E-Book, Deutsch, 256 Seiten
Reihe: Historical
Andrew DER GENTLEMAN AUS BOSTON
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-95446-783-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 256 Seiten
Reihe: Historical
ISBN: 978-3-95446-783-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nur ein Amerikaner kann so direkt, so erfrischend ehrlich sein, und sofort ist die hübsche Eleanor Southeran von dem überaus attraktiven und eleganten Gentleman Jonas Guthrie fasziniert. Dass Jonas in Boston eine gewisse Evadne verführt haben soll, kann Eleanor nicht so recht glauben. Würde es ihr Herz nicht sagen, würde es sie nicht warnen, wenn Jonas nicht der Richtige für sie wäre? Um sich über ihr unbestimmtes Sehnen, das sie in Jonas' Nähe verspürt, klar zu werden, reist sie von London nach Stanyards, dem Sitz ihrer Familie, den sie nach dem Tod ihres Vaters eigenständig verwaltet. Und hier wartet die nächste Überraschung auf Eleanor: Ihre Mutter hat Stanyards in ihrer Abwesenheit verkauft - an Jonas Guthrie! Eleanor weiß, dass sie diesen Mann, der ein so neues, aufregendes Gefühl in ihr auslöst und sie so beunruhigt, von nun an täglich sehen wird - soll sie lachen oder weinen?
Sylvia Andrew wollte eigentlich nie ein Buch verlegen lassen, bis sie Mills & Boon ihren ersten historischen Roman zukommen ließ. Als dieser sofort angenommen wurde, war sie überrascht, aber glücklich. "Perdita" erschien 1991, und sieben weitere Bücher folgten. Auch Sylvias eigene Liebesgeschichte ist sehr romantisch. Vereinfacht gesagt hat sie den Jungen aus dem Nachbarhaus geheiratet, weil seine Mutter es so wollte. Aber es ist etwas komplizierter: Ihre zukünftigen Schwiegereltern waren ihre Nachbarn und stellten den Kontakt zu ihrem Sohn her, als Sylvia einen Job in Cambridge annahm. Simon war dort Lektor. Er kümmerte sich ein wenig um sie, zeigte ihr die Stadt, und daraus wurde schließlich mehr ... Heute - 40 Jahre später - leben sie mit Hund und Katze in Somerset. Ihre Tochter Catherine ist in London verheiratet. Simon ist im Stadtrat von Crewkerne aktiv und in der Gegend sehr bekannt, Sylvia dagegen ist gerne mal allein, weshalb sie ihr Mann mit dem Spitznamen "verkappte Einsiedlerin" aufzieht! Die beiden haben eben ihre Eigenheiten: Simon ist Rekordhalter, wenn es darum geht, möglichst schnell Unordnung zu schaffen, Sylvia wiederum kann keinem Schnäppchen widerstehen, ob nützlich oder nicht. Die beiden besitzen auch ein kleines Haus in der Normandie, wo sie so viel Zeit wie möglich verbringen. Sie erinnern sich gerne an Sylvias spitzen Schrei, als sie hier in einem Supermarkt das erste Mal eines ihrer Bücher entdeckte!
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1. KAPITEL
Eleanor hatte noch nie etwas so Schönes gesehen. In den Kristalltropfen des riesigen Kronleuchters spiegelten sich die Flammen der Kerzen wider. Ein Bild wie aus einem Märchenland …
„Eleanor, meine Liebe, Lady Dorothy und ihre Tochter wollen bestimmt mit dir sprechen.“ Die Stimme ihrer Tante rief sie in die Wirklichkeit zurück. Ohne auf ihre Nichte zu warten, ging Lady Walcot bereits zielstrebig auf eine arrogant wirkende Matrone zu, die einen imposanten Turban mit wippenden Federn trug.
Eleanor wurde plötzlich bewusst, dass ein hochgewachsener, breitschultriger Mann mit harten Gesichtszügen sie von der anderen Seite des Raumes her anblickte. Er wäre in jedem Fall eine beeindruckende Erscheinung gewesen, fiel aber vor allem auf, weil er inmitten der vielen Menschen ganz allein dastand.
Als sie zu ihm hinüber sah, lächelte er ironisch. Kein Wunder, dass er sie auslachte, sie hatte sich ja auch wie eine Landpomeranze benommen. Um ihm zu zeigen, dass er sie mit seiner Dreistigkeit nicht aus der Fassung bringen konnte, erwiderte sie kühl seinen Blick, bevor sie sich abwandte und sich ihrer Tante und Lady Dorothy zugesellte.
Nachdem sie mit Lady Walcot ein paar höfliche Worte ausgetauscht hatte, sagte Lady Dorothy: „Wie ich sehe, ist er wieder in London.“
„Ist er etwa hier?“, erkundigte sich Lady Walcot.
„Ja, er steht dort drüben – allein natürlich. Eine Frechheit, sich hier zu zeigen!“ Der hochgewachsene Mann spürte offenbar die eisigen Blicke der Damen und verbeugte sich spöttisch.
