, dass er nach all diesen Jahren immer noch verrückt nach mir ist – wie die Postkarte, die ich neulich bekommen habe:
Ich weiß, wo du bist, Sappho.
Dave
Nun ja, damit hat er sich wohl kaum eine Nominierung für den Preis der Christopher-Columbus-Gesellschaft für die größte Entdeckung des Jahres verdient: Seit Bob das Kreativzentrum eröffnet hat, unterrichte ich jedes Jahr im August und September hier.
Und Dave ist ein bekannter selbstständiger Fotograf mit Kontakten überall, sodass ich, selbst wenn er düster brütend mitten in seinem Netz hockt, immer am Rande seines Bewusstseins zupfe, ganz gleich, an welch entferntem Ort des Globus ich mich gerade aufhalte.
Für gewöhnlich reagiere ich auf seine kleinen Streiche, indem ich Raarg etwas besonders Grässliches antue, aber diesmal habe ich ihm meinerseits eine Postkarte geschickt:
Dave,
ich weiß auch, wo ich bin,
Sappho
Erst dann habe ich Raarg etwas Grässliches angetan.
Das ist der dritte Band der Vengeane-Serie. Ich bin mir zwar nicht allzu sicher, was im vierten und (wahrscheinlich) letzten passieren wird, aber ich habe keine allzu großen Hoffnungen für Raarg.
Und wie zum Teufel ist dieser mysteriöse Drachentöter plötzlich in mein Unterbewusstes geplatzt? Ich muss schon sagen – Drachentöter!
Bei meinem letzten Besuch in London habe ich mit zwei anderen Fantasieautoren zu Mittag gegessen – Tom Mac und Rana-Raye Faye –, und wir sind übereingekommen, dass wir wirklich eine eigene Gruppe (Splittergruppe?) gründen sollten, eine Gesellschaft für Fantasieautoren mit Regeln wie: 1) Schluss mit den verfluchten Drachen, 2) weniger von den großen, feurigen Schwertern und 3) definitiv keine Zauberer.
Vengeane mag eine zaubererfreie Zone sein, aber, oh Mann, was hat der Drachentöter für ein großes, feuriges Schwert! Ich weiß nicht, warum er so seltsam sexy rüberkommt, da ich doch überhaupt nichts für blonde Männer übrig habe.
Wobei ich auch seit Dave »Nenn mich Narziss« Devlyn nichts für gut aussehende Männer übrig habe oder für dumme Männer oder für Männer, die kleiner sind als ich.
Der See lediger, großer, dunkelhaariger, intelligenter, attraktiver-aber-nicht-gut-aussehender Männer ist zu einer kleinen, schlammigen Pfütze versickert. Also komme ich um eine Tatsache möglicherweise nicht herum: Wenn ich die Unzucht ursprünglich auch aus Überzeugung aufgegeben habe, verzichte ich mittlerweile mehr aus Mangel an Gelegenheit auf sie.
Ich werde älter und wählerischer: Die Welt füllt sich mit verheirateten Männern – verheirateten Männern, deren Frauen sie nicht verstehen–, geschiedenen Männern, komischen geschiedenen Männern, schwulen Männern und schwer wiegend mutterfixierten Männern. Oh, und Heranwachsenden wie dem einzigen ledigen Mann in der jetzt hier weilenden Horde Kreativer Freizeitler: Er ist noch grün hinter den Ohren.
Nur um mich weiter in meine Niedergeschlagenheit zu steigern, habe ich in letzter Zeit einige der Frauenzeitschriften gelesen, die die Freizeitler liegen gelassen haben. In diesen elenden Dingern geht es ständig um Sex in unzähligen Varianten. Mir war seinerzeit die traditionelle Art ganz brauchbar erschienen – wenn man heutzutage all diese anderen Sachen machen muss, na ja, dann braucht man auf mich nicht zu zählen.
Die einzige Art oraler Befriedigung, für die ich mich interessiere, kommt in einem Einwickelpapier von Mars daher.
Irgendwie habe ich bei der Lektüre den Eindruck gewonnen, als wäre eine merkwürdige, sexuelle Flut an mir vorbeigegangen. Sie hat mich nicht nur nicht mitgerissen – ich habe nicht mal feuchte Zehen davon bekommen: Gestrandet an den Gestaden der Liebe wie ein Häuflein verblassten...




