Alexi | Kinderlachen - Folge 029 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 29, 64 Seiten

Reihe: Kinderlachen

Alexi Kinderlachen - Folge 029

Eine Bilderbuch-Familie – oder?
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7325-4416-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Eine Bilderbuch-Familie – oder?

E-Book, Deutsch, Band 29, 64 Seiten

Reihe: Kinderlachen

ISBN: 978-3-7325-4416-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Achim Neuwirth ist mitten in einer wichtigen Konferenz, als er den Anruf aus dem Krankenhaus erhält. Eindringlich bittet ihn der Chefarzt, sofort zu kommen - ein Notfall. Achim fühlt, wie ihn die nackte Angst packt. Er denkt sofort an Freya, seine Frau, und an die beiden Kinder Kai und Maxi. Doch ihnen ist zum Glück nichts passiert.

Dafür liegt eine junge Frau im Sterben, die Achim einmal etwas bedeutet hat. Kurz nur, aber immerhin blieb die kleine Affäre damals nicht ohne Folgen. Achims Ehefrau weiß bis heute nichts von seinem Seitensprung. Und so wird das Versprechen, das ihm die Sterbende abverlangt, zu einer Bedrohung für alles, was ihm etwas bedeutet ...

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»Ein Gespräch für Sie, Herr Neuwirth! Darf ich durchstellen?«

Nur mühsam wahrte der Unternehmer die Fassung, denn inzwischen regte ihn alles auf. Immerhin befand er sich seit gut zwei Stunden in einer einigermaßen schwierigen Verhandlung, deren Ergebnis noch lange nicht feststand. Und es hing so viel davon ab!

Zäh hatte sich bisher die Diskussion um die Preisvorstellungen seines Kunden dahingeschleppt, den er einige Male gern an der Krawatte gepackt und etwas durchgeschüttelt hätte, damit er etwas flotter reagierte. Du liebe Zeit, manche Leute waren so stur!

Doch derlei – zugegebenermaßen ziemlich aggressive – Aktionen mussten Wunschvorstellungen bleiben, denn die Zeiten waren in wirtschaftlicher Hinsicht allgemein ungünstig, insbesondere für Unternehmer, die etwas verkaufen wollten.

Exklusive, also hochpreisige Lederwaren waren derzeit, wo alle Welt bedenklich bis genüsslich von Rezession sprach, ganz schwierig an den Mann, vielmehr an die Frau zu bringen.

Und wenn das nicht Ironie des Schicksals war: Ausgerechnet das Unternehmen Neuwirth stellte – unter anderem natürlich – die Gürtel her, die die Leute derzeit enger schnallen mussten.

»Frau Unger, habe ich Ihnen nicht ausdrücklich gesagt …«

Achim Neuwirth nahm sich gekonnt zurück, denn er konnte es sich im Beisein seines Kunden nicht leisten, das Gesicht zu verlieren. Wenn er jetzt ausrastete, hieß es womöglich in der Branche, er sei am Ende – mit den Nerven, Ideen und Finanzen.

»Ich weiß«, fiel ihm seine tüchtige Sekretärin ins Wort, was nur sie sich erlauben durfte, weil sie sich nach all den Jahren der Zusammenarbeit bereits in einem eheähnlichen Verhältnis befanden. »Ich soll keine Gespräche durchstellen. Doch ich fürchte, es ist privat …«

»Sie fürchten, Frau Unger, aha«, kam es blitzschnell von ihm zurück, denn er war insgeheim stinkwütend.

Wie kam die Unger dazu, Privatgespräche ins Konferenzzimmer durchzustellen, wenn er vorhin ausdrücklich mitgeteilt hatte, er wolle auf gar keinen Fall gestört werden?

Sein Kunde war nicht nur König, er hieß auch so. Und Bertold König sah ihn höchst interessiert an; er wartete anscheinend nur darauf, dass dem großen Neuwirth, den der Erfolg in den letzten Jahren mächtig verwöhnt hatte, der Kragen platzte.

Das könnte dir so passen, du Schildkröte von einem Zwischenhändler, dachte Achim und lächelte mit zusammengebissenen Zähnen.

