Archer | Ein echter Gentleman | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 214 Seiten

Archer Ein echter Gentleman

Stories | Hochkarätige Unterhaltung aus England: 11 Erzählungen des Sensationsautors
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98952-574-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Stories | Hochkarätige Unterhaltung aus England: 11 Erzählungen des Sensationsautors

E-Book, Deutsch, 214 Seiten

ISBN: 978-3-98952-574-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Elf brillante Geschichten des Bestsellerautors voll meisterhafter Wendungen und stilistischem Glanz: »Einer der zehn besten Geschichtenerzähler der Welt«, urteilt die Los Angeles Times. Ein notorischer Spieler bringt aus Geldnot eine chinesisches Familienerbstück unter den Hammer. Es ist das Geschäft seines Lebens ... Ein Backgammon-Ass tritt gegen einen allseits bekannten Pechvogel an - und wird von ihm geschlagen ... In den Wirren eines Staatsstreichs treffen zwei rivalisierende Geschäftsmänner aufeinander. Entgegen aller Wahrscheinlichkeit werden sie zu Freunden ... Von London bis China, von New York bis Nigeria - Jeffrey Archer nimmt uns in seinen Erzählungen mit auf eine Reise in die Welt der großen Coups und knallharten Geschäfte, wo Vermögen gewonnen und wieder verschwendet werden, der Ruf verloren und wiederhergestellt, und alte Bündnisse verraten und neu geschmiedet. Mit schriftstellerischer Brillanz und Liebe zum Detail zeichnet Archer ein packendes Bild der Reichen und Schönen mit all seinen Licht- und Schattenseiten.

Jeffrey Archer (geboren 1940 in London) ist ein britischer Bestsellerautor und gehört zu den erfolgreichsten Autoren der Gegenwart. Nach seinem Studium in Oxford schlug er eine bewegte unternehmerische und politische Karriere ein, die in einem Skandal endete. Nachdem er 2001 wegen Meineids inhaftiert wurde, wandte er sich voll und ganz der Schriftstellerei zu und hat seitdem zahlreiche internationale Bestseller geschrieben. Jeffrey Archer ist verheiratet, hat zwei Söhne und lebt in abwechselnd in London, Cambridge und auf Mallorca. Die Website des Autors: www.jeffreyarcher.com/ Der Autor bei Facebook: www.facebook.com/JeffreyArcherAuthor/ Der Autor auf Instagram: www.instagram.com/jeffrey_archer_author/ Bei dotbooks als eBook erhältlich sind seine hochkarätigen Anthologien »Der perfekte Dreh«, »Falsche Spuren«, »Ein echter Gentleman«, »Der gefälschte König« und »Verbrechen lohnt sich«. »Der perfekte Dreh« und »Falsche Spuren« sind auch als Hörbuch bei SAGA Egmont erhältlich. Außerdem erscheinen bei dotbooks der Thriller »Die Stunde der Fälscher« und der Kurzroman »Das Evangelium nach Judas«.
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Der Coup


Die blau-silberne Boeing 707 mit dem mächtigen P an der Höhenflosse kam am Nordende des internationalen Flughafens von Lagos zum Stillstand. Eine Flotte von sechs schwarzen Mercedes fuhr neben dem Flugzeug auf und wartete in einer Formation, die einem ans Ufer strebenden Krokodil glich. Sechs schwitzende uniformierte Chauffeure sprangen heraus und standen habtacht. Als der Fahrer des vordersten Wagens die Tür zum Fond öffnete, stieg Oberst Usman von der Bundeswacht aus und schritt eilig zur Gangway, die von vier Mann des Flughafenpersonals rasch an die richtige Stelle gerückt worden war.

Die vordere Kabinentür wurde nach innen gezogen, und der Oberst starrte auf die Öffnung. Vor dem Hintergrund des dunklen Flugzeuginneren sah er eine schlanke, attraktive Hostess in blauem Kostüm mit silbernen Biesen. Den Aufschlag ihrer Jacke zierte ein großes P. Sie wandte sich um und nickte jemandem im Kabineninneren zu. Wenige Sekunden später trat sie zurück, um einem untadelig gekleideten, hochgewachsenen Mann mit dichtem schwarzem Haar und dunklen Augen Platz zu machen. Der Mann besaß jenes Flair zwangsloser Eleganz, für das Selfmade-Millionäre einen beträchtlichen Teil ihres Vermögens gegeben hätten. Der Oberst salutierte, als Senhor Eduardo Francisco de Silveira, Chef des Prentino-Imperiums, ihn mit einem kurzen Nicken grüßte.

