Andeck | Natural Born Chillers | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 463 Seiten

Andeck Natural Born Chillers

Roman
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7325-0674-3
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman

E-Book, Deutsch, 463 Seiten

ISBN: 978-3-7325-0674-3
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Ein echtes Freundinnen-Buch!

Die drei Freundinnen Janna, Helen und Lou könnten kaum unterschiedlicher sein. Die eine ist alleinerziehende Mutter, die andere eine Karrierefrau und die dritte hat sich der Rettung des Planeten verschrieben. Trotzdem halten sie seit fünfzehn Jahren zusammen wie Pech und Schwefel. Und seit einiger Zeit haben sie auch noch eine neue Gemeinsamkeit: Frust! Weil das blöde Leben einfach nicht so will wie sie. Also beschließen die drei, etwas zu ändern - und starten mit einer gemeinsamen WG in einem alten Gutshof. Nur warten da ungewöhnliche Nachbarn, zänkische Tiere und liebestolle Besucher auf sie ...

Mara Andeck hat mit 'Natural Born Chillers' einen hinreißend humorvollen Frauenroman über Neuanfänge und andere Katastrophen geschrieben.

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1


Pling.

Mit gerunzelter Stirn las Janna die Mail, die eben mit einem leisen Klingelton auf dem Bildschirm ihres Notebooks aufgeploppt war. »Sehr geehrte Frau Mahler«, stand da. »Ein lieber Mensch hat an Sie gedacht und Ihre Mailadresse an uns weitergegeben. Deswegen erhalten Sie jetzt dieses Schreiben mit einem einmaligen Angebot.«

Janna schnaubte, sie ahnte, was kommen würde. Und tatsächlich: »Frau Mahler, eigentlich wissen wir es doch alle: Schönheit, Gesundheit, Erfolg und Liebesglück sind keine Fragen des Schicksals. Sie sind harte Arbeit, und man erreicht sie nur auf einem einzigen Weg: Man muss seine Stärken trainieren und darf seinen Schwächen niemals Raum geben. Selbstoptimierung heißt das Zauberwort.«

Blablabla, dachte Janna, las aber weiter.

»Bestimmt verdrehen Sie jetzt die Augen, Frau Mahler.« Janna fühlte sich ertappt. »Klar, wir wissen das alle, aber wir setzen dieses Wissen nicht um, weil uns dieser Weg schwierig oder gar unmöglich vorkommt. Dabei ist er ganz einfach!«

Ach nee, dachte Janna. Lass mich raten: Wetten, dass du mir dabei helfen willst? Sie scrollte nach unten, um die zweite Hälfte der Nachricht zu überfliegen. »Wissenschaftler haben eine ebenso einfache wie effektive Methode entwickelt, wie man leicht und ohne viel Kraftaufwand endlich zu dem Menschen werden kann, der man eigentlich ist. Schluss mit Problemhaut und Problemhaaren! Mit Problemzonen und Problemzähnen! Mit Problemgesprächen, Problembeziehungen und Problemkindern!«

Na, toll! Und was war mit Problemfinanzen? Und Problemmüttern? Hatten Wissenschaftler auch dagegen Methoden entwickelt? Das wäre mal ein echter Fortschritt. Aber da waren garantiert selbst Wissenschaftler rat- und machtlos. Schlecht gelaunt las Janna weiter. »Sie können Ihr Leben in den Griff bekommen. Glauben Sie mir, Frau Mahler, das geht! Bestellen Sie einfach ein Probeabo unserer Zeitschrift Optimize, zunächst kostenlos, dann zum Supersparpreis von nur 9,99 €, und Sie erfahren Forschungsergebnisse, Tipps und Trends, die sich rasch auszahlen werden. Wenn Sie sich innerhalb der nächsten drei Tage für ein Abonnement entscheiden, erhalten Sie außerdem einen formschönen Schlüsselanhänger mit integriertem Nagelpflegeset gratis. Machen Sie einfach den ersten Schritt, alle weiteren werden folgen! Auf eine bessere Zukunft, Ihre Sonja Allertshofen-Wiekmann, Chefredakteurin.«

Janna schlug mit der flachen Hand auf den Tisch und spürte Krümel unter ihrer Handfläche. Ja, klar! Das hieß doch im Klartext nicht mehr als: Machen Sie einfach den ersten Schritt und lassen Sie uns den Betrag von Ihrem Konto abbuchen, alle weiteren Abbuchungen werden folgen. Hielten die sie für doof?

