Buch, Deutsch, 120 Seiten, Format (B × H): 135 mm x 218 mm
Reihe: welt bewegt
Roman
Buch, Deutsch, 120 Seiten, Format (B × H): 135 mm x 218 mm
Reihe: welt bewegt
ISBN: 978-3-949545-97-9
Verlag: Orlanda Buchverlag GmbH
In Istanbul verschwindet Günes, ein 31-jähriger Ingenieur und angesehener Offizier der türkischen Armee, plötzlich und spurlos. In Berlin erfährt ein im Exil lebender, türkischer Schriftsteller gleichen Namens zufällig davon und beschließt, in seine alte Heimat zurückzukehren, um dem Fall nachzuspüren.
Bei seinen Nachforschungen stößt er auf Geheimnisse im Leben des Offiziers, die von dessen Umfeld hartnäckig verleugnet werden. Seine Suche nach der Wahrheit entwickelt sich mehr und mehr zu einer Reise in die eigene Vergangenheit. Dabei sieht er sich mit einer Gesellschaft konfrontiert, die Gewalt und Verbrechen gegen queere Menschen duldet und selten verfolgt. Schließlich stellt er fest, dass Berlin der Ort ist, an dem er seinen Platz gefunden hat.
Altug entwirft ein beklemmendes, nahezu klaustrophobisches Bild der gegenwärtigen politischen Realität in der Türkei – und der fragilen, bedrohten Existenz queerer Menschen. Die kunstvoll eingewobenen Verweise auf Thomas Manns Novelle »Der Tod in Venedig« wirken dabei wie ein literarisches Echo. So verdichtet sich der Roman zu einem intensiven Leseerlebnis, das lange nachhallt.
» Die dunkelste Nacht eines langen Winters ist der bislang kraftvollste und tiefgründigste Roman von Barbaros Altug. […] In Altugs Sprache verbindet sich die aus Thomas Manns Literatur vertraute Melancholie mit der Fragilität des modernen Exils. […] Wie schon in seinen früheren Büchern erzählt Altug von verletzten Identitäten und verschwiegenen Vergangenheiten – von Menschen, die zwischen Erinnerung und Gegenwart nach einem Ort suchen, an dem sie bleiben können.« Beyza Unmut, BirGün Kitap
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Am nächsten Abend trafen wir uns wieder. Amirs Stimme verschmolz mit der Istanbuler Nacht, und was ich hörte, war bedrückend und aufrüttelnd zugleich. »Wenn wir nicht fliehen können, müssen wir erzählen«, sagte er, und es klang nach Kapitulation. Flucht, Entkommen, die Suche nach Freiheit … davon träumten wir alle, und manchmal mussten wir auf dem eingeschlagenen Weg wieder kehrtmachen. Doch resultierte daraus eben nicht Kapitulation, sondern jene besondere Form des Widerstands: das Erzählen. »Sie können uns den Mund nicht verbieten«, sagte Amir. »Denn selbst wenn wir umkehren müssen, haben wir doch so viel erlebt, gesehen und gefühlt. Und unsere Geschichten sind nicht bloß Klagelieder, sie können auch Mut und Hoffnung machen.« […] »Ich weiß«, sagte er, »es kann sein, dass ich eines Nachts plötzlich den Koffer packen und aufbrechen muss. Aber dadurch bringen sie mich nicht zum Schweigen. Die Menschen müssen von denen, die hierherkommen wollen, genauso erfahren wie von denen, die kämpfen müssen. Wenn wir schweigen, wenn man uns ignoriert, wird alles nur schlimmer.«




