E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Alers Tausend Tränen und ein Kuss
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7515-2129-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7515-2129-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Bei Lee findet die junge Witwe Angela ein neues Glück. Bis auch er zurück in den Einsatz muss. Verliert sie zum zweiten Mal einen geliebten Mann?
Seit 1988 hat die US-amerikanische Bestsellerautorin Rochelle Alers mehr als achtzig Bücher und Kurzgeschichten geschrieben. Sie hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den Zora Neale Hurston Literary Award, den Vivian Stephens Award for Excellence in Romance Writing sowie einen Career Achievement Award von RT Book Reviers. Die Vollzeitautorin ist Mitglied der Zeta Phi Beta Sorority, Incorporated-Iota Theta Zeta Chapter und lebt in einem charmanten Dorf auf Long Island. Man kann Rochelle über ihre Website kontaktieren, www.rochellealers.org.
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1. KAPITEL
Leland Wolfe Remington bog von der Landstraße ab und fuhr heimwärts nach Wickham Falls in West Virginia. Es war lange her, dass er The Falls als seine Heimat betrachtet hatte, und es war das erste Mal seit zwölf Jahren, dass er als Zivilist zurückkehrte.
Lee bezweifelte, dass er zurückgekommen wäre, wenn seine Schwester Viviana ihn nicht um Hilfe gebeten hätte. Sie hatte das familiengeführte Boarding-House schließen müssen, nachdem ihr Freund sie um ihr Erbe betrogen hatte. Nun musste sie nicht nur befürchten, dass das Haus wegen rückständiger Grundsteuern vom County gepfändet wurde, sondern ihr drohten auch noch Klagen wegen hoher unbezahlter Rechnungen über Einkäufe, die sie nie getätigt hatte. Die bislang letzte Liebe ihres Lebens hatte ihre Identität gestohlen, und nun stand Viviana vor dem Bankrott. Lee hatte ihr vorwerfen wollen, dass sie zu vertrauensselig war, es dann aber doch nicht über sich gebracht, als er sie weinen gehört hatte. Sie hatte ihn angefleht zu kommen, um das Haus zu retten, denn es war alles, was vom Erbe ihrer Mutter noch übrig war.
Lee fuhr jetzt langsamer und wie ein Tourist durch den Ort, mit dem er gute, aber auch schlechte Erinnerungen verband. Es waren die schlechten, die ihn direkt nach der Highschool die Flucht hatten ergreifen lassen. Damals hatte er sich geschworen, niemals dauerhaft hierher zurückzukehren.
Er bremste und hielt am Straßenrand an, als er eine große schlanke Frau sah, die gerade zu einem Minivan vor dem Haus ging, in dem sein bester Freund Justin Mitchell aufgewachsen war. Plötzlich war er wieder hellwach. Er schaltete den Motor ab, stieg aus dem Jeep Grand Cherokee aus und winkte der Frau zu. Sie beschattete mit einer Hand ihre Augen und an der anderen hielt sie ihren Sohn.
„Habe ich mich so sehr verändert, dass du mich nicht mehr erkennst?“, fragte Lee scherzhaft, während er auf sie zuging.
Angela Banks-Mitchell sah ihn verblüfft an. „Lee Remington?“
„Leibhaftig“, bestätigte er lächelnd.
Er fing den neugierigen Blick des kleinen Jungen auf, der den hellbraunen Teint, die dunklen Augen und das lockige Haar seines verstorbenen Vaters geerbt hatte. Malcolm und seine Zwillingsschwester waren noch nicht geboren worden, als Justin auf einer Patrouille in Afghanistan ums Leben gekommen war. Lee hatte gerade die US Army Ranger School absolviert, als er es erfahren hatte, und war sofort nach Wickham Falls zurückgefahren, um als Sargträger an der Beerdigung seines Freundes teilzunehmen. Seitdem war er nicht mehr in seiner Heimatstadt gewesen – bis zu diesem Tag.
„Es gab Gerüchte, dass du schon letztes Jahr zurückkommen wolltest“, sagte Angela nun.