Janna seufzte. Solche Schreiben hatte sie schon mehrfach bekommen. Und natürlich hatte sie einen Verdacht, warum sie regelmäßig Post von Optimize erhielt. Es gab da nämlich tatsächlich einen »lieben Menschen« in ihrem Leben, der einiges an ihr für optimierbar hielt. Und dieser Mensch wohnte in der Wohnung über ihr und war eng mit ihr verwandt. Zu eng.

Halt, stopp! Auch wenn’s ärgerlich war, Janna wollte jetzt nicht über ihre Mutter nachdenken. Sie. Wollte. Jetzt. Arbeiten.

Na gut, »wollen« war vielleicht das falsche Wort, aber sie musste. Sie musste endlich den Artikel über Mücken für den Finnland-Reiseführer schreiben, sie brauchte das Geld. Lilly benötigte dringend neue Sandalen, denn nie wuchsen die Füße eines Kindes so schnell wie mit sieben.

Obwohl … Janna dachte nach. Hatte sie im letzten Sommerschlussverkauf nicht in weiser Voraussicht Sandalen auf Vorrat gekauft? Rote mit Blümchen? Doch, das hatte sie! Wo waren die denn? Im Schuhschrank? Nein, da wären sie ihr aufgefallen. Im Keller? Oder vielleicht in dem Schrank mit der Bettwäsche, in den sie alles stopfte, das in der winzigen Wohnung sonst nirgends Platz fand?

Janna wollte schon aufstehen, um nach den Sandalen zu suchen, als ihr Blick auf den neongelben Klebezettel fiel, den sie selbst oben an den Rand des Notebook-Displays geklebt hatte. »NEIN« stand darauf in fetten Großbuchstaben. Daneben klebte ein neongrüner Zettel mit der Aufschrift: »Das ist eine Ausrede! Schreib weiter, du Faultier!« Und rechts davon verkündete eine Botschaft auf leuchtendem Orange: »Und du hast auch KEINEN Hunger und KEINEN Durst! Pfoten weg vom Kühlschrank! Schreib!!!«

Janna grunzte. Ja, ja, ja, okay, sie würde später nach den Sandalen suchen. Das konnte sie auch nachmittags tun, wenn Lilly aus der Schule zurück sein würde, denn dann war an ruhige Arbeit sowieso nicht mehr zu denken. Jetzt standen die Mücken auf dem Programm, und über Mücken würde sie jetzt auch schreiben.

Jawohl!

Wahrscheinlich.

Vielleicht.

Vielleicht aber auch nicht. Vermutlich war es doch klüger, zuerst diese lästige Mail zu beantworten und danach den Mücken-Artikel zu schreiben. Dann war ihr Kopf frei, und sie konnte sich voll auf den Text konzentrieren.

Okay. Janna klickte auf »Antworten«, formte ihre Hände zu Tigerkrallen und stürzte sich auf die Ta s t a t u r.

»Sehr geehrte Frau Allertshofen-Wiekmann«, schrieb sie. »Sie haben mir jetzt schon zum vierten Mal ein Probe-Abonnement der Zeitschrift Optimize angeboten. Eigentlich wäre mir das egal, ich würde Ihr Schreiben normalerweise einfach löschen. Nur leider kommt etwa zwei Wochen nach jeder Ihrer Mails ein Probeheft Ihrer Zeitschrift samt Rechnung hier bei mir an, und das nervt. Jedes Mal schicke ich das Heft und die Rechnung zurück, und wirklich jedes Mal erhalte ich nach zwei Wochen trotzdem eine Mahnung. Daraufhin schicke ich Ihnen dann immer einen Brief per Einschreiben, in dem ich erkläre, dass ich das Heft nicht will, dass ich es nicht bestellt habe und dass ich es auch nicht bezahlen werde. Danach ist ein paar Monate lang Ruhe, aber eben nur ein paar Monate lang. Dann kommt Ihre nächste Mail, und alles beginnt von vorn.

Frau Allertshofen-Wiekmann, ich weiß nicht, woran das liegt, und es ist mir auch egal. Es soll einfach aufhören. Hier also noch einmal in Großbuchstaben die Information: NEIN! Ich will KEIN Probeabo der Zeitschrift Optimize. ICH WILL ES NICHT! Und ich will auch KEINE MAILS mehr von Ihnen bekommen. Geht das???

