E-Book, Deutsch, 270 Seiten
Armstrong Keine Entschuldigungen
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-96089-174-1
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Hollywood Books 1
E-Book, Deutsch, 270 Seiten
ISBN: 978-3-96089-174-1
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nichts ist für Aaron Blake faszinierender als sein grüblerischer Zimmernachbar Greg Falkner. Doch mit Aaron zusammenzukommen, steht nicht gerade an erster Stelle auf Gregs Plan. Ein unerwarteter Vorfall bringt die beiden zusammen und ein einziger Kuss besiegelt ihre Liebe ... So möchte Greg, der ein erfolgreicher Drehbuchschreiber geworden ist, seine und Aarons Geschichte gern verfilmen. Und tatsächlich - in Hollywood zeigt man sich interessiert. Doch ist diese Geschichte mehr als ein Märchen? Greg und Aaron müssen herausfinden, ob sie die wahre Geschichte ihrer Vergangenheit neu schreiben können - oder ob es zu spät ist für eine Zukunft zusammen.
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Kapitel eins
November 2002
Mit Greg Falkners Temperament umzugehen, war so schwierig wie Surfen in einer Banzai Pipeline während eines nordpazifischen Sturms.
Fest mit den Füßen auf dem Surfbrett stehen – die Hüfte drehen, den Griff justieren – und man kommt möglicherweise am anderen Ende wieder heraus, ohne, dass man von der Welle mitgerissen wurde.
Sagte man das Falsche, wurde man schneller mitgerissen als eine Socke in einer Waschmaschinenladung und man endete in Stücke gerissen am Riff. Um Gregs willen hatte Aaron Blake bisher alles für die perfekte Welle riskiert.
Bis jetzt.
„Was meinst du damit, du möchtest verschiedene Limousinen nehmen?“ Aaron starrte über das blaue Wasser des Pazifiks. Wenn er den Blick auf seine neue Lieblingsaussicht beibehielt, verhinderte er möglicherweise, dass er seine Contenance verlor.
„Die Presse wird anwesend sein.“ Greg sprach zu ihm, als spräche er zu einem Fünfjährigen. „Sie werden Fotos machen. Fragen stellen.“
Ihre gesamte Beziehung zerrte … an Aaron wie eine außer Kontrolle geratene Welle – wenn er sich ihr trotz der Risiken näherte, würde er nach hintenüber fallen und sein Surfboard zerstören. Er warf einen wütenden Blick auf die Freisprecheinrichtung.
„Wann bist du wieder zurück in L.A.?“
„Am Morgen der Premiere.“
Schulterlange Strähnen verfingen sich in Aarons Verlobungsring und er zuckte zusammen. Er nahm die Hand aus seinem Haar und schaute auf seinen Laptop.
„Kannst du vorbeikommen?“
Er spielte an dem Platinring herum, besorgt.
„Wieso?“
„Weil, zum einen denke ich, dass du mich sehen willst, aber wenn das nicht Grund genug ist, dann, weil ich denke, dass wir miteinander reden sollten.“
Eine lange Pause entstand bis Gregs Antwort kam. „Worüber reden?“
„Uns.“ Da. Er hatte es gesagt.
„Was ist mit uns?“ Es war beeindruckend, wie deutlich man jemanden schlucken hören konnte über die vielen tausend Meilen entfernt.
„Greg, lass uns das nicht jetzt machen.“
„Bedeutet es dir wirklich so viel, dass wir im gleichen Auto ankommen?“
Das tat es, wenn er ehrlich war, aber das war nur die Spitze des Eisberges, die Aaron dazu brachte, sich in ihrer Beziehung zu distanzieren. Wider besseres Wissens gab er genau diese Antwort.
„Herrje, Aaron.“
„Ich habe es satt, dein kleines schmutziges Geheimnis zu sein.“
„Wa-was?“
Vielleicht sollte es ihm nicht eine solche Genugtuung bereiten, diese erstaunte Frage zu hören, aber es tat es.
