Amann / Hackl | Satire - Ironie - Parodie | Buch | 978-3-901064-48-7 | www2.sack.de

Buch, Deutsch, Band 85, 228 Seiten, KART, Format (B × H): 170 mm x 240 mm

Reihe: Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft

Amann / Hackl

Satire - Ironie - Parodie

Aspekte des Komischen in der deutschen Sprache und Literatur
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-901064-48-7
Verlag: Universität Innsbruck Inst. f. Germanistik

Aspekte des Komischen in der deutschen Sprache und Literatur

Buch, Deutsch, Band 85, 228 Seiten, KART, Format (B × H): 170 mm x 240 mm

Reihe: Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft

ISBN: 978-3-901064-48-7
Verlag: Universität Innsbruck Inst. f. Germanistik


In einer Zeit, da von einer Krise des (politischen) Kabaretts gesprochen wird, weil wir andauernd von der Wirklichkeit als Realsatire eingeholt werden – ein Beleg dafür ist, dass
eines der besten Kabarettprogramme der letzten Jahre „nur“ aus der Präsentation von Abhörprotokollen und diversen Korruptionsaffären bestand, ist es naheliegend, das Komische in den Blick zu nehmen. Inzwischen werden auch in Deutschland Möglichkeiten und Grenzen von (politischer) Satire teils polemisch, jedenfalls kontroversiell diskutiert, wobei klar wird, dass der Umgang mit Humor und Komik im öffentlichen Diskurs auch viel über die jeweilige Verfasstheit einer Gesellschaft aussagt. Insofern scheint es für die Geistes- und Kulturwissenschaften angebrachter denn je, genauer über die Rolle des Lachens nachzudenken und aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten.
Neben diesen gesellschaftlichen und politischen Beweggründen waren auch andere Faktoren für die Wahl des Themas ausschlaggebend. Die Satire als literarische Gattung sowie Ironie und Parodie als ein Bündel stilistischer und literarischer Verfahren ermöglicht es, die Frage nach den Kategorien, Strukturen und Funktionen des Komischen sowohl diachron als auch synchron zu stellen. Neben Fragen der Rhetorik, der Literaturwissenschaft und Literaturgeschichte spielten verstärkt auch medienlinguistische Fragestellungen sowie kommunikationstheoretische Ansätze eine Rolle, die für alle Teildisziplinen fruchtbar gemacht werden können.

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Weitere Infos & Material


Fabrizio Cambi: Witz, Humor und das Komische in der Ästhetik
und im Werk Jean Pauls
Alessandro Fambrini: „Es ist jeder sein eigener Teufel“. Humor und Ironie
in den Erzählungen von Kurd Laßwitz
Marco Serio: Ironie, Satire und Parodie in Gustav Meyrinks Novellen
Magdalena Maria Gronau: „New Atheism“ vs. „Die Götter Griechenlands“.
Romantische Ironie in Erwin Chargaffs Essay Wehklage über das
Verschwinden der Dryaden
Wolfgang Hackl: Transformationen von Schnitzlers Reigen.
Helmut Qualtingers Parodien und Werner Schwabs Farce
Erika Wimmer: Angriffig. Otto Grünmandl und Markus Koschuh
als Repräsentanten des Kabaretts in Tirol
Klaus Amann: Ironie im Dienste politischer Agitation.
Walthers von der Vogelweide ‚Opferstock‘-Strophe und das
Spottgedicht auf Kaiser Ludwig den Bayern (1346/47)
Fulvio Ferrari: Der Pfaffe Amis und die Vieldeutigkeit der Komik
Davide Bertagnolli: Lachen um des Lachens willen?
Zur Komik im Dieb von Brügge
Elisabeth Christensen: Den pfaffen und das weib wolt effen.
Klerus und Komik in Hans Rosenplüts Mären
Federica Ricci Garotti: Ironie als kommentierendes Handeln
in wissenschaftlichen Beiträgen
Manuela Caterina Moroni: Ironie und Intonation im privaten Gespräch
Daniel Pfurtscheller: Scherzen mit Bild und Text. Medienbilder und
Mediendesign in komischen Verwendungszusammenhängen
Heike Ortner: „Wir sind alle Versuchskaninchen ;)“. Galgenhumor in der
Online-Kommunikation über chronische Krankheiten


