E-Book, Deutsch, Band 16, 279 Seiten
Reihe: Midnight Breed
Adrian Erwählte der Nacht
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7363-1132-9
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 16, 279 Seiten
Reihe: Midnight Breed
ISBN: 978-3-7363-1132-9
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Endlich neues Lesefutter für die Fans von MIDNIGHT BREED!
Der Ordenskrieger Rafe hat nur ein Ziel: seinen Fehler wiedergutzumachen, der ihn und viele seiner Freunde beinahe das Leben gekostet hätte. Zu diesem Zweck schleust er sich in eine kriminelle Bande ein, die mit der Geheimorganisation Opus Nostrum in Verbindung steht. Dabei trifft er auf die schöne Tagwandlerin Devony, die sich als Mensch ausgibt und offenbar ihre ganz eigene Agenda verfolgt. Obwohl er weiß, dass er ihr nicht vertrauen kann, verspürt Rafe eine unwiderstehliche Anziehungskraft zu der toughen Stammesgefährtin. Doch um seine Mission auszuführen, darf er sich nicht von Gefühlen ablenken lassen ...
'Lara Adrians Bücher erinnern mich immer aufs Neue daran, was ich an diesem Genre so liebe.' UNDER THE COVERS BOOK BLOG
Band 16 der MIDNIGHT-BREED-Serie von SPIEGEL-Bestseller-Autorin Lara Adrian
Lara Adrian lebt mit ihrem Mann in Florida. Neben ihrer äußerst erfolgreichen Vampirserie »Midnight Breed« hat sie mit der »100«-Reihe auch im Bereich der Contemporary Romance eine große Fangemeinde gewonnen.
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1
Rafe strich mit den Fingern über die weiche Haut der Frau. Sein Daumen verweilte etwas länger über der Halsschlagader, wo ihr schneller, heftiger Puls so deutlich wahrnehmbar war wie ihre keuchenden Atemzüge.
Wie bei Blutwirten üblich, war auch diese Frau mehr als bereit, ihm freien Zugang zu ihrem Blut zu gewähren. Entweder war es ihr gar nicht bewusst oder es war ihr egal, dass sich alles vor den Augen der anderen Gäste abspielte, die heute Abend ebenfalls im Asylum waren.
Das war Rafe nur recht.
Er senkte den Kopf an die Seite der entblößten Kehle und ließ sich Zeit, während er den Duft und das Rauschen der roten Blutkörperchen genoss, die dicht unter der ach so zarten Haut strömten. Seine Fänge verlängerten sich reflexartig und traten in freudiger Erwartung des ersten Bisses noch stärker hervor.
»Der Zapfenstreich fürs Blutdurststillen war um Mitternacht, Krieger.«
Knurrend hielt Rafe inne und warf dem Barkeeper, der die Warnung ausgesprochen hatte, einen finsteren Blick zu. Der Mann war wie er selbst ein Stammesvampir. Ein großer Mann mit rasiertem, tätowiertem Schädel und Schultern so breit wie ein Panzer.
Das Asylum wurde vornehmlich von Menschen besucht, da für Stammesvampire sowieso nur ein einziges Getränk zur Auswahl stand – und zwar frisches Blut aus einer gerade geöffneten Vene. Trotzdem war die Bar in diesem alten Viertel im Norden Bostons ein beliebter Treffpunkt für die Angehörigen beider Spezies.
Zu dieser späten Stunde waren aber nur noch ein paar ganz Zähe mit viel Sitzfleisch anwesend, und die Gespräche wurden vom trunkenen Gerede später Gäste beherrscht, die sich in den lauten Tanzclubs und den Sim-Lounges in den Touristenzentren offensichtlich gelangweilt hatten und deshalb weiter in die Stadt rein gezogen waren, um ein bisschen Lokalkolorit zu schnuppern.
Gelegentlich waren Rafe und seine Teamkollegen vom Orden auch hier gewesen, um sich nach ihren Patrouillengängen ein wenig zu entspannen.
Verdammt! Wie lange war das schon her? Ein paar Monate waren seitdem ins Land gegangen. Seit dem Sommer, in dem er von allen Einsätzen für den Orden abgezogen worden war.
Als er es in Montreal total vermasselt hatte.
