E-Book, Deutsch, 208 Seiten
Reihe: Ullstein eBooks
Alexander Mind Hacking
13001. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8437-0591-2
Verlag: Ullstein HC
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wie Sie mit Beobachtung, Menschenkenntnis und Intuition die Gedanken Ihrer Geschäftspartner entschlüsseln
E-Book, Deutsch, 208 Seiten
Reihe: Ullstein eBooks
ISBN: 978-3-8437-0591-2
Verlag: Ullstein HC
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Norman Alexander studierte Wirtschaftswissenschaften in Göttingen. Er hat eine Ausbildung als medizinischer Hypnosecoach und steht seit seinem 16. Lebensjahr als Mentalist auf der Bühne. Zu seinen Kunden gehören die Allianz AG, Siemens, Best Western, Horvath & Partner, sat1 u. v. a. 2010 war er zu Gast in der Oliver Pocher-Show.
Autoren/Hrsg.
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Beobachten und Schlussfolgern
Einmal fragte mich ein Verkäufer, ob ich nicht einen Tipp für ihn hätte. Sein Problem war, dass er seine Produkte dem Kunden zwar sehr gut präsentieren konnte, aber trotzdem nur wenig verkaufte. Er war der Meinung, dass das Produkt an sich eigentlich ausreichen müsste, um den Kunden zu überzeugen, und verstand daher nicht, warum er oft nicht zum Abschluss kam.
Ich riet ihm, in Zukunft den Kunden und sein Umfeld stärker zu beobachten und darauf einzugehen. So machen es auch Mentalisten. Sie nehmen ihre Umgebung ganz bewusst wahr. Sie achten auf die kleinsten Details beim Gegenüber und sehen, was andere nicht sehen.
Ein paar Wochen später erhielt ich von diesem Verkäufer eine Mail. Darin bedankte er sich für meinen Rat und berichtete mir von einem erfolgreichen Geschäftsabschluss. Ausschlaggebend für seinen Erfolg war, dass er nicht wie sonst sofort mit der Präsentation begann, sondern versuchte, zunächst so viel wie möglich im Büro des Kunden wahrzunehmen. Dabei entdeckte er ein Bild, auf dem sein Gegenüber mit einer Segelyacht zu sehen war. Außerdem hing an der Wand ein Brett mit verschiedenen Seemannsknoten. Daher lenkte der Verkäufer zuerst das Gespräch auf das Segeln, und dem Kunden war es eine Freude, über seine Segeltörns zu erzählen. Durch aufmerksames Zuhören und Nachfragen signalisierte der Verkäufer Interesse. Es gelang ihm, Sympathie zu erzeugen. In der Folge war der Kunde eher bereit, Informationen das Geschäft betreffend preiszugeben. Dem Verkäufer fiel es leichter, sein Produkt an den Mann zu bringen.
Augen und Ohren offen halten
Ähnlich geht auch der Meisterdetektiv Sherlock Holmes vor, der das analytisch-rationale Denken verkörpert. Seine besonderen Fähigkeiten liegen darin, Menschen und Situationen schnell und detailgetreu wahrzunehmen, um daraus Schlussfolgerungen zu ziehen und sein Gegenüber einzuschätzen.
In »Der blaue Karfunkel« zog Holmes zum Beispiel aus einem alten Filzhut Schlussfolgerungen über dessen Besitzer. Der Hut war von sehr guter Qualität und geschätzt drei Jahre alt. Daher ging Holmes davon aus, dass der Besitzer vor circa drei Jahren wohlhabend gewesen sein musste, da sich nicht jeder so einen Hut leisten konnte. Gegenwärtig schien es ihm aber finanziell nicht mehr so gut zu gehen wie damals, da er sich sonst schon längst einen neuen Hut gekauft hätte. Ferner entdeckte Holmes Flecken auf dem Hut. Diese versuchte der Besitzer mit Tinte zu kaschieren. Dies zeigte Holmes, dass er Wert darauf legte, trotz der schlechten Zeiten sein Ansehen zu wahren. Neben den Flecken fiel ihm Hausstaub auf dem Hut auf. Offenbar ging diese Person nur selten aus dem Haus. Die Schweißflecken, die im Inneren des Hutes zu erkennen waren, deuteten darauf hin, dass der Mann schnell schwitzte. Ein Indiz dafür, dass seine körperliche Verfassung nicht die beste war. An ein paar kurzen grauen Haaren im Hut erkannte er, dass die Person ergraut sein musste und vermutlich erst vor kurzem beim Friseur war. Wie sich später herausstellte, lag Holmes mit all seinen Vermutungen richtig.
