E-Book, Deutsch, Band 38, 192 Seiten
Reihe: Cupitora
Anonym Venus in Indien
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-95841-774-8
Verlag: BEBUG
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Teil 1
E-Book, Deutsch, Band 38, 192 Seiten
Reihe: Cupitora
ISBN: 978-3-95841-774-8
Verlag: BEBUG
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein offenherziger Roman in zwei Teilen nach einem unveröffentlichten Privatmanuskript aus den Goldenen Zwanzigern, versehen mit zehn appetitlichen Abbildungen unzweideutiger Art.
Ein offenherziger Roman in zwei Teilen nach einem unveröffentlichten Privatmanuskript aus den Goldenen Zwanzigern, versehen mit zehn appetitlichen Abbildungen unzweideutiger Art.
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Der Krieg in Afghanistan näherte sich schon dem Ende, als ich plötzlich Order bekam, mich sofort von England zum 1. Bataillon meines Regimentes zu begeben, das dort im Einsatz stand. Ich war frisch gebackener Captain und seit anderthalb Jahren auch glücklicher Ehemann. Der Schmerz, den es mir bereitete, mein Weib und mein Töchterchen verlassen zu müssen, war größer, als ich zu beschreiben vermag, aber wir kamen überein, dass es besser für uns alle sei, sie erst dann nach Indien nachkommen zu lassen, wenn wir genau wussten, wo mein Regiment nach seiner Rückkehr aus der Berg- und Felsenödnis Afghanistans in der fruchtbaren Ebene Hindustans seinen festen Standort nehmen würde. Außerdem war gerade die heißeste Jahreszeit; nach Indien ging jetzt nur, wer unbedingt musste, und für eine zarte Frau und ein kleines Kind war dieses sengende Klima wahrhaftig kein Reisewetter. Vielleicht konnten sie auch gleich daheim bleiben, denn mir war ein Posten im Heimatstab versprochen worden, doch erst einmal musste ich natürlich zu meinem Regiment und Bataillon. Verdrießlich war das Ganze dennoch, da der Krieg ja schon fast beendet war und ich viel zu spät kommen würde, um mir Ruhm oder Auszeichnungen zu erwerben, andererseits aber sehr wahrscheinlich noch ein gut Teil von den Strapazen der Kampagne mitmachen musste; ist Afghanistan doch ein raues, um nicht zu sagen wildes und unwirtliches Land, wo mir durchaus blühen konnte, dass mir hinterrücks ein Afghanendolch zwischen die Rippen fuhr, statt dass ich eines glorreichen Todes auf dem Schlachtfelde starb.
Alles in allem schienen also meine Aussichten nicht eben rosig zu sein, aber mir blieb nichts anderes übrig, als dem Befehl nachzukommen und abzureisen, was ich dann auch mit so viel Fassung wie möglich, doch sehr schweren Herzens tat.
