Albich | Tod am Nussdorfer Wehr | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

Albich Tod am Nussdorfer Wehr

Kriminalroman
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98707-225-3
Verlag: Emons Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

ISBN: 978-3-98707-225-3
Verlag: Emons Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Feel-Good-Krimi mit Schmäh und Tiefgang . . . der den Wienerinnen und Wienern in die Seele schaut. Wien, 20. Bezirk, Nähe Nussdorfer Wehr. Ein Mann stürzt aus ungeklärten Gründen von seinem Balkon in den Tod. Der Fall trifft Inspektor Grohsman persönlich: Vor vielen Jahren hat sich ganz in der Nähe sein bester Freund das Leben genommen. Diese Gespenster muss er verjagen, um mit seiner Kollegin Joe Kettler und Kriminalpsychologin Nicky Witt die Frage zu klären: War es Suizid, ein Unfall oder Mord? In welche menschlichen Untiefen er dabei abtauchen muss, erschüttert sogar ihn.

Mina Albich ist Wienerin mit Leib und Seele. Aus der Reihe tanzen, sich in keine Schublade stecken lassen, könnte ihr Motto lauten. Ihre Vielseitigkeit spiegelt sich in ihren Ausbildungen wider, unter anderem Soziale Verhaltenswissenschaften, literarisches Schreiben, klassischer Gesang und Mentaltraining. Müsste sie ihre Hauptinteressen in drei Worte fassen, so wären dies Menschen, Sprache und Musik - am liebsten eine Verbindung aus allen dreien. So erklärt sich auch ihre Leidenschaft, in ihren Krimis Menschen psychologisch zu skizzieren und mit individuellen Sprachmelodien auszustatten. »Mexikoplatz«, ihr erster Kriminalroman, war 2023 für den Glauserpreis Debüt nominiert.
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Dienstag, 4. November


1


Ein bemerkenswerter Abend gestern, den Grohsman mit Lukas und Billie für Nachhilfe in Jugendsprache genutzt hatte. Nun wusste er, dass »Rizz« – stimmhaftes Z wie in »Grizzlybär« – »Charisma« bedeutete.

Dieses Wort geisterte Grohsman beim Decken des Frühstückstischs durch den Kopf. Ob Lienhart in den Augen seiner weiblichen Fans »Rizz« hatte? Seinen Neffen fragte er dazu lieber nicht, dessen Miene verfinsterte gerade die Küche. Ein knappes »Morgen« brachte Lukas raus, für »gut« reichte es nicht.

»Alles okay bei dir? War doch ein lustiger Abend gestern.« Den sich der Junge vielleicht anders vorgestellt hatte, mehr Zeit mit Billie allein, weniger Einmischung von Grohsman?

»Ist nicht wegen gestern. Nicht so wichtig. Sorry, ich muss los, bis später.«

Dann musste Grohsman seinen Kaffee – standesgemäß zubereitet mit seiner Bialetti – eben ohne Gesellschaft genießen. So ein richtiger Morgenplauderer war er ohnehin nicht. Er spazierte mit Sally zur Arbeit ins LKA, zu Fuß eine Viertelstunde von seiner Wohnung entfernt. Die Hündin kannte diese Routine schon. Büro – langer Tag – also unter dem Schreibtisch zusammenrollen und schnarcheln.

Ihr Schlaf wurde von Grohsmans Chef gestört, Oberstleutnant Ungerböck, der die Tür aufriss.

»Was ist jetzt mit dieser Sache da, wann können wir das abhaken? Ich will nicht mit einem ungelösten Fall in Pension gehen.«

Ich bin nicht schwerhörig, wollte Grohsman ihm entgegnen. Aber damit würde er die Dezibelzahl bloß noch anheben. Wobei, der Ungerböck und Ruhestand? Oder war das wieder einmal eine seiner semiwitzigen Metaphern? »Wir sind erst seit gestern dran.«

Grohsmans Handy läutete. »Moment, Herr Oberstleutnant, da muss ich rangehen, das ist Dr. Schlesinger. – Ja, Oskar? Kannst du schon etwas zur Todesursache sagen?«

»Die war eindeutig der Sturz. Soweit man das beurteilen kann, gibt es keine prämortalen Blessuren, lässt sich bei den vielen Frakturen natürlich nicht ganz einwandfrei verifizieren. Der Tote hatte zwei Komma sieben Promille Blut im Alkohol, haha. Nein, natürlich umgekehrt. Sprich, er war abgefüllt bis über die Ohren. Und was wir bisher an sonstigen Substanzen nachweisen konnten, na grüß Gott. Nicht das erste Mal, dass er gehascht und gekokst hat.«

»Hinweise auf Antidepressiva?«

»Tox-Screen ist noch nicht abgeschlossen. Außerdem hatte er Geschlechtsverkehr, hat aber nachher geduscht. Ich muss erst prüfen, ob es brauchbare Fremd-DNS gibt. Mehr hab ich noch nicht. Ich melde mich wieder!«