Mit immer noch freundlichen Grüßen, denn vielleicht können Sie ja nichts dafür, Janna Mahler.«

Puh! Janna klickte auf »Senden«, schloss das Mailprogramm und atmete tief durch. So, Mutter, das war erledigt! Und jetzt zu den Mücken.

Mückenmückenmücken.

Eine halbe Stunde später saß Janna immer noch vor einem leeren Bildschirm. Dafür war die Tastatur ihres Notebooks staubfrei und die Buntstifte in der Blechschachtel neben ihr gespitzt und der Größe nach geordnet.

Ein Gefühl von Zufriedenheit stellte sich allerdings angesichts dieser Ordnung nicht ein. Mit beiden Händen griff Janna sich in ihre Haare und zerwühlte sie, bis sie in alle Richtungen abstanden. Da waren sie wieder, ihre drei Probleme. Sie hatte keine Lust zu arbeiten. Sie hatte keinen Chef, der sie dazu zwang. Und die ganze Welt erschien ihr in diesem Moment wie eine einzige bunt glitzernde Ablenkung von ihrer Arbeit. Selbst Tätigkeiten wie Schränke nach Sandalen zu durchwühlen, Flecken an der Wand anzustarren oder die Spitzen ihres langen dunklen Haares auf Spliss zu kontrollieren kamen ihr gerade spannend und abwechslungsreich vor.

Wenn sie doch den ganzen Morgen einfach noch einmal zurückspulen und von vorn beginnen könnte!

Klick, stopp, rewind, alles zurück. Janna würde mit hastigen, ruckartigen Bewegungen ihr Notebook zuklappen, aufstehen, rückwärts durch den Flur ins Bad sausen und unterwegs hektisch über die Spielsachen und Schuhe springen, die Lilly auf dem Boden verstreut hatte. Sie würde den alten Jogginganzug wieder ausziehen und unter die Dusche steigen.

Und dann: klick, stopp und play. Arbeit, die zweite. Mit Bewegungen im Normaltempo würde Janna sich beim Neustart in den Tag sorgfältig schminken, sie würde statt der Jogginghose ein Kleid anziehen und anschließend einen teuren Duft auftragen. Business-Janna würde danach ihr Notebook aufklappen, aber natürlich nicht auf dem verkrümelten Küchentisch, so wie es Lilly-Mama getan hatte, und Business-Janna würde auch nicht erst das Mailprogramm öffnen. Sie würde den Laptop ins Arbeitszimmer tragen, sich am Schreibtisch niederlassen und schnell und effizient einen brillanten Artikel über finnische Mücken für einen namhaften Reiseführer verfassen, denn Business-Janna war eine Wortartistin, eine Edelfeder, eine Femme de Lettres.

Janna überlegte. Sollte sie vielleicht wirklich noch einmal in den Tag starten? Sie musste ja nicht unbedingt rückwärts und mit zackigen Bewegungen ins Bad sprinten, das wäre albern, aber sie konnte sich ein bisschen aufhübschen. Wie sah sie überhaupt aus? Sie hatte sich noch gar nicht im Spiegel betrachtet. Im Display ihres Notebooks sah sie ihr Abbild. Die langen, dunklen Haare waren strähnig und glanzlos, ihr ungeschminktes Gesicht wirkte blass, ihre Nase glänzte. Nein, so durfte sie sich nicht gehen lassen. Wenn man beim Schreiben aussah wie eine gescheiterte Existenz, war Scheitern vorprogrammiert.

Janna streckte schon die Hand aus, um ihr Notebook zuzuklappen, als ihr Blick auf die kleinen Klebezettel am Bildschirmrand fiel. »Das ist eine Ausrede! Schreib weiter, du Faultier!«

Janna knurrte leise, aber sie beugte sich ihrer eigenen Anweisung. Sie würde jetzt sofort mit dem Mückentext anfangen. Buchstabe um Buchstabe, Wort um Wort, Zeile um Zeile. Anders ging es nicht.

Nur noch schnell die Mails checken, sie klickte auf das entsprechende Programm.

Auf Jannas Bildschirm ploppte erneut eine Mail...



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