Sicherlich ist Sherlock Holmes nur eine Romanfigur, und seine Fälle sind rein fiktiv. Sie zeigen jedoch eine interessante Denk- und Herangehensweise. Jeder Mensch sendet nämlich bewusst und auch unbewusst Informationen über sich selbst aus. Erkennt man diese Hinweise, erfährt man viel über seinen Gesprächspartner. Man muss sein Gegenüber mit Blicken geradezu sezieren. Folgend einige sehr auffällige Beispiele.
Bemerkt man der Begrüßung, dass die Hände rau sind, geht die Person vermutlich einer harten körperlichen Arbeit nach. Im Büro arbeitende Menschen besitzen hingegen eher weichere und feinere Hände. An den Nägeln kann man erkennen, ob jemand reinlich ist oder ob er dazu neigt, schnell nervös zu werden. Dann wären seine Nägel abgekaut. Vielleicht sind die Nägel aber auch perfekt manikürt, was zeigt, dass dieser Mensch viel Wert auf sein Aussehen legt. Auch der Körperbau gibt Aufschluss über eine Person. Ist sie durchtrainiert und sieht aus, als gehe sie regelmäßig ins Fitnessstudio, dann sind ihr das körperliche Erscheinungsbild und die Gesundheit wichtig. Ist eine Person gebräunt, kann das zum einen bedeuten, dass sie oft ins Solarium geht, es kann aber auch sein, dass sie erst kürzlich im Urlaub war. Beides bedeutet, dass die Person sich diesen Lebensstil leisten kann.
Ebenso erzählen Symbole und Kleidung viel über einen Menschen, zum Beispiel können Anstecker Aufschluss geben über Vereine, Unternehmen oder Parteien, denen jemand nahesteht. Man kann also wertvolle Informationen über eine Person gewinnen, wenn man die Bedeutung des Symbols kennt, das sie trägt. An einem Ehering kann jeder schnell den Familienstand ausmachen. Ein schlichter Kreuzschmuck deutet wahrscheinlich auf den Glauben hin.
Grundsätzlich sagt man aber auch schon mit seiner Kleidung viel über sich aus. Ich bin einmal einer Frau begegnet, die ein T-Shirt mit der Aufschrift »Ich bin solo und das ist gut so« trug. Daraus zu schlussfolgern, dass die Person derzeit keine Beziehung führt und auf Männer nicht gut zu sprechen ist, war nicht all zu schwer.
Vor allem im Business-Bereich tragen die meisten Männer einen Anzug. Man will sich anpassen und gibt dadurch weniger von sich preis. Beim genauen Hinschauen erkennt man schnell, wer sich im Anzug wirklich wohl fühlt und für wen dieses Kleidungsstück nur eine Fassade darstellt. Aber auch bei Anzügen ist die Spannweite groß. Teure Manschettenknöpfe zeigen zum Beispiel, dass es der Person wichtig ist, einen gewissen Status zu demonstrieren. Andere Accessoires wie Schmuck, Uhren und Sonnenbrillen, aber auch Smartphones und Notebooks können Aufschluss darüber geben, ob eine Person materialistisch eingestellt ist oder nicht. Diese Dinge dienen auch dazu, zu demonstrieren, was man sich leisten kann. Bei Schmuck sollte man zwischen echtem und Modeschmuck unterscheiden können, um nicht auf eine falsche Fährte zu gelangen.
Auf manchen Veranstaltungen oder auch im Berufsalltag bestimmter Branchen tragen die Menschen kleine Namensschilder. Einige vergessen das und sind dann überrascht, wenn man sie mit Namen anspricht. So wirkt ein Gespräch gleich viel vertrauter, und das Gesagte bekommt eine größere Bedeutung.
