Albrecht | Euphrat, Tigris und andere schwarze Locken | Buch | 978-3-946574-02-6 | www2.sack.de

Buch, Deutsch, 96 Seiten, Format (B × H): 125 mm x 190 mm

Albrecht

Euphrat, Tigris und andere schwarze Locken

Gedichte
3. Auflage 2018
ISBN: 978-3-946574-02-6
Verlag: Aphaia Verlag

Gedichte

Buch, Deutsch, 96 Seiten, Format (B × H): 125 mm x 190 mm

ISBN: 978-3-946574-02-6
Verlag: Aphaia Verlag


Vor mir liegt ein Buch manch schöner Schöpfungen, dabei sehr heutig und modern, angeregt beispielsweise von dem der Postmoderne vorgreifenden amerikanischen Dichter Wallace Stevens (1879 – 1955), dem eine Hommage von vier Gedichten gewidmet ist.
Mir gefallen die selten gebrauchten Wörter wie „Winterschlösser“ oder „Wüstenväter“, Sprachneuschöpfungen wie die „Weidenwimpern“ sowie Zeilen wie „im / Labyrinthischen Kranichtanz schwarzer Nacht“. Der Dichter könnte mit seinem Buch gezeigt haben, „Ein Großwesir im Reich / Der Sprache“ zu sein. Ein Äußerstes an Phantasie erwecken Wortgebilde wie „Mondmode“, wofür es freilich der Vorstellungskraft des Lesers bedarf, sich auch Mondlebewesen zu erschaffen, die diese Mode tragen. Manche Frage bleibt dann aber ungelöst, was mögen „Kranichbeutelblüten“ sein, was ist ein
„flitterjahrelanges Lesen“?
Beneiden möchte man fast den, der in des Dichters Worten mit „Fakirsohlen über Schmerz, / Der dich nicht weckt“ zu gehen imstande ist. Wieder eine Zeile, die so weit hinaus führt, über das Gedicht hinweg. Müsste das nicht auch ein Dichter können? Einer der Empfindsamen? Wie laut muss Leid sich äußern, dass es die Fakirsohlenträger spüren?
Als Mythenliebhaber, und der Mythos klingt hier und da in den Gedichten an, bringen mich meine Dichtersohlen mit dem letzten Gedanken zu Harald Albrechts Ikaros-Gedicht. Ist es einfühlsam oder wohlfeile Nutzung einer allzu bekannten Geschichte? Zumal lediglich die ersten drei Zeilen von Ikaros berichten, was all denen, die nur die grobe Geschichte des Ikaros kennen, wie letzteres vorkommen mag: „Ikarus war ein Sonnenopfer. / Begeisterung war seine Erhebung, /
Besänftigung sein Fall.“ . Das klingt erst einmal fast prosaisch, denkt man daran, was Menschen, unter der Sonne lebend, denen antun, die in der Begeisterung zu leben versuchen? Opfer – ein wahres Wort, aber kein gutes, kein schönes, jedoch ein unvermeidliches, immer wieder auftauchendes! Und selten habe ich für den Fall des Ikaros oder eines anderen antiken oder modernen Menschen ein ähnliches Wort wie „Besänftigung“ als dualen Widerpart gehört. Im Ikaros-Gedicht sind nicht
der Schmerz, das Grauen, die Verzweiflung angesprochen, der Dichter sieht im Fallen „Besänftigung“! In einem anderen Gedicht steht: „Hochgestirnt / Ist das Unvermeidliche.“ Ich vermag nicht zu sagen, wie und wann es mir gelingen könnte, das Opfersein, das Fallen, denn davon gab es schon zuviel, so scheinbar schmerzlos zu ertragen, und es als Besänftigung der Begeisterung zu empfinden. Vielleicht gelingt es nur in der Religion oder eben in der Poesie, lesend oder schreibend.
Aus dem Vorwort von Steffen MARCINIAK

