Anja Lehmann / Lehmann | Erbe der Ahnen | Buch | 978-3-96698-847-6 | www2.sack.de

Buch, Deutsch, Band 3, 352 Seiten, Format (B × H): 216 mm x 140 mm, Gewicht: 495 g

Reihe: Ahnentrilogie

Anja Lehmann / Lehmann

Erbe der Ahnen

Teil 3 der Ahnentrilogie
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-96698-847-6
Verlag: Nova MD

Teil 3 der Ahnentrilogie

Buch, Deutsch, Band 3, 352 Seiten, Format (B × H): 216 mm x 140 mm, Gewicht: 495 g

Reihe: Ahnentrilogie

ISBN: 978-3-96698-847-6
Verlag: Nova MD


„Erbe der Ahnen“ ist das spannende Finale der historisch geprägten Fantasyreihe um den jungen Gladiator Alessandro, der durch den bösen Zauber der Druidin Silvana unsterblich ist.

Während der Auftackt der Reihe „Blut der Ahnen“ in der römischen Antike spielt und der zweite Band „Rache der Ahnen“ sich um die historische Person Graf Dracula handelt, vollzieht sich der Showdown in der nahen Gegenwart.

Silvana und Alessandro begegnen sich ein letztes Mal. Die Druidin hat einen todbringenden Virus auf die Menschheit losgelassen und Alessandro ist der Einzige, der sie aufhalten kann.

Eine neuentflammte Liebe könnte ihm dabei helfen, oder ihn für immer vernichten.

Anja Lehmann / Lehmann Erbe der Ahnen jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


PROLOG?DEATH VALLEY, NEVADA

Ein trockener Wind wehte uber das Gelande mitten in den unendlichen Weiten des Death Valley. Das aufge- hende Sonnenlicht reflektierte die schwarzglanzenden Solarzellen, die an jedem freien Platz auf den Dachern der Gebaude angebracht waren. Ein weiterer heißer Tag brach an, als sich Silvana den Stallen zuwandte. Schon von außen konnte sie das vertraute Quieken vernehmen. Fast meinte sie, dass es heute noch lauter und erbarmli- cher klang als sonst, wenn sie dem Schweinestall einen seltenen Besuch abstattete. Kleine Tiere sind so gut darin, ihrem Instinkt zu vertrauen. Es ist nur gerechtfertigt, dass sie Angst haben. Das Lacheln, das sich auf ihrem Gesicht ausbreitete, war etwas Mechanisches. Sie hatte stunden- lang vor dem Spiegel geubt, um ihrem Gesicht ein kleines bisschen Menschlichkeit zu verleihen, nur so viel, dass die wenigen wichtigen Leute ihr vertrauten. Quietschend glitt die Stallture beiseite, einen dunnen Schlitz breit, sodass sie hindurch passte. Obwohl Haus- meister Will sehr zuverlassig dafur sorgte, dass der Stall sauber war, stank es nach Tier. Silvana rumpfte die Nase, nahm ihre Sonnenbrille ab und schaltete das Licht ein. Was fur ein Segen das kunstliche Licht war! Seit ihrer dunkelsten Zeit, eingeschlossen in der Erde, konnte sie sich keine bessere Errungenschaft als das Licht vorstellen.

»Hallo, meine Kleinen!« Ihr Blick glitt uber die Reihen von Gehegen, die nach ihren prazisen Vorgaben gebaut worden waren. Die Schweinchen, die meisten von ihnen bunt gefleckt, druckten sich in den hinteren Teil ihres Auslaufs. Silvana schnaubte verachtlich. »Eins, ihr Dummerchen. Ich brauche von jedem nur eins.«

Da keine Freiwilligen vortraten, entschied sie selbst. Schweine waren Menschen ahnlicher als die widerwartigen Ratten, die sie in den Tiefen ihres Bunkers hielt. Sie offnete ihre Handtasche und zog eine kleine Ampulle hervor. Geruchslos, geschmacklos, farblos, das waren die Voraussetzungen fur ein gutes Gift. Prazision, Gefahrlichkeit und fehlende Nachweisbarkeit machten es perfekt. Sie hatte die Schweine in unterschiedliche Gruppen eingeteilt, die der Hausmeister streng ihren Anweisungen entsprechend pflegte. Die eine Gruppe war alter, diese Schweine hatten schon vierzehn Jahre hier verbracht, das entsprach etwa siebzig Menschenjah- ren. Die andere Gruppe bestand aus Frischlingen. Es gab fette Schweine, dunne Schweine, biogefutterte Schweine, ungesund ernahrte Schweine, Tiere mit regelmaßigem Auslauf, zu Stubenhockern verdammte, kern- gesunde, krankelnde. Wichtig war nur, dass sie alle gleichermaßen auf die von ihr gezuchteten Viren reagierten. Dieses Mal war ihr Lacheln echt, als sie zu dem ersten Gehege trat. Eines der gesunden Schweine. Ein Tropfen in den Wasserbehalter musste genugen, dachte Silvana und ging weiter. Bei den ausgewahlten Tieren blieb sie stehen und tropfte ebenfalls ein bisschen Flussigkeit in das Trinkwasser.

Zufrieden drehte sie um, schaltete die Heizung hoher und schloss die Stalltur. Die unertragliche Warme sollte die Viecher zum Trinken zwingen. Sie wollte ja schließlich keine Stunden auf das Ergebnis warten. Automatisch warf sie einen Blick auf die Uhr. Vier Stunden wurden ausreichen.

Leichtfußig ging sie uber das Außengelande, ihr Reich. Ganz nach ihren Vorstellungen hatte sie es in muhevoller Kleinarbeit konstruiert und bauen lassen. Zunachst das uber der Erde gelegene Hauptgebaude und die Stalle, eine kleine Baracke fur den Hausmeister und dann ihr Heiligtum, den unterirdischen Bunker. Jahrelang hatte sie fur dieses Unternehmen im Haupthaus Krauter und Pflanzen gezuchtet, all ihr verlorengeglaubtes Wissen aus der Vergessenheit heraufbeschworen, ihre Fahigkeiten in endlosen Tagen, Stunden, Jahren wieder etwas auf Vordermann gebracht, sodass sie schließlich das Gedachtnis der Bauarbeiter, die sie mit der Arbeit betraut hatte, verwirren konnte. Ihr Plan war aufgegangen und soweit sie wusste, gab es niemanden, der sich in den Bunkern so gut auskannte wie sie selbst.

Gut gelaunt betrat sie das Haupthaus und ließ ihren Computer hochfahren. In aller Ruhe wollte sie beobachten, was sich im Stall abspielte.

Wahrend der Computer bootete, lief sie zu der kleinen Kuchenzeile in ihrem Buro. Sie war nicht großer als notwendig, um Verhandlungspartnern einen Kaffee und ein kuhles Getrank anzubieten und sich selbst Wasser fur ihren Krautertee zu kochen. Sie liebte manche Errungenschaften der modernen Welt, wie ihren verchromten Wasserkocher. Alles war so einfach, so praktisch. Durch das Internet hatte sich Wissen rasant verbreiten konnen, welches zu ihren Anfangszeiten nur einer sehr geringen Anzahl von Menschen zuganglich gewesen war. Jeder Depp kann heute speisen wie ein Kaiser und das jeden Tag. Jeder einfache Mann, jede einfache Frau ist in der Lage, sich Wissen anzueignen, das die Menschen von fruher vor Neid erblassen lassen wurde. Und doch taten sie es nicht. Silvana grinste, wahrend sie das heiße Wasser in eine Tasse goss und Krauter hinein ruhrte. Die Menschen verbrachten lieber Stunden vor dem Fernse- her, ihren Handys, lenkten sich mit allem ab, nur um nicht nachdenken zu mussen, nur um ihren strahlenden Kern zu untergraben.

»Und genau das wird ihr Untergang sein!«, rief sie freudig in den Raum, ohne dass es jemand horen konnte. Die Kameras waren inzwischen mit dem Bildschirm verbunden und zeigten den Stall. Silvana hatte die infizierten Wasserbehalter markiert und beobachtete gespannt, wie die Tiere unruhig wurden. Die ersten waren bereits an ihren Wasserbehaltern und tranken. Allerdings nur Tiere ohne den kunstlich geschaffenen Zusatz im Wasser. Die Versuchstiere hielten sich zuruck, als ob sie witterten, dass ein Schluck ihr Leben kosten wurde. Die Heizung stand auf sechzig Grad, heiß genug, damit die Schweine zum Trinken gezwungen wurden. Trotzdem wartete Silvana eine ganze Stunde, bis das erste Schwein sich dem Trinkgefaß naherte. Sie neigte ihren Kopf naher zum Bildschirm, kniff die Augen zusammen, damit ihr ja nichts entging. Ihre Tasse Tee war langst leer, so verschrankte sie ihre Finger ineinander und wartete. Es war das dicke Schwein. Gewohnt an reichhaltige Speisen hatte es gierig von dem Wasser getrunken. Zunachst tummelte es noch munter im Gehege, trank sogar erneut. Eine halbe Stunde spater lag es auf der Seite. Seine Augen traten hervor, es atmete schwer, seine Beine zitterten. Es konnte nicht mehr aufstehen. Erfreut betrachtete Silvana, wie sich dunkle Flecken unter der rosigen Haut ausbreiteten. Adern, die platzen! Blut tropfte aus dem Maul, die Augen rollten sich nach oben. Genau dreiund- dreißig Minuten bis zum Tod. Das war eine zu kurze Zeit fur Silvanas Plane, aber die Wirkung war gut. Auch der Rest der Probanden kam nicht uber einundfunfzig Minuten hinaus. Das bioernahrte Schwein starb zuletzt, erlag aber letztendlich mit denselben Symptomen. Gut. Sie machte sich sogleich auf den Ruckweg zum Stall, denn schließlich war sie in dieser Angelegenheit allein und musste ihre Spuren beseitigen. Der Hausmeister wurde bestimmt nicht nach den fehlenden Schweinen fragen, so wie er nie nach etwas fragte. Schon von draußen konnten ihre gescharften Sinnesorgane den Anflug der Verwesung wittern. Naserumpfend dachte sie an die Arbeit, die ihr bevorstand. Mit einem Seufzen schob sie die Tur auf, die Luft, die ihr entgegenschlug, war genauso druckend wie draußen in der sengenden Mittagshitze. Sofort schaltete Silvana die Klimaanlage ein und nahm ihre Schutzutensilien vom Haken. Damit bepackt ging sie die Reihen entlang. Am zehnten Gehege blieb sie stehen. Das ausgehungerte Schwein lag auf dem Bauch, alle vier Beine von sich gestreckt. Der Gestank, der von dem Tier ausging, war erbarmlich. Nicht nur der langsame Beginn der Zersetzung an sich, sondern auch Qualen, Angst, einen aussichtslosen Todeskampf konnte Silvana wahrnehmen. Wahrhaftig menschlich, dachte sie, als sie in den Ganzkorperanzug schlupfte, sich die Handschuhe uberstreifte und die Schutzmaske aufzog.

Die Sonne senkte sich bereits, als sie zufrieden auf das lodernde Feuer blickte. Ein Sturm kundigte sich am Himmel an und Silvana murmelte etwas in Richtung der Flammen. Ein Zischlaut zerriss die Luft, grune Funken stoben und das Feuer begann noch intensiver zu gluhen.

»Schmilz mir die Knochen weg, bevor uns dieser Sturm erreicht!«, befahl sie den Flammen. Ein Rumpeln war in der Ferne zu horen, die untergehende Sonne wurde von schwarzen Wolken verschluckt. Als erste, dicke Regentropfen vom Himmel fielen, breitete Silvana ihre Arme aus und warf den Kopf in den Nacken. Ein Blitz zuckte, Silvana streckte ihre Hande in die Hohe. Befahl den Naturgewalten, sich ihr zu beugen. Der Regen prasselte heftiger, der Wind wehte die letzten Funken davon. Uber ihr krachte der Donner, als ob Odin selbst seinen Hass auf die Erde hinabschicken wollte. Fur Silvana klang es wie der Gesang der Macht und bald wurde sie es sein, die einen solchen Sturm auf die Menschheit loslassen wurde.


Anja Lehmann wurde 1980 in Starnberg bei München geboren und wuchs in Schwabing auf.
Nach einer Banklehre zog sie für ihr BWL-Studium nach Nürnberg, wo auch ihre drei Kinder das Licht der Welt erblickten. Mit dem Schreiben begann Anja Lehmann zunächst mit einem sehr persönlichen Erfahrungsbericht über die Lebertransplantation eines ihrer Kinder ("Sternenfahrt"), danach folgten mehrere Kinderbücher.
Seit 2017 arbeitet sie hauptsächlich an Romanen für Erwachsene. Dabei macht es ihr großen Spaß, Geschichte für den Leser lebendig zu machen und mit einigen fiktiven Figuren aufzupeppen.

Sie lebt mit ihrer Familie in Roth bei Nürnberg.



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.