Albich | Mexikoplatz | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

Albich Mexikoplatz

Kriminalroman
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-96041-926-6
Verlag: Emons Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

ISBN: 978-3-96041-926-6
Verlag: Emons Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Ein psychologischer Wienkrimi mit Wortwitz und Schmäh. Wien, Mexikoplatz, drei Uhr morgens. Gruppeninspektor Felix Grohsman ist irritiert: Als er am Tatort eintrifft, ist die Tote, die die Psychologin Nicky Witt hier gefunden haben will, spurlos verschwunden. Dann wird eine Studentin aus wohlbehüteten Verhältnissen als vermisst gemeldet. Grohsman begibt sich hinab in die Untiefen der Wiener Gesellschaft und stößt dabei auf alte Bekannte - und auf die Erkenntnis, dass nichts so ist, wie es scheint. Rein gar nichts.

Mina Albich ist Wienerin mit Leib und Seele. Aus der Reihe tanzen, sich in keine Schublade stecken lassen, könnte ihr Motto lauten. Ihre Vielseitigkeit spiegelt sich in ihren Ausbildungen wider, unter anderem Soziale Verhaltenswissenschaften, literarisches Schreiben, klassischer Gesang und Mentaltraining. Müsste sie ihre Hauptinteressen in drei Worte fassen, so wären dies Menschen, Sprache und Musik - am liebsten eine Verbindung aus allen dreien. So erklärt sich auch ihre Leidenschaft, in ihren
Albich Mexikoplatz jetzt bestellen!

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SAMSTAG, 14.APRIL

1

Nicky sollte gar nicht hier sein. Am Mexikoplatz. Wo sie nicht wohnte. Um drei Uhr in der Früh. Da müsste sie längst schlafen! Um Daniel nicht zu wecken, hatte sie so lautlos wie möglich seine Wohnung verlassen. Im Hausflur überprüfte sie mit dem kleinen Taschenspiegel ihr Aussehen. Die spärliche Gangbeleuchtung war gnädig zu ihrem blassen Teint. Sie rubbelte durch ihr dunkelbraunes Haar, um die Igelfrisur in Form zu bringen. Umrandete die rehbraunen Augen mit Eyeliner, trug Wimperntusche auf. Sparsam. Bloß kein Malkurs. Um die verschlafene Uhrzeit begegnete ihr zwar sicher niemand, aber à la nature außer Haus? Das ging gar nicht. Saß die wollweiße Jeans? Gar nicht übel, fand Nicky. Und grinste über ihre Eitelkeit. Na und, sie war eben mit ihrer Figur zufrieden. Damit gehörte sie ohnehin zu einer Minderheit unter ihren Geschlechtsgenossinnen. Mit dem Finger wischte sie ein paar Staubkörner vom Leder der grünen Pumps. Nur noch das grüne Longshirt unter dem hellen Ledergürtel glatt ziehen, den Kragen der Jacke aufstellen, fertig. Sie trat aus dem Haus und sog die kühle Nachtluft ein. Der Frühling roch nach frisch gemähtem Gras. Nicky blieb kurz stehen, schloss die Augen.

»Na, das wird was werden, die Therapiestunde«, seufzte sie. Reife Leistung, sich mit dem Kumpel eines Klienten einzulassen. Als Psychologin. Und dennoch … Daniel.

Sie spürte das Prickeln auf ihren Wangen, als ihre Gedanken zu Daniels Caffè-Crema-Stimme wanderten. Wie ein warmer Sommerregen rieselte die Erinnerung über ihren Rücken, sanfte Tupfer, die sie an Daniels Fingerspitzen denken ließen. Fühlte sie sich wie zweiunddreißig? Absolut. Flippige zweiunddreißig.

Genug taggeträumt, jetzt schnell nach Hause, duschen, eine Stunde schlafen und dann vorbereiten auf ihre Klientin. Wenn sie nicht ausnahmsweise zum Nachtfalter mutierte, war Nicky Frühaufsteherin. Und hatte dadurch eine recht einträgliche Marktnische entdeckt, psychologische Beratungen und Behandlungen zu ungewöhnlichen Uhrzeiten, wie samstags um sieben Uhr. Samstag. Heute. Mit Schwung schulterte sie ihren Rucksack. Irgendwie würde sie sich schon motivieren, den Ausführungen ihrer Klientin Frau Garbeis zu folgen.