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Vorwort

Ein unerwartetes Buch des APHAIA Verlags liegt vor mir, eines voller Schönheiten. „Dich lesend / Hörte ich Sternbilder / An den Planken plätschern“? Der Realist wird sich fragen, wie soll das gehen, der Dichter in mir hingegen taucht ein in das Spiel der Elemente, denn taucht man in einen Sternenhimmel nicht ein wie in das wogende Meer?
Wie im Titelgedicht bei mir eine Sehnsucht nach der Ferne zu schwingen beginnt, die Flüsse Euphrat und Tigris mit den „anderen schwarzen Locken / Mäandern“ da sucht Harald Albrecht die „Saumseligkeit“, die für ihn gar nicht fern liegen muss, nicht wissend, ob sie „nah an der Mündung / Oder nah der Quelle“, jedoch immer hinter „Eulenschleiern“ am „Ort der Seligkeit“ zu finden ist.
Ja, vor mir liegt ein Buch manch schöner Schöpfungen, dabei sehr heutig und modern, angeregt beispielsweise von dem der Postmoderne vorgreifenden amerikanischen Dichter Wallace Stevens (1879 – 1955), dem eine Hommage von vier Gedichten gewidmet ist.
Mir gefallen die selten gebrauchten Wörter wie „Winterschlösser“ oder „Wüstenväter“, Sprachneuschöpfungen wie die „Weidenwimpern“ sowie Zeilen wie „im / Labyrinthischen Kranichtanz schwarzer Nacht“. Der Dichter könnte mit seinem Buch gezeigt haben, „Ein Großwesir im Reich / Der Sprache“ zu sein. Ein Äußerstes an Phantasie erwecken Wortgebilde wie „Mondmode“, wofür es freilich der Vorstellungskraft des Lesers bedarf, sich auch Mondlebewesen zu erschaffen, die diese Mode tragen. Manche Frage bleibt dann aber ungelöst, was mögen „Kranichbeutelblüten“ sein, was ist ein
„flitterjahrelanges Lesen“?
Beneiden möchte man fast den, der in des Dichters Worten mit „Fakirsohlen über Schmerz, / Der dich nicht weckt“ zu gehen imstande ist. Wieder eine Zeile, die so weit hinaus führt, über das Gedicht hinweg. Müsste das nicht auch ein Dichter können? Einer der Empfindsamen? Wie laut muss Leid sich äußern, dass es die Fakirsohlenträger spüren?
Als Mythenliebhaber, und der Mythos klingt hier und da in den Gedichten an, bringen mich meine Dichtersohlen mit dem letzten Gedanken zu Harald Albrechts Ikaros-Gedicht. Ist es einfühlsam oder wohlfeile Nutzung einer allzu bekannten Geschichte? Zumal lediglich die ersten drei Zeilen von Ikaros berichten, was all denen, die nur die grobe Geschichte des Ikaros kennen, wie letzteres vorkommen mag: „Ikarus war ein Sonnenopfer. / Begeisterung war seine Erhebung, /
Besänftigung sein Fall.“ . Das klingt erst einmal fast prosaisch, denkt man daran, was Menschen, unter der Sonne lebend, denen antun, die in der Begeisterung zu leben versuchen? Opfer – ein wahres Wort, aber kein gutes, kein schönes, jedoch ein unvermeidliches, immer wieder auftauchendes! Und selten habe ich für den Fall des Ikaros oder eines anderen antiken oder modernen Menschen ein ähnliches Wort wie „Besänftigung“ als dualen Widerpart gehört. Im Ikaros-Gedicht sind nicht
der Schmerz, das Grauen, die Verzweiflung angesprochen, der Dichter sieht im Fallen „Besänftigung“! In einem anderen Gedicht steht: „Hochgestirnt / Ist das Unvermeidliche.“ Ich vermag nicht zu sagen, wie und wann es mir gelingen könnte, das Opfersein, das Fallen, denn davon gab es schon zuviel, so scheinbar schmerzlos zu ertragen, und es als Besänftigung der Begeisterung zu empfinden. Vielleicht gelingt es nur in der Religion oder eben in der Poesie, lesend oder schreibend.

Berlin, Mai 2016

Steffen Marciniak
Autor, Herausgeber und Lektor im Größenwahn Verlag


Albrecht, Harald
Harald ALBRECHT
Der hier veröffentlichte Gedicht-Zyklus Euphrat, Tigris und andere schwarze Locken enthält Gedichte aus den Jahren 1982 –2014. Ihre abschließende Fassung hat die Reihe in den vergangenen vier Jahren, während der Zusammenarbeit mit dem Komponisten George Alexander Albrecht, erhalten. Die daraus entstandene Partitur 19 Lieder wurde 2015 im Berliner Verlag Ries & Erler veröffentlicht. Eine CD mit den Aufnahmen von sieben Liedern dieser Partitur(Marietta Zumbült, Sopran; Ulrika Strömstedt, Alt; Uwe Stickert, Tenor; Peter Frank, Bass) ist bei aphaia acoustics erhältlich.



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