E-Book, Deutsch, 314 Seiten
Allbeury Drecksarbeit
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-95530-558-1
Verlag: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Spionagekrimi
E-Book, Deutsch, 314 Seiten
ISBN: 978-3-95530-558-1
Verlag: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
1945: In den Trümmern Deutschlands nimmt der britische Geheimdienst deutsche Kriegsverbrecher in seine Dienste. Fünfzig Jahre später, am Ende des kalten Krieges, enthüllt ein Sensationsblatt den Skandal. Der junge Agent Charles Mallory erhält den Auftrag, der Geschichte nachzugehen. Ein schwieriges Unterfangen, wie sich schnell zeigen wird. Bald hat Mallory den Eindruck, seine Gewährsleute erzählten ihm nur die halbe Wahrheit. Sie machen Anspielungen, die er nicht versteht, und warnen ihn vor Gegnern, die er nicht kennt. Als er feststellt, dass seine Chefs kein Interesse an seinen Resultaten haben, beschließt er, auf eigene Faust weiterzumachen... Ein hochklassiger Spionagekrimi - spannendes Lesevergnügen für alle Fans von John Le Carré!
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1. KAPITEL
Auf dem langen Eichentisch waren die neuesten Ausgaben sämtlicher Tageszeitungen verstreut. Toby Young stand am Fenster und schaute hinaus. Es war ein langer, aber milder Winter gewesen, und die Pessimisten, die geunkt hatten, dafür werde man später noch büßen, konnten jetzt behaupten, recht behalten zu haben. Es war Mitte April und es schneite. Große Flocken sanken träge auf die Fensterbänke. Die Dächer der Gebäude gegenüber vom Century House sahen aus wie auf einer altmodischen Weihnachtskarte. Young drehte sich zu Mike Daley um und sagte: »Sie haben Fogarty getroffen – glauben Sie, der weiß etwas, oder klopft er nur auf den Busch?«
Daley zuckte die Achseln. »Vermutlich ein bißchen von beidem.«
»In seinem Artikel steht keine einzige Tatsache. Kein Name, nicht einmal ein Hinweis – nur der immer gleiche alte Unsinn über Exnazis, die noch frei herumlaufen. In den Staaten, in Südamerika, in Europa – und hier. Warum kommen die jetzt damit an – über vierzig Jahre später? Die meisten dieser Mistkerle sind längst tot.«
»Und warum reden wir dann überhaupt darüber?«
Young runzelte die Stirn. »Spielen Sie nicht den Klugscheißer, Michael. Sie wissen verdammt genau, warum.«
»Uns sind nur drei Leute bekannt, die dem SIS etwas anhängen könnten, und wie Sie selbst sagten: Das ist alles lange her.«
»Sie könnten dennoch eine Geschichte daraus machen – ohne Fakten natürlich, und jede Unterstellung sorgfältig mit einem ›wie behauptet wird‹ abgesichert. Im Moment gibt es keinen anderen Skandal, auf den sie sich stürzen könnten. Die anderen Blätter werden es aufgreifen, und die Opposition wird sofort Stellungnahmen oder gerichtliche Untersuchungen fordern – sie werden alles tun, um die Sache hochzukochen.«
»Was wäre das Schlimmste, was sie sagen könnten, Toby? Was könnte uns wirklich Ärger machen?«
»Daß der SIS nach der Kapitulation der Deutschen ehemalige Kriegsverbrecher zu geheimdienstlicher Arbeit heranzog, ihnen Schutz gewährte und dafür sorgte, daß sie nicht vor Gericht gestellt werden konnten.«
»Das haben doch alle gemacht, nicht nur wir. Die Russen auch. Und die Amerikaner haben Gehlen und seine ganze Organisation übernommen. Mit Mann und Maus.«
Young schüttelte den Kopf. »Gehlen ist niemals eines Kriegsverbrechens bezichtigt worden.«
»Das CIC hat viele andere benutzt, die welche waren.«
»Mit dem Unterschied, daß die amerikanische Öffentlichkeit hinter ihnen steht. Das sind Patrioten, keine Beckmesser wie unser Pack.«
