Adler | Die Gabe des bewussten Körpers | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 276 Seiten

Adler Die Gabe des bewussten Körpers

Authentic Movement als Weg
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8482-6113-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Authentic Movement als Weg

E-Book, Deutsch, 276 Seiten

ISBN: 978-3-8482-6113-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Janet Adler, führend auf dem Gebiet Authentic Movement, stellt hier Theorie und Praxis dieses einzigartigen Übungsweges dar, bei dem es um psychische Heilung, künstlerische Impulse und die Erfahrung des Numinosen geht. Im Zentrum dieser westlichen Achtsamkeitspraxis steht Bewegung, die von inneren Impulsen ausgeht und bewusst wird, sowie das mitfühlende Sehen dieses Prozesses. Sie lädt dazu ein, die Beziehung zu sich selbst, zu anderen, zur Gemeinschaft und zum Göttlichen zu erleben und sich entfalten zu lassen. Mit überaus lebendigen Beispielen aus ihrer eigenen Praxis und Lehrtätigkeit veranschaulicht Janet Adler die vielfältigen Schichten dieses Weges. Sie entwickelt ein umfassendes und auf Erfahrung basierendes Verständnis dieser innovativen Arbeitsweise - einer Bewegungsarbeit und Bewusstseinsschulung, deren Besonderheit darin liegt, untrennbar mit dem ganzen persönlichen Körperwissen verbunden zu sein

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VORWORT


Wenn du eine Form reinigst,
wird sie wahrhaft zu dem, was sie ist
.

RUMI

1969, in meinem achtundzwanzigsten Lebensjahr, erlebte ich die Tiefe von Mary Whitehouse‘ Wissen um Körperbewusstheit und die Klarheit von John Weirs Wahrnehmung des Selbst in Beziehung. Obwohl meine Begegnungen mit meiner Lehrerin und meinem Lehrer kurz waren, wurde doch das Kostbare, das ich von ihnen bekam, zum Ursprung des Weges Authentic Movement, der sich in den darauffolgenden drei Jahrzehnten meiner Arbeit im Bewegungsraum entwickelte. Aufgrund jeder einzelnen Person, die sich ihm von Herzen verpflichtet hat, und aufgrund meines tiefen, unerklärlichen Bedürfnisses, die Spur seiner Entfaltung nachzuvollziehen, hat sich dieser Weg herausgebildet.

Nach meiner Kenntnis war es John Martin, ein renommierter Tanzkritiker und Essayist, der 1933 als erster bei der Beschreibung der Tänze von Mary Wigman die Worte ‚authentic movement‘ benutzte:

„Diese Tanzart ist in der Tat der moderne Tanz in seiner reinsten Erscheinungsform. Jeder Komposition dieses Mediums liegt eine Vision von etwas in der menschlichen Erfahrung zugrunde, welches das Erhabene berührt. Seine Externalisierung in eine Form, die für andere erfassbar wird, geschieht nicht durch intellektuelles Planen, sondern durch ein ‚Durch-Spüren‘ mit einem feinfühligen Körper. Das erste Ergebnis einer solchen Schöpfung ist das Erscheinen von bestimmten ganz und gar authentischen Bewegungen.“

Obwohl diese Worte aus der Welt des Tanzes stammen, ist es nicht verwunderlich, dass Authentic Movement zu einer Quelle geworden ist, aus der heraus sowohl therapeutische als auch mystische Erfahrungen sichtbar werden. Während ich gesehen habe, wie ein Weg entsteht, in dessen Zentrum Authentic Movement strahlt, habe ich den Körper als ein Gefäß gesehen, in dem Heilung geschieht, ein Gefäß, in dem direkte Erfahrung des Göttlichen erlebt wird. Während das Gefäß bewusst wird, wächst seine Fähigkeit, die Dunkelheit zu ertragen und das Licht unseres Menschseins zu empfangen.