Ihre melodische Stimme riss ihn aus seinen Gedanken und ihre weit auseinanderstehenden Augen zogen ihn in ihren Bann. Ihr Teint hatte die Farbe von Mousse au Chocolat. Ihre zarten Gesichtszüge, die endlos langen Beine und ihre schlanke Figur hatten sie noch vor dem Highschool-Abschluss zu einem gefragten Model werden lassen. Modedesigner hatten sich um Amerikas Naomi Campbell, wie man Angela schon bald genannt hatte, gerissen. Lee hatte immer das Gefühl gehabt, dass er sie zweimal verloren hatte: einmal an Justin und einmal an die glamouröse Welt der High Fashion Models.
Die Jahre hatten es mehr als gut mit Angela gemeint. Ihr Gesicht war genauso schön wie früher, während ihr Körper mittlerweile weiblichere Rundungen bekommen hatte.
Lee legte ihr eine Hand auf die Schulter. Wenn das Kind nicht dabei gewesen wäre, hätte er Angela wahrscheinlich auf die Wange geküsst. Ihm fiel auf, dass ihr Mund zwar lächelte, aber in ihren dunkelbraunen Augen eine tiefe Traurigkeit lag.
Sein Blick fiel unwillkürlich auf ihre linke Hand. Obwohl sie verwitwet war, hatte sie ihre Ringe nie abgelegt.
„Mir war etwas dazwischengekommen.“ Lee verspürte Gewissensbisse, weil er nach Justins Beerdigung nicht mit Angela in Kontakt geblieben war.
„Wie lange bleibst du denn?“, fragte sie.
Er nahm die Hand von ihrer Schulter. „Ich weiß noch nicht.“ Seine Schwester hatte ihn schon im letzten Frühjahr gebeten zu kommen, doch er hatte ihr absagen müssen. Er hatte es nur nicht über sich gebracht, ihr den wahren Grund dafür zu nennen – dass er im Mittleren Osten und anschließend in einem kriegszerrütteten afrikanischen Land stationiert worden war.
„Vielleicht einen Monat oder zwei?“
Lee starrte auf seine Stiefelspitzen, bevor er den Kopf hob. „Sagen wir einfach, bis auf Weiteres.“ Er verriet Angela nicht, dass er sich eine Frist von einem Jahr gesetzt hatte, um das Boarding-House wieder zum Laufen zu bringen, ehe er sich neu bei der Armee verpflichtete.
„Hast du die Army verlassen?“
Er neigte den Kopf. „Ja, das habe ich … fürs Erste.“
„Aber … aber ich dachte, du wärst Berufssoldat.“
Lee lächelte schief. „Das Leben kann einem die schönsten Pläne durchkreuzen.“ Kaum hatte er diesen Satz ausgesprochen, bereute er ihn auch schon. „Es tut mir leid.“
Angela schüttelte den Kopf. „Du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Die Pläne, die wir als Teenager gemacht haben, sind längst nicht mehr gültig.“
Er nickte. Sie hatte recht. Er, Angela und Justin hatten mit sechzehn ihre Zukunftswünsche aufgeschrieben und die Zettel in einen Umschlag gesteckt, den sie versiegelt und erst einen Tag vor ihrer Highschool-Abschlussfeier wieder geöffnet hatten. Lee hatte sich seinen Wunsch erfüllt, zum Militär zu gehen, und Angela war wie erhofft als Model erfolgreich geworden. Nur Justin war von seinem Ziel, Arzt zu werden, abgewichen. Er hatte das Medizinstudium nach einem Jahr abgebrochen, um sich bei den Marines zu verpflichten.
Lees Blick schweifte zu dem kleinen Jungen, der zu ihm hochschaute. „Hallo, Kumpel.“
Das Kind runzelte leicht die Stirn. „Ich bin kein Kumpel, ich heiße Malcolm.“
Lee lächelte breit. „Ein kluger Junge“, sagte er mit gedämpfter Stimme zu Angela.