»Frau Unger, sagen Sie freundlicherweise meiner Frau …«

»Aber Ihre Frau will Sie gar nicht sprechen, Herr Neuwirth.«

Achim furchte die Stirn und bedeutete Bertold König mittels einer geschmeidigen Geste, dass er die kleine Störung unendlich bedaure.

»Ach, meine Frau hat noch gar nicht angerufen?«

Das war ihm nun auch wieder nicht recht, denn das konnte doch nur bedeuten, dass daheim irgendetwas nicht stimmte. Ansonsten kamen Freyas Mittags-Anrufe pünktlich wie ein Uhrwerk. Und meistens freute er sich über die Berichte aus seinem Familienleben, an dem er zu seinem Bedauern in letzter Zeit kaum noch teilnahm.

Das war nicht in Ordnung, er wusste es, aber ihm blieb keine andere Wahl. Die Arbeit beanspruchte ihn quasi rund um die Uhr.

Wie gut, dass Freya eine verständnisvolle Frau war, vor allem eine fleißige, die ihm den Rücken freihielt und ihm keine Vorwürfe hinsichtlich seiner häufigen Abwesenheit machte.

»Doch, Ihre Frau hat angerufen, Herr Neuwirth. Vor etwa zwei Stunden. Ich habe ihr gesagt, dass die Sitzung mit Herrn König noch andauert. Und dass Sie sie anrufen werden, sobald Sie dazu in der Lage sind.«

»Danke, Frau Unger. Und wer will jetzt was von mir?«

»Ein Doktor Stromberger möchte Sie sprechen.«

»Kenne ich nicht.«

»Er ist Stationsarzt im Marienkrankenhaus.«

»Ja – und?« Achim seufzte genervt. »Also, die kommen mit ihren Spendenwünschen auch immer früher. Wir haben doch erst Herbst!«

Bertold König nickte zustimmend. Endlich hatte man mal eine gemeinsame Plattform gefunden. Diese lästige Bettelei vor Weihnachten nahm langsam Ausmaße an – schlimm war das! Man fühlte sich ja regelrecht wie eine Milchkuh gemolken!

»Der Doktor wollte mir keine Auskunft geben, um was es geht. Lediglich, dass es eine private Angelegenheit sei«, erklärte Frau Unger.

Ein eisiger Schreck durchzuckte Achim und sorgte dafür, dass er für Momente die Fassung verlor. Natürlich hatte er sofort an seine Frau und die beiden Kinder Kai und Maxi gedacht.

Seine Familie war, obwohl er sie schändlich vernachlässigte, wie ihm sein zentnerschweres Gewissen oft klarmachte, sein Ein und Alles, sein Leben. Es wäre am Boden zerstört, wenn irgendetwas Schlimmes, noch womöglich nicht Wiedergutzumachendes geschähe.

»Etwas sehr Unangenehmes?«, fragte Bertold König teilnahmsvoll.

»Wieso? Äh, nein … ganz und gar nicht.«

Er setzte ein Lächeln auf, von dem er hoffte, es möchte darüber hinwegtäuschen, wie irritiert er war, und bat Frau Unger mit gedämpfter, doch unverkennbar hastiger Stimme, das Gespräch durchzustellen.

Gleichzeitig wurde ihm klar, dass die gedämpfte Stimme ihm gar nichts nützte. König hatte von Anfang an die Ohren gespitzt und wusste längst, dass irgendetwas nicht in Ordnung war.

Der Mistkerl wird garantiert versuchen, darauf sein Süppchen zu kochen, dachte Neuwirth grimmig, während er sich gleichzeitig vornahm, sich später, wenn die Verhandlungen fortgesetzt wurden, nicht die Butter vom Brot nehmen zu lassen.

Es knackte einmal in der Leitung, dann sprach Achim Neuwirth mit Dr. Uwe Stromberger.

»Ist etwas mit meiner Frau, Herr Doktor?«

Achim fiel sofort mit der Tür ins Haus, was für ihn unüblich, aber verständlich war. Er war in großer Sorge und entsprechend aufgeregt.

