E-Book, Deutsch, 256 Seiten
Altucher Sichere dir das Fast-Lane-Ticket!
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-96267-362-8
Verlag: REDLINE
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die 10.000-Versuche-Regel und andere überraschende Ratschläge, wie man Ziele schneller erreicht
E-Book, Deutsch, 256 Seiten
ISBN: 978-3-96267-362-8
Verlag: REDLINE
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
James Altucher ist Unternehmer, Autor, Podcaster und Stand-up-Comedian. Er gründete und leitete über 20 Unternehmen und investierte in viele weitere. Altucher schreibt unter anderen für das Wall Street Journal, die Financial Times oder Huffington Post und publizierte bereits 18 Bücher. Außerdem betreibt er mit James Althucher Show einen sehr erfolgreichen Podcast mit 800.000 Downloads
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Es gibt v. C. und es gibt n. C. »Vor dem Coronavirus« und »nach dem Coronavirus«.
Als die gesamte Welt in den Shutdown ging, wurde alles auf den Kopf gestellt. Zig Millionen verloren ihre Jobs, ihre Karriere und realisierten plötzlich, dass niemand ihnen gegenüber loyal war.
Als sich die Wirtschaft wieder erholte, blieben so viele Menschen arbeitslos. So viele Unternehmen und Geschäfte waren einfach verschwunden. Die Institutionen, denen wir vertraut hatten – Universitäten, die Regierung, welche Systeme an Unterstützung wir auch hatten –, waren alle verschwunden oder verändert und hatten uns hängen lassen.
Ich muss mich verändern. Ich muss etwas finden, das ich tun kann und das ich liebe. Darin muss ich gut werden – gut genug, um Geld damit zu verdienen, genug Geld, damit mir das nicht wieder passiert.
Das waren nicht meine Worte, aber so hat jeder gedacht.
Die Gesellschaft erfand sich neu. Und niemand wollte zurückgelassen werden. Aber wie findet man etwas, das man liebt? Und wie wird man schnell gut darin? Braucht es 10.000 Stunden?
Ich habe keine 10.000 Stunden. Ich muss jetzt meine Familie ernähren!
Zum ersten Mal ist die gesamte Welt in der gleichen Situation. Wir müssen alle herausfinden, was wir als Nächstes machen wollen. Und wie werden wir es machen? Wie werden wir dabei Erfolg haben?
Wie werden wir Freiheit gewinnen, damit niemand uns sagen kann, was wir machen sollen? Wie können wir etwas meistern, um das Gefühl zu haben, unsere Peergroup respektiert uns, um damit Geld zu verdienen und die Feinheiten dessen schätzen zu lernen, worin auch immer unsere Leidenschaft und unser Lebenszweck bestehen?
Wie können wir uns ausreichend entspannen, um die Zeit mit unseren Freunden, unserer Familie, unserer Gemeinschaft zu genießen?
Ist das zu viel verlangt?
Zum ersten Mal in der Geschichte der menschlichen Rasse hat sich der gesamte Globus zusammengetan, um sich auf ein einziges Ziel zu konzentrieren – mit der Pandemie fertigzuwerden. Aber genauso leicht, wie die Welt zusammengekommen ist, genauso leicht fiel sie auch auseinander. Wir mussten alleine herausbekommen, was wir lieben, wie wir besser darin werden, wie wir anderen helfen können, wie wir sicher sein können, wie wir florieren können.
Aber was nun?
Wir müssen eine Wirtschaft wiederaufbauen, die lebenserhaltende Maßnahmen brauchte, eine Gesellschaft, die panische Angst hatte, und jeder von uns als Individuum musste lernen, wie man mit massiver Unsicherheit umgeht. Das Leben ist nicht dafür da, dass wir es nach dem Plan und Regelwerk von jemand anderem leben. Wir müssen die Regeln machen.
Viele von uns werden an der Schlange vorbeigehen müssen.
Das menschliche Hirn verabscheut Unsicherheit.
Wenn einer unserer Vorfahren in der Steinzeit an einem Busch vorbeilief und der Busch plötzlich anfing zu rascheln, hätte unser Paläo-Opa vielleicht entweder angenommen, dass der Wind durch die Blätter fährt … oder dass ein Löwe darauf wartet, herauszuspringen, um ein Festmahl einzunehmen.
Der Mensch war sich unsicher! Also wurde Cortisol ausgeschüttet, das eine Fluchtreaktion auslöst und unser Urahn wäre vor der wahrgenommenen Gefahr geflohen. Es gibt einen Grund, wieso die Steinzeitmenschen, die nicht weggerannt sind, nicht unsere Vorfahren sind. In einem von tausend Fällen wurden sie gefressen … bis die Menschen, denen ein bisschen Unsicherheit nichts ausmachte, alle ausgestorben waren.
Die Angst vor der Unsicherheit liegt uns in den Genen. Die DNAAbschnitte, die in uns überlebt und sich in uns entwickelt haben, bringen diese grelle nackte Angst vor der Unsicherheit zum Ausdruck.
Ein modernes Beispiel ist der Aktienmarkt. Oft ist es egal, ob die Nachrichten gut oder schlecht sind, die Aktien steigen. Aber wenn die Neuigkeiten unsicher sind, wird der Markt abstürzen. Der Aktienmarkt ist ein gutes Barometer für den Grad an Unsicherheit in der Welt. Wenn Apple sagt: »Unser Gewinn geht nach unten«, kann die Apple-Aktie dennoch steigen oder auch fallen. Aber wenn Apple sagt: »Wir wissen nicht, wie unser Gewinn aussehen wird«, stürzt die Aktie sicher ab.
