E-Book, Deutsch, Band 0442, 160 Seiten
Reihe: Historical MyLady
Andrew Die schöne Gouvernante
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-86494-537-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 0442, 160 Seiten
Reihe: Historical MyLady
ISBN: 978-3-86494-537-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Da sich seine beiden Nichten begeistert von der Gouvernante Octavia Petrie zeigen, schiebt Edward Barraclough seine Bedenken beiseite. Sie erscheint ihm viel zu jung, zu selbstsicher - und zu schön für solch einen Posten. Trotzdem erledigt sie ihre Pflichten bravourös und ist von einer so ansteckenden Fröhlichkeit, dass Edward immer wieder ihre Gesellschaft sucht. Schon bald erkennt er, wie es um sein Herz bestellt ist: Er hat sich in Octavia, die sich offensichtlich sehr zu ihm hingezogen fühlt, verliebt. Eine unhaltbare Situation: Auch wenn es ihm schwer fallt - er muss ihr sofort kündigen...
Sylvia Andrew wollte eigentlich nie ein Buch verlegen lassen, bis sie Mills & Boon ihren ersten historischen Roman zukommen ließ. Als dieser sofort angenommen wurde, war sie überrascht, aber glücklich. "Perdita" erschien 1991, und sieben weitere Bücher folgten. Auch Sylvias eigene Liebesgeschichte ist sehr romantisch. Vereinfacht gesagt hat sie den Jungen aus dem Nachbarhaus geheiratet, weil seine Mutter es so wollte. Aber es ist etwas komplizierter: Ihre zukünftigen Schwiegereltern waren ihre Nachbarn und stellten den Kontakt zu ihrem Sohn her, als Sylvia einen Job in Cambridge annahm. Simon war dort Lektor. Er kümmerte sich ein wenig um sie, zeigte ihr die Stadt, und daraus wurde schließlich mehr ... Heute - 40 Jahre später - leben sie mit Hund und Katze in Somerset. Ihre Tochter Catherine ist in London verheiratet. Simon ist im Stadtrat von Crewkerne aktiv und in der Gegend sehr bekannt, Sylvia dagegen ist gerne mal allein, weshalb sie ihr Mann mit dem Spitznamen "verkappte Einsiedlerin" aufzieht! Die beiden haben eben ihre Eigenheiten: Simon ist Rekordhalter, wenn es darum geht, möglichst schnell Unordnung zu schaffen, Sylvia wiederum kann keinem Schnäppchen widerstehen, ob nützlich oder nicht. Die beiden besitzen auch ein kleines Haus in der Normandie, wo sie so viel Zeit wie möglich verbringen. Sie erinnern sich gerne an Sylvias spitzen Schrei, als sie hier in einem Supermarkt das erste Mal eines ihrer Bücher entdeckte!
Weitere Infos & Material
1. KAPITEL
Hoch gewachsen, mit schwarzem Haar und breiten Schultern, bot Edward Barraclough einen wahrhaft beeindruckenden Anblick, wie er mit langen Schritten den Green Park in Richtung North Audley Street durchquerte. Obwohl er eher schlicht gekleidet war, verrieten sein dunkelgrüner Mantel, der silberbeschlagene Gehstock und die Hosen aus feinstem Hirschleder dem genauen Beobachter dennoch, dass er hier einen Gentleman von Vermögen und Geschmack vor sich hatte. Fraglich nur, was ein Mitglied der feinen Gesellschaft zu dieser Jahreszeit in London tat. Die vornehmen Familien hatten sich schon längst allesamt auf ihre Landsitze zurückgezogen.
Als Viscount Trenton Mr. Barraclough über den Weg lief, begrüßte er ihn daher freudig überrascht. „Ned, was zum Teufel hält Sie noch hier?“
„Dasselbe wie Sie, vermute ich“, antwortete Barraclough. „Unaufschiebbare Angelegenheiten.“
„Ich dachte, das Außenministerium nähme seine Arbeit erst im nächsten Monat wieder auf.“
„Richtig. Die Sache war familiärer Natur – ein paar Bankiers aus Wien sind gerade in der Stadt.“
„Oh, wie lästig, alter Junge!“
Edward wirkte amüsiert. „Nicht im Mindesten! Ich unterhalte mich ausgesprochen gern mit den Herren der Hochfinanz.“
Das sah Viscount Trenton ganz anders. Er scheute Bankiers und auch alle anderen Geschäftsleute wie der Teufel das Weihwasser. Allerdings wusste er, dass Ned seine Empfindungen nicht teilte. Und aus gutem Grund. Die Barracloughs besaßen ein ungeheures Vermögen, große Plantagen in der Karibik und unterhielten Handelsverbindungen in alle Welt. Obwohl Edward zweifellos wie ein echter Gentleman wirkte, arbeitete er sonderbarerweise ausgesprochen gern. Nicht nur kümmerte er sich um die Gelder der Familie, nein, er fand auch Zeit, das Außenministerium an seinem reichen Erfahrungsschatz über den amerikanischen Kontinent teilhaben zu lassen. Dennoch war er beim ton beliebt und überall ein gern gesehener Gast. Trenton mochte den Mann.