Vorwort
Im Dezember 2010 fand auf Einladung der Facoltà di Lettere e Filosofia der Università degli Studi di Trento eine kleine Tagung in Trient zum Thema „Deutschsprachige Literatur und Dramatik aus der Sicht der Bearbeitung: Ein hermeneutisch-ästhetischer Überblick“ statt. Dabei wurden zwei zentrale Ziele verfolgt, nämlich die verstärkte und von beiden Universitäten geforderte und geförderte Zusammenarbeit zwischen Innsbruck und Trient, die mittlerweile mit einem Vertrag aufgewertet wurde, sowie die Einbindung des wissenschaftlichen Nachwuchses (Doktorandinnen und Doktoranden) im Umfeld einer wissenschaftlichen Veranstaltung. Die Beiträge der Tagung wurden 2011 in der Reihe Labirinti des Dipartimento di Studi Letterari, Linguistici e Filologici als Band 134 publiziert.
Als Gegeneinladung fand vom 20. bis 21. März 2014 eine ähnlich konzipierte Tagung in Innsbruck unter dem Titel „Satire, Ironie und Parodie in der deutschen Sprache und Literatur“ statt, für die aus jedem Institut sieben Vortragende gewonnen wurden, wovon mindestens jeweils eine/r im Doktoratsstadium war. Die verschriftlichten Beiträge dieser Tagung legen wir hier nun vor.
In einer Zeit, da von einer Krise des (politischen) Kabaretts gesprochen wird, weil wir andauernd von der Wirklichkeit als Realsatire eingeholt werden – ein Beleg dafür ist, dass
eines der besten Kabarettprogramme der letzten Jahre „nur“ aus der Präsentation von Abhörprotokollen und diversen Korruptionsaffären bestand, und für Italien könnte man fragen, was das für Zeiten sind, in denen der Komiker und politische Kabarattist Beppe Grillo die Seiten wechselte? – in einem solchen Kontext schien es naheliegend, mit den Kolleginnen und Kollegen von der Università di Trento ein Gespräch über das Komische zu suchen. Inzwischen – wir schreiben das Jahr 2016 – werden auch in Deutschland Möglichkeiten und Grenzen von (politischer) Satire teils polemisch, jedenfalls kontroversiell diskutiert, wobei klar wird, dass der Umgang mit Humor und Komik im öffentlichen Diskurs auch viel über die jeweilige Verfasstheit einer Gesellschaft aussagt. Insofern scheint es für die Geistes- und Kulturwissenschaften angebrachter denn je, genauer über die Rolle des Lachens nachzudenken und aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten.
Neben diesen gesellschaftlichen und politischen Beweggründen waren auch andere Faktoren für die Wahl des Themas ausschlaggebend. Die Satire als literarische Gattung sowie Ironie und Parodie als ein Bündel stilistischer und literarischer Verfahren ermöglichte es uns, die Frage nach den Kategorien, Strukturen und Funktionen des Komischen sowohl diachron als auch synchron zu stellen. Dabei konnten die an unseren Instituten vertretenen Teildisziplinen und die damit verbundene wissenschaftliche Neugier und Expertise problemlos eingebunden werden. Es ist gelungen, alle traditionellen Teilbereiche der Germanistik (Neuere deutsche Literatur, Linguistik, Mediävistik) abzudecken und so auch über die Grenzen der Subdisziplinen hinaus ins Gespräch zu kommen. Aufbauend auf einer schon bestehenden Forschungstradition zu Fragen der Komik ging es bei der Tagung auch darum, das Textfeld und die disziplinären Zugänge zu den verschiedenen Kategorien des Komischen zu erweitern. Neben Fragen der Rhetorik, der Literaturwissenschaft und Literaturgeschichte spielten verstärkt auch medienlinguistische Fragestellungen sowie kommunikationstheoretische Ansätze eine Rolle, die für alle Teildisziplinen fruchtbar gemacht werden können.