»Haben Sie das beim Alten angesprochen?«
»Ganz kurz.«
»Und seine Reaktion?«
»Ganz vorsichtig.«
Daley lächelte. »Wahrscheinlich fürchtet er um seinen ›Schlag‹.«
Young machte keinen Hehl aus seinem Unmut über Daleys vorlauten Kommentar. Noch mehr ärgerte es ihn, daß ihm der gleiche Gedanke auch schon gekommen war. Es war üblich, daß jeder neue Direktor so rasch wie möglich in den Adelsstand erhoben wurde. Er seufzte bedeutungsvoll und sagte: »Ihr Kopf könnte genauso rollen wie jeder andere.«
Daley grinste. »Das ist Wunschdenken, Toby. Warum meiner?«
»Weil der Chef will, daß einer von Ihren Leuten die drei Jungs aufspürt, die uns Sorgen machen.«
Daley zuckte die Achseln. »Und wo ist das Problem?«
»Das Problem dabei ist, daß wir Ärger bekommen, falls einer von ihnen noch lebt – was sollen wir mit ihm machen, zum Beispiel?«
»Und warum sollte ich Ärger bekommen?«
»Weil es, wie Sie sehr wohl wissen, bei uns Leute gibt, die es nach wie vor für gut halten, dem Boten die Augen auszukratzen, wenn er schlechte Nachricht überbringt.«
Daley schüttelte langsam den Kopf. »Nicht diesem Boten, alter Freund.« Aber er lächelte nicht mehr.
»Wen gedenken Sie darauf anzusetzen?«
»Ich werde es mir überlegen. Wahrscheinlich Mallory.«
»Warum Mallory?«
»Er ist schlau, und er ist zu jung, um sich für den Ausgang zu interessieren – wie immer der auch aussehen mag. Er war noch nicht mal auf der Welt, als das alles passiert ist.«
Als Daley wieder weg war, ging Toby Young zu dem Tisch und stapelte die Zeitungen ordentlich übereinander; das Boulevardblatt, das ihnen Kopfzerbrechen bereitet hatte, legte er obenauf. Langsam und sorgfältig riß er die betreffende Seite heraus, setzte sich auf einen der Lehnstühle und las den Artikel nochmals. Vielleicht sollte Mallory zunächst einmal Kontakt mit diesem Journalisten, diesem Fogarty, aufnehmen und herauszufinden versuchen, was er wußte. Dann mußte er wieder an Daley denken. Sie waren beide zur gleichen Zeit vom SIS angeworben worden. Sie waren in derselben Ausbildungsgruppe gewesen, und Daley hatte sich als ausgesprochen fähiger Agent im Außendienst erwiesen. Kühn, einfallsreich, gute Führungsqualitäten. Und jetzt leitete er die erfolgreichste Gruppe für verdeckte Einsätze. Doch es sah so aus, als hätte er damit das Ende der Fahnenstange erreicht. Und er wußte es. Wenn er weiter aufsteigen wollte, müßte er sich an den Schreibtisch hocken, und das wollte Daley nicht. Er wäre auf dieser Position auch nicht so gut. Feldagenten mußten rasch entscheiden; die Bürohengste saßen weitab vom Schuß, und da kam es auf Nachdenken und Abwägen an, nicht auf sofortiges Handeln.
Young reagierte oft ein wenig gereizt auf Daleys Verhalten. Er bewunderte den Mann, fand seinen ständigen Zynismus jedoch unreif und gewollt subversiv. Außerdem war das eine Pose, mit der man Anfänger beeindruckte. Der zynische Mann der Tat. Zudem nahm er an, daß Daley ihn ungern als Vorgesetzten hatte. Aber auch er hatte sein Pensum im Außendienst geleistet und sich dann für Schreibtisch statt Front entschieden. Immerhin konnte er dadurch den Druck nachvollziehen, unter dem die Feldagenten standen. Die Anspannung, die Einsamkeit und den Groll, wenn rechtliche oder politische Faktoren einen operativen Erfolg verhinderten. Auf dem Schachbrett der Geheimdienste wurden die Springer, Türme und Läufer von Bauern am Schreibtisch behindert, die ihrerseits einem sturen König unterstanden. Natürlich käme es Daley niemals in den Sinn, daß es zu seinen, Toby Youngs, Pflichten gehörte, Verständnis und Mitgefühl für Leute wie Daley aufzubringen.
