E-Book, Deutsch, Band 37, 100 Seiten
Reihe: Sophienlust Bestseller
Alexander Es trennten sie Welten
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7409-8191-4
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sophienlust Bestseller 37 - Familienroman
E-Book, Deutsch, Band 37, 100 Seiten
Reihe: Sophienlust Bestseller
ISBN: 978-3-7409-8191-4
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Schriftstellerin Anne Alexander ist als schöpferische und facettenreiche Romanautorin in sehr unterschiedlichen Genres und Serien hervorgetreten. Sie genießt unter Kennern einen exzellenten Ruf, den sie in Serien wie Der Arzt vom Tegernsee und Sophienlust erlangte und in Hunderten von Veröffentlichungen unter Beweis stellte. Auch im Bereich des Adelsromans und bei den Romantic Thrillern wie Irrlicht hat sie ihr herausragendes Können demonstriert. Besonders beeindruckend sind ihre nimmermüde Phantasie und die atmosphärische Weite ihres Schaffens.
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Roland Becker lud Koffer und Reisetasche auf den Gepäckboy, dann blickte er sich nach seiner Frau und seiner Tochter um, die vor einer Glasvitrine standen und sich Schmuck ansahen. »Kommt!« rief er ihnen zu.
Die sechseinhalbjährige Janice löste sich von der Hand ihrer Mutter. Sie rannte zu ihrem Vater. »Ich darf den Gepäckboy fahren, nicht, Daddy?« Bittend sah sie zu Roland auf. »Ich kann es schon, es ist doch ganz leicht.« Sie griff zur Lenkstange und versuchte, den schweren Wagen zu bewegen. Er rückte einige Zentimeter vorwärts, dann blieb er stehen.
»Du siehst, so leicht ist es doch nicht, Janice-Darling.« Shirley Becker, eine charmante Frau von fünfunddreißig Jahren, strich ihrer Tochter über die blonden Locken. »Laß lieber Daddy schieben!«
Janice seufzte. »Na gut«, meinte sie ergeben, fügte dann aber hinzu: »Wenn ich erst groß bin, ist nichts mehr für mich zu schwer!«
»Das wird aber noch einige Jährchen dauern, Janice!« Roland Becker griff nach der Lenkstange des Gepäckboys und rollte ihn zur Zollkontrolle.
Knapp eine Viertelstunde später standen die Beckers in der Ankunftshalle des Stuttgarter Flughafens. Janice lehnte sich an den Gepäckboy. Sie war müde von dem langen Flug und hätte sich am liebsten irgendwo hingelegt, um zu schlafen. Nicht einmal der kleine Hund interessierte sie, der am Ende der Halle neben einer Reisetasche saß.
»Sieht aus, als hätte man uns vergessen«, meine Shirley, den ratlosen Blick ihres Mannes richtig deutend.
»Müssen wir jetzt nach Maibach laufen?« fragte Janice.
»Das wäre ja schrecklich«, erwiderte Roland Becker. »Außerdem hat man uns nicht vergessen!« Er wies zu dem kleinen dunkelhaarigen Mann, der mit langen Schritten quer durch die Halle kam. »Dieter!« rief er und winkte ihm zu. Dieter Hinderer hatte die Beckers erreicht. Er lachte über das ganze Gesicht. Die beiden Männer fielen sich in die Arme. »Tut mir leid, Roland, daß ich mich verspätet habe. Ich bin in einen Stau geraten.«
»Macht nichts, Dieter. Hauptsache, du bist überhaupt gekommen«, erklärte Roland. Er schmunzelte. »Meine Tochter überlegte bereits, ob wir nach Maibach laufen müssen.«
»Wäre etwas weit, kleines Fräulein«, sagte Dieter Hinderer zu Janice.