In der neueren deutschen Literaturwissenschaft wird zeitlich ein Bogen vom späten 18. bis zum 21. Jahrhundert geschlagen. Fabrizio Cambi diskutiert im ersten Beitrag des Bandes Jean Pauls theoretische und ästhetische Überlegungen zu Humor und (romantischer) Ironie, die von diesem als Mittel des Erkenntnis- und Freiheitsgewinns gesehen wurden und traditionsprägend für eine ganze Epoche werden sollten. Sie entfalteten noch im 20. Jahrhundert ihre Wirkung, wie die drei folgenden Beiträge zeigen: Alessandro Fambrini untersucht in seinem Aufsatz einige Erzählungen des heute kaum noch bekannten schlesischen Schriftstellers Kurd Laßwitz, der als ‚deutscher Jules Verne‘ zu einem Vorläufer der Science Fiction wurde und einerseits die Wissenschaftsgläubigkeit seiner Zeit in der Tradition der romantischen Ironie aufs Korn nahm, andererseits den durch eine ironische Grundhaltung stimulierten Rationalismus als Motor wissenschaftlichen Fortschritts begrüßte. Marco Serio befasst sich in seinem Beitrag mit drei Novellen Gustav Meyrinks, eines Autors, der ebenfalls mithilfe der Satire den blinden Glauben an den technischen Fortschritt und dessen Versprechungen scharf kritisiert und dem durch den Positivismus geprägten Weltbild das Phantastische und Irrationale entgegenhält. Magdalena Maria Gronau analysiert einen Essay des Biochemikers und Kulturkritikers Erwin Chargaff, der, anders als sein naturwissenschaftlicher Hintergrund vermuten lassen würde, den ‚neuen Atheismus‘ vieler seiner Zunftkollegen satirisch-polemisch angreift. Er plädiert für einen an den alten Griechen orientierten Glauben an die „Wahrheit des Paradoxen, die gerade die Ironie am besten zum Ausdruck zu bringen vermag“. Zwei weitere Beiträge aus dem Bereich der neueren deutschen Literatur beschäftigen sich mit dem Kabarett, einer zu Unrecht oft vernachlässigten literarischen Gattung, die selbstverständlich ganz besonders auf den Witz als poetologischer Grundkonstituente aufbaut. Wolfgang Hackl untersucht aus der Fülle von Parodien von Arthur Schnitzlers Reigen als einer „präzisen Gegenrede“ gegen die offizielle Sexualmoral des Fin de Siècle Beispiele des österreichischen Kabaretts der 1950er Jahre mit Helmut Qualtinger und Werner Schwabs Der REIZENDE REIGEN nach dem Reigen des REIZENDEN HERRN ARTHUR SCHNITZLER als Transformationen der schnitzlerschen Vorlage. Die Ausführungen von Erika Wimmer gelten dem Tiroler Kabarett der jüngeren und jüngsten Zeit und zeigen die unterschiedlichen Zugänge zum Politischen, die die beiden Kabarettisten Otto Gründmandl im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts und Markus Koschuh in der Gegenwart gewählt haben.