„Du hast mich schon richtig verstanden.“
„Du bist nicht ein …ein schmutziges Geheimnis.“
„Was bin ich denn dann?“ Er stand auf und presste seine Stirn an das Fenster, fragte sich, ob all das Salzwasser der Welt das gähnende Loch in seinem Körper füllen könnte.
„Niemand außerhalb deiner beruflichen Karriere wusste, dass ich überhaupt existiere. Dass wir existierten.“ Sein Gebrauch der Vergangenheitsform blieb nicht unbemerkt. Zumindest nicht Greg.
„Du musst mir etwas mehr Zeit geben.“
„Wieviel Zeit brauchst du denn? Noch ein Jahrzehnt? Vielleicht zwei?“
„Bis zur Premiere“
Erstaunt stieß sich Aaron vom Fenster ab und starrte auf das Telefon. „Du versprichst mir, dass du nach der Premiere einziehst?“
Stille.
„Das dachte ich mir.“
„Ich – Scheiße. Sieh mal, Aaron, du musst mir vertrauen.“
„Ich versteh dich nicht.“ Aaron dachte an all die Zeiten, in denen er sich selbst belogen hatte und glaubte, er hätte Greg unter seiner Kontrolle. Er stieß ein bitteres Lachen aus.
„Ich werde das ganz und gar nicht tun.“
„Kannst du das? Mir bis zur Premiere vertrauen?“
„Soweit ich das sehe, gibt es keine Premiere.“
„Du kannst das nicht so meinen.“ Aaron merkte, wie Greg sich an ihn klammerte, und wären sie im gleichen Raum gewesen, hätte er versucht, die wachsende emotionale Distanz zu überbrücken.
„Ich wollte nicht, dass wir gemeinsam ankommen, da ich Angst hatte, sie würden …“
„Sie würden was?“
„Die Gerüchte - darüber, dass das Skript autobiografisch ist. Wenn wir gemeinsam angekommen wären, würden sie Verbindungen zwischen dir und Alan, der Figur, herstellen. Bist du dir sicher, dass du damit einverstanden bist?“
„Ist da eine Verbindung?“
„Du hast das Drehbuch gesehen.“
„Ich sah die ersten zwei Abschnitte, bevor du es mir aus den Händen gerissen hast!“ Aaron atmete tief durch und schwor sich, nicht die Stimme erneut zu erheben. Ich weiß, was die Öffentlichkeit weiß. No Apologies ist über zwei Männer, die ihre Sexualität auf der Militärschule entdecken. Du und ich waren nie auf einer Militärschule.“
„Du wirst meine offizielle Begleitung sein.“ Gregs versöhnlicher Ton überraschte ihn. „Wir werden gemeinsam ankommen.“
Aaron beobachtete, wie die Sonne auf den Schaumkronen der Wellen glitzerte und versuchte, seinen Ärger an sich abfließen zu lassen wie Wasser. Gregs Angebot war überraschend … für ihn.
„Du outest dich?“
„Nach dem Film, wie kann ich da nicht?“
„Gut.“
„Danke.“
„Ich sage nicht, dass wir zusammenbleiben.“
„Aaron …“ Gregs Stimme wurde leise und sexy. „Wir werden im Mondlicht ficken … am Strand … nach der Premiere.“
„Einen Teufel werden wir tun.“
„Was?“ Greg klang ein wenig verzweifelt. Ein wenig verrückt. „Du kannst nicht behaupten, es sei nicht mehr eine deiner liebsten Fantasien. Du wolltest das all die Jahre tun.“
Er hätte nichts Falscheres sagen können.
„Nicht mit dir.“ Aaron zuckte aufgrund der Flut an schmerzvollen Erinnerungen zusammen. „Nicht mehr.“
„Bitte.“
„Du hast deine Chance vertan, Greg.“ Aaron schaute ein weiteres Mal auf den Ring. „Keine leeren Versprechungen mehr.“
„Sie sind nicht leer.“
„Sie sind es für mich.“
„Aaron – “ Greg verschluckte sich an seinem Namen.