»Ich bin doch kein kleines Fräulein!« Janice kicherte. »Im Herbst komme ich in die Schule«, erzählte sie. »In New York war ich im Schulkindergarten. Ich kann schon rechnen und schreiben, und etwas lesen kann ich auch!«
»Eine ganze Menge für ein Mädchen, das noch kein kleines Fräulein sein will«, meinte Dieter Hinderer. Er hob den Kopf und sah seinen Freund an. »Sie ist genauso bezaubernd, wie du mir in deinen Briefen geschrieben hast.«
»Das hört man gern«, sagte Roland. »Aber jetzt ist es an der Zeit, daß ich dir das zweite bezaubernde Wesen in meinem Leben vorstelle!« Er nahm Shirleys Hand. »Darling, das ist Dieter, einer meiner ältesten Freunde. Während unserer Schulzeit sind wir gemeinsam durch dick und dünn gegangen.«
»Vor allen Dingen, was zerbrochene Fensterscheiben und dergleichen betrifft!« warf Dieter Hinderer ein.
»Unsere Väter hatten allerhand zu tun, um uns zur Vernunft zu bringen«, sagte Roland. »Dieter, meine Frau Shirley!«
»Ich freue mich, Sie endlich kennenzulernen!« Shirley reichte ihm die Hand. »Roland hat mir viel von Ihren gemeinsamen Streichen erzählt!«
»Auch von den Streichen, die unsere Väter auszuteilen pflegten?« fragte Dieter und drückte ihre schmalen Finger.
»Auch davon«, bestätigte Shirley.
Janice gähnte hinter der vorgehaltenen Hand. »Fahren wir jetzt nach Maibach?«
»Ja, unterhalten können wir uns auch im Wagen!« Dieter Hinderer strich ihr durch die Haare. »Dir wird es bei uns in Deutschland bestimmt gefallen. In der ersten Zeit wirst du dich vielleicht etwas fremd fühlen, aber dann wirst du Freunde haben und mit ihnen durch euren Garten tollen.«
»Ist es ein großer Garten?« Janice sah ihn an.
»Ein sehr großer Garten sogar!« antwortete Dieter und wandte sich an Roland und Shirley: »Das Haus liegt am Stadtrand von Maibach. Wenige Meter weiter beginnt der Wald. Eine ganz herrliche Gegend!«
»Hoffentlich werden meine beiden Frauen nicht den Blick auf die Hochhäuser vermissen«, sagte Roland lachend. »Schade, daß du uns nie in New York besucht hast. Wir lebten im siebzehnten Stock eines Hochhauses. Wald…«
»Wald kenne ich nur von Ausflügen her«, unterbrach ihn Shirley lebhaft. »Seien Sie beruhigt, Dieter, Hochhäuser werde ich sicher nicht vermissen!«
»Ich auch nicht«, echote Janice. Sie nahm die Hand ihrer Mutter und lief neben ihr her zum Ausgang des Flughafens.
Auf der Fahrt nach Maibach schlief das kleine Mädchen im Fond des Wagens, während sich die Erwachsenen unterhielten. Shirley konnte ihren Blick kaum vom Fenster wenden. Sie war in den letzten Jahren nur selten aus New York herausgekommen. Ihre Großeltern, die in Deutschland geboren waren, hatten ihr zwar oft von den Wäldern, endlosen Feldern und Wiesen erzählt, dennoch hatte sie sich kein richtiges Bild davon machen können. Es erschien ihr jetzt alles noch viel schöner, als sie es sich vorgestellt hatte.
Vor ihnen tauchten die ersten Häuser Maibachs auf. Janice richtete sich gähnend auf. Sie blickte aus dem Fenster. Die Kirche und die Fachwerkhäuser der Stadt erschienen ihr wie einem Märchenbuch entnommen.
»Werden wir auch in so einem schönen Haus wohnen?« fragte sie und wies auf ein besonders prächtiges Fachwerkgebäude.
»Nein, in einem Fachwerkhaus werdet ihr nicht wohnen«, erwiderte Dieter Hinderer und warf einen Blick in den Rückspiegel. »Aber euer Haus ist auch sehr schön. Es stammt noch aus der Jugendstilzeit und hat herrlich bemalte Fenster und mehrere Erker.«
»Was ist ein Erker?« Janice hatte ausgeschlafen und war wieder so munter wie im Flugzeug.
Es war nicht die einzige Frage, die ihre Eltern und Dieter Hinderer während der nächsten Minuten beantworten mußten. Erst als sie das andere Ende von Maibach erreicht hatten, stand Janices Plappermäulchen still. Andächtig blickte sie auf das schmiedeeiserne Tor, vor dem sie gehalten hatten.