Doch die Gesellschaft hat sich schneller entwickelt als die Menschen. Wir ziehen nicht mehr in Stämmen von 30 Menschen herum, in denen jeder jeden kannte. Wir ziehen auch nicht mehr in größeren Gruppen von 150 Mitgliedern umher, wo man vielleicht nicht jeden direkt kannte, aber jemanden in der Gruppe kannte, der es tat. Die Erfindung von Klatsch und Tratsch war unglaublich nützlich, um herauszufinden, ob jemand vertrauenswürdig genug war, um mit ihm jagen zu gehen.
Und wir haben uns zu komplexeren und ausdifferenzierteren Organisationsformen weiterentwickelt. Wir gründeten Dörfer, dann Städte, dann Stadtstaaten, dann Königreiche, dann Imperien, dann Religionen, die Milliarden Menschen unter dem Dach eines einzigen Glaubenssystems vereinten.
Das Leben wurde komplex.
Als Primaten leben wir in einem Stamm von 30 Personen in einer Hierarchie, eine Reihe von Alpha bis Omega und alle Stufen dazwischen. Jeder Schimpanse weiß genau, wo er in der Hierarchie steht. Das Alphamännchen hat seine Vorteile: Sex mit allen Weibchen, einen Schlafplatz in der Mitte des Stamms, um den größten Schutz zu haben, freie Nahrungsauswahl.
Aber der Omega hat es auch nicht so schlecht. Der Alpha muss stets seine Stellung schützen und kämpfen, um sie zu verteidigen. Der Omega hat weniger Nahrung und muss am Rand der Gruppe schlafen, aber er muss auch nicht Tag und Nacht damit verbringen, um seine Position zu kämpfen.
Menschen haben nicht nur einen Stamm, sondern mehrere, und mehrere Hierarchien, von denen sie ein Teil sind oder mit denen sie sich arrangieren müssen. Wo Sie in der Hierarchie stehen – wie nahe Sie an der Spitze sind –, bestimmt Ihre Bezahlung, Ihre Verantwortung, sogar, wer Ihre Freunde sind und wie hoch Ihr Potenzial ist, einen Partner oder eine Partnerin anzuziehen. Titel, Ränge und andere Merkmale des Erfolgs werden zum wichtigsten Maßstab Ihres Wertes und Ihres Potenzials.
Sind Sie der Junior System Programmer? Oder sind Sie Manager, Direktor, Vizepräsident, Senior-Vizepräsident, stellvertretender Vorstandsvorsitzender, Chief Operating Officer oder Chief Executive Officer?
Wenn Sie Tennisspieler sind, stehen Sie auf der Weltrangliste? Wenn Sie Golfer sind, wie hoch ist dann Ihr Handicap?
Wenn Sie Bücher schreiben, wie viele haben Sie verkauft? Oder welche Preise haben Sie gewonnen?
Früher war es so: Wenn Sie aus dem Stamm geworfen wurden, sind Sie gestorben. Es gab keinen anderen Stamm, dem Sie sich anschließen konnten. Sie mussten in den Dschungel wandern und auf das Beste hoffen, aber früher oder später wurden Sie gefressen. Offensichtlich ist der Einsatz in der modernen Welt sehr viel geringer, aber unsere Instinkte, uns anzupassen und auf Linie zu bleiben, sind immer noch intakt. Wenn es aussieht, als würden wir unseren Status im Stamm verlieren, werden mehrere neurochemische Botenstoffe ausgeschüttet, die enormen Stress verursachen. Cortisol löst die »Kampf-oder-Flucht«-Reaktion aus. Und Tachykinine werden ausgeschüttet, wenn wir Isolation erfahren oder uns davor fürchten. Beide stehen in Bezug zu unserer Sicherheit im Stamm. Weniger Sicherheit bedeutet mehr dieser schlechten neurochemischen Botenstoffe und mehr Stress.
Andere Botenstoffe lösen ein stärkeres Glücksgefühl aus, aber sie sind keine »Glückshormone«, wie wir sie uns oft vorstellen. Es geht nicht nur um unsere innere Zufriedenheit. Diese neurochemischen Stoffe haben speziell damit zu tun, welchen Rang wir im Stamm innehaben.
Dopamin wird ausgeschüttet, wenn uns eine Belohnung winkt. Sobald wir Essen sehen und gleich etwas davon erlangen werden, sagt das Dopamin unserem Gehirn, dass unser Rang im Stamm steigen wird, wenn wir dieses Essen bekommen. Also fühlt es sich gut genug an, um ein paar Risiken einzugehen und den Baum hochzuklettern und das Essen zu erreichen.
Serotonin wird ausgeschüttet, wenn wir das Essen haben: Wenn wir den Status im Stamm haben, um zu wissen, dass wir etwas zu essen bekommen und uns sicher fühlen können. Auch wenn Serotonin ein Neurobotenstoff ist, wird 90 Prozent davon im Darm produziert. Menschen essen besser, wenn sie wissen, dass ihr Rang im Stamm sicher ist.
Und Oxytocin wird ausgeschüttet, wenn wir die Verbindung spüren, die durch Freundschaft und Liebe im Stamm entsteht: Wenn wir anderen etwas Gutes tun, wenn wir Dankbarkeit empfinden, wenn wir jemanden lieben, der uns auch liebt. Das regt uns dazu an, der beste Mensch zu sein, der wir sein können, denn wenn Oxytocin ausgeschüttet wird, fühlen wir uns einerseits glücklich und andererseits wird unsere Position im Stamm weiter gefestigt.
Also ist das Bedürfnis, sich anzupassen, stark und tief verwurzelt.
Aber heute haben wir nicht nur einen Stamm. Wir haben viele. Es gibt den Arbeitsstamm, den Familienstamm, die verschiedenen Stämme, die mit unseren Hobbys zu tun haben. Sind wir in der Arbeit an der Reihe für eine...