Er hatte es damals mehr als nur vermasselt – die Beinahe-Katastrophe hätte ihn fast das Leben gekostet. Und vielleicht hätten auch alle, die ihm nahestanden, dran glauben müssen, wäre die schöne, aber tückische Frau – ein Maulwurf von Opus Nostrum – nicht von Rafes bestem Freund und Kameraden, Aric Chase, aufgehalten worden.
Rafe war – geblendet von einem hübschen Gesicht und verführerischen Lippen, über die nur Lügen strömten – auf übelste Art verarscht worden.
Das würde ihm nie wieder passieren.
Mit einem unterdrückten Fluch schüttelte er die bitteren Erinnerungen ab. Die Wut auf sich selbst ließ seine Stimme schärfer klingen, als er den hünenhaften Barkeeper finster anschaute und sagte: »Warum tust du uns beiden nicht einen Gefallen und lässt mich in Ruhe? Die Dame hier scheint sich auch nicht um irgendwelche Zapfenstreiche zu scheren.«
»Hör mal, Kumpel«, blaffte ihn der Mann an. »Ich hab die Gesetze nicht gemacht.«
»Ich auch nicht«, brummte Rafe.
»Ja, aber soll der Orden sie nicht durchsetzen?«
»Er gehört nicht zum Orden. Nicht mehr. Es heißt, man hätte ihn rausgeschmissen.«
Die Bemerkung kam von einem Zivilisten, einem Stammesvampir, der in einem der Dunklen Häfen aus der Gegend um Boston lebte und jetzt hinter Rafe an einem Tisch saß. Wohlhabend und zu nichts nütze, mit ihren Poloshirts und den kurzen Hosen, waren sie die Vampir-Ausgabe von reichen Schnöseln. Rafe hatte sich gleich in der ersten Minute seiner Ankunft den Zorn der fünf jungen Männer zugezogen, als die junge Frau, die sie fast den ganzen Abend mit Alkohol abgefüllt hatten, beschloss, lieber auf Rafes Schoß sitzen zu wollen.
Er drehte den Kopf zu ihnen herum, als er die Verachtung spürte, die ihm entgegenschlug. Diese Dummköpfe, die sich in ihrem Ego getroffen fühlten, sahen tatsächlich blöd genug aus, es mit ihm aufnehmen zu wollen.
Rafe musste ein Lächeln unterdrücken. Er hatte nichts gegen einen Kampf einzuwenden.
Verflucht, das war eigentlich der Grund, warum er überhaupt hier war.
»Mein Vater arbeitet bei der Polizei«, ergänzte der junge Mann, der sich wohl als Sprachrohr seiner Kumpel ansah, willfährig. »Er sagt, dass bei JUSTIS seit Wochen nur davon geredet wird, dass dieser Goldjunge hier in Ungnade gefallen und rausgeschmissen worden ist. Offensichtlich kommt ›Gehorsamsverweigerung und ungebührliches Verhalten‹ auch beim Orden nicht gut an.«
»Stimmt das? Bist du tatsächlich kein Ordenskrieger mehr?«
Rafe drehte sich wieder zu dem mürrischen Barkeeper um. »Sehe ich wie einer aus?«
Er wusste verdammt genau, dass er das nicht tat. Das normalerweise kurz geschnittene, dunkelblonde Haar war gewachsen, sodass der wellige Schopf bis zu den Schultern reichte. Darüber hinaus war es von der Fahrt mit dem Motorrad, das Rafe vor der Bar abgestellt hatte, vom Wind zerzaust. Ein dichter Bart bedeckte sein Gesicht, und die schwarze Kampfkluft und den Waffengürtel hatte er seit Monaten nicht mehr angelegt.
Heute Abend trug er Jeans und ein dunkles T-Shirt unter der schwarzen Lederjacke. Er ähnelte eher einem der einschüchternden Bandenmitglieder, die im hinteren Teil der Bar Billard spielten und einen Drink nach dem anderen herunterstürzten, als einem Mitglied des Elite-Kampfteams des Ordens.
Die Menschen, die schwarzes Nietenleder trugen, hatten ihn, schon als er hereingekommen war, voller Argwohn und Vorsicht gemustert. Rafe spürte, dass auch jetzt ihre Blicke wieder auf ihm ruhten. Vor allem ein kräftig gebauter Mann mit einem Kinnbart, der wohl der Anführer der Horde war, und die einzige Frau der Gruppe – eine große, langbeinige Frau mit braunen Haaren, dem Gesicht eines Engels und verführerischen Kurven unter ihrer Biker-Kluft und dem schwarzen Rollkragenpullover – ließen ihn nicht aus den Augen.