De Silveira trat aus der Kühle seiner vollklimatisierten 707 in die sengende nigerianische Sonne, ohne das leiseste Anzeichen von Unbehagen zu zeigen. Der Oberst geleitete den großen, eleganten Brasilianer, der nur von seinem Privatsekretär begleitet wurde, zu dem vordersten Mercedes, während die übrigen Mitglieder der Prentino-Mannschaft einer nach dem anderen die Maschine über die hintere Gangway verließen und in den restlichen fünf Autos Platz nahmen. Der Chauffeur, ein Korporal, der dem Ehrengast rund um die Uhr zur Verfügung stehen sollte, riß den hinteren Wagenschlag auf und salutierte. Er lächelte nervös und entblößte dabei das gewaltigste weiße Gebiß, das der Brasilianer je gesehen hatte.

»Willkommen in Lagos«, sagte der Korporal ehrerbietig. »Hoffe, Sie werden machen sehr großes Geschäft in Nigeria.«

Eduardo antwortete nicht; er lehnte sich in seinem Sitz zurück und starrte durch die getönte Scheibe, um einige Passagiere einer Boeing 707 der British Airways zu beobachten, die unmittelbar vor ihm gelandet waren. Sie standen in einer langen Schlange auf der heißen Rollbahn und warteten geduldig auf die Zollabfertigung. Der Fahrer legte den ersten Gang ein, und das schwarze Krokodil setzte sich in Bewegung. Oberst Usman, der nun vorne neben dem Korporal saß, entdeckte bald, daß der brasilianische Gast keinen Wert auf Smalltalk legte, und der Sekretär der neben seinem Chef saß, machte kein einziges Mal den Mund auf. Der Oberst, gewöhnt, sich an Vorbilder zu halten, schwieg also und überließ de Silveira seinen Gedanken an die geplante Aktion.

Eduardo Francisco de Silveira war in dem kleinen Dorf Rebeti, etwa hundertsechzig Kilometer nördlich von Rio de Janeiro, zur Welt gekommen, und Erbe eines der beiden größten Familienvermögen Brasiliens. Er war in Schweizer Privatschulen erzogen worden, ehe er an die University of California in Los Angeles kam, um seine Ausbildung dann an der Harvard Business School abzuschließen. Danach kehrte er aus Nordamerika nach Brasilien zurück, wo er in der familieneigenen Firma weder ganz oben noch ganz unten in der Firma, sondern in einer mittleren Stellung, als Manager der Bergwerke von Minas Gerais, zu arbeiten begann. Binnen kürzester Zeit stieg er in eine Spitzenposition auf, sogar noch rascher, als sein Vater es geplant hatte, doch inzwischen hatte sich herausgestellt, daß der Junge nicht bloß ein Zweiglein, sondern ein regelrechter Hauptast vom alten Stamm war. Mit neunundzwanzig heiratete er Maria, die älteste Tochter des besten Freundes seines Vaters, und als sein Vater zwölf Jahre später starb, folgte ihm Eduardo auf dem Thron des Prentino-Imperiums nach. Insgesamt gab es sieben Söhne: der zweite, Alfredo, übernahm nun die Bankangelegenheiten; João kümmerte sich um das Transportwesen; Carlos organisierte die Bauvorhaben; Manoel übernahm den Nahrungs- und Versorgungssektor; Jaime leitete den Zeitungskonzern der Familie, und der kleine Antonio, der letzte – und das war er in jeder Hinsicht –, führte die landwirtschaftlichen Betriebe. Bevor sie irgendeine bedeutendere Entscheidung trafen, kamen alle Brüder zu Eduardo, denn er war immer noch der Chef des größten Privatunternehmens in Brasilien, trotz der überheblichen Behauptungen des alten Erzfeindes der Familie, Manuel Rodrigues.

Als 1964 durch General Castelo Brancos Militärregime die Zivilregierung gestürzt wurde, waren sich die Generäle einig, daß sie nicht sämtliche Silveiras oder Rodrigues umbringen konnten, und daher versuchen mußten, mit den beiden rivalisierenden Familien auszukommen. Die de Silveira ihrerseits waren immer vernünftig genug gewesen, sich nie in die Politik hineinziehen zu lassen, außer durch Zahlungen an Regierungsbeamte (gleichgültig, ob sie einer zivilen oder einer Militärregierung angehörten), wobei die Höhe des Betrages sich nach dem Rang des jeweiligen Politikers richtete. Diese Methode garantierte, daß das Prentino-Imperium wuchs und gedieh, unabhängig davon, welche Partei an die Macht gelangte. Einer der Gründe, warum Eduardo de Silveira in seinem übervollen Terminkalender drei Tage für den Besuch in Lagos frei gehalten hatte, war der Umstand, daß das nigerianische Regierungssystem dem brasilianischen so ähnlich zu sein schien, und zumindest bei diesem Projekt hatte er Manuel Rodrigues erfolgreich den Boden unter den Füßen weggezogen – was eine mehr als angemessene Entschädigung dafür war, daß er das Flughafen-Projekt von Rio an ihn verloren hatte. Eduardo lächelte bei dem Gedanken an Rodrigues, der keine Ahnung hatte, daß er sich in Nigeria aufhielt, um einen Handel abzuschließen, der ihn zweimal so groß machen konnte wie seinen Rivalen.

