E-Book, Deutsch, Band 29, 240 Seiten
Reihe: Cupitora
Anonym Jungmädchenträume
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-95841-755-7
Verlag: BEBUG
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein unverkrampfter Roman nach einem zensierten Typoskript von 1922, versehen mit etlichen unzweideutigen Zeichnungen
E-Book, Deutsch, Band 29, 240 Seiten
Reihe: Cupitora
ISBN: 978-3-95841-755-7
Verlag: BEBUG
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein unverkrampfter Roman nach einem zensierten Typoskript von 1922, versehen mit etlichen unzweideutigen Zeichnungen
Ein unverkrampfter Roman nach einem zensierten Typoskript von 1922, versehen mit etlichen unzweideutigen Zeichnungen
Autoren/Hrsg.
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Der Mädchen Träume und Sehnsucht
Es ist früh 5 Uhr eines wunderschönen Sonntags im Mai.
Freundlich strahlt die liebe Sonne in das Dachstübchen eines dreistöckigen Hauses in einer der Vorstädte Leipzigs, der bescheidenen Messwohnung zweier allerliebsten Mädchen, die aus dem nahen Städtchen Pegau gekommen sind, um die Erzeugnisse ihrer fleißigen Hände zu verwerten.
Beide sind von hoher Schönheit und erregen sowohl durch diese, wie durch ihre frappante Ähnlichkeit, die sich bis auf den kleinsten Punkt erstreckt, die allgemeine Bewunderung der jungen und alten Männerwelt.
Sie haben unweit des Rossplatzes eine Bude, wohl passender einen Stand zu nennen, beim Beginn der Messe gemietet und bieten als die reizendsten Verkäuferinnen von der Welt der sie umgebenden Menge Männer- und Frauenhemden, Vorhemdchen, Kragen, Manschetten und eine Auswahl feinerer und gröberer Wäsche zum Ankauf dar.
Alt und Jung, Vornehm und Gering bleibt stehen und gafft das schöne Schwesternpaar an, teilnehmend und neugierig, bewundernd und doch auch wiederum neidisch; denn sie waren wirklich gar zu hübsch, als dass nicht verblühte übel wollende Frauen und Jungfrauen den grimmigsten Neid empfunden hätten.
»Es sind Göttermädchen!«, zischeln die in Menge herumstehenden jungen Stutzer, »ja, bei Gott, es sind wahre Engel!«, flüstern die bejahrten Herren ihnen nach, »wie frisch und gesund! wie appetitlich!« und sie werfen sich alle bedeutsame Blicke zu und reiben mit innigem Wohlbehagen die Hände.
»Die Mädchen sind zwar nicht übel«, raunten sich einige schon ältliche und deshalb neidische Damen einander zu, die ebenfalls von dem Rufe der merkwürdigen Schönheit dieser Mädchen angelockt, sich hier eingefunden hatten, doch ein so großes Aufheben, das von ihrer Schönheit gemacht wird, verdienen sie doch nicht; in unserer Jugend waren auch wir recht …«
»Ja, wenigstens nichts Feines«, warf eine andere, dem Anschein nach vornehme Dame ein, während die Erstere ihre Rede nicht vollendete, in rühmlicher Bescheidenheit ihre verblühte Schönheit nicht zu loben, – »ja, wenigstens nichts Feines sehe ich an ihnen; sie sind beide jung und gesund und weiter nichts!«
»Ja wohl, ja wohl nichts weiter!«, nickten die andern beifällig, »und wie es mit ihrer Sittlichkeit stehen wird, nun ja, das wollen wir dahingestellt sein lassen!«
»Ganz recht, dass glaube ich auch ganz gewiss«, erwiderte die vornehme Dame mit einem boshaften Seitenblicke, indem sie eben bemerkte, wie ein wunderhübscher Student in blauer Schnurenpiquesche, weißen Lederhosen und hohen Reiterstiefeln etwas kaufte, und dann dem einen Mädchen einen feurigen, verliebten Blick zuwarf, »die Messe liefert uns viel derartiges Messgut; die Männer sind dann wie versessen und wir armen Frauen haben dann nur darunter zu leiden.«
Eine der Sprecherin nebenstehende, bleiche, vollbusige Frau, deren Kleidung auch den höheren Stand verriet, und die sich ebenfalls in den mittleren Jahren befand, errötete ein wenig über diese unzarte Äußerung; doch die Erinnerung an die erwähnte, den Frauen so fatale Enthaltsamkeit schien auch auf sie den unangenehmsten Eindruck zu machen.