»Danke!« Grohsman sah in Ungerböcks erwartungsvolle Augen. »Noch nichts Definitives. Dr. Schlesinger braucht mehr Zeit.«

»Zeit, Zeit … Und überhaupt, Grohsman, wieso ist der Hund schon wieder da? Ich habe Ihnen schon einmal gesagt …«

»Ich überlege mir, sie zum Polizeihund ausbilden zu lassen. Der Kollege Koller meinte, sie hätte Potenzial.« Das war nicht ganz korrekt. Letztes Jahr hatte Sally in einem Fall einen wichtigen Teil der Lösung erschnüffelt. Davon hatte er Koller bei einer beschwingten Polizeirunde erzählt. Worauf der Ausbilder der Hundestaffel ihm bestätigt hatte, dass er auch kleinere Hunde im Einsatz hatte. Natürlich hatten sie nicht über Sallys Karrierechancen bei der Polizei gesprochen. Ungerböck ließ es dennoch dabei bewenden und stürmte aus dem Büro.

»Was ist denn mit dem los, hat der sein eigenes Spiegelbild gesehen?«, witzelte Joe beim Hereinkommen. »Wenn er sauer ist, schaut er drein wie ein Mops mit Blähungen.«

»Tja. Was kann ich für dich tun, Joe?«

»Im Vernehmungsraum warten drei junge Frauen auf dich. Die drei Streithennen, wie’s die eine Zeugin ausgedrückt hat. Personalien hab ich schon aufgenommen.«

2


Margie, Jenny und Lisi, die Partygäste bei Lienhart, knotzten im Vernehmungsraum entspannt wie in einer Hotellounge. Grohsman hockte sich auf den unbequemen Holzsessel und legte Stift und Notizblock auf den Tisch.

»Wie im Film!« Eine der drei klatschte in die Hände. »Jetzt sind wir quasi Kommissarinnen.«

Grohsman beließ sie in der Annahme. »Dafür, dass Sie erst vor Kurzem vom Tod des Partygebers erfahren haben, ist Ihre Laune ziemlich beschwingt«, ätzte er.

»Na jaaa, sorry … Wir sind natürlich traurig. Aber ist unser Dasein nicht zu kurz, um mit einer Trauermiene durchs Leben zu laufen?«

Mit einem Seufzer nahm Grohsman die philosophischen Ergüsse dieser rund Zwanzigjährigen zur Kenntnis. »Apropos Trauermiene, wie war Herr Lienhart an dem Abend denn so drauf?«

»Na, wie immer! – Ein bisschen crazy, aber sonst cool«, quasselten sie durcheinander.

»Hört sich nicht nach jemandem an, der seinem Leben ein Ende bereiten will«, murmelte Grohsman mehr zu sich.

»Voll. – Hätt ich nie von ihm gedacht. – Doch nicht der Manu.« Wieder antworteten alle drei gleichzeitig. Schimmerten Tränen in den Augen von Jenny?

»Angeblich gab es Reibereien mit Ihnen, richtig?« Grohsman fixierte die Frauen.

Margie rutschte auf ihrem Sessel hin und her. »Also, auf unseren Partys geht’s halt nicht so spießig zu.« Sie verschränkte die Arme.

»Wir haben uns wieder versöhnt. Das haben wir zu viert gefeiert, im Bad.« Ein Leuchten erhellte Lisis Augen.

»Na komm, das war nur Herumgeknutsche«, relativierte Margie.

»Aber ziemlich heiß, das müsst ihr zugeben!«, raunte Jenny ihren Freundinnen zu. Ihre Stimme war um mindestens eine Terz gesunken.

Die drei und »Manu«? Nein, Grohsman versuchte nicht, sich das Szenario vorzustellen. »Können Sie mir bei der Zuordnung dieser Fotos helfen?« Grohsman breitete die bisher vorhandenen Schnappschüsse von der Feier aus. Einige Augenblicke lang kam er sich vor wie auf einer Cocktailparty.

»Das ist der Klausi!« – »Geh bitte, das ist doch der Robert!« – »Habts ihr was auf den Augen? Die rote Hose, die hat der Flori getragen, ganz sicher!« – »Uuuh, da kannst du recht haben, die Hose hat meine Hornhaut verätzt, wie kann man so was tragen?« – »Na ja, aber Robert mit seinem violetten Leiberl war auch nicht grad der Fashionking!« – »Oh, schauts euch die Fingernägel von der Tina an, ist mir bei der Party gar nicht aufgefallen. Das ist so was von No-Go!« – »Nein, der Robert hatte nichts mit der Sabsi.« – »Doooch, das weiß ich ganz genau, ich hab die zwei doch erwischt!« – »Ja, aber höchstens knutschend.« – »Nein, wenn ich dir’s doch sage! Die haben in der Küche wie die Karnickel …« – »Die Sabsi?«

»Meine Damen, darf ich Ihnen einen Kaffee bringen?«, unterbrach Grohsman das Geschnatter der jungen Frauen launig.