Angela starrte ihren Sohn an. Ihre Kinder waren immer geradeheraus, was ihre altmodische Schwiegermutter extrem störte, die der Meinung war, dass Kinder gesehen, aber nicht gehört werden sollten. „Malcolm, sag Mr. Lee bitte Hallo.“
Malcolm blinzelte langsam. „Hallo, Mr. Lee.“
Lee ging in die Hocke und gab ihm die Hand. „Schön, dich kennenzulernen, Malcolm.“
„Danke, gleichfalls“, erwiderte der Kleine lächelnd.
Angela musterte Lee. Sie hatte ihn zuletzt auf der Beerdigung ihres Mannes gesehen, und damals war ihr sofort seine hagere Erscheinung aufgefallen. Als sie ihn gefragt hatte, ob er krank gewesen war, hatte er ihr erzählt, dass er während der zweimonatigen, extrem harten Ausbildung zum Army Ranger fast vierzig Pfund abgenommen hatte. Offensichtlich hatte er seitdem nicht einfach nur wieder zugenommen, sondern vor allem viel Muskelmasse aufgebaut. Die kräftigen Oberarme in den aufgerollten Ärmeln seines Tarnanzugs bewiesen es.
Lee war sehr groß, einen Meter neunzig, und so auffallend attraktiv, dass man sich unweigerlich nach ihm umdrehte. Sein Vater war halb Afroamerikaner, halb Cherokee, seine Mutter eine Weiße. Diesen Genen verdankte er den hellbraunen Teint, das rabenschwarze wellige Haar und die blaugrauen Augen. Ihre Mitschülerinnen waren von ihren Eltern vor ihm gewarnt worden – sein gutes Aussehen, gepaart mit dem kriminellen Ruf seines Vaters, hatte ihn in ihren Augen äußerst gefährlich gemacht. Wie der Vater, so der Sohn, hatte Angela die Leute sagen hören.
Aber sie hatte immer gewusst, dass Lee niemals Drogen nehmen würde, weil er erlebt hatte, wie sie seine Familie beinahe vollkommen zerstört hätten. Selbst als viele Jungs anfangen hatten, Marihuana zu rauchen, Alkohol zu trinken oder Pillen zu schlucken, war er stets ein Außenseiter geblieben, und sie vermutete, dass es mit der Drogensucht seines Vaters zu tun gehabt hatte.
Lee richtete sich jetzt wieder auf, und ihre Blicke trafen sich. Sie erinnerte sich an seine Frage, ob er sich sehr verändert hatte. Im ersten Moment hätte Angela Nein gesagt, doch bei näherem Hinsehen bemerkte sie Dinge, die bei ihrer letzten Begegnung noch nicht sichtbar gewesen waren. Um seine Augen hatte sich ein Netz aus feinen Linien gebildet, und die Stoppeln auf seinem schmalen Gesicht mit den hohen Wangenknochen betonten seine Männlichkeit. Jetzt, mit dreißig Jahren hatte ihr Freund keine Spur von Jungenhaftigkeit mehr an sich.
„Wo ist denn deine Tochter?“, fragte er.
„Zoe ist im Haus bei Justins Mutter. Malcolm und ich haben einen Termin beim Zahnarzt.“
Lee neigte den Kopf. „Dann will ich dich nicht aufhalten. Wenn du Zeit hast, ruf mich doch mal an, damit wir uns über alles austauschen können.“
Angela nickte. Es gab so viel, das sie Lee erzählen wollte. Im vorherigen Jahr hatte sie als Empfangssekretärin in einer Arztpraxis angefangen und war danach schnell zur Büroleiterin befördert worden.
„Ich würde dich und deine Schwester gern einmal zum Sonntagsessen einladen. Ich weiß nicht, ob Vivi es erwähnt hat, aber ich habe mein Haus verkauft und bin ein paar Monate vor der Geburt der Zwillinge zu meiner Schwiegermutter gezogen.“
Lächelnd schüttelte er den Kopf. „Nein, das hat sie nicht erwähnt. Ich habe die nächste Zeit nichts vor, also würde ich mich über ein Treffen wirklich freuen.“
Angela erwiderte sein Lächeln. „Ich würde mich gern noch länger mit dir unterhalten, aber wir müssen dringend los, sonst kommen wir zu spät.“ Sie machte eine...