Dieter Hinderer stieg aus, öffnete das Tor und fuhr seinen Wagen hindurch. Kurz darauf tauchte vor ihnen eine weiße, von mehreren Kastanienbäumen umgebene Jugendstilvilla auf. Eine schmale Treppe führte zur reichverziehrten Eingangstür.
»Es ist einfach überwältigend«, meinte Shirley, nachdem sie ausgestiegen war. Sie drehte sich zu ihrem Töchterchen um, das bereits begeistert durch den Vorgarten rannte und sich nicht sattsehen konnte.
»Mummy, eine Hundehütte!« schrie Janice plötzlich auf. Sie wirbelte herum. »Daddy, gibt es hier auch einen Hund? Krieg’ ich einen Hund?«
»Bekomme ich einen Hund!« verbesserte Roland Becker automatisch.
»Bekomme ich einen Hund, Daddy?« fragte Janice noch einmal. »Ich hätte so gern einen Hund, es muß auch kein großer sein!« Sie zeigte mit den Händen die Größe eines Kaninchens.
»Mal sehen«, meinte Shirley. Sie wandte sich an ihren Mann: »Ich habe Hunde immer gemocht und hätte nichts dagegen einzuwenden. Und Platz haben wir hier auch genug!«
»Außerdem ist es gut, einen Hund zu haben« pflichtete auch Dieter Hinderer dem kleinen Mädchen bei. »Denkt nur daran, wie nah der Wald ist und wie groß Garten und Haus sind!«
»Ich gebe mich geschlagen«, sagte Roland. »Bei so viel Hilfe, kann ich ja einfach nicht nein sagen!«
»Hurra!« schrie Janice auf. Sie stürmte ins Haus, das Dieter Hinderer inzwischen aufgeschlossen hatte.
Bald darauf verabschiedete sich Rolands Freund. Sie verabredeten sich mit ihm für den nächsten Abend. Zwar würden sie sich bis dahin noch nicht eingerichtet haben, doch für einige gemütliche Stunden brauchte man ja nicht viel.
»Glücklich, Darling?« fragte Roland, als er ins Haus zurückkehrte und seine Frau im Salon fand, wo sie die bemalten Fensterscheiben betrachtete.
»Sehr glücklich«, erwiderte Shirley und schmiegte sich an ihn. »So ein Haus habe ich mir immer gewünscht! Wir haben jede Menge Zeit, es richtig einzurichten. Gut, daß du erst in zwei Wochen die Geschäftsführung der Firma übernehmen mußt. Und für Janice wird es hier einfach das Paradies sein!«
»Sie ist auch schon dabei, es zu erobern«, meinte Roland. Er zog Shirley an sich. Zärtlich küßten sie sich.
»Mummy, Daddy!«
Die Stimme unserer Gebieterin«, meinte Shirley lachend. »Komm, sehen wir, wo sie steckt!«
Gemeinsam verließen sie den Salon. Janice stand am Ende der Treppe, die in den ersten Stock hinaufführte. »Die Zimmer hier oben müßt ihr erst mal sehen!« rief sie strahlend.
»Wir kommen, Darling!« rief Roland zurück.
Shirley war schneller als er. Wie ein junges Mädchen rannte sie die Treppe hinauf. Sie hatte ihre Tochter schon fast erreicht, als es klingelte. Sie drehte sich um. Roland öffnete die Haustür. Ein junger Mann stand davor.
»Moment«, sagte Shirley zu ihrer Tochter. Sie wollte die Treppe wieder hinuntersteigen, verlor aber das Gleichgewicht. Sie versuchte noch, sich im letzten Moment am Geländer festzuhalten, doch ihre Hand griff ins Leere. Kopfüber stürzte sie die Stufen hinunter und schlug hart am Fuß der Treppe auf.
»Mummy!« schrief Janice erschrocken. Sie stolperte nach unten. »Daddy, was ist mit Mummy?« Angstvoll blickte sie ihren Vater an, der neben ihrer Mutter kniete.
»Mummy ist bewußtlos, Darling«, sagte Roland tonlos. Er drehte sich um. Der Fremde stand noch immer in der offenen Tür. Erschrocken starrte er Shirley an....