Was Rafe betraf, so war sein abgerissener Aufzug eine genauso bewusste Entscheidung wie seine Anwesenheit hier in der Bar.
All das war Teil des Plans – ebenso wie sein Ausscheiden aus dem Team nach seiner Rückkehr aus Montreal und das erst kürzlich mit Bedacht lancierte Gerücht seiner unehrenhaften Entlassung, welches sich wie ein Lauffeuer sowohl bei den Strafverfolgungsbehörden der Menschen als auch der Stammesvampire verbreitet hatte.
Nur wenige beim Orden kannten die Wahrheit. Und zwar diejenigen, die Rafes Undercover-Einsatz ausgetüftelt hatten: Lucan Thorne vom Hauptquartier in D. C., Gideon, der HighTech-Experte des Ordens und Sterling Chase, der Anführer der Bostoner Kommandozentrale.
Lucan hatte auf Rafes Drängen hin nur ein Zugeständnis gemacht – auch Rafes Eltern, Dante und Tess, wussten Bescheid. Obwohl Dante für den Orden die Kommandozentrale in Seattle leitete, hätte ihn nichts daran hindern können, nach Boston zu stürmen, wäre er tatsächlich davon überzeugt gewesen, dass sein Sohn so weit vom Weg abgekommen war.
Die Vorstellung, dass seine Eltern das Schlimmste von ihm denken könnten, war schon hart, aber es brachte Rafe fast um, dass es erforderlich war, die Wahrheit vor seinen Teamkollegen und Freunden Nathan, Elijah und Jax geheim zu halten. Er mochte gar nicht daran denken, was sie jetzt wohl von ihm hielten.
Und Aric Chase in dem Glauben zu lassen, er wäre ein Schwächling und völliger Versager, war sogar noch schlimmer. Vor allem da er seinem besten Freund sein Leben verdankte. Glücklicherweise waren Aric und seine neue Gefährtin Kaya immer noch in Montreal. Das Paar war damit beschäftigt, ein neues Team für den Orden zusammenzustellen, welches aus Tagwandlern bestand; diese seltenen Stammesvampire wie Aric, seine Zwillingsschwester Carys und deren Mutter Tavia, von denen es nur ganz wenige gab.
Rafe hoffte inständig, dass er in der Lage sein würde, sich in den Augen aller zu rehabilitieren, sobald er den Ein-Mann-Einsatz, den er heute Abend anging, hinter sich gebracht hatte.
Und dabei ging es ihm nicht darum, dass alle meinten, er wäre beim Orden in Ungnade gefallen, sondern er wollte sich von seinem sehr realen Scheitern in Montreal reinwaschen.
Es entbehrte nicht einer gewissen Komik, dass er durch die Ereignisse, mit denen er Schande über sich gebracht hatte, zum einzig passenden Kandidaten für den jetzigen Einsatz geworden war.
Und er würde nicht scheitern.
Dieses Mal nicht.
Auch wenn es bedeutete, dass er seinen letzten Atemzug für diesen Schwur tun müsste.
Das Großmaul aus dem Dunklen Hafen hinter ihm schien mutiger zu werden, als Rafe sich nicht zu einer Reaktion hinreißen ließ. »Ich weiß nicht, Leute, aber auf mich wirkt er nicht gerade wie ein harter Kerl. Er klemmt wohl den Schwanz ein, wenn ihm die anderen Halunken vom Orden nicht den Rücken stärken.«
Rafe atmete tief durch und versuchte damit zu verbergen, was für eine Genugtuung es ihm verschaffte, dass alles so vorhersehbar und nach Plan verlief.
Ruhig schob er die Frau, die sich an ihn klammerte, von seinem Schoß auf den Hocker neben sich. Dann warf er den Stammesvampiren, die nie wirklich gekämpft hatten, einen höhnischen Blick zu. »Wisst ihr, was das Beste daran ist, aus dem Orden ausgeschlossen worden zu sein? Man muss solche Scheißer wie euch nicht mehr so behandeln, als wärt ihr wer.«
Ein...