»Das wär super! Einen Cappuccino mit zwei Stück Zucker!« – »Für mich bitte einen Soja Latte, ich vertrag keine Milch.« – »Gibt’s hier auch Tee? Einen Sencha?«

Die drei hatten seinen Scherz für ein ernsthaftes Angebot gehalten. Andererseits konnte auch er eine Stärkung vertragen. Und ein duftender Kaffee förderte eventuell die Motivation der Frauen. Mittlerweile war der absolut trinkbar.

Früher war die Brühe im Büro bestenfalls zum Wollefärben geeignet gewesen, worauf sie im Team in einen Kaffeevollautomaten investiert hatten.

Grohsman kam mit vier Bechern wieder. »Sencha hab ich nicht, Sie müssen mit diesem Grüntee vorliebnehmen. Und Soja ist aus, das ist ein Mandel Latte«, brummte er und stellte den Frauen ihre Getränke hin. Und nahm einen Schluck von seinem kleinen Mokka.

»Hey, urcool«, jubelte Jenny. »Die Polizei, dein Freund und Helfer!« Sie beugte sich wieder über die Fotos. »Also das da, das ist der Klausi, mit der Veronika. Das könnt der Mecki sein, der hat so eine Ziegenstimme. Das hier sieht nach der Antje aus. Und das sind Kathrin eins und Kathrin zwei, Michi, Millie und Edgar. Von dem da kenn ich nur den Spitznamen, Sneaky – der läuft nur mit Sneakers rum. Ah, und das da«, sie klopfte heftig mit dem Finger auf ein Foto, »das ist Herwig. An den erinnere ich mich besonders, weil er Zoff mit Manu hatte. Es ging um irgendwas mit Sandy, glaub ich.«

»Das ist die Alte vom Herwig«, ergänzte Margie. »Eigentlich heißt sie Alexandra, klingt aber nicht so hip.«

»Wieso war die eigentlich nicht da?«, fragte Lisi.

»Weil sich die Lovebirds gebeeft haben.«

»Stunk zwischen Sandy und Manu?«

»Nööö, die waren nicht verknallt. Ich glaub, die war eine der wenigen Frauen, mit der nix lief. Also, nur eine Kumpeline.«

Grohsman überlegte, ob er jemals so eine Befragung erlebt hatte. Das war eher eine »Zuhörung«. Seit dem Kaffee hatte er keine Frage mehr gestellt, sondern schrieb eifrig die überdrehten Meldungen der drei Frauen mit. »Haben Herwig und Sandy auch Nachnamen?«, unterbrach er das Kaffeekränzchen.

»Irgendwas mit F … Fra, Fre …«, grübelte Lisi.

»Aber nein, der Name fängt mit K an. Kier … Kor …«, entgegnete Jenny.

»Benning!«, rief Margie aufgeregt, was erneut ein lebhaftes Geschnatter hervorrief.

»Bist du sicher? Ich hätte schwören können …«

»Herwig ist doch der Steuerberater vom Manu. Schau, ich hab mir die Visitenkarte abfotografiert.«

»Wofür brauchst du einen Steuerberater?«

»Na hör mal, ich will mich mit meinem Beautysalon selbstständig machen. Damit niemand mit so Katastrophennägeln herumlaufen muss wie die Tina. Die sollte ihr Nagelstudio verklagen!«

»Meine Damen!«, rief Grohsman den vergnügten Haufen zur Ordnung....


Albich, Mina
Mina Albich ist Wienerin mit Leib und Seele. Aus der Reihe tanzen, sich in keine Schublade stecken lassen, könnte ihr Motto lauten. Ihre Vielseitigkeit spiegelt sich in ihren Ausbildungen wider, unter anderem Soziale Verhaltenswissenschaften, literarisches Schreiben, klassischer Gesang und Mentaltraining. Müsste sie ihre Hauptinteressen in drei Worte fassen, so wären dies Menschen, Sprache und Musik – am liebsten eine Verbindung aus allen dreien. So erklärt sich auch ihre Leidenschaft, in ihren Krimis Menschen psychologisch zu skizzieren und mit individuellen Sprachmelodien auszustatten. »Mexikoplatz«, ihr erster Kriminalroman, war 2023 für den Glauserpreis Debüt nominiert.

Mina Albich ist Wienerin mit Leib und Seele. Aus der Reihe tanzen, sich in keine Schublade stecken lassen, könnte ihr Motto lauten. Ihre Vielseitigkeit spiegelt sich in ihren Ausbildungen wider, unter anderem Soziale Verhaltenswissenschaften, literarisches Schreiben, klassischer Gesang und Mentaltraining. Müsste sie ihre Hauptinteressen in drei Worte fassen, so wären dies Menschen, Sprache und Musik – am liebsten eine Verbindung aus allen dreien. So erklärt sich auch ihre Leidenschaft, in ihren Krimis Menschen psychologisch zu skizzieren und mit individuellen Sprachmelodien auszustatten. »Mexikoplatz«, ihr erster Kriminalroman, war 2023 für den Glauserpreis Debüt nominiert.



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