Diese Arbeit wurde zu einem Übungsweg, da die Praxis eine inhärente Ordnung enthüllte, dabei eine Form mit einer theoretischen Grundlage schuf und den Blick auf ein Feld des Forschens und Lernens freigab. Der Weg Authentic Movement wurde langsam sichtbar, als das Eintauchen in die Arbeit im Bewegungsraum unerbittlich an die Grenzen dessen drängte, was wir noch nicht wissen konnten. Nur dem zu vertrauen, was wir wissen konnten – das heißt unserem Erleben in unserem Körper – war herausfordernd und zeitweise unerträglich für mich. In gesegneten Momenten in eine klarere Sicht hineinzustolpern war ekstatisch. Es war, als ob die Form selbst auf einem Öffnen beharrte. Ich habe einen solchen Ruf immer wieder direkt in meinem Körper erfahren. Die Spannung zwischen der Sehnsucht danach, die zum Vorschein kommende Form klar zu sehen, und der Sehnsucht danach, sich dem Mysterium der Verkörperung innerhalb der Form hinzugeben, beinhaltete das Potential der Verwandlung der Arbeit und der Menschen, die sich ihr von Herzen verpflichtet haben. In Momenten der Gnade wurden die Klarheit und das Mysterium eins.

Der Aufbau des Weges Authentic Movement basiert auf der Beziehung zwischen einer Sichbewegenden und einer Zeugin. Das ist die Grundform. Für jede von ihnen zentriert sich die Arbeit um die Entwicklung der Inneren Zeugin – was eine Möglichkeit ist, die Entwicklung von Bewusstsein zu verstehen. Bei diesem Weg wird die Innere Zeugin externalisiert, verkörpert durch eine Person, die als äußere Zeugin bezeichnet wird. Die andere Person, als Sichbewegende bezeichnet, verkörpert das sich bewegende Selbst.

Diese Beziehung entfaltet sich im Erforschen dreier wechselseitig voneinander abhängigen Erfahrungswelten: dem individuellen Körper, dem kollektiven Körper und dem bewussten Körper. Die Arbeit folgt einem Entwicklungsprozess, aber nicht linear, da sowohl persönliche als auch transpersonale Phänomene innerhalb jeder dieser Welten auftreten. Eine Person kann diese sich entfaltende Praxis zu jedem Zeitpunkt betreten, wenn sie durch Erfahrung in einem anderen Übungsweg angemessen vorbereitet ist.

Die erste Erfahrungswelt betrifft das Erforschen des individuellen Körpers. Mit der Sehnsucht danach, in der Gegenwart und Präsenz einer Zeugin gesehen zu werden, bewegt sich eine Person mit geschlossenen Augen in die Leere des Bewegungsraumes hinein und lernt dabei, den Verlauf ihrer Bewegungen und die damit einhergehenden inneren Erfahrungen zu vergegenwärtigen. Die Sichbewegende entdeckt eine unendliche Bandbreite an Körperbewegungen, Empfindungen, Gefühlen und Gedanken, wenn verkörperte Erfahrungen ins Bewusstsein treten. Bei diesem Prozess werden Bewegungen entdeckt, die authentisch sind, wahrhaftig. Während ihre Innere Zeugin stärker wird, öffnet sich die Sichbewegende für die Sehnsucht danach, eine andere Person zu sehen. Sie wird eine äußere Zeugin und lernt, den Verlauf der Körperbewegung einer anderen Sichbewegenden zu vergegenwärtigen und sich dabei ihrer eigenen Empfindungen, Gefühle und Gedanken bewusst zu werden, während sie still am Rande des Bewegungsraums sitzt.

Da Sprache für die Erfahrung eine Brücke vom Körper zum Bewusstsein bildet, sprechen die Sichbewegende und die Zeugin im Rahmen ihrer wachsenden Beziehung nach jeder Runde ihrer Arbeit miteinander. Dabei folgt jede von ihnen dem Vorsatz, sich mit Klarheit auszudrücken – eine anspruchsvolle Übung. Tiefer werdende Arbeit gibt die Freiheit, einen direkten Zugang zum Körper und zur Sprache zu haben, und zu entdecken, dass beides heilig ist.

Die Praxis mit der Ausrichtung auf den kollektiven Körper, der zweiten Erfahrungswelt, betrifft noch eine weitere Sehnsucht: die Sehnsucht, an einem Ganzen teilzuhaben, seine Beziehung zu vielen zu entdecken, ohne dabei die klare Bewusstheit von sich selbst zu verlieren. In dieser Welt des Forschens und Übens bringen die Menschen ihre Erfahrung der Grundform in einen Kreis von Sichbewegenden und Zeuginnen. Hier bewegen sich die einzelnen mit geschlossenen Augen als Teil eines sich bewegenden Körpers und sitzen still mit offenen Augen als Teil eines Kreises von Zeuginnen. Zu Beginn und am Ende einer jeden Runde dieser Arbeit ist der Kreis leer. Wenn