»Nein, nein, nicht, dass ich wüsste, Herr Neuwirth. Es handelt sich vielmehr um …«

»Kai? Um Gottes willen, Herr Doktor Stromberger! Hatte er in der Schule einen Unfall?«

»Von Ihrem Sohn ist gar nicht die Rede, Herr Neuwirth.«

»Dann von meiner Tochter Maximiliane? Was ist mit Maxi?«

»Nichts …«

»Ah.« Achim fiel ein Stein von der Größe eines Einfamilienhauses vom Herzen. Seiner Familie war nichts geschehen, sein privates Glück war unbeschädigt, ach, das Leben war doch herrlich!

Bertold König beobachtete gespannt seinen Mienenwechsel.

»Alles in Butter daheim?«

Achim nickte und war geneigt, den ollen König, dem er bis vor fünf Minuten Habgier und Geiz, Heimtücke und Kleinmut unterstellte, sympathisch zu finden. Er entspannte sich.

Da sagte Dr. Stromberger mit hörbarem Ernst in der Stimme: »Eine Frau Clausen möchte mit Ihnen sprechen, Herr Neuwirth. Und es wäre schön, wenn Sie schnell vorbeikommen könnten.«

»Tut mir leid, aber ich kenne keine Frau Clausen.«

»Sie nannte mir Ihren Namen und Ihre Telefonnummer.«

»Das verstehe ich nicht«, erwiderte Achim kopfschüttelnd. »Wie kommt eine wildfremde Frau dazu, mich sprechen zu wollen?«

Komische Tour, dachte er mit einem Hauch von Entrüstung. Und er fragte sich argwöhnisch, ob dieser Anruf wohl eine Falle war. Als erfolgreicher Unternehmer musste man mit allem rechnen …

»Ich glaube, so wildfremd ist Frau Clausen für Sie nicht, Herr Neuwirth«, antwortete Dr. Stromberger jetzt deutlich energischer als vorher. »Immerhin ist sie die Mutter Ihrer Tochter!«

Achim schnappte entsetzt nach Luft. Hier war ein Stückchen von dem brüchigen Eis, vor dem er sich immer gefürchtet hatte. Dann fuhr er sich mit zwei Fingern über den Kragen seines Oberhemds und lockerte ihn, um sich etwas mehr Kühlung zu verschaffen. Auf einmal war ihm richtig heiß geworden.

Er flüsterte mit heiserer Stimme, denn der Schreck war ihm vor allem auf die Stimmbänder geschlagen: »Olivia Clausen?«

»Jawohl«, bestätigte Dr. Stromberger, zweifellos grimmig. »Sie liegt im Sterben und möchte Sie noch einmal sehen. Es wäre sehr freundlich von Ihnen, wenn Sie sich endlich dazu entschließen könnten, sich hierher zu bemühen!«

***

»Darüber müssen wir kein Wort verlieren, lieber Neuwirth. Sie fahren sofort zu Ihrer Cousine ins Krankenhaus!«

»Aber wir sind mitten in einer wichtigen Verhandlung …«

»Vergessen Sie mal das Geschäftliche, hier geht’s um mehr! Wenn es Ihrer Cousine so schlecht geht, braucht sie Sie!«

Um bloß keine schlafenden Hunde zu wecken, denn Achim wusste, wie in seiner Branche geklatscht wurde, nämlich lustvoll bis hämisch, hatte er König vorgeflunkert, er müsse zu seiner schwer kranken Cousine ins Krankenhaus fahren.

Bertold König benahm sich großartig. Er wollte Achims hastig hervorgestoßene Entschuldigungen und Erklärungen gar nicht hören, sondern schob ihn förmlich aus dem Konferenzraum.

»Wir waren eigentlich doch schon fertig, nicht wahr? Unser kleines Geraufe vertagen wir einfach, es findet sich bestimmt eine neue Gelegenheit. Ich unterschreibe draußen die Verträge, mein Lieber. Ihre Sekretärin ist doch im Bilde?«

Achim stand kurz vor einer Krise, deshalb wusste er kaum, was er sagte. Später, als er sich die Unterhaltung zwischen Tür und Angel ins Gedächtnis zurückrief, war er heilfroh, keinen Unsinn von sich gegeben zu haben.

»Frau...



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