E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Allen Ein Earl unterm Mistelzweig
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7515-0496-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7515-0496-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Diese Frau muss ein Weihnachtsengel sein! Davon ist der Earl of Burnham überzeugt, als er die schöne Wirtin Emilia kennenlernt - und spontan um ihre Hand anhält. Doch warum weist Emilia ihn weinend ab?
Louise Allen lebt mit ihrem Mann - für sie das perfekte Vorbild für einen romantischen Helden - in einem Cottage im englischen Norfolk. Sie hat Geografie und Archäologie studiert, was ihr beim Schreiben ihrer historischen Liebesromane durchaus nützlich ist.
Autoren/Hrsg.
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2. KAPITEL
Soll ich draußen noch etwas Holz holen?“, fragte Hugo, da die Dame des Hauses beharrlich schwieg. Kein Wunder, dass Mrs. Weston errötete – er hatte allzu deutlich gesehen, was sie gerade wusch. Zwar handelte es sich lediglich um eine schlichte, alltägliche Chemise, aber dennoch …
„Damit Sie wieder nass werden und frieren? So viel trockene Kleidung habe ich nun auch wieder nicht für Sie.“
Er hoffte, dass sie ihn nur necken wollte und nicht tatsächlich verärgert war. Die Schamesröte war inzwischen verschwunden; sie hatte sich gefasst und lächelte nun wieder. „Danke, aber da es heute Morgen nach Regen aussah, haben wir bereits einen ausreichenden Holzvorrat ins Haus geholt. Vielleicht wollen Sie schon einmal Ihre Bettstatt vor dem Kamin bereiten, dann sind die Kissen später schön warm. Dort unter der Treppe finden Sie einige Strohsäcke und Decken.“ Sie deutete auf einen Schrank. „Wenn wir für das große Mittsommerfest brauen, kommen mir immer viele der Dorfbewohner zu Hilfe. Wir arbeiten bis tief in die Nacht hinein und danach reden und trinken sich alle in den Schlaf.“
Er fand die Bettwäsche, ordentlich aufgestapelt und zusammengerollt, im Schrank. Lavendelzweige lagen zwischen den sorgsam gefalteten Laken und Decken, die so frisch und sauber waren, wie alles, was er von Mrs. Westons Heim und der Wirtschaft gesehen hatte. Es musste für eine solch zierliche Frau viel Arbeit bedeuten, alles allein in solch penibler Ordnung zu halten, selbst wenn die beiden Jungen ihr bereitwillig halfen. Während er noch darüber nachdachte, tauchte wie aus dem Nichts ein Bild vor seinem inneren Auge auf, wie ihr zierlicher und doch so starker Körper auf diesen Strohsäcken vor dem Feuer den seinen willkommen hieß. Nachdrücklich schloss er die Schranktür und schob damit auch zugleich seinen Fantasien einen Riegel vor.
„Ihre Dienstboten bleiben bei solch strömendem Regen wohl lieber in ihren eigenen Cottages?“, fragte er.
Sie lachte auf. „Dienstboten? Das ist kein Postgasthof, Major! Mrs. Trigg hilft mir einmal in der Woche beim Putzen. Peter Bavin kommt ein paar Tage in der Woche, um die schweren Arbeiten zu erledigen. Das heißt, wenn er nicht aufgrund von überfluteten Wiesen und einer geschlossenen Brücke auf der anderen Flussseite festsitzt.“
Sie schüttelte einige Kleidungsstücke aus. Hugo erkannte sein eigenes Hemd und die Strümpfe wieder. Er hätte sie dem Jungen nie geben sollen – sie hatte ohnehin viel zu viel Arbeit, auch ohne sich noch um seine Wäsche kümmern zu müssen. „So“, sagte sie. „Fertig.“ Die Wäsche hing über Ständern in der Nähe des Kamins. Seine Hemden bildeten einen vorzüglichen Vorhang, um die intimeren Wäschestücke dahinter zu verbergen.