»Wohl wahr«, seufzte sie daher halblaut, »und wer weiß, ob nicht mein Mann auch schon – er ist ja stets so liberal –«
Auch sie vollendete ihre Rede nicht, doch der Zorn, der gewaltige Zorn über die Möglichkeit der ehelichen Einbuße drückte sich deutlich auf ihrem sich rötenden Antlitze aus, und sie schleuderte wütende Blicke auf die reizenden Verkäuferinnen.
»Wäre aber mein Verdacht gegründet!«, schluchzte sie dann fast unhörbar, »so kratze ich beiden die schwarzen Augen aus; ich werde von jetzt an genau Achtung geben und dann wehe ihm und euch!«
Arme Mädchen! Ihr steht in einem übeln Verdachte, und doch seid ihr unschuldig, so unschuldig wie die jungen Täubchen. Es ist nicht wahr, was die neidischen Frauen denken; denn noch kein männliche Frechheit hat euch entweiht, und ihr seid noch unberührte, reine Jungfrauen. Eure Schönheit nur ist euer Fehler, und dieser Fehler ist groß, ja ungeheuer in den Augen neidischer, missgünstiger Frauen, die gern und mit der größten Gefahr noch sündigten, wenn sich nur irgendwo ein bereitwilliges Werkzeug dazu fände.
Arme, arme Mädchen! Ihr seid wahrhaftig zu beklagen; denn eure Mienen, eure geringsten Bewegungen werden mit lüsternen und neidischen Augen bewacht, und eure freundlichen, bittenden Worte stets anders gedeutet und rücksichtslos verdammt. Und doch ist es nur der elende Bissen Brot, der euch nötigt, hier gleichsam am Pranger zu stehen! Und euer Verdienst ist doch nur so gering! Wie viele schlaflose Nächte habt ihr bei dem angestrengtesten Fleiße verbracht, um so viel Waren zu schaffen, die den drückenden Verbindlichkeiten für Miete, Holz, Licht und Nahrung abhelfen sollen. Die Zeiten sind ja so traurig, der Begehr so wenig, der Ware so viel!
Ach ja! ihr fühlt recht wohl das Traurige eures Geschicks; denn der Tag wird euch zu lang und ihr ermattet bei dem ewigen Anpreisen euerer Ware. Ihr sehnt den Abend herbei, um mit ihm die Ruhe, die Einsamkeit zu finden, und noch mehr die Nacht für die freundlichen, beglückenden Träume.
Denn Träume zu haben ist kein Verbrechen, und ihr seid dann allein mit euch und vielleicht auch mit dem Gegenstande beschäftigt, dem ihr eure Liebe, eure keusche Liebe zu weihen gedenkt.
Hat euch wirklich noch kein Mann gefesselt?
Ihr habt viele lockende Anfechtungen überstehen müssen; und wie könnte dies auch wohl anders sein, mitten in einer so reichen und üppigen Stadt, wo die Zahl der schönen Lüstlinge so groß und das Geld zu diesem Zwecke so flüssig ist.
Doch verliebt seid ihr auch und für Schmeicheleien empfänglich; das könnt ihr mir nicht leugnen, denn ich habe euch scharf beobachtet, bin ein alter Praktikus in Liebesangelegenheiten und täusche mich so leicht wohl nicht. Darum nehmt euch in acht! Auch an euch, kommt die Reihe; denn der kleine Liebesgott ist schelmisch und boshaft, und kein Mädchen, vorzüglich kein schönes, kann ihm widerstehen.