Die traurigen Einzelheiten des Abschiedes von meiner Frau möchte ich dem Leser ersparen. Ich gelobte ihr keine Treue; der Gedanke, dass dies nötig sein könnte, kam weder ihr noch mir, denn obwohl ich seit jeher von jenem Temperament war, das die Venusgöttin so schätzt und vor meiner Heirat die Freuden der Liebe mit großem Glück genossen hatte, war ich dennoch, wie ich glaubte, ruhiger und ein braver Ehemann geworden, dessen Wünsche niemals aus dem eigenen Bett hinausirrten, da mein holdes und hingebungsvolles Weib stets bereit war, meine glühenden Liebkosungen mit nicht minder glühenden Liebkosungen zu erwidern; und ihre Reize, in all ihrer jugendlichen Frische und Schönheit, hatten ihre Wirkung auf mich noch kein bisschen verloren, sondern schienen immer größer und gewaltiger zu werden, je mehr ich in ihrem Besitz schwelgte. Denn du musst wissen, geneigter Leser, meine Louie war die Leidenschaft selbst; sie gehörte nicht zu jenen Ehefrauen, die sich den Zärtlichkeiten ihrer Männer teilnahmslos unterwerfen, weil dies ihre Pflicht ist und zwar eine, der man nicht mit Vergnügen oder Freude, sondern mehr wie eine Art Buße nachkommt! Nein, bei ihr gab es kein: »Ach, nicht doch! Lass mich heut mal schlafen, Liebster. Wir haben doch erst gestern Nacht zweimal und ich kann mir nicht vorstellen, dass du schon wieder willst. Sei gefälligst etwas züchtiger und behandle mich nicht, als wäre ich dein Spielzeug. Nein! Nimm deine Hand weg! Lass mein Nachthemd unten. Ich muss sagen, es ist geradezu unanständig, wie du dich benimmst!« und so weiter, bis die Beharrlichkeit ihres Mannes sie so weit erschöpft, dass sie meint, am raschesten könne sie noch ihre Ruhe finden, indem sie ihm seinen Willen lasse, und ihm also mürrisch gestattet, ihre Scham zu entblößen, unwirsch die Schenkel öffnet und wie ein gefühlloser Klotz daliegt, unempfänglich für all seine Bemühungen, aus ihrer Eiseskälte einen Funken Vergnügen herauszuschlagen. O nein, bei meiner Louie war das ganz anders; Liebkosung wurde mit Liebkosung beantwortet, Umarmung mit Umarmung. Jedes süße Opfer wurde noch süßer als das vorangegangene, weil sie all seine Freuden und Wonnen voll genoss! Von einer solchen Frau zu viel zu bekommen ist fast unmöglich, und auch Louie schien es für gänzlich ausgeschlossen zu halten, jemals von mir zu viel zu bekommen! Bei ihr hieß es: »Noch mal, Liebling! Ein einziges, ganz kleines Mal noch! Es tut dir bestimmt gut – und mir auch!«, und es hätte seltsam zugehen müssen, wenn der Zauberstab, den ihre Hand zärtlich umschlossen hielt, auf ihre Liebkosungen hin nicht wieder stark und kräftig wurde und abermals selige Wonne in den tiefsten Tiefen des vor Erwartung bebenden Tales hervorzauberte, zu dessen Glückseligkeit er eigens da war, eines Tales, in dem sich wahrlich der Tempel der Liebe befand.
Ach, meine geliebte Louie, als ich mich aus deiner leidenschaftlichen Umarmung löste, da ahnte ich wenig, dass zwischen deiner pochenden Scheide und meinem Schwert im fernen, schwülen Indien andere sinnliche Frauen auf mich warteten, deren herrlich nackte Liebreize meine Lagerstatt bilden und deren kosende Glieder mich in Verzückung umschlungen halten sollten, bevor ich mich endlich wieder zwischen deinen geliebten weichen Schenkeln fand! Es ist auch am besten, dass du gar nichts davon weißt, denn wer würde nicht all die schrecklichen Dinge kennen, zu denen verzehrende Eifersucht führen kann? Dank sei der gütigen Venus, dass sie eine gewaltige Wolke schickte und meine Spiele mit den Nymphen verbarg, so wie einst auch der große Jupiter vor den Augen der Götter und Menschen verborgen ward, als er sich an grünen Bergabhängen mit holden Maiden verlustierte, menschlichen wie göttlichen, auf deren aufreizende Möschen er es abgesehen hatte.
Aber es wird Zeit, wieder zur Erde herunterzukommen und meine Geschichte in einer dieser gewöhnlichen Welt angemesseneren Form zu erzählen. Ich fürchte, lieber Leser, dass ich bereits insofern vom schicklichen Wege abgeschritten bin, indem ich dein züchtiges Auge womöglich schockiert habe mit dem Namen des süßesten aller weiblichen Körperteile, den weder Bildhauer noch Maler in ihren Werken darstellen und der selten öffentlich genannt wird, es sei denn vom vulgären Plebs; dennoch muss ich um deinen Pardon bitten und um deine Erlaubnis, ihn hier aus meiner Feder fließen zu lassen, andernfalls ich es schwierig fände, all die Freuden und Genüsse, in denen ich während meiner fünf glücklichen Jahre in Hindustan schwelgte, richtig und in ihrer ganzen Wonne zu beschreiben. Wenn du gescheit bist, wenn du deine Sinne gern ein bisschen aufkitzeln lässt, wenn dir die gewöhnlich verhüllten Szenen und Geheimnisse ekstatischer Liebeskämpfe, der Erfüllung heißen Verlangens, der Genüsse glücklich Liebender einiges Vergnügen bereiten, dann stell dir einfach vor, dass deine hingerissenen Augen wohl diesen Körperteil sehen, nicht aber die Haupt- und Tätigkeitswörter dafür, die zu benutzen ich hier nicht umhin kann.