Obwohl mir das durchaus bewusst ist, habe ich so eine Situation selbst erlebt. Ich stand am Empfangstresen im Fitnessstudio. Dort muss man seine Mitgliedskarte vorzeigen, um hineingelassen zu werden. Meistens wünscht die Empfangsdame dann noch viel Spaß beim Training. Aber dieses Mal sagte sie: »Viel Spaß, Norman!« Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich war perplex, woher sie meinen Namen wusste. Kannten wir uns vielleicht? Dann fiel mir ein, dass mein Name beim Scannen der Karte auf ihrem Bildschirm angezeigt wird. Das »Viel Spaß« wirkte mit der Ergänzung meines Namens viel direkter und persönlicher. Weil ich damit überhaupt nicht gerechnet hatte, war der Effekt umso stärker.
Es gilt also, Augen und Ohren offen zu halten. Kann man z. B. während des Gesprächs einen Akzent oder Dialekt heraushören? Benutzt der Gesprächspartner bestimmte Worte häufiger, und haben diese einen Bezug zu einem bestimmten Beruf oder Hobby?
Zusammengefasst dienen also alle Informationen, die man mit seinen Sinnen aufnimmt, dazu, ein genaueres Bild von einer Person zu gewinnen. Dies ist oft einfacher als gedacht. Dabei geht es keinesfalls um Bewertungen oder Indiskretionen, sondern darum, dass man herausfindet und dann ausspricht, was dem anderen wichtig ist.
Sinne schärfen
Eigenschaften und Reaktionen des Gegenübers sowie die Gesprächssituation können nur bewusst wahrgenommen werden, wenn man all seine Sinne dazu nutzt. Oftmals richtet man nämlich die Wahrnehmung nur in eine Richtung und bemerkt dann nicht mehr, was rechts und links passiert.
In meinen Vorträgen zeige ich das in folgendem Experiment. Ich gebe meinem Publikum 30 Sekunden Zeit, um sich im Raum umzuschauen. Dazu erhalten die Zuhörer die Aufgabe, sich möglichst viele Dinge zu merken, die grün sind. Nach den 30 Sekunden bitte ich sie, sich folgende Frage zu beantworten: »Welche Dinge haben Sie gesehen, die rot sind?« Dabei dürfen sie sich aber nicht noch einmal umdrehen. Sie sollen versuchen, diese Frage aus dem Gedächtnis zu beantworten. Interessanterweise fällt fast niemandem etwas Rotes ein. Woran liegt das? Es hatten sich doch alle im Raum umgeschaut. Somit hätte jeder neben den grünen Dingen auch die roten sehen können. Genau hier muss man nun unterscheiden: Die grünen Dinge wurden ganz bewusst wahrgenommen. Die volle Konzentration und Aufmerksamkeit waren darauf gelenkt. Dadurch wurde alles andere, darunter auch die roten Dinge, nur noch unbewusst wahrgenommen.
Um mehr zu sehen, gilt es die Scheuklappen abzulegen und die Wahrnehmung zu erweitern. Allein dadurch, dass man die Perspektive verändert, kann man schon viel mehr entdecken als vorher. Erst wenn man seine volle Aufmerksamkeit dem Gegenüber und der aktuellen Situation schenkt, kann man auf alles eingehen, was passiert, und damit effektiv kommunizieren.
Wahrnehmung heißt aber nicht nur sehen. Um mehr wahrzunehmen, sollte man alle fünf Sinne einsetzen und diese auch trainieren. Dazu nutze ich folgende einfache Übung:
Zuerst konzentriere ich mich auf alles, was ich um mich herum sehe. Auf die Details, die man sonst schnell übergeht, achte ich besonders. Ich schaue genau hin und richte meine volle Aufmerksamkeit auf das, was ich sehe. Schnell entdecke ich nun Dinge, die mir vorher gar nicht so bewusst waren. Ich konzentriere mich nun für kurze Zeit auf alle visuellen Eindrücke,...