Ihr seid jetzt mannbar geworden und habt heißes Blut, der Reiz der Liebe ist lockend, bisweilen gewaltig und furchtbar, zumal wenn der gewandte, begünstigte Liebhaber euch listig naht, und auch ihr den süßen Genuss wünscht, den die Natur so mächtig, so unwiderstehlich in euch legte.
Oder seid ihr schon gefallen? Ist die Blüte der Jungfräulichkeit von euch bereits abgestreift?
Doch dem widerspricht euer Auge, euer ganzes Benehmen.
Denn dann wäret ihr nur feine, listige Coquetten und verständet euch prächtig auf euer Geschäft!
Nein, nein, dies ist nicht der Fall, aber der gestrige Tag ist der Tag der Entscheidung gewesen; Amor schwirrte seine Pfeile ab und sie haben nur zu tief getroffen.
Ihr armen, und wieder ihr so glücklichen Mädchen! Ihr erblicktet zwei Jünglinge, deren Schönheit und liebeflüsternde Worte euch das ungestüm pochende Herzchen bestachen, und deren liebes Bild euch auch im Traume nicht verlässt.
O! könnten wir die Träume aller jungen Mädchen belauschen, wie vielen süßen Geheimnissen würden wir auf die Spur kommen!
Die Glocke schlägt 5 Uhr.
Die beiden Mädchen schlafen den süßesten Schlaf von der Welt.
Jettchen, die ältere Schwester, zählt 19, Julie, die jüngere, fast 17 Jahre. Beide sind hoch, und schlank gewachsen mit rabenschwarzem Haar und Auge weißem Teint und blühendroten Wangen, Zähnen weiß wie Elfenbein, langem weißen zierlichen Halse vollem elastischen Busen und herrlichen, alabasternen Armen und Händen, – und Füßchen so knapp und rund, dass sie wie aus Marmor gemeißelt zu sein scheinen; beide Gestalten, so zart und doch so üppig dass man bei dem Anblick der lieben Kinder sich der meisterhaften Abbildungen der Göttinnen Altgriechenlands erinnert.
Sie schlafen beide sanft und süß, trotzdem die Glocke schon 5 Uhr geschlagen hat.
Die Messe ist nicht gut, der Absatz gering. Sie verschlafen die Sorgen und träumen dafür süß, liebliche Träume.
Beim Zeus! Der Schlaf ist besser wie das Wachen.
Aber ihr faulen, träumenden Mädchen, stehet doch endlich einmal auf; es ist fast 6 Uhr! Nehmet eure Arbeit zur Hand und lasst die Nadel lustig fliegen, wenn es noch zu früh ist an das Anpreisen eurer Ware zu eilen!
Ach lasse doch den armen Mädchen noch den kurzen Schlaf. Est ist ja Sonntag und sie haben noch gestern Abend bis tief in die Nacht hinein sehr fleißig gearbeitet und bei und nach der Arbeit an so vieles gedacht. Die erste Liebe ist ja so unerschöpflich im Reden und Loben. Und nähen, immer nähen, waschen und plätten ist doch gar zu langweilig, und die jungen lieb- und lebenskräftigen Mädchen mit der schlanken Taille, mit den küsslichen Lippen und wogenden Busen finden die weiblichen Arbeiten auch gar nicht wichtig genug, um sich den süßen Schlaf und das angenehme Träumen rauben zu lassen.
Denn Jettchen träumt von dem schönen Studenten, auf den die alte Dame so neidisch war, der, als er nochmals ein Dutzend feine Strümpfe gekauft, bei dieser Gelegenheit sie unter das Kinn gefasst und seine Lippen, trotz, ihrer mächtigen Abwehr, auf die ihrigen gepresst hat.
Und Julien schwebt das Bild des schelmischen Handlungsdieners vor, mit seinen knappen Beinkleidern, starker, breitschulteriger Brust, blondlockigem Haar und Bart und freundlichen blauen Augen, der, als er ebenfalls ein halbes Dutzend Vorhemden kaufte, es sich unbescheiden genug erlaubte, seine Hand um ihre Taille und an ihren ängstlich klopfenden Busen, zu legen – und...