Während die beiden nebeneinander die Clarges Street Richtung Grosvenor Square entlangschritten, schenkte der Viscount dem Freund einen verlegenen Blick. „Weilt Louise ebenfalls in London?“
„Wo sonst?“ antwortete Barraclough. „Sie hasst das Landleben. Allerdings wäre sie durchaus bereit, sich eine Zeit lang in Brighton aufzuhalten, wie sie mir mitteilte.“
„Wollen Sie denn da mit ihr hin?“
„Vielleicht.“
„Lassen Sie dieses Prachtweib nur nicht aus den Augen, Ned“, warnte Jack. „Falls Sie sie nicht verlieren wollen, jedenfalls. Louise Kerrall ist ein wahrhaft bezauberndes Geschöpf. Was sind Sie doch für ein Glückspilz! Ich kenne manchen Gentleman in London, der Sie Ihnen nur allzu gern ausspannen würde, wenn sich die Gelegenheit böte.“
Barraclough lächelte spöttisch. „Und sind Sie einer von ihnen, Jack? Ich möchte Ihnen nicht raten, es zu versuchen – weil ich nämlich keineswegs daran denke, Louise aufzugeben.“
„Lieber Himmel, Ned! Ich wollte doch lediglich sagen … Nein, nur keine Sorge meinetwegen. Ich kann sie mir überhaupt nicht leisten! Und außerdem liegt sie Ihnen doch bestimmt zu Füßen …“
„Bitte?“ fragte Barraclough ironisch. „Louises Liebe bemisst sich ausschließlich nach dem Wert meines letzten Geschenks. Besonders wenn es sich dabei um Diamanten handelt. Aber seien Sie beruhigt, mein Freund. Ich suche bei der Dame keineswegs tiefe Zuneigung. Nichts derart … Romantisches.“
Jack seufzte und dachte an die dunkelhaarige Louise Kerrall mit den sinnlich geschwungenen Rundungen. „Ja, das kann ich mir vorstellen.“
„Falls Sie also nicht vorhaben, mir die Geliebte abzujagen, können wir ja jetzt über etwas anderes sprechen. Erzählen Sie mir, was Sie hierher in die Stadt treibt.“
„Sie hatten Recht, in gewisser Weise bin ich ebenfalls wegen unaufschiebbarer Angelegenheiten hier.“ Trentons Miene verfinsterte sich. „Ich musste mit meinen Anwälten reden.“
„Also enterbt Ihr Vater Sie nun wohl doch endlich?“
„Nein, nein! Im Gegenteil sogar. Ich habe mich endlich dazu entschlossen, Cynthia Paston einen Antrag zu machen.“
„Tatsächlich? Welche der jungen Damen war das noch mal? Die mit den Zähnen oder gar die Nase?“
„Gebiss und Vermögen. Sie erhält eine Mitgift von dreißigtausend Pfund.“
„Und hat sie schon eingewilligt?“
„Oh ja. Ich bin zwar nicht reich, aber mein Titel verleiht mir einige Attraktivität. Den Pastons gefällt der Gedanke, künftig eine Countess zur Familie zählen zu können.“
Barraclough betrachtete Trentons Miene und brach in lautes Lachen aus. „Na, Sie Günstling der Fortuna! Dann also meine Gratulation!“
„Sie haben gut lachen, Ned! Sie wissen ja nicht einmal, wie blendend es Ihnen eigentlich geht. Niemand zwingt Sie zu einer Ehe. Oder erinnert Sie täglich daran, dass Sie der einzige Sohn der Familie sind und die Verantwortung für den Titel tragen. Nein, Sie haben zwei ältere Brüder.“
„Nur noch einen, Jack. Mein ältester Bruder kam Anfang des Jahres ums Leben. Seine Gemahlin ebenfalls. Haben Sie nicht davon gehört?“
„Himmel, das hatte ich vergessen. Verzeihen Sie mir, Ned.“
„Schon gut. Antigua liegt weit entfernt. Weshalb sollten Sie sich auch daran erinnern?“
„Ganz egal. Das war unverzeihlich. War es nicht ein Kutschenunfall? Und Ihr anderer Bruder weilt noch immer in der Karibik?“
„Nein, im Augenblick nicht. Julia und er befinden sich auf dem Weg nach England. Tatsächlich muss ihr Schiff jeden Tag anlegen.“
„Bleiben sie lange?“
