E-Book, Deutsch, Band 17, 285 Seiten
Reihe: Midnight Breed
Adrian Gefährtin des Zwielichts
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7363-1402-3
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 17, 285 Seiten
Reihe: Midnight Breed
ISBN: 978-3-7363-1402-3
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Neues Lesefutter für die Fans der MIDNIGHT BREED
Micah ist einer der besten Krieger des Ordens. Doch bei einer Mission in den verbotenen Deadlands geschieht eine Katastrophe, und Micah ist der einzige Überlebende seines Teams. Alles sieht danach aus, als ob die Atlantiden dahinterstecken. Denn kurz vor dem Angriff hat Micah eine atlantische Frau gesehen. Der Krieger schwört Rache, doch als er die schöne Phaedra wiedertrifft, wird klar, dass Mächte im Spiel sind, die einen Krieg zwischen Atlantis und dem Orden provozieren wollen. Während sie versuchen, den unsichtbaren Feind zu offenbaren, wird es zunehmend schwieriger für Phaedra und Micah, die Leidenschaft zu ignorieren, die zwischen ihnen lodert ...
'Ein aufregendes, leidenschaftliches und actionreiches Lesevergnügen.' ESCAPIST BOOK BLOG
Band 17 der MIDNIGHT-BREED-Serie von SPIEGEL-Bestseller-Autorin Lara Adrian
Lara Adrian lebt mit ihrem Mann in Florida. Neben ihrer äußerst erfolgreichen Vampirserie MIDNIGHT BREED hat sie mit der 100-Serie auch im Bereich Contemporary Romance eine begeisterte Leserschaft gewonnen. Weitere Informationen unter: www.laraadrian.com
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
2
Eine Woche später …
Der Dolmetscher wirkte nervös.
Tegan konnte nicht erkennen, aus welchem Grunde sich der junge Kasache gleich in die Hose machen würde – ob aufgrund der Informationen, die er gerade von dem argwöhnischen alten Mann erhielt, oder wegen des großen, finster blickenden Vampirs, der ungeduldig darauf wartete, diese beunruhigenden Neuigkeiten zu erfahren.
Tegans Augenbrauen zogen sich noch enger zusammen, und seine Fänge ließen seinen Gaumen kribbeln. Er war nicht in der Stimmung für Straßensperren oder sonstige Verzögerungen. Fast sieben Tage war er jetzt von seinem Zuhause in den Staaten und seiner geliebten Gefährtin weg. Seine Suche nach den vermissten Ordenskriegern hatte in Budapest begonnen, wo man das letzte Mal von ihnen gehört hatte. Dann hatte er unzählige Meilen unwegsamen Geländes hinter sich gebracht und war bis in die sibirische Taiga vorgedrungen, wohin der Geheimauftrag das Team geführt hatte und wo der Kontakt dann so plötzlich abgebrochen war.
Eine Mischung aus Bauchgefühl, Logik und verzweifeltem Rätselraten hatte ihn letzte Nacht tief ins benachbarte Kasachstan geführt. Die hellen Stunden des Tages hatte er in Petropawl, einer kleinen Stadt gleich auf der anderen Seite der Grenze, verbracht. Die Stadt verfügte über einen Bahnhof und eine Universität, und von daher gab es dort viele Menschen, die ihn mit dem versorgten, was er so dringend brauchte.
Als Gen-Eins-Vampir war Tegan darauf angewiesen, alle paar Tage Nahrung zu sich zu nehmen. Nach seiner mehrtägigen Wanderung durch die russische Wildnis war er halb verhungert, als er schließlich seine Fänge in die Kehle eines jungen Strolchs bohrte, der die blöde Idee gehabt hatte, ihn nach Sonnenuntergang am Bahnhof bestehlen zu wollen.
Erst nachdem Tegan sich mit frischem Blut aus der Halsschlagader des Burschen gestärkt hatte, bemerkte er die ungewöhnliche Waffe, die dessen Hand entglitten war. Der lange Dolch war viel zu gut gearbeitet, als dass er einem gewöhnlichen Straßenbanditen gehören könnte – vor allem so einem, der sich wahrscheinlich noch nie weit von der abgelegenen Stadt oder den kargen Steppen seiner Heimat entfernt hatte.
