E-Book, Deutsch, Band 28, 400 Seiten
Reihe: Die Sullivans
Andre Halte mein Herz
1. Auflage 2022
ISBN: 978-1-958021-01-9
Verlag: Oak Press, LLC
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Sullivans aus Maine 4
E-Book, Deutsch, Band 28, 400 Seiten
Reihe: Die Sullivans
ISBN: 978-1-958021-01-9
Verlag: Oak Press, LLC
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Bella Andres Bücher führten die Bestsellerlisten der New York Times und USA Today an und sicherten sich weltweit viele Male die Nummer 1 unter den bestverkauften Titeln. Sie hat bisher mehr als 10 Millionen Bücher verkauft! Bella ist bekannt für 'sinnliche Geschichten, die Kraft geben und von berauschender Romantik umhüllt sind' (Publishers Weekly) und ihre Bücher waren schon zweimal 'Red Hot Reads' des Magazins Cosmopolitan. Außerdem wurden sie in zehn Sprachen übersetzt. Sie schreibt auch romantische, zeitgenössische Liebesromane als Lucy Kevin. Auf der Literatur-Website Goodreads gibt es für Bella Andres Bücher mehr als 50.000 5-Sterne-Bewertungen.
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KAPITEL 1
In ihrer Ferienwohnung streckte sich Ashley Sullivan unter dem herrlich weichen Federbett, bevor sie die Decke zurückschlug. Schließlich war sie in Wien, und die Stadt wartete auf sie, gleich vor ihrer Tür. Ihre sechs Geschwister waren schon oft über den großen Teich geflogen. Aber sie war zum ersten Mal im Ausland. Sie liebte ihre Heimat Bar Harbor, im Bundesstaat Maine der Vereinigten Staaten, und konnte sich nicht vorstellen, irgendwo anders zu leben. Aber sie freute sich unheimlich, in den nächsten achtundvierzig Stunden eine der schönsten Städte Europas erkunden zu können.
Den Vorschlag ihres Bruders Brandon, anlässlich einer seiner Hoteleröffnungen eine Auslandsreise zu machen, hatte sie erst für einen Witz gehalten. Schließlich war Ashley nicht nur die alleinerziehende Mutter ihres elfjährigen Sohnes Kevin, sondern sie leitete auch die Sullivan-Cafés und die irischen Boutiquen in ganz Maine. Außerdem musste sie ständig Katastrophenabwehr spielen, wenn Kevins Vater Josh wieder einmal eine seiner Aktionen landete. Zum Glück hatten die beiden nie geheiratet, obwohl sie mit siebzehn Jahren erschrocken festgestellt hatte, dass sie schwanger war. Was für eine Katastrophe, wenn sie Josh geheiratet hätte …
Aber Ashley dankte ihrem Glücksstern jeden Tag dafür, dass sie Kevin hatte. Ihr Sohn war die Sonne ihres Lebens. Seine Mutter zu sein, war jedes Opfer wert gewesen: dass sie den Abschlussball verpasst hatte, mit achtzehn weder von zu Hause weggezogen noch aufs College gegangen war, und dass sie niemals in einen Traumurlaub nach Europa geflogen war.
Als Kind hatte Ashley Bücher und Fernsehsendungen über ferne Länder geliebt. Sie hatte davon geträumt, Reiseschriftstellerin zu werden, zumindest bis sie merkte, dass sie eigentlich weniger am Schreiben interessiert war als an der Möglichkeit, an exotischen Orten Abenteuer zu erleben.
Endlich konnte sie ihren Traum verwirklichen! Ashley war schon lange fasziniert von allem, was sie in Reiseführern über die Schönheiten Wiens gelesen hatte – von der Kaiserin Sisi über die Lipizzaner der Spanischen Hofreitschule, bis hin zum Schloss Schönbrunn und seinen Gärten. Sie konnte es gar nicht fassen, dass sie jetzt hier war und gleich ihre achtundvierzigstündige Entdeckungstour beginnen würde, die sie in Bar Harbor in allen Einzelheiten geplant hatte.