An Selbstsicherheit fehlt es ihm anscheinend nicht, dachte Eleanor amüsiert.
„Eine ausgesprochene Unverschämtheit“, sagte Lady Dorothy ärgerlich. „Mrs Anstey ist ebenfalls hier. Hoffentlich steht ihm die arme Frau nicht plötzlich Angesicht zu Angesicht gegenüber. Ich denke, ich sollte sie warnen.“
Lady Dorothy vergaß nie, dass sie die Tochter eines Duke war und ihre Ehe mit Edwin Rushton, einem Bürgerlichen, keineswegs ihr Recht schmälerte, sich in das Leben anderer Leute einzumischen. Eleanor, die sie schon seinerzeit für eine schreckliche Wichtigtuerin gehalten hatte, stellte jetzt fest, dass sich die Dame im Laufe der Jahre nicht geändert hatte. Sie wartete geduldig, bis sich Lady Dorothy ihr zuwandte.
„Miss Southeran, wie nett, Sie in London zu sehen. Sind Sie zur Saison hergekommen?“
„Dafür bin ich ein bisschen zu alt, Lady Dorothy“, erwiderte Eleanor mit einem höflichen Lächeln. „Ich werde lediglich an den Hochzeitzeitsfeierlichkeiten meiner Cousine Bella teilnehmen und dann nach Hause zurückkehren.“
Lady Dorothys Tochter Maria, ein hübsches, blondes Mädchen mit einem Puppengesicht, rief: „Wie können Sie es ertragen, London zu Beginn der Saison wieder zu verlassen?“
„Miss Southeran tut nur ihre Pflicht“, erklärte ihre Mutter. „Sie ist ja auch keine Debütantin vor ihrer ersten Saison. Wenn ich mich recht erinnere, sind Sie im gleichen Jahr wie meine Charlotte in die Gesellschaft eingeführt worden“, sagte sie mit einem süßlichen Lächeln zu Eleanor. „Das muss vor sieben oder acht Jahren gewesen sein. Wie die Zeit vergeht! Hat Ihre Tante Ihnen erzählt, dass Charlotte inzwischen die Mutter von drei reizenden kleinen Töchtern ist?“
„Aber ja, und dass sie eine glückliche Ehe führt.“
„Ich hoffe, du folgst dem Beispiel deiner Schwester, Maria“, sagte Lady Dorothy zu ihrer jüngsten Tochter. „Miss Southeran hier hatte die gleichen Chancen wie Charlotte, ohne sie zu nutzen. Sogar dein Bruder Arthur hat sich eine Weile für sie interessiert. Ich wette, dass sie inzwischen ihre Dummheit bedauert und sich wünscht, dass sie ebenfalls Familie und Kinder hätte.“
„Wenn ich sicher gewesen wäre, Ihren Sohn glücklich zu machen, hätte ich seinen schmeichelhaften Antrag angenommen, Lady Dorothy“, erwiderte Eleanor ruhig. „Ich bin aber überzeugt, dass seine zweite Wahl besser war. Im Übrigen erinnern Sie sich vielleicht daran, dass ich London mitten in der Saison verlassen musste, weil mein Bruder starb. Seitdem bin ich nicht wieder hier gewesen.“
Lady Walcot, der die leichte Röte in den Wangen ihrer Nichte nicht entging, versicherte hastig: „Keine Tochter könnte liebevoller und pflichtbewusster sein als Eleanor. So herzlich ich sie auch gebeten habe, mir noch eine Weile Gesellschaft zu leisten, nachdem Bella mich verlassen hat, beharrt sie darauf, dass ihre Mutter sie braucht.“
„Jedem, der lange Jahre auf dem tiefsten Land wohnt, muss London schrecklich laut erscheinen. Ich selbst kann mir nicht vorstellen, so weit von der zivilisierten Welt entfernt zu leben. Arthur und seine Frau wohnen natürlich bei mir – mitten in der Stadt. Wenn Sie mich jetzt entschuldigen wollen, ich muss mich auf die Suche nach Mrs Anstey machen. Genießen Sie den Rest Ihres Aufenthaltes hier, Miss Southeran. Komm, Maria.“ Mit ihrer Tochter im Schlepptau entfernte sie sich.
Eleanor stieß einen Seufzer aus. „Diese abscheuliche Frau hat Arthur bestimmt noch genauso unter ihrer Fuchtel wie damals. Seine arme Frau tut mir leid.“
Lady Walcot, die mit ihrer Nichte übereinstimmte, äußerte nichts dergleichen, sondern wechselte das Thema. „Möchtest du, dass ich einen Tanzpartner für dich suche, Eleanor?“
„Glaubst du, du könntest jemanden finden – trotz meines hohen Alters? Lady Dorothy würde das für höchst unwahrscheinlich halten.“
„Eleanor, es steht dir nicht zu, dich über ältere Damen lustig zu machen, besonders nicht über Lady Dorothy“, mahnte ihre Tante. „Übrigens bist du so hübsch wie eh und je, und es dürfte genug Herren geben, die mit dir tanzen wollen.“ Während sie den Raum durchquerten, fuhr sie fort. „Ich gebe zu, dass mir deine Zukunft Sorgen bereitet. Da du nicht in London bleiben willst, musst du in Somerset nach einem Ehemann Ausschau halten.“ In ihrer Stimme schwang ein so zweifelnder Ton mit, dass Eleanor zu lachen begann.