Während der schwarze Mercedes sich langsam durch die von Menschen wimmelnden, lärmerfüllten Straßen bewegte, ohne rote oder grüne Verkehrsampeln zu beachten, dachte Eduardo zurück an seine erste Begegnung mit General Mohammed, dem nigerianischen Staatsoberhaupt, anläßlich eines offiziellen Besuchs des Generals in Brasilien. Bei dem Abendessen zu Ehren General Mohammeds gab Präsident Ernesto Geisel in seiner Tischrede der Hoffnung Ausdruck, die beiden Länder würden zu einer engeren Zusammenarbeit in Politik und Handel finden. Eduardo stimmte mit seinem nicht gewählten Staatspräsidenten überein, dem er bereitwillig die Politik überließ, solange ihm dieser die Möglichkeit gab, geschäftlich voranzukommen. General Mohammed antwortete auf englisch, mit einem Akzent, den man normalerweise nur mit Oxford in Verbindung bringt. Der General sprach ausführlich über jenes Projekt, das ihm besonders am Herzen lag, nämlich die Errichtung einer neuen nigerianischen Hauptstadt in Abuja, einer Stadt, die seiner Meinung nach sogar mit Brasilia konkurrieren konnte. Nach den Tischreden zog der General de Silveira zur Seite, beschrieb ihm das Projekt Abuja genauer und fragte ihn, ob er ein privates Angebot in Erwägung ziehen würde. Eduardo lächelte und wünschte bloß, sein Feind Rodrigues wäre Zeuge der vertraulichen Unterhaltung, die er mit dem nigerianischen Staatsoberhaupt führte.

Eduardo studierte gewissenhaft die Planskizzen, die ihm eine Woche nach der Rückkehr des Generals nach Nigeria zugesandt worden waren, und erfüllte dessen erste Bedingung, indem er ein siebenköpfiges Team abkommandierte, das nach Lagos fliegen und das Projekt auf seine Durchführbarkeit überprüfen sollte.

Einen Monat später wurde ihm der detaillierte Bericht des Teams vorgelegt, und Eduardo kam zu dem Schluß, daß der voraussichtliche Ertrag aus dem Projekt ein komplettes Angebot an die nigerianische Regierung wert wäre. Er trat persönlich mit General Mohammed in Verbindung, stellte fest, daß dieser in allen Punkten einverstanden war, und gab seinen Leuten dann grünes Licht. Diesmal wurden dreiundzwanzig Mann nach Lagos geschickt, und drei Monate später unterschrieb Eduardo ein hundertsiebzig Seiten starkes Dokument, das den Titel »Eine neue Hauptstadt für Nigeria« trug. Er veränderte dieses Abschlußdokument nur in einem Punkt: Das in blau und silber gebundene Angebot mit dem Prentino-Signet in der Mitte ließ Eduardo in Grün und Weiß, den nigerianischen Nationalfarben, binden und diesen neuen Umschlag zierte nun das Staatsemblem Nigerias, ein Adler, der rittlings auf zwei Pferden sitzt. Er hatte erkannt, daß es solche Kleinigkeiten waren, die auf Generäle Eindruck machten und oft den Ausschlag gaben. Zehn Kopien der Studie über die Durchführbarkeit des Projekts schickte er, zusammen mit einer Rechnung über eine Million Dollar, an Nigerias Staatschef.

Nachdem General Mohammed das Angebot geprüft hatte, lud er Eduardo de Silveira ein, als sein Gast nach Nigeria zu kommen, um die nächste Etappe des Projekts zu besprechen. De Silveira sagte per Telex vorläufig zu, wobei er höflich, aber bestimmt darauf hinwies, daß man ihm die eine Million Dollar noch nicht erstattet hätte, die er für die Projektstudie ausgelegt hatte. Das Geld wurde ihm postwendend von der Central Bank of Nigeria überwiesen, und de Silveira gelang es, in seinem Terminkalender vier aufeinanderfolgende Tage für das »Neue-Hauptstadt-Projekt« unterzubringen: sein Zeitplan sah vor, daß er an einem Montagmorgen in Lagos ankam, da er spätestens Donnerstag abend in Paris sein mußte.

Während sich Eduardo all dies durch den Kopf gehen ließ, fuhren die Mercedes-Wagen vor den Dodan Barracks vor. Das Eisentor öffnete sich, und ein Wachtposten in...



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