E-Book, Deutsch, Band 2687, 64 Seiten
Reihe: Fürsten-Roman
Alexi Fürsten-Roman 2687
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7517-5146-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Geheimnisse am Ende des Sommers
E-Book, Deutsch, Band 2687, 64 Seiten
Reihe: Fürsten-Roman
ISBN: 978-3-7517-5146-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Endlich trifft Amalia Prinzessin von Griesbeck auf dem prachtvollen Schloss Schönfalken ein, sehnsüchtig-ungeduldig von ihrer Familie erwartet. Sie hat lange auf sich warten lassen, erst ein SOS, die geliebte Großmama sei schwer erkrankt, hat sie dazu gebracht heimzukehren. Amalia ist sehr besorgt um ihre geliebte Großmutter. Zum Glück stellt sich heraus, dass Viktoria schon auf dem Weg der Besserung ist. Oder hat sie ihr Unwohlsein nur vorgetäuscht, um die Enkelin heimzulocken?
Amalia ist schmal geworden. Dass sie blass und still ist, nimmt die Familie erneut zum Anlass, ihr das Medizin-Studium in Berlin madig zu machen. Viktoria zuliebe bleibt Amalia auf Schönfalken, um den 80. Geburtstag mitzufeiern, anschließend will sie sofort nach Berlin zurückkehren. Während draußen der Sommer die letzten warmen Sonnenstrahlen spendet, wird Amalia immer bedrückender. Sie wirkt unglücklich. Was verbirgt die Prinzessin? Und diese vielen Telefonate, wen ruft sie an?
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Geheimnisse am Ende eines Sommers
Adelsroman um Prinzessin Amalias Schicksal
Von Marion Alexi
Endlich trifft Amalia Prinzessin von Griesbeck auf dem prachtvollen Schloss Schönfalken ein, sehnsüchtig-ungeduldig von ihrer Familie erwartet. Sie hat lange auf sich warten lassen, erst ein SOS, die geliebte Großmama sei schwer erkrankt, hat sie dazu gebracht heimzukehren. Amalia ist sehr besorgt um ihre geliebte Großmutter. Zum Glück stellt sich heraus, dass Viktoria schon auf dem Weg der Besserung ist. Oder hat sie ihr Unwohlsein nur vorgetäuscht, um die Enkelin heimzulocken?
Amalia ist schmal geworden. Dass sie blass und still ist, nimmt die Familie erneut zum Anlass, ihr das Medizin-Studium in Berlin madig zu machen. Viktoria zuliebe bleibt Amalia auf Schönfalken, um den 80. Geburtstag mitzufeiern, anschließend will sie sofort nach Berlin zurückkehren. Während draußen der Sommer die letzten warmen Sonnenstrahlen spendet, wird Amalia immer bedrückender. Sie wirkt unglücklich. Was verbirgt die Prinzessin? Und diese vielen Telefonate, wen ruft sie an?
Ihr erster Blick galt der Flagge hoch oben auf dem Dach. Sie wehte nicht auf Halbmast, somit war sie noch rechtzeitig gekommen.
Amalia von Griesbeck entspannte sich und atmete tief durch. Allerdings vermochten dieser Seufzer nicht alle inneren Verspannungen zu lösen, denn noch war ja nicht ausgeschlossen, dass es ihr gelingen würde, ein Wiedersehen mit ihrer Familie zu vermeiden. Es würde wieder schwierig werden, möglicherweise noch schwieriger als beim letzten Besuch. Insbesondere ihre in allen Lebenslagen auf Vornehmheit bedachte Mama, eine Freundin nebelhafter Konversation, neigte neuerdings zu scharfzüngiger Kritik.
Beklommen griff Amalia nach ihrer Tasche und stieg aus dem Auto. Klein war es, etwas ramponiert, alles andere als elegant. Und es wirkte vor dem Hintergrund der prachtvollen Schlossfassade ziemlich schäbig. Ein Störfaktor.