Hoffnung keimte in den Tiefen seiner Gedanken auf. Würde Greg sagen, dass es ihm Leid tat? „Was? Was könntest du mir noch sagen, was ich nicht schon bereits von dir gehört habe?“
Stille breitete sich zwischen ihnen aus.
„Ich sehe dich übermorgen“, sagte Greg schließlich.
Aaron schluckte seine Enttäuschung herunter, katalogisierte jedes Bruchstück davon, als sie seine Kehle runter in den Magen glitt. „Ja. Ich – wir sehen uns später.“ Er verhinderte sein gewohntes Ich liebe dich – eine unpassende Rührseligkeit angesichts der Umstände. Darüber hinaus hatte Greg nie adäquat darauf geantwortet.
„Wir sehen uns dann am Freitag.“
Aaron öffnete den Mund, um zu sagen, dass er das Ende der Beziehung bedauere, während sein Finger über dem Auflegen-Symbol schwebte – aber nach einer Pause legte er einfach auf.
Er hatte bereits genug gesagt. Die Premiere würde ihm eine Möglichkeit geben, die Probleme zu lösen, sodass beide ihrer Wege gehen konnten, wie sie es schon Jahre zuvor hätten machen sollen. Für Abschiede und Kummer war übermorgen noch genug Zeit.
* * *
Das Freizeichen tönte in der Stille von Gregs Park Plaza Hotelzimmer. Er starrte auf sein Telefon, versuchte, Aaron herbeizuzaubern. Was, wenn er ihn jetzt anrief? Was, wenn er die Worte sagte, die er sich wünschte zu hören?
Das Freizeichen wurde zu einem abgehackten Piepton.
Nein. Es würde nicht so einfach sein. Nicht dieses Mal. Das hier erforderte, dass er an allen Stopps hielt. Den ganzen Weg. Auch wenn es bedeutete, dass er ein wenig zu spät dran war.
Er legte auf und ging zum Fenster, verzweifelt Ordnung in seine Gedanken zu bringen. Wieso hatte er No Apologies geschrieben? Wieso hatte er Aaron nicht einfach gesagt, dass es im Leid tut. Ihm gesagt, wie er für ihn fühlt? Wieso musste er alles so schwierig machen?
Zehn Stockwerke unter ihm bewegten sich gelbe Taxis schleichend neben mit Scheuklappen versehenen Pferden, die die Touristen in den Central Park brachten. Alles sah so einfach aus. Bis man zu nah herankam.
Auf der Straße, wo die Leute Gesichter und Namen hatten, Stimmen und Fäuste, gab es eine Menge zu fürchten. Er erinnerte sich sehr deutlich an die höhnischen Worte, selbst zehn Jahre später. Schmerzhafte, hasserfüllte Dinge, die seine Klassenkameraden gesagt und getan hatten. Er hatte sich geschworen, sich oder Aaron nie wieder der Lächerlichkeit Preis zu geben. Nur um dann ein Drehbuch zu schreiben, das sie beide auf der Leinwand garantiert bloßstellte.
Wieso?
Er wollte auf seine Knie gehen und um Vergebung beten. Wenn er eine Peitsche hätte, würde er sich selbst geißeln.
„Denk dir etwas aus“, sagte er in seine Hände, dann ließ er sie fallen und schritt erneut durchs Zimmer. Ein Leben ohne Aaron stand ihm bevor. Diese Vorstellung ließ ihn würgen.
Er würde alles dafür gegeben, dass die Erde aufhörte, sich zu drehen, die sie beide mit der Zeit weiter und weiter auseinander driften ließ. Wenn er die Zeit zurückdrehen könnte, würde er alle abgefuckten, unangebrachten Dinge,...