Wo kam die Windböe her? Nicky zog die dünne Jacke um den Körper. Angenehme dreiundzwanzig Grad hatte das Thermometer am Nachmittag angezeigt. Jetzt pfiff der Wind über den Platz und ließ die Zweige der gewaltigen Platanen winken. Wie riesige Gespenster. Nicky erschrak, als ein Ast unweit vor ihr auf den Boden krachte. Entschlossen kickte sie das Holz zur Seite. Das kalte Neonlicht der Parkbeleuchtung erhellte den großen Platz vor der Kirche nur mäßig. Die Kirche! Gestern Nacht war das imposante Gebäude in warmes Licht getaucht gewesen. Nun waren die Fassadenstrahler erloschen, finster stachen die hohen Türme in den Nachthimmel. Nicky huschte an den dunklen Nischen der Kirchenfront vorbei. Ging es zur U-Bahn nach links oder nach rechts?

Nickys Blick blieb auf einer Parkbank hängen. Da vor ihr, in zwanzig Meter Entfernung, saß jemand. In Schräglage. Ein Sandler, der seinen Rausch ausschlief? Aber diese Haltung … Sie blieb stehen, kaute an der Unterlippe, wie immer, wenn sie ratlos war. Kaum was zu sehen in dieser spärlichen Beleuchtung, außer einem blonden Haarschopf, der das Gesicht der Gestalt verdeckte.

Zögernd näherte sie sich der Bank. Der Körper einer Frau, zur Seite gesunken, regungslos. Der linke Arm hing hinter der Bank, die Lehne in der Achsel verkeilt.

»Hallo?«, hauchte Nicky. »Brauchen Sie Hilfe?« Sie stupste die Frau vorsichtig an. Wie kalt sich das anfühlte. Starr. Verdammtes Dämmerlicht. Was jetzt? Die Minitaschenlampe im Rucksack fiel ihr ein. Die trug sie bei sich, seit vor ihrem Wohnhaus immer wieder das Hoflicht ausfiel. Nicky hob den blonden Haarschopf der Frau vorsichtig zur Seite, leuchtete ihr ins Gesicht.

Der Anblick der Fratze traf sie wie ein Kübel Eiswasser. Sie taumelte nach hinten. Höchstens zwanzig war dieses … dieses Mädchen! Ihr Gesicht war zur Grimasse verzogen, verzerrte Lippen, wie zu einem Schrei geformt. Einem letzten. Nicky war sich sicher, dass die starren Augen nichts mehr sahen. Vom Mundwinkel lief eine nasse Spur übers Kinn. Eingetrockneter Speichel. Geruchlos, also kein Alkohol. Fast musste sie über ihre Berufsgewohnheit schmunzeln.

Morgengrauen. Was für ein passendes Wort. Mein ganz persönlicher Horrorfilm, dachte sie. Sie wollte wegrennen. Konnte es nicht. Musste die Tote mit einer absurden Neugier betrachten. Das Mädchen hatte ein leicht aufgedunsenes Gesicht. Ihre Kleidung war adrett, Nicky fiel kein passenderes Wort für dieses Ensemble aus Dunkelblau und Weiß ein. Eine Studentin? Die blonden Haare trug sie offen, sie fielen ihr glatt über die Schultern. Dezent geschminkt. Na ja, was von der Schminke noch übrig war. Am Armgelenk eine Rolex. Ob die echt war? Die Kette um den Hals sah nach altem Granatschmuck aus, ein reizvoller Kontrast zu der blau-weißen Kleidung.

Granatschmuck. Der Hals … der hellrote Streifen auf der weißen Haut. Ziemlich breit. Wie von … von einem Gürtel? Ein Schrei kratzte in Nickys Kehle. Sie würgte die Angst hinunter. Biss sich auf die Handknöchel. In ihrem Kopf wimmelte eine Kolonie hysterischer Ameisen. Wach auf!, schrillte eine innere Stimme, riss sie aus ihrer Erstarrung. Polizei rufen! Ihre Hände zitterten, als sie in ihrem Rucksack nach dem Handy tastete. Sie fand es nicht. Hatte sie es bei Daniel liegen lassen? Nicht ihr größtes Problem im Moment.

Ein metallisches Quietschen ließ sie zusammenzucken. Es war die Schaukel am Kinderspielplatz, die träge hin- und herpendelte. Nur eine der Schaukeln. Also kein Windstoß, sondern … Hatte sie jemand beobachtet? Und was war das für ein Knacksen? Es kam aus dem Gebüsch. Der Mörder? Oder doch nur ein Eichhörnchen?

So genau musste sie es nicht wissen. Bloß weg hier. Sie pfefferte die Taschenlampe in den Rucksack und rannte zur U-Bahn-Station. Zum Glück hatte sie vorhin, ehe sie Daniels Wohnung verließ, noch nachgesehen, ob die Öffis am Wochenende auch wirklich während der Nacht fuhren. Und wo die nächste Haltestelle war. Dabei hatte sie offenbar ihr Handy liegen gelassen, so ein Mist. Die Bewegung zündete ihre Hirnzellen. U-Bahn – vielleicht gab’s dort ein Telefon.