„Wenn Sie bitte den Topf auf den Tisch stellen, Major.“
Die Jungen wieselten umher und holten Teller und Besteck. Es gab einen Eintopf, in dem luftig weiche, mit Kräutern gewürzte Klöße schwammen. Ein schlichtes, sättigendes Gericht. Dazu gab es Brot und Butter, Käse, Bratäpfel und Ale, um alles hinunterzuspülen. Hugo bemühte sich, nicht wie ein Wolf zu schlingen, obwohl ihm ein zweiter – und auch ein dritter – Nachschlag angeboten wurde.
„Danke, Madam, es schmeckt vorzüglich, aber ich will Ihnen nicht die Haare vom Kopf essen. Sie haben gewiss nicht damit gerechnet, einen Besucher verköstigen zu müssen.“
Mrs. Weston schenkte ihm erneut ein strahlendes Lächeln. „Es ist mir ein Vergnügen, jemandem ein Mahl anzubieten, der meine Kochkünste zu schätzen weiß. Außerdem werden wir ganz bestimmt nicht Hunger leiden müssen, glauben Sie mir. Ich habe reichlich Vorräte für den Winter im Haus, und sobald wir nicht mehr von der restlichen Welt abgeschnitten sind, können wir uns auch wieder ganz in der Nähe Nachschub besorgen.“
„Wo sind wir hier? Ich muss wohl in der Dunkelheit Berkhamsted und Hemel Hempstead verfehlt haben. Meine Karte hat sich in Papierbrei verwandelt und ohne Licht konnte ich den Kompass nicht lesen. Ich hatte gehofft, ich reite in Richtung Northampton.“
„Sie sind hier in Little Gatherborne. Auf der anderen Seite des Flusses Gather liegt Great Gatherborne. Berkhamsted ist etwa sechs Meilen entfernt in diese Richtung“, sagte sie mit dem Finger deutend. „In etwa acht Meilen Entfernung in dieser Richtung liegt die Watling Street. Das ist die Straße, die Sie suchen.“
„Es ist eine Römerstraße“, platzte Nathan heraus. „Joseph und ich verstehen Latein. Wenn wir einmal alten Römern begegnen, können wir uns mit ihnen unterhalten.“
Latein? Jungen aus einer gewöhnlichen Bierschenke? Allmählich gelangte er zu der Überzeugung, dass dies ein höchst ungewöhnliches Wirtshaus war. „Ich denke, die alten Römer gibt es hier nicht mehr, Nathan.“
„Woher wissen Sie, wer ich bin, Major? Niemand sonst kann uns auseinanderhalten.“
„Außer eurer Mutter, nehme ich an. Nun ja, ich bin es gewohnt, mir die Namen Dutzender Männer zu merken. Dabei lernt man auch, auf die kleinen Unterschiede zu achten.“
„Deine Ohren!“, meinte Nathan neckend zu seinem Bruder.
„Nathan! Ihr beiden räumt jetzt den Tisch ab und dann ins Bett mit euch. Der Major möchte sicher nicht zuhören müssen, wie ihr euch neckt.“
Zu seiner Überraschung stellte Hugo fest, dass ihm die Gesellschaft der Kinder entgegen seiner ersten Vermutung überhaupt nicht missfiel, sondern dass er sie vielmehr genoss. Sie waren lebhaft und scharfsichtig und erfüllten selbst bei ausgezeichnetem Benehmen den ganzen Raum mit Trubel und Leben. Es gefiel ihm, dass sie so offen und ehrlich ihre Meinung zu allem kundtaten und ganz offensichtlich große Zuneigung für ihre Mutter verspürten.
Er war ganz anders aufgewachsen. Schon früh war er zur Waise geworden – damals war er jünger gewesen, als die beiden Knaben jetzt – und man hatte ihn von Anfang an dazu erzogen, die Pflichten eines Earls wahrzunehmen. Mrs. Weston hingegen schien ihre Söhne zu ermutigen, nicht nur ihre Ansichten, sondern auch ihre Gefühle auszudrücken.