„Du hast recht, meine Chancen sehr niedrig einzuschätzen, Tante Hetty. Die jungen Männer in Somerset machen jüngeren Mädchen den Hof, sofern sie sich nicht auf die Jagd begeben oder auf Tontauben schießen. Ehrlich gestanden finde ich sie schrecklich langweilig. Keine Sorge, Mama und ich führen ein recht angenehmes Leben. Und du weißt, dass ich Stanyards schon immer geliebt habe.“
Lady Walcot blieb vor einem ruhigen Alkoven stehen. „Die einzige Sicherheit für eine Frau bedeutet eine passende Ehe“, erwiderte sie in bestimmtem Ton.
„Zum Beispiel mit einem Mann wie Arthur Rushton?“, fragte Eleanor.
„Warum nicht? Er ist reich, oder wird es eines Tages sein. Die junge Mrs Rushton verfügt über viel Geld und eine ganze Anzahl von Dienstboten. Und sie hat ihre Kinder. Leider erlaubt es der Zustand ihrer Nerven häufig nicht, dass sie ihre Vergünstigungen genießt.“
„Da siehst du es. Nein, Tante Hetty, ich bin mit meinem braven Landleben glücklicher als ich es an Clara Rushtons Stelle jemals sein könnte.“
„Glücklichsein ist nicht der wichtigste Zweck einer Ehe.“
„Ich denke, es ist der einzige.“
„Bitte sei einen Augenblick lang ernst. Wenn du dein Schicksal in meine Hände legtest, würde ich mit Sicherheit hier in London einen geeigneten Ehemann für dich finden.“
„Falls ich jemals den Wunsch nach einer Ehe verspüren sollte, verspreche ich, zu dir zu kommen. Jetzt möchte ich mir gern anschauen, wie sich die Londoner Gesellschaft amüsiert.“
Lady Walcot schüttelte nur den Kopf, und die beiden setzten ihren Weg fort. Eleanor, die erneut zum Kronleuchter hochblickte, wäre fast gegen ihre Tante gestoßen, die plötzlich angehalten hatte. Vor ihnen stand der Fremde mit dem harten Gesicht.
„Lady Walcot, wir haben uns im Haus meines Cousins am Berkeley Square kennengelernt“, erklärte er. „Mein Name ist Guthrie. Ich würde Ihre Begleiterin gern um einen Tanz bitten.“
„Vielen Dank, Sir, aber meine Nichte beabsichtigt nicht zu tanzen – zumindest nicht in diesem Augenblick“, erwiderte Lady Walcot frostig.
Da der Gentleman Eleanors Überraschung gewahrte, wich er nicht von der Stelle. „Ich bitte um Verzeihung, aber wie können Sie das wissen? Sie haben sie ja gar nicht gefragt.“
„Wenn Sie uns jetzt entschuldigen wollen.“ Lady Walcot fasste ihre Nichte am Arm und zog sie mit sich. Eleanor warf noch einen Blick über ihre Schulter, um zu sehen, wie er auf diese massive Abfuhr reagierte. Er blickte ihnen mit einem ironischen Lächeln nach, zuckte mit den Schultern und ging langsam zur Tür des Salons mit den Kartentischen.
„Tante Hetty, wer ist dieser Mr Guthrie?“, fragte Eleanor. „Ihr habt über ihn geredet, du und Lady Dorothy, nicht wahr? Was hat er verbrochen, um sich eure Ungnade zuzuziehen?“
Lady Walcot und ihre Nichte setzten sich an einen der kleinen Tische, die im Wintergarten aufgestellt worden waren. Lord Walcot war gegangen, um Erfrischungen zu holen.
„Ich kann dir nur versichern, dass der Mann keine passende Bekanntschaft für dich ist.“
„Ich bin doch kein Schuldmädchen mehr. Du musst mir schon einen besseren Grund liefern, warum ich nicht mit ihm tanzen durfte.“
„Alles, was ich dazu sagen kann, ist, dass er die Familie Anstey abscheulich behandelt hat.“
„Und wer ist die Familie Anstey?“
„Mrs Anstey und ihre jüngere Tochter Marianne sitzen dort drüben in einer Ecke. Die arme Frau bemüht sich, so wenig wie möglich aufzufallen.“
Eleanor entdeckte eine schwarz gekleidete Frau mit blassem...




