E-Book, Deutsch, 502 Seiten
Albrecht Schlagschatten
2. Auflage 2025
ISBN: 978-3-6951-4539-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman meets True Crime
E-Book, Deutsch, 502 Seiten
ISBN: 978-3-6951-4539-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Eine junge Frau aus gutem Hause wird in eine albtraumhafte Spirale aus Manipulation, Gewalt und Schuld gezogen, als sie sich einem charismatischen, aber psychopathischen Söldner aus Rhodesien hingibt. Was als Romanze beginnt, endet in einem Doppelmord - und in einer lebensverändernden Haft. Doch ihr tiefster Fall wird der Anfang eines neuen Selbst: Ein Weg zurück ins Leben, ins Licht - durch den Schatten hindurch.
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Teil 2
Nach einer längeren Pause fuhr Eliane fort: ,,Als mich der Patrick seinerzeit, also ganz am Anfang, in Düsseldorf angesprochen hatte und mir vorschlug, in einem Hotel gemeinsam zu übernachten, und ich dazu einwilligte, empfand ich das nicht als abnorm. Von meinen Freundinnen habe ich auch öfters gehört, dass die sich ähnlich verhielten und oftmals nach dem ersten Kennenlernen mit einem Mann ins Bett gingen. Hinterher wurden so Geschichten erzählt, ich würde ja mit jedem ins Bett gehen, worüber ich mich auch sehr aufregte. Ich schlief keineswegs mit jedem Mann. Aber wenn mir jemand nett und sympathisch erschien, dann kam es auch nach kurzer Zeit zum sexuellen Kontakt. Ich hielt das so für normal. Heute beurteile ich es so, dass ich den Menschen gegenüber nicht kritisch genug entgegengetreten bin.
Wenn ich mir das heute überlege, und dies geschah inzwischen oftmals, wie ich mich an einen Wahnsinnigen gleichsam verkaufen konnte, so muss ich sagen, dass dies einfältig war. Das entsprang meiner ungenügenden Menschenkenntnis. Dies war mein Leben lang so. Ich ging immer davon aus, dass wenn mir jemand freundlich begegnet, dann sei er auch so. Das war meine Einstellung. Da stieß mich niemand mit der Nase darauf, diese Haltung einmal gründlich zu überdenken.
Was geschehen ist, ist ganz schlimm! Wenn ich die Uhr zurückdrehen könnte, würde ich das sofort tun. Ich würde versuchen, vollkommen anders zu handeln, dass ich gar nicht erst in eine solche Situation hineinkäme. Ich würde mich so verhalten, dass ich niemals in eine ähnliche Lage geraten würde. Das, was geschehen ist, da bin ich mitverantwortlich. Ich fühle mich hilflos, weil ich nichts rückgängig machen kann. Es tut mir entsetzlich leid, dass zwei Mädchen, mit denen ich vorher am Tisch zusammengesessen hatte, durch so einen schrecklichen Umstand umkamen. Nein, ich tue mir nicht selbst leid. Meine Eltern tun mir leid. Die müssen nämlich leiden,“ Eliane fing an zu weinen, „ich weiß nicht, wie ich meinen Eltern gegenübertreten soll!“
Dr. Thomae unterbrach an dieser Stelle und ließ ihr Zeit, in Ruhe ihre Fassung wiederzugewinnen. Man schwieg lange miteinander.
„Wenn ich Sie jetzt nach Ihren ferneren Zukunftsplänen frage, was würden Sie dazu äußern?“
„Wenn ich einmal entlassen werde, möchte ich sofort wieder mein Studium aufnehmen. Unverändert bleibt mein Ziel, Hochbauarchitektin zu werden. Meine Eltern, mein Bruder und mein Freund Achim halten zu mir. Sie würden mich nach der Entlassung unterstützen und mir weiterhelfen. Sicherlich könnte ich auch wieder zu Hause wohnen. Nach Beendigung des Studiums würde ich für zwei Jahre bei der NOWEA arbeiten, damit ich in der Architektenkammer als Architektin eingetragen werden kann. Dann würde ich mich selbstständig machen. Und wenn das geschafft wäre, würde ich gerne heiraten und Kinder bekommen. Wenn die Kinder dann größer wären, würde ich meinen Beruf wieder aufnehmen,“ beschloss Eliane ihre dezidierte Antwort.
Weiniger suchte nach einer langen Pause erneut den Mordverdächtigen auf. Er konnte keine tatbezogenen Angaben nach dessen Ankündigung mehr erwarten. Deshalb wurde der Fortgang seiner Biografie avisiert, über welche sich Patrick bisher offensichtlich mit einer erstaunlichen Offenheit eingelassen hatte.
„Wie erging es Ihnen weiter auf der Prinzeninsel im Marmarameer,“ wollte der Besucher wissen. „Ich habe mich inzwischen über diese Region, die mir unbekannt war, näher informiert und habe einiges über die Besonderheiten dieses Meeres in Erfahrung gebracht. Zusammen mit Bosporus und Dardanellen bildet es die Grenze zwischen Europa und Asien, und hatte offensichtlich schon immer eine große strategische Bedeutung inne. Im Altertum war es eine wichtige Handelsstraße und ist es bis zum heutigen Tage. -Aber ich möchte jetzt nicht mit meinen angelesenen Kenntnissen prahlen, sondern Ihnen weiter zuhören,“ schloss Weininger.