Das Münztelefon unten im Stationsbereich schien intakt zu sein, besser nicht überlegen, wonach es hier roch. Sie nahm den Hörer – ein Freizeichen! – und bedeckte beide Hörmuscheln mit einem Taschentuch. Wer weiß, wer das Telefon zuvor benutzt hatte. Nicky warf eine Münze ein und wählte mit spitzem Finger 133. Sie trat aus der Zelle, um dem verdächtig stechenden Geruch auszuweichen.

»Polizeinotruf«, ertönte endlich eine Frauenstimme am anderen Ende der Leitung.

»Im Mexikopark, da liegt eine Tote …«, sprudelte es aus Nicky heraus. Sie schnaubte, bevor sie noch einmal anfing: »Ich möchte einen Mord melden. Oder, warten Sie, ich weiß gar nicht …«, stotterte sie. »Also, eben, als ich durch den Park ging, entdeckte ich den leblosen Körper einer Frau. Bei der Kirche. Auf der Parkbank, gleich beim Kinderspielplatz …«

»Wo befinden Sie sich jetzt?«

»In der Telefonzelle U-Bahn Vorgartenstraße.«

»Sie haben den Fundort verlassen?«

»Ja, mein Handy habe ich bei meinem … einem Freund liegen gelassen – ist das wichtig? Ich musste zur Telefonzelle, um …«

»Wie ist Ihr Name?«

Mit einem heftigen Schlag auf die Telefongabel unterbrach Nicky die Verbindung. Bloß nicht hineingezogen werden. Sie hatte die Tote gemeldet, das genügte. Musste genügen.

Sie hörte die U-Bahn einfahren. Rannte los und sprang in den Waggon. In der U-Bahn warf sie sich auf eine der Bänke, zwei Männer stiegen noch ein. Keine bedrohlichen Gestalten. Nickys Verkrampfung löste sich. Bin ich wenigstens nicht allein in dem Waggon.

Während die Tunnelwände an ihr vorbeizogen, kroch das schlechte Gewissen hoch. Was für eine dämliche Reaktion. Sie hätte wenigstens warten können. Aber worauf?

Schluss. Schnell umsteigen, eine Station noch mit der Linie U4, bis Landstraße. Dann war sie gleich in ihrer Praxis. Dort würde sie vom Festnetzanschluss noch einmal anrufen. Obwohl … sie konnte ohnehin nicht mehr helfen. Warum nicht heimfahren? Weil ihr Pflichtbewusstsein sie daran hinderte. »Idiotisch«, schimpfte sie, stieg aus und eilte zu ihrer Praxis.

2

Verdammtes Telefon! Gruppeninspektor Felix Grohsman blinzelte auf die grellroten Ziffern des Radioweckers. Halb vier. Gar nicht rangehen, sich noch einmal umdrehen und in die weiche Daunendecke eingraben … Doch sein Arm griff automatisch zum Handy, er brummte einen unidentifizierbaren Laut. Auch das noch, eine Frauenleiche.

Mitten in der Nacht aufzustehen, fiel ihm schwer. Immer schon. Das würde sich jetzt, mit vierundfünfzig, auch nicht mehr ändern. Nutzte nichts, er musste zum Tatort. Oder Fundort. Wen von seinem Team sollte er mitnehmen? Joe Kettler, die junge Kollegin? Vor über einem Jahr war sie seinem Team im Ermittlungsbereich Leib und Leben, Landeskriminalamts-Außenstelle Zentrum-Ost, zugeteilt worden. Sie war eine freche Laus, aber ihre Einfälle beim letzten Fall, nicht übel. Die Idee mit dem Rasenmäher? Und wie sie den Zusammenhang zwischen dem Messer und dem Regenmantel hergestellt hatte! Er hatte nicht so schnell kombiniert. Sie war hungrig. Frisch. Wäre ihre erste Tote in natura. Sollte sie doch mal zeigen, was sie draufhatte.

»Joe? Schlaf ist gestrichen, wir haben einen Fall. Ich hol dich in fünfzehn Minuten...


Mina Albich ist Wienerin mit Leib und Seele. Aus der Reihe tanzen, sich in keine Schublade stecken lassen, könnte ihr Motto lauten. Ihre Vielseitigkeit spiegelt sich in ihren Ausbildungen wider, unter anderem Soziale Verhaltenswissenschaften, literarisches Schreiben, klassischer Gesang und Mentaltraining. Müsste sie ihre Hauptinteressen in drei Worte fassen, so wären dies Menschen, Sprache und Musik – am liebsten eine Verbindung aus allen dreien. So erklärt sich auch ihre Leidenschaft, in ihren



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