Nachdem sie in der Nacht zuvor spät gelandet war, hatte sie ein Taxi direkt zu ihrem Apartment genommen. Brandon hatte ihr zwar angeboten, sie in seinem protzigen neuen Hotel unterzubringen, aber obwohl sie ihm für sein Angebot dankbar war, wollte sie diese Reise ganz nach ihren eigenen Vorstellungen gestalten. Nach ihrem Zeitplan und mit ihrem eigenen Geld. Mit den Jahren hatte sie sich dank ihrer Arbeit als Geschäftsführerin ihres Familienunternehmens ein hübsches Sümmchen zusammengespart.
Normalerweise gab sie ihre Ersparnisse für neue Kleidung und Schuhe für Kevin aus, aus denen er alle paar Monate herauswuchs. Aber an diesem Wochenende freute sie sich darauf, sich selbst etwas zu gönnen. Ein paar Dinge, die sie später an Wien erinnern würden.
Sie ging zur zweiflügeligen Balkontür, zog sie auf und trat hinaus auf einen kleinen Balkon. Doch während sie ihr Gesicht der hellen Morgensonne zuwandte, spürte sie einen Stich in ihrem Herzen. Natürlich wusste sie, dass ihre Eltern sich während ihrer Abwesenheit gut um Kevin kümmern würden, und dass auch ihre Geschwister nur zu gern einspringen würden. Sie hielt sich auch nicht für unentbehrlich, was ihre Arbeit betraf.
Was sie beunruhigte, war, dass sie Kevins Vater kein bisschen über den Weg traute.
Der uferlose Unsinn, den Josh in Bezug auf ihren Sohn verzapfte, machte sie sprachlos. Joshs letzte Schnapsidee war sein Vorschlag gewesen, Kevin könne bei ihm wohnen, während sie weg war. Für die meisten Eltern mit geteiltem Sorgerecht wäre das völlig in Ordnung gewesen. Aber Josh lebte von Junkfood, verbrachte seine Nächte mit Videospielen, riskierte auch bei seinem derzeitigen Job stets die Entlassung und hätte nicht einmal einen Goldfisch am Leben erhalten können. Ihr Ex war völlig übergeschnappt gewesen, als er sie gebeten hatte, ihm den gemeinsamen Sohn für das Wochenende anzuvertrauen.
Glücklicherweise hatte Josh in letzter Sekunde die „Chance seines Lebens“ bekommen, mit ein paar Freunden eine Geländewagentour zu machen. Erst da hatte sie ihren Flug nach Österreich gebucht. Kevin war zwar enttäuscht, dass er nicht bei seinem Vater übernachten konnte, und eigentlich machte es Ashley sehr zu schaffen, wenn Kevin traurig war, aber in diesem Fall war sie unheimlich erleichtert, dass er stattdessen bei ihren Eltern gut aufgehoben sein würde.
Trotzdem stellte sie fest, dass es ihr fast unmöglich war, sich keine Sorgen um Kevin zu machen. Wie hätte es auch anders sein können. Schließlich war er seit ihrem siebzehnten Lebensjahr der Dreh- und Angelpunkt ihres Lebens. Aus diesem Grund war auch aus keiner ihrer Verabredungen mit Männern je etwas Ernstes geworden. Kein einziger von ihnen hätte dazu getaugt, Kevins Stiefvater zu werden.
Zugegeben, die meisten ihrer Bekanntschaften machten sich gleich wieder aus dem Staub, sobald sie erfuhren, dass sie alleinerziehend war. Und dann waren da noch diejenigen, die behaupteten, Kevin sei für sie „kein Problem“. Ashley wäre lieber für den Rest ihres Lebens allein geblieben, als sich mit einem Mann zufrieden zu geben, dem im Zusammenhang mit Kevin auch nur das Wort Problem in den Sinn kam!
Ihre Schwestern Cassie und Lola versuchten ständig, sie zu überreden, sich öfter mit Männern zu treffen. Aber was Ashley anging, lief alles in ihrem und in Kevins Leben – von Kevins Vater einmal abgesehen – gut. Warum sollte sie also ihre beiden Herzen für einen Kerl aufs Spiel setzen, der es am Ende doch nicht verdient hätte?
Sie holte tief Luft. Bei Kevin ist alles in Ordnung, rief sie sich in Erinnerung. Und du bist hierhergekommen, um ein herrliches Wochenende im Ausland zu verbringen.
Sie bemühte sich, ihre Bedenken zu verdrängen. Entschlossen, das Beste aus ihrem Kurzurlaub zu machen, richtete sie ihre Aufmerksamkeit auf die vor ihr liegenden Straßen der Wiener Innenstadt.