Er versuchte sich vorzustellen, wie seine ältlichen Vormunde wohl auf diese beiden Burschen reagiert hätten, und musste ein Schmunzeln unterdrücken. Ein Gentleman beherrscht seine Gefühle zu jeder Zeit. Die Beherrschung zu verlieren ist ein Zeichen von Schwäche. Die sogenannten zärtlichen Gefühle sind den Frauen vorbehalten. Bei Männern führen sie zu Entscheidungsschwäche, Verwundbarkeit und Verweichlichung. Die alten Knaben waren völlig davon überzeugt, dass er diese Doktrin verinnerlicht hatte. Sie hatte ihn zu einem guten Offizier und Gutsherren gemacht, doch als er dem begeisterten Geplauder der beiden Jungen nun lauschte, verspürte er unvermittelt einen ungewohnten Anflug von Neid auf ihre Freiheit.
Hugo stand auf. „Soll ich nach den Tieren sehen?“ Er wollte sich vergewissern, dass Ajax sich von dem strömenden Regen, dem sie ausgesetzt gewesen waren, erholt hatte. Außerdem konnte er dadurch dem Haus entfliehen – und damit auch dem befremdlichen Gefühl, mit offenen Armen in dieser Gemeinschaft aufgenommen zu werden, obwohl er nichts vom Familienleben verstand und wusste. Ganz zu schweigen von der entschieden verstörenden Wirkung, die das Lächeln in Mrs. Westons haselnussbraunen Augen auf seinen Seelenfrieden ausübte.
„Oh, vielen Dank.“ Sie wandte sich von ihren Söhnen ab, die lebhaft mit ihr darüber debattiert hatten, wie gründlich sich Jungen an einem kalten Winterabend waschen mussten. „Das würde ich wirklich sehr zu schätzen wissen.“
Entweder war Emilia Weston eine sehr nette Frau, dachte Hugo, während er die Laterne vom Haken nahm und in den Stall ging, oder sie bekam nicht oft Hilfe angeboten. Vielleicht traf auch beides zu, überlegte er nicht ohne Sorge. Da er bereits am nächsten Tag schon weiterreisen würde, konnte er allerdings – außer sie reichlich für Kost und Logis zu entlohnen – nicht viel zu ihrer Unterstützung tun. Und diese Vorstellung bereitete ihm Unbehagen, ganz so, als ob er zusehen müsste, wie eine zarte Vollblutstute angeschirrt wurde, um eine viel zu schwere Last zu ziehen, gleich, mit welch großem Elan sie daran ging, diese Aufgabe zu bewältigen.
Ajax döste, einen Huf auf die Spitze gestellt, den Kopf auf den fast leeren Futtertrog gelegt. Als er seinen Herrn kommen hörte, öffnete er träge die Augen und beobachtete, wie Hugo die Wassereimer kontrollierte und anschließend die Tür zum Schweinestall und die Außentür verriegelte.
Anschließend lehnte sich Hugo einen Augenblick auf den Rumpf des Pferdes und versuchte, an dem vertrauten Körper zur Ruhe zu kommen, während sich seine Gedanken unablässig im Kreis drehten. Er war müde. Völlig erschöpft, doch er fühlte sich nicht schläfrig.
Schließlich ging er ins Haus zurück und schloss die Tür hinter sich ab. Die Schankstube lag verlassen und auf seinem Lager vor dem Kamin konnte er zumindest ausruhen, auch wenn der Schlaf in dieser Nacht ausbleiben sollte. Methodisch begann Hugo, sämtliche Schlösser und Riegel zu überprüfen. Er legte gerade die Hand an einen offenen Fensterladen, um ihn zu schließen, als sie ihn ansprach.
„Schließen Sie diesen bitte nicht. Drehen Sie den Docht der Laterne etwas herunter, aber lassen Sie das Licht brennen.“
„Erwarten Sie noch jemanden?“ Er tat, wie geheißen, und wandte sich, bemüht sein rasendes Herz zu beruhigen, schließlich zu ihr um. „Der Regen hat nachgelassen.“
„Erwarten? Nein.“ Emilia Weston löste die Schleife ihrer Schürze....




