E-Book, Deutsch, Band 6199, 157 Seiten
Reihe: Beck Paperback
Ahrens In dubio torero
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-406-68216-2
Verlag: Verlag C. H. Beck GmbH & Co. KG
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Neue juristische Stilblüten
E-Book, Deutsch, Band 6199, 157 Seiten
Reihe: Beck Paperback
ISBN: 978-3-406-68216-2
Verlag: Verlag C. H. Beck GmbH & Co. KG
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wilfried Ahrens war Oberstaatsanwalt bei der Staatsanwaltschaft Göttingen.
Autoren/Hrsg.
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3. Kids
Wenn von Experten beklagt wird, eine ernst zu nehmende Anzahl von Jugendlichen vernachlässige ihre Schulpflichten und wüsste nicht, was später beruflich werden solle, so gibt es auch bemerkenswerte Ausnahmen.
Die Polizei:
Eine Branche also, in der Behauptungswille und Durchsetzungsvermögen eine wichtige Rolle spielen. Da es sich nicht um einen klassischen Lehrberuf handelt, verschaffen sich Interessierte die nötigen Übungseinheiten selbst.
Aber auch bestimmter Unterrichtsstoff kann schon früh Anreiz zu vertiefender Nachbereitung bieten.
Die Polizei:
Wie hieß es doch in einem richterlichen Protokoll:
Auch wird von ergänzenden Trainingseinheiten im häuslichen Bereich berichtet.
Noch schlimmer ging es hier zu.
Zuweilen kommt zudem die Frage auf, ob deklarierte Freundschaft nicht einfach nur als Deckmantel dient.
Dabei ist das Thema Fußball doch so geeignet, bei den Kids Lockerheit und die Bereitschaft zu zwischenmenschlicher Nähe zu fördern.
Beispiel gefällig?
Polizeilicher Verhaltensvermerk über die Anhörung eines 5-jährigen Mädchens, das bei einem nicht ganz belanglosen Ladendiebstahl erwischt worden war und spontan behauptet hatte, von älteren Kindern und Jugendlichen angestiftet worden zu sein.
Dann erzählte Chantal, wie es gewesen war, jedoch anders als zunächst vermutet.
Und das Thema Fußball?
Folge:
Na bitte!
Schön also, um wieder an ganz oben anzuknüpfen, wenn stattdessen seriöse Berufe klassischen Zuschnitts angestrebt werden.
Wobei es manchmal aus rätselhaften Gründen dennoch nicht zum Traumberuf reicht. So berichtete eine Probandin ihrer Bewährungshelferin:
Ein scharfes Auge und Geschicklichkeit, das erfordert auch das Handwerk.
Zurück zu den Berufswünschen. Da muss es durchaus nicht immer beim einmal gewählten Job bleiben. Bei der Rückschau in die vielleicht nicht ganz so rühmliche jüngere Vergangenheit kam bei dieser jungen Frau sogar Ironie auf.
Aus dem Anhörbogen der Beschuldigten:
Werden Jugendliche vernommen, so wird auch die persönliche Situation erfragt. Über ihre Freizeitaktivitäten erzählte eine 15-Jährige:
Und dann geht es ja auch irgendwann mit den Jungs los. Die Polizei über die Mutter einer 15-Jährigen:
Wie gesagt: gewesen.
Auch motorisierte Untersätze üben schon früh Faszination aus. Wenn die noch strafunmündigen Kinder allerdings mit Vatis Auto durch die Gegend gondeln, kann das für Vati ernste Folgen haben, ist doch schon ein fahrlässiges Zulassen des Fahrens ohne Fahrerlaubnis unter Strafe gestellt. Gerade wenn man also um die Begehrlichkeiten der Kids weiß, sind besondere Vorkehrungen ratsam. Aber selbst ein ausgeklügeltes Sicherheitssystem versagt, wenn es Vati übermannt.
Es kann allerdings sein, dass dann später der nötige Erfahrungsschatz fehlt.
Aus dem Gutachten in einem Insolvenzverfahren:
Im jugendrichterlichen Dezernat sind pädagogisches Geschick und Kreativität gefragt. Denn ob die regelmäßige Auferlegung gemeinnütziger Arbeit, um einmal die häufigste Reaktion unterhalb freiheitsentziehender Maßnahmen zu nennen, wirklich greift und so etwas wie Einsicht und Änderung anstoßen kann, mag zweifelhaft sein.
Zu begrüßen sind also Initiativen wie der «Dresdner Bücherkanon», «LESEN! Aus Büchern lernen» oder «Leviten lesen», Projekte, in denen jungen Übeltätern aufgegeben wird, ein im besten Fall themenbezogenes Buch zu lesen und in der Diskussion und Auseinandersetzung mit dem Inhalt auch das eigene Verhalten zu reflektieren.
Aus einer insoweit noch bücherlosen Zeit stammt diese Auflage im Rahmen einer vorläufigen Einstellung wegen Ladendiebstahls:
Für den Jugendrichter sicherlich zugleich eine schöne Gelegenheit, dem Angeklagten klarzumachen, mit welch deutlicherer Sanktion er künftig anstelle eines Ladendiebstahls, etwa bei einem Bruch, rechnen müsste.
Seinen pädagogischen Elan bewies der Jugendrichter auch in diesem Verfahren:
Der Aufsatz wurde abgegeben und das Verfahren tatsächlich endgültig eingestellt, allerdings bei verbliebenem Verdacht, das Ganze könnte weitgehend aus dem Internet abgekupfert sein, kam doch alles orthographisch so auffällig korrekt daher.
Dieses Abkupfern suchte ein anderer Jugendrichter bei seiner Themenwahl zu vermeiden. Ihm kam es darauf an, dass der wegen Körperverletzung angeklagte junge Mann sich wirklich seine eigenen Gedanken machte.
Die Absichten des Jugendrichters gingen jedoch nicht ganz in...