Er schaute auf die Uhr und griff zum Telefon, um Penny zu sagen, daß er später zum Dinner kommen werde. Wieder einmal.
Daley rief Mallory an, aber man teilte ihm mit, daß er zu einem Handfeuerwaffenkursus in Hythe sei und erst in zwei Tagen zurückerwartet werde. Daley trug ihnen auf, Mallory am nächsten Tag zu ihm zu schicken, und begab sich dann in den kleinen Konferenzraum, wo die wöchentliche Besprechung seiner Abteilung gerade zu Ende ging.
Er setzte sich auf seinen freien Platz am Kopfende des Tisches und hörte zu, wie Harris die Anwendung der Software erklärte, mittels deren der Computer Hochgeschwindigkeitsmorsecodes in Standardzeichen umwandeln konnte. Lange Kabel führten von den Hauptanschlußbuchsen des auf dem Tisch aufgebauten Geräts zu Monitor und Computer. Über eine separate Verbindung war das Torch-Diskettenlaufwerk zugeschaltet. Daley mußte insgeheim lächeln, während Harris das neue Gerät großspurig wie ein Zauberkünstler vorführte.
Harris hielt die Magnetdiskette hoch. »Sie stellen den Computer an und legen die Diskette dann so in das Diskettenlaufwerk ein. Drücken Sie gleichzeitig Umschalt- und Leertaste.« Er machte es vor. »Auf dem Bildschirm wird jetzt von Ihnen ein Befehl verlangt. Sie geben LAMTOR ein, und prompt erscheint das Wort auch auf dem Schirm. Drücken Sie auf den Ein- und Ausschaltknopf hier – am Kantronics-Wandler.« Er beugte sich vor und schaltete das Kenwood R-5000 ein. »Jetzt stellen Sie das Funkgerät auf die Frequenz ein, die Sie überwachen wollen. Versuchen wir’s mal mit 5208 Megahertz, einer der Hauptfrequenzen von Interpol.« Er hielt inne. »Ein paar Sekunden dauert es, bis die Software soweit ist, und dann – geht’s auch schon los.« Er beugte sich vor. »Vom Bundeskriminalamt in Wiesbaden an alle Interpol-Dienststellen in Europa und dem Mittelmeerraum. Und auf dem Bildschirm stehen die Morsezeichen deutlich erkennbar.« Er wartete, bis alle die Nachricht gelesen hatten. »Gut. Noch eins: Schalten Sie niemals – ich wiederhole: niemals – das Laufwerk ab, solange die Diskette noch drin ist. Damit zerstören Sie die Diskette so gut wie sicher. Alles klar?« Einige nickten, worauf Harris sagte: »Noch Fragen?«
Mailer stellte immer Fragen, und auch diesmal machte er keine Ausnahme. »Was passiert, wenn einer die Diskette zerstört?«
Harris haßte Leute, die »einer« sagten, obwohl es grammatisch korrekt war. »Dann wird einer von der Fernmeldeabteilung gehörig den Marsch geblasen kriegen, und zweitens waren damit vier Arbeitsstunden umsonst. Solange dauert nämlich das Formatieren einer neuen Diskette.«
Daley unterbrach ihn. »Bevor ich es vergesse. Was hat sich wegen des verschwundenen Smith & Wesson ergeben?«
»Hat sich geklärt, Chef«, erwiderte Williams ruhig. »Wir haben das vorhin schon angesprochen. Er war gar nicht verschwunden. Logan hatte ihn vor einem Monat in der Waffenkammer abgegeben, damit die Einstellung überpüft wird, und ihn nicht wieder abgeholt.« Williams lächelte. »Er hatte es einfach vergessen. Ich bin mit ihm nach Hause gefahren und habe in einer Jackentasche die Empfangsbestätigung gefunden.«
»Sagen Sie ihm, daß ich ihn morgen früh Punkt neun sehen will. Was noch?«
»Nichts, Skipper. Das war der letzte Punkt.«
Daley stand auf....