Dem Politischen aus mediävistischer Perspektive nähert sich der Aufsatz von Klaus Amann, der anhand eines Sangspruchs Walthers von der Vogelweide und einer Reimpaarrede eines anonymen Autors zeigt, wie sich Ironie zur Festigung der eigenen Positionen im Angesicht realpolitischer Niederlagen einsetzen lässt. In den Beiträgen der germanistischen Mediävistik dominieren ansonsten Überlegungen zur Gattung des Märe, das seit jeher als besonders gut geeignetes Vehikel für komisches Erzählen gilt. Dabei wird die Zeit vom 13. bis zum 15. Jahrhundert ebenso abgedeckt wie der gesamte deutsche – also auch der oft vernachlässigte niederdeutsche – Sprachraum. Fulvio Ferrari widmet sich dem schillernden Episodenroman Der Pfaffe Amis des Strickers und streicht die ambivalente Haltung des Erzählers zu seinem Protagonisten hervor, die als ironisches Spiel mit dem Publikum gedeutet wird. Das niederdeutsche Schwankmäre Der Dieb von Brügge steht im Mittelpunkt der Ausführungen von Davide Bertagnolli, der sich gegen eine Lesart des Textes als reine Unterhaltungsliteratur wendet und belegt, dass dieser Text didaktische und sozialpolitische Diskurse der Zeit verhandelt und – aus Sicht des aufstrebenden Stadtbürgertums – klar dazu Stellung bezieht. Elisabeth Christensen schließlich befasst sich mit dem Märenschaffen Hans Rosenplüts und hier insbesondere mit der Figur des Weltgeistlichen, die einerseits besonders oft Folie für das Geißeln sexueller Verfehlungen ist, andererseits aber in einem Fall auch dazu dient, die Sündhaftigkeit der Welt insgesamt der Lächerlichkeit preiszugeben und so anzuprangern.
Die Reihe der Beiträge aus der germanistischen Sprachwissenschaft eröffnet Federica Ricci Garotti, die aus textlinguistischer Perspektive zeigt, wie Ironie in wissenschaftlichen Vorträgen als Kommentarhandlung eingesetzt wird, die es dem Sprecher ermöglicht, sich implizit kritisch-distanzierend oder auch zustimmend zu bestimmten Thesen zu äußern und damit den Vortrag zu strukturieren, ohne den Zuhörern dazu Hinweise auf der Metaebene geben zu müssen. Der Frage nach Ironiesignalen geht Manuela Caterina Moroni nach und führt in ihrer prosodischen Analyse von Privatgesprächen den Nachweis, dass solche Signale eine immer wieder gleich realisierte Intonationskontur aufweisen, die es den Gesprächsteilnehmern ermöglicht, ironische Äußerungen zu identifizieren. Daniel Pfurtscheller dagegen untersucht in seinem Beitrag die verschiedenen Verwendungszusammenhänge von per se nicht witzig gemeinten Bildern, die – sowohl in ‚alten‘ wie in ‚neuen‘ Medien – mit Texten versehen und so neu kontextualisiert zu einem Teil von ‚Scherzkommunikation‘ werden, was gleichzeitig die Frage nach deren Strukturmustern aufwirft. Der abschließende Aufsatz des Bandes stammt von Heike Ortner und widmet sich der Diskussionskultur in den ‚neuen‘ Medien bzw. der Frage, wie die nicht unproblematische Form des ‚Galgenhumors‘, die jedoch potenziell eine große Bandbreite verschiedener Funktionen abdeckt, in der Online-Kommunikation über chronische Krankheiten aus der Sicht Betroffener eingesetzt wird.
Unser Dank gilt den Institutionen, die die Tagung und die Herausgabe des Bandes unterstützt haben, sowie allen Beiträgerinnen und Beiträgern. Ebenso bedanken wir uns für die Aufnahme des Bandes in die Germanistische Reihe. Besonderer Dank geht an die Redakteurin der Reihe, Astrid Obernosterer, für ihre aufmerksame und geduldige Arbeit!


Amann, Klaus
Studium der Deutsche Philologie und Anglistik
Dissertation 2006; Assistenzprofessor am Institut für Germanistik der Universität Innsbruck/Österreich

Hackl, Wolfgang
Studium der Theologie, Philosophie und Germanistik
Dissertation 1988; Habilitation 2004; Professor am Institut für Germanistik der Universität Innsbruck



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