Nein, diese Klinge war keine gewöhnliche Waffe. Ein Künstler war da am Werk gewesen und hatte sich nicht mit langweiligem Stahl begnügt, sondern den Dolch aus Titanium geschmiedet.
Es war eine Waffe, wie Stammeskrieger sie besaßen.
Als Tegan das verzierte Heft sah, das extra für die Hand des Ordensmitglieds angepasst worden war, das den Dolch später benutzen sollte, überkam ihn auf einen Schlag die Erkenntnis – und damit einher ging eine kalte Furcht, die er nicht wahrhaben wollte.
Nicht ein einziger Krieger des Ordens würde je freiwillig seinen Dolch herausgeben. Und das galt in ganz besonderem Maße für den außergewöhnlichen Mann, der diesen hier verloren hatte.
Tegan hatte noch nicht einmal die Klinge aufheben müssen, um zu wissen, dass sie fast perfekt in seine große Hand passen würde.
Denn schließlich war diese Waffe für seinen Sohn angefertigt worden. Für Micah.
Wütend sah er jetzt den Strolch an, den er noch in Petropawl dazu gezwungen hatte, ihm als Dolmetscher zu Diensten zu sein. »Was sagt der alte Mann? Du hast gesagt, du hättest ihm den Dolch vor drei Tagen abgekauft. Wo zum Teufel hatte er ihn her?«
Die beiden Menschen zuckten unter seinem scharfen Tonfall zusammen. Das Schimmern seiner hervorgetretenen Fänge im trüben Licht der runden, zeltähnlichen Jurte war wohl für beide Männer nicht sonderlich beruhigend.
Sehr gut. Sein Geduldsfaden war schon zum Zerreißen gespannt gewesen, ehe er in diese trostlose Gegend aus flacher Grassteppe im Norden Kasachstans gekommen war. Jede weitere Sekunde, die man ihm die Wahrheit über Micahs Klinge vorenthielt, brachte seine Wut dem Punkt näher, wo sie überkochen würde.
Der grauhaarige Mann, der auf einem Teppich in der Mitte des von Kerzen erhellten Zeltes saß, war der Patriarch eines Clans von Herdennomaden, die zeitweilig in der Steppe ihr Lager aufschlugen. Sie hatten sich hier niedergelassen, um ihre Schafe und Rinder das bereits verdorrende Gras abfressen zu lassen, ehe der Herbst in einen harten Winter überging.
Das provisorische Dorf bestand aus weniger als einem Dutzend ähnlich aussehender Jurten. Vor der Jurte, in der Tegan sich jetzt gerade gegen schlechte Neuigkeiten wappnete, scharrte und schnaubte das Vieh nervös, denn es war sich instinktiv des Jägers in ihrer Mitte bewusst. Ein Jäger, der mit jeder Sekunde immer gefährlicher wurde.
Die beiden Menschen, die Tegan anstarrten, zeigten eine ähnlich große Furcht wie die Tiere.
»Der Dolch«, knurrte er. »Wo hat der alte Mann ihn her?«
Der Dolmetscher schluckte. »Er sagt, er stammt von einem Mann, der letzte Woche hier durchgezogen ist. Er war schwer verwundet und war zu Fuß allein unterwegs. Der alte Mann sagt, der Fremde wäre ein … einer von deiner Art gewesen.«
Tegan fluchte mit zusammengebissenen Zähnen. Er wollte nicht denken, dass der verwundete Stammesvampir sein Sohn gewesen sein könnte, aber die Alternative war auch nur ein schwacher Trost. Was mochte Micah widerfahren sein, das ihn von seinen Teamkollegen getrennt hatte? Er war ihr Anführer, ein hingebungsvoller Soldat, der seine Kameraden niemals und unter gar keinen Umständen im Stich ließe.
Genauso sicher war Tegan, dass sein Sohn niemals seinen Dolch jemandem aushändigen würde, es sei denn, er wäre zu schwach, um ihn zu halten … oder schlimmer.
Das war etwas, woran er gar nicht denken wollte.
»Sag dem alten Mann, dass ich noch mehr Informationen brauche. Hat der Durchreisende etwas gesagt, irgendetwas? Was für Verletzungen hatte er? Von wo kam er? Wie lange hat er sich hier im Lager aufgehalten?«
Der junge Kasache sah ihn mit seinen dunklen Augen ernst an, als er langsam den Kopf schüttelte. »Er hat alles gesagt, was er über den Fremden weiß. Sein Weg endete hier in der Nacht, als er ankam. Nicht viel später schloss er die Augen und hat sie nicht mehr geöffnet. Es tut mir … leid.«
Ein stechender Schmerz schoss durch Tegans Körper direkt in sein Herz. Er war aufgebrochen, um seinen vermissten Sohn und das Ordensteam zu finden, das Micah angeführt hatte. Er hatte sich geschworen, erst Ruhe zu geben, wenn er ihn gefunden hatte.
Schlimmer noch … er hatte Elise versprochen, dass ihrem Sohn nichts passieren würde. Es war ein Schwur gewesen, den er nicht nur ihr gegenüber geleistet hatte, sondern auch vor sich selbst, als er in ihre wunderschönen, angsterfüllten, lavendelfarbenen Augen geschaut hatte.
Jetzt lagen diese Worte wie Asche auf seiner Zunge.
Er war nicht bereit wahrzuhaben, was er da hörte. Allmächtiger, er würde nie bereit dazu sein.
»Was hat der alte Mann … hinterher getan? Was haben sie mit seiner Leiche gemacht?« Die Worte klangen, als würden sie gar nicht aus seinem Mund kommen – spröde Worte, die er kaum über die Lippen bekam.
Der Dolmetscher drehte sich wieder zu dem alten Nomaden um und redete in dessen Sprache mit ihm. Der Austausch dauerte länger, als man eigentlich hätte erwarten sollen – ein schnelles Hin und Her, bei dem der jüngere Mann immer verwirrter schien.
Tegan ließ die beiden nicht aus den Augen, gereizt, dass er bei der Unterhaltung außen vor war. »Was ist los? Was sagt er?«
Der Kasache sah Tegan mit gerunzelter Stirn an. »Es gibt keine Leiche. Der Fremde … er ist nicht gestorben.«
»Du hast doch gerade gesagt …«, knurrte Tegan, wurde aber unterbrochen.
»Jaja, ich weiß, was ich gesagt habe. Aber der Dialekt in dieser Gegend ist ein bisschen schwierig.« Er schüttelte den Kopf. »Der Fremde kam schwer verletzt hier an. Er war sehr schwach. Er brach zusammen und hat seitdem nicht wieder das Bewusstsein erlangt.«
»Du willst damit sagen, dass er noch lebt?«
Der Dolmetscher nickte. »Sie haben ihn hier in einer der Jurten im Lager untergebracht. Der alte Mann sagt, man hätte sich so gut wie möglich um ihn gekümmert, aber es ginge ihm stündlich schlechter. Sie sind nicht dazu in der Lage, ihm die Pflege angedeihen zu lassen, die er braucht.«
Hoffnung wallte in Tegan auf, doch er hielt sie im Zaum. Erst wenn er seinen Sohn mit eigenen Augen gesehen hatte, erst wenn er sich davon überzeugt hatte, dass es sich bei dem verwundeten Soldaten wirklich um Micah handelte, durfte seine Anspannung nachlassen. »Führ mich zu ihm. Sofort.«
Der Dolmetscher übersetzte den Befehl für den Nomaden. Mit einem ernsten Nicken kam der Hirte vom Teppich hoch. Gebeugt und langsam bedeutete er den Männern, die Jurte zu verlassen und ihm zu folgen.
Tegans Herz schlug ihm bis zum Hals, als er ungeduldig auf dem ausgetretenen Weg durchs Lager hinter den beiden Menschen herging. Ein paar Neugierige steckten ihre Köpfe aus den Zelten und sahen Tegan flüsternd und raunend hinterher.
Die menschlichen Mitbewohner dieses Planeten wussten seit mehr als zwanzig Jahren von der Existenz der Stammesvampire, hatten diese aber zumeist nicht gerade willkommen geheißen. Dass dieser abgelegene Clan einen Abkömmling seiner Art bei sich aufgenommen hatte, als dieser Hilfe brauchte, war für Tegan ein Wunder, mit dem er nie gerechnet hätte. Es war mehr als nur Überraschung, was er diesbezüglich empfand … es erfüllte ihn fast schon mit Demut.
Doch keins dieser Gefühle bereitete ihn auf das vor, was ihn im Innern der dunklen Jurte am anderen Ende...