Noch schien ihr Kommen von niemandem bemerkt worden zu sein, überall war summende Tätigkeit, die ganze Gemeinschaft des Schlosses vereint in treuer Pflichterfüllung, Beflissenheit. Ausgeschlossen war Muße, na klar. Alles war in Bewegung, die Flagge auf dem Dach, das Laub der uralten Bäume, der Wetterhahn, die pfeilschnellen Rauchschwalben und die warme Sommerluft, sogar der wirbelnde Staub hatte es eilig.
Amalias Blick glitt über das historische Gebäude. Seit vielen Generationen wurde es von Menschen bewohnt, alles ihre Vorfahren, die hinter den dicken Mauern geliebt, gehasst, intrigiert, geträumt, verwünscht, gelitten oder triumphiert hatten. War nicht jedes Haus ein Hort für die Gefühle der einstigen Bewohner? Hatte nicht jeder irgendein Andenken hinterlassen? Was würde einmal an sie erinnern?
Ein Windhauch brachte betörenden Blumenduft mit. Amalia schnupperte und dachte an ihren Papa. Fürst Friedhelm züchtete in seinen kargen freien Zeit Rosen, dies war seine einzige Leidenschaft. Seine erste Rosenkreation trug den Namen Benedikte, er hatte sie seiner damaligen Braut gewidmet, der heutigen Fürstin. Der Wuchs der Rose Benedikte war stark, aufrecht und ihre halbgefüllten champagnerfarbenen Blüten zeigten die Klarheit ihres Ursprungs. Eine strenge Schöne.
Aus dem weit geöffneten Fenster des Wirtschaftsraums drangen erregte Frauenstimmen. Es ging um Wäsche aus dem Leinenschrank, genauer gesagt um die Lavendelbeutel, die nicht prall genug gefüllt worden waren. Frau von Buchholz, die langjährige Hausdame auf Schönfalken, konnte empfindlich reagieren, wenn ihre Anordnungen nicht befolgt wurden.
Hundegebell. Und mit langen Sätzen sprang Cito über den Hof, der gute alte Cito, in Ehren ergraut, ihm war ihre Ankunft natürlich nicht entgangen. Begeistert japsend, wenn auch asthmatisch keuchend, rannte er auf die Prinzessin zu.
»Hallo, mein Braver. Das ist ja ein temperamentvoller Empfang. Hey, Cito, hast du mich denn so sehr vermisst?«
Die Wiedersehensfreude war riesig. Cito konnte gar nicht genug bekommen, jaulend schmiegte er sich an Amalias Beine.
»Psst«, mahnte sie. »Ich bin nur gekommen, um Großmama zu besuchen. Dann nichts wie weg. War es wirklich so arg?«
Sie wählte absichtlich nicht das Hauptportal, sondern wählte den seitlichen, weniger spektakulären Eingang, der in den Küchentrakt führte. Dort standen sämtliche Türen offen, es würde wieder ein heißer Tag werden laut Wetterprognose.
Cito musste draußen bleiben. Es passte ihm sichtlich nicht, doch als wohlerzogener Hund gehorchte er. Und Amalia, der Prinzessin seines Herzens, hätte er jeden Wunsch erfüllt. Lang streckte er sich aus, den Kopf wachsam aufgerichtet, so signalisierend, dass mit ihm zu rechnen war.
»Ich komme ja bald wieder«, versprach sie flüsternd.
Nach allen Seiten spähend, sichernd, eilte die schmale Fünfundzwanzigjährige, blond und hellhäutig, durch Flure, zwei Treppenhäuser und vier Hallen in den zweiten Stock des Westflügels. Überall dämpften Teppiche ihre hastigen Schritte. Ein Mal musste sie sich hinter einem üppig geschnitzten Barockschrank verstecken, als eine junge Frau mit einem Staubsauger in der Hand in Richtung Silberkammer strebte.
Eine kleine Abkürzung durch den Wappensaal und schon stand Amalia vor der Suite ihrer Großmama. Wie durch ein Wunder hatte sie niemand bemerkt. Die Prinzessin atmete auf. Was sie jetzt absolut nicht brauchte, waren die üblichen Fragen, Spekulationen, inquisitorischen Blicke, Warnungen.