„Die mir gebotene Möglichkeit zum Versteck im Ferienhaus meines Kumpels vom illegalen Antiquitätenhandel erwies sich als hervorragend. Da ich mit Geldmitteln durch meinen kriminellen Handel reichlich versorgt war, konnte ich es mir leisten, dort über einen längeren Zeitraum ein angenehmes Leben zu führen, wobei ich mich natürlich so zurückhaltend und unauffällig verhielt, wie es nur möglich war. Durch meinen langen Aufenthalt in Gaziantep sprach ich ein ordentliches Türkisch und gewann damit in den kleinen Hafenkneipen mehrere Bekannte, die dort häufig herumhingen wie auch ich selbst.
Ich gab mich aus als syrischer Flüchtling, der längere Zeit in Mardin gelebt habe und nach Amerika ausreisen wolle. Zuerst wolle ich auf der Insel verbleiben und angenehme Tage erleben. Nicht selten spendete ich mehrere Runden Raki, der dem griechischen Ouzo ähnelt. Dadurch erfreute ich mich großer Beliebtheit und war ein gerne gesehener Gast in diesem Milieu. Indirekt erfuhr ich dort auch immer das Neueste, was sich auf der Insel tat, wobei mich insbesondere Anreisende interessierten, die auf der Insel blieben, denn das könnten auf mich angesetzte Beamte sein.
Gerne erinnere ich mich an das Sankt Georgs Kloster auf einem Berg im südlichen Teil der Insel, das aus dem sechsten Jahrhundert stammt, und wo sich noch einige griechische Mönche aufhalten. Immer wieder einmal bin ich dort hochgestiegen. Ich habe es aber strikt vermieden, mich auf einem Esel den steilen Anstieg schleppen zu lassen, weil mir diese geplagten Tiere unendlich leidtaten. Wenn ich ehrlich sein soll, müsste ich sagen, dass mir Tiere viel näherstehen als Menschen und ich es nicht ertragen kann, wenn man sie quält.“
Patrick blickte gedankenversunken vor sich hin.
„Auf jeden Fall, da oben in diesem Kloster hatte ich mich mit einem Mönch angefreundet, der nach althergebrachtem Rezept einen Klosterlikör selbst herstellte, dem ich leidenschaftlich zugesprochen habe. Ich ließ immer einige größere Geldscheine dort und machte mich dadurch sehr beliebt. Die Aussicht von dort oben ist atemberaubend. Das Marmarameer leuchtet weit sichtbar je nach Sonnenbestrahlung in einem unglaublich schönen Smaragdgrün, an dem ich mich nicht satt sehen konnte, obwohl ich im Allgemeinen in ästhetischen Dingen ein Banause bin. Das hat Eliane mir unzählige Male vorgehalten und ich kann ihr nicht widersprechen. Soweit ich im Laufe meines Aufenthalts gehört hatte, war diese Insel in der byzantinischen Zeit ein beliebter Rückzugsort. Er wurde aber auch häufig für Exilanten genutzt. Die Insel galt als Verbannungsort für byzantinische Adlige und später für zahlreiche osmanische Prinzen und Prinzessinnen. Wenngleich keine vollständigen Burgen oder Festungsanlagen auf der Insel noch existieren, finden sich einige Überreste und Relikte kleinerer Befestigungen aus der byzantinischen Zeit, als diese noch dem Schutz vor Piraten dienten, die häufig die Insel bedrohten.
Im kleinen Hafenmilieu lernte ich ziemlich bald eine hübsche schwarzhaarige Frau mittleren Alters kennen. Sie verkehrte oft in diesen Hafenkneipen und entpuppte sich als Prostituierte, mit der mich allmählich eine fast freundschaftliche Beziehung verband. Wir waren mindestens jeden zweiten Tag zusammen, und ihre ausschweifende Sinnlichkeit zog mich an. Sie war Griechin, sprach jedoch ausreichend Türkisch, wie alle dort lebenden Griechen. Beim Sex mußte ich ihr immer eine Augenbinde umlegen, weil sie der Meinung war, durch Ausschaltung des Sehsinnes intensiver die sexuellen Empfindungen zu erleben. Eine fetischartige Anziehung für sie waren offensichtlich meine Füße,“ ergänzte Patrick mit hellem belustigtem Lachen. Auch Weiniger verzog schmunzelnd sein Gesicht.
Nach etwa gut fünf Monaten wurde mir mein dortiger Aufenthalt leid und ich empfand allmählich Langeweile. Die dortigen Abwechslungsmöglichkeiten hatten sich erschöpft und mein mir innewohnender Drang nach Veränderung machte sich allmählich bemerkbar, was mich alsbald zu konkreten Plänen führte.“
„Wollten Sie nicht zu ihrer arabischen Lebenspartnerin zurückkehren, wie Sie es versprochen hatten? “brachte Weininger neugierig vor.
„Nein, auf keinen Fall! Für mich war diese Geschichte abgehakt. Ich neige nicht zur Anhänglichkeit. Vorbei ist vorbei! Und es kommt immer wieder was Neues! Es ist für mich selbst erstaunlich, wie lange ich bei ihr geblieben war. Das ist für mich ungewöhnlich. Ich bin zwar immer noch mit meiner Ehefrau verheiratet, aber wir haben inzwischen nur noch in sehr langen Abständen miteinander zu tun, dann treibt es mich nach neuen Ufern. Ich bin weder sesshaft noch treu, das liegt nicht in meiner Natur – und so bin ich nun einmal. Darauf muss man sich bei mir einstellen.“
„Andererseits gewinnt man nach allem, was ich über Sie weiß, den Eindruck, dass sie in hohem Maße zur Eifersucht neigen, wenn das stimmt, was Sie bisher zu diesem Thema berichtet haben,“ wandte Weiniger ein.
„Da will ich nicht widersprechen. Wenn ich mit einer Frau zu tun habe, dann muss diese mir...