Es war Mitte August, als ich in Bombay ankam, der majestätischen Hauptstadt von Westindien. Die Überfahrt war ereignislos verlaufen. Ich hatte nur wenige und uninteressante Mitpassagiere gehabt, fast alles ältere Beamte und Offiziere, die nach einem kurzen Zwischenspiel richtigen Lebens in der Heimat unwillig zu ihren Arbeitsstätten in diesem heißen Lande zurückkehrten. Es war nicht die Jahreszeit, in der flotte, junge Damen nach Indien reisen, jede mit der Hoffnung im Herzen, dass ihr wohlgerundeter Schoß, ihre vor Gesundheit glühenden Wangen und ihre Jugendfrische ihr einen Ehemann einfangen können. Wir waren eine recht gesetzte Gesellschaft: Einige hatten gleich mir junge Frauen daheim gelassen, andere wurden von den ihrigen begleitet. Nahezu alle befanden sich in einem Alter, da die Zeit die brennende Glut der Leidenschaft schon stark gelöscht hatte und da ihnen, wenn sie sich zur Nachtruhe begaben, vielleicht erst als letzter Gedanke einkam, sich der neben ihnen liegenden Reste einstiger Schönheit zu bedienen. Als wir schließlich von Bord gingen, hatte ich das Gefühl, alle Liebe, alle Leidenschaft und alle Begierde bei meiner geliebten, kleinen Frau in England zurückgelassen zu haben und obwohl schon bei der Landung meine Augen nicht anders konnten, als die nahezu nackten, anmutigen Reize indischer Mädchen, die ihre Wasserkrüge trugen, sogleich zu bemerken, ließ dabei kein Funke des Verlangens mein Blut einen Augenblick lang schneller fließen oder kam mir auch nur für eine Sekunde der Gedanke, dass ich jemals Vergnügen suchen könnte in den Umarmungen einer anderen Frau. Und doch kam es schon innerhalb kurzer zehn Tage dazu! Wahrlich, der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach! Sagen wir lieber so: Der Geist mag willig sein, doch wenn sich das Fleisch in all seiner gewaltigen Kraft erhebt, ist nicht dagegen anzukommen – jedenfalls habe ich das so festgestellt! Und nun, geneigter Leser, bist du sicher schon neugierig zu erfahren, wer es denn war, der mein Fleisch dazu brachte, dass es sich erhob und ob ich seinen gebieterischen Forderungen jenen Widerstand entgegensetzte, wie er sich für den Ehemann einer solchen Louie, wie der meinen, gehörte.
Vom Generaladjutanten erfuhr ich, dass mein Bestimmungsort Cherat sei, ein ziemlich kleines Truppenkantonnement, irgendwo ganz oben auf jener Bergkette gelegen, die die südliche Grenze des Tales von Peshawar bildet und nach dem mir Ermächtigungsausweise für die Eisenbahn über Allahabad nach der provisorischen Station Jhelum und für die Relaispost von dort nach Cherat selbst ausgeschrieben worden waren, traf ich meine Vorbereitungen für die noch vor mir liegende, lange Reise und neben etlichen anderen geistigen und leiblichen Notwendigkeiten kaufte ich mir ein paar französische Romane. Einer davon war jenes Meisterwerk erotischer Salonliteratur, »Mademoiselle de Maupin« von Théophile Gautier. Ohne die in diesem herrlichen Prosagedicht gemalten, flammenden Bilder der Liebe und...