Ashley hatte das Glück gehabt, eine Wohnung mit Blick auf den Michaelerplatz zu finden, einen großen, runden Platz mit einem Brunnen in der Mitte, im Herzen der Stadt. Zu ihrem Wohnhaus gelangte man über einen schmalen Kopfsteinpflasterweg, und obwohl es nicht leicht gewesen war, ihren schweren Koffer drei Stockwerke hochzutragen, hatte es sich gelohnt. Während sie über die Innenstadt blickte, fühlte sie sich gleichzeitig sicher und geborgen vor den Menschenmassen und doch als Teil des Ganzen.
Im frühmorgendlichen Wien waren viele Menschen unterwegs. Die Tische der Cafés waren voll besetzt mit Touristen und Geschäftsleuten, die Kaffee oder Tee tranken und etwas aßen, das nach köstlichen Wiener Frühstücksspezialitäten aussah.
Sie hatte sich Sorgen gemacht, sie könnte wie eine Touristin aussehen, und daher beim Packen darauf geachtet, mehr elegante als lässige Teile mitzunehmen, obwohl sie in Bar Harbor normalerweise in Jeans und T-Shirt herumlief. Obwohl es ihr niemals hätte gelingen können, den leicht ausgefallenen Look der schick gekleideten Wiener Frauen zu erzielen, die gerade zur Arbeit gingen, war sie froh, dass sie ihre Garderobe für die nächsten Tage sorgfältig zusammengestellt hatte.
Ashley überlegte grinsend, wie ihre Familie wohl reagieren würde, wenn sie mit einem platinblonden Kurzhaarschnitt Wiener Art nach Hause käme, statt mit ihren altvertrauten schulterlangen, gewellten braunen Haaren. Für ein paar Augenblicke machte es Spaß, sich vorzustellen, jemand anderes zu sein. Eine arrivierte Managerin. Ein TV-Star. Oder eine männermordende Femme Fatale, die mit ihrem Sex-Appeal alle blendete.
Sie lachte bei der absurden Vorstellung, etwas anderes zu sein als eine alleinerziehende Mutter aus der Kleinstadt. Ein attraktiver Mann hörte ihr Lachen und sah von der Straße zu ihr hoch. Er trug einen glatt gebügelten Anzug, hatte glänzende Haare und sein aufforderndes Lächeln kündete von einem wohlverdienten Ruf als Frauenheld. Aber trotz seines guten Aussehens ließ er ihr Herz nicht höherschlagen.
Ashley hatte sich schon immer eher zu wilderen Typen hingezogen gefühlt, die sich nicht unbedingt jeden Tag rasierten oder an Anzug und Krawatte gewöhnt waren. Obwohl sie seit der Highschool keine ernsthafte Beziehung mehr gehabt hatte, hatte sie genauso viele Bedürfnisse wie jede andere auch. Der große Unterschied zwischen ihr und anderen Frauen war, dass sich seit ihrem siebzehnten Lebensjahr alles um ihren Sohn drehte. Und da es keine Männer gab, denen sie nicht nur ihr Herz, sondern auch das ihres Sohnes anvertrauen konnte, hatte sie sich damit abgefunden, dass ihre einzige Beziehung zu einem Mann auf absehbare Zeit ihre heimlichen nächtlichen Fantasien über den Musiker Nash Hardwin sein würden.
Sie hatte sich noch nie viel aus Prominenten oder Popstars gemacht, aber seine Musik hatte etwas, das sie immer in ihren Bann zog. Nachdem sie ihn vor einigen Jahren an einem ihrer seltenen Ausgeh-Abende bei einem Konzert gesehen hatte, war sie eingeschlafen und hatte davon geträumt, mit ihm im Bett zu liegen. Einige Frauen träumten von Filmstars, andere von Profisportlern. Ihre nächtlichen Fantasien drehte sich um Nash und waren ihr kleines Geheimnis.
Vielleicht würde Ashley, wenn Kevin erst einmal achtzehn war und sie ihn erfolgreich in die Welt entlassen hätte, ihren eigenen Bedürfnissen als sinnliche Frau etwas mehr Bedeutung beimessen. Vorher jedoch definitiv nicht.
Es hatte keinen...