Das erste diskrete Anklopfen wurde nicht gehört. Oder hielt sich die Großmama woanders auf? War sie womöglich in eine Klinik gebracht worden? Amalia bedauerte, sich spontan für die Fahrt nach Schönfalken entschlossen zu haben, nachdem sie den Brief ihres Vaters gelesen hatte. Friedhelm von Griesbeck mied das Telefon, ganz zu schweigen von anderen modernen Kommunikationsmöglichkeiten, er zog Handgeschriebenes vor.
Die Frage war nun, in welcher Klinik ihre Großmama war.
Natürlich drängte die Zeit. Herz-Rhythmus-Störungen waren bei älteren Herrschaften immer bedrohlich. Und Großmama ging auf ihren achtzigsten Geburtstag zu. Auf den sie sich seit Langem unbändig freute, hatte alle Listen, Bestellungen und Pläne für das Fest fertig im Schreibsekretär ...
Arme Großmama, hoffentlich hatte sie keine Schmerzen, musste nicht leiden. Amalia klopfte erneut. Und diesmal hörte sie eine Stimme.
Herzflimmern. Sofort öffnete sie die Tür und lugte ins vergleichsweise kleine, indes exquisit möblierte Empfangszimmer. Französisches Empire in Hochform, eine charmante Hommage an Joséphine, die erste Gemahlin Napoleon Bonapartes, eine ebenso stil- wie lebensvolle Aristokratin, Botanikerin von hohen Graden sowie dem Kaiser loyal ergeben.
»Großmama? Hallo? Bist du hier irgendwo?«
»Amalia? Amalia! Ich fasse es nicht! Du bist gekommen?«
Die hoch gewachsene junge Prinzessin stand schon im nächsten Augenblick im weiten, hinreißend elegant in sanften Puderfarben eingerichteten Schlafzimmer ihrer Großmutter. Ihr schossen Tränen in die Augen, vor Aufregung brachte sie kein Wort hervor. Aber sie lächelte. Und dieses feine, sehr besondere Amalia-Lächeln sorgte dafür, dass auch Viktoria von Griesbecks Augen glänzten. Beide Arme streckte sie nach der Lieblingsenkelin aus, ihrer heftig vermissten Amalia.
Bei dieser raschen Bewegung rutschten die Ärmel der gesteppten, seidenen Bettjacke mit den vielen Satinschleifen in Pfirsich zurück. Viktorias Parfüm, für sie in Paris hergestellt nach einem streng geheimen Rezept, mischte sich in andere Gerüche auf medizinischer Basis und obsiegte.
»Mein Liebes, dass du gekommen bist! Wie schön! Welch eine Überraschung! Ich freue mich. Lass dich drücken.«
Vorbei war's mit der Stille. Die kaskadenartig fließenden Stoffbahnen des Betthimmels, dieser bekrönt von einem vergoldeten Engel, der das Griesbecksche Wappenschild präsentierte, raschelten, Viktorias filigrane Armreifen klirrten, jedes ihrer silberweißen Haare schien zu vibrieren.
»Bitte nicht aufregen.« Amalia knickste erst, beugte sich zum Kuss über die Hand der alten Dame und ließ sich dann von ihr umarmen. »Papa hat mir geschrieben ... Ist es wirklich so arg? Aber du siehst gut aus. Was war denn los?«
Viktoria winkte lässig ab. »Ach, mein dummes altes Herz muss sich ja leider in alles einmischen. Und dein Vater, überbesorgt wie er ist, hört immer gleich das Totenglöckchen läuten, man kann's ihm nicht abgewöhnen. Aber ein Gutes hatte es ja, du bist hier. Und wir können uns in Ruhe alles erzählen.« Sie raffte die Bettdecke. »Setz dich doch.«
Und bevor Amalia etwas sagen konnte, fuhr sie in ihrer lebhaften Art fort: »Übrigens kannst du ruhig laut sprechen, nach den obligaten Morgenvisiten der Familie tut sich in diesem Teil des Hauses nicht mehr viel.« Sie lachte unbekümmert. »Und der Doktor ist auf meiner Seite.«
»Gibt es irgendjemanden, der dir widerstehen kann?«
»Nun ja, einer hat mich nicht gewollt. Noch nicht.«
Amalia verstand, natürlich verstand sie....