„Bis zum Ende der Saison im nächsten Jahr. Meine beiden Nichten werden bei ihnen leben – die Töchter meines verstorbenen Bruders. Lisette, die Ältere, soll im kommenden Frühling in die Gesellschaft eingeführt werden. Ein hübsches Mädchen. Sie wird bestimmt ein großer Erfolg. Dennoch freue ich mich nicht gerade auf die Ankunft der vier.“
„Oh?“
„Nun, ich mag meinen Bruder schon sehr. Und auch Lisette und Pip. Aber Julia, Henrys Gemahlin … Glauben Sie mir, Jack, eine solche Frau lässt einen das Junggesellenleben gleich doppelt genießen!“
„Aber, aber, alter Freund, das war nicht eben taktvoll!“
„Inwiefern?“
„Na, Sie wissen doch, dass ich gerade dabei bin, mir die Fesseln der Ehe anlegen zu lassen.“
„Wenn Sie die Aussicht derart entsetzlich finden, weshalb tun Sie es dann?“
„Wie ich Ihnen bereits erklärte. Noblesse oblige, verstehen Sie? Nein, sehen Sie mich nicht so an, Ned! Sie haben ja nicht die geringste Ahnung, wie es ist, wenn die ganze Familie einem ständig im Nacken sitzt mit Vorträgen über Ehre und Verpflichtung. Am Ende konnte ich nur noch nachgeben. Ach, man könnte glatt zum Trinker werden.“
„Dann nehmen wir am besten erst einmal ein Glas“, erbot sich Barraclough mitleidig. „Kommen Sie, die Anwälte werden schon warten.“
Bei White’s traf Trenton einige Freunde, in deren Gesellschaft er seinen Kummer so rasch und nachhaltig ertränkte, dass Barraclough ihn bald guten Gewissens verlassen konnte. Er machte sich wieder auf den Weg zu seinem Haus in der North Audley Street. Es wehte eine angenehm kühle Brise. Während er an diesem schönen Nachmittag weit ausschritt, dachte er zufrieden darüber nach, wie viel Glück er doch hatte. Mit dreißig Jahren durfte er sich noch immer als einigermaßen jung betrachten, verfügte über ein beachtliches Vermögen und hatte sich bisher nicht gezwungen gesehen, vor den Altar zu treten. Darüber hinaus war seine Mätresse der Traum eines jeden Mannes: schön, leidenschaftlich und ergeben. Vor allem aber konnte sie keinerlei Anspruch auf ewige Liebe, Zuverlässigkeit und Treue erheben – ganz anders, als dies bei einer Gemahlin der Fall gewesen wäre. Er kam und ging, wie es ihm beliebte. Und sollte er ihrer je überdrüssig werden, würde sie ganz von allein jemand anderen finden, ohne dass er sich darüber den Kopf zerbrechen musste.
Ja, sein Leben war wirklich ausgesprochen gut arrangiert. Gott sei Dank hatte das Schicksal ihn nicht zur Brautschau verdammt.
Nein, nein, er selbst würde so lange ungebunden bleiben, wie es ihm gefiel.
Die einzige dunkle Wolke am blauen Himmel seines unbeschwerten Daseins war die baldige Ankunft seiner Schwägerin. Er runzelte die Stirn. Julia und er konnten einander nicht ausstehen. Da gab es nichts zu beschönigen. Als er damals das Vermögen seines Onkels geerbt hatte, hatte sie keinen Hehl daraus gemacht, was sie von der Weltreise hielt, die er daraufhin erst einmal antrat. Julia war der Ansicht gewesen, er habe gefälligst in der Karibik zu bleiben. Und als er sich später in England niedergelassen hatte, hatte auch dieser Entschluss zu Misshelligkeiten geführt. Tatsächlich gab es für ihre Abneigung gegen ihn jedoch ganz andere Gründe. Im Gegensatz zu seinem bedauernswerten Bruder Henry nahm Edward nämlich einfach keine Notiz von Julias Meinung.
Er überquerte den Berkeley Square und bog in die Mount Street ein. Fast den gesamten letzten Winter und auch die Saison hatte er auf Antigua verbringen müssen. Obwohl der Aufenthalt dort eigentlich nur als kurzer Besuch geplant gewesen war, hatte dann ein Desaster das andere gejagt. Über Nacht waren die beiden Töchter seines älteren Bruders zu Waisen geworden und standen nun unter seiner und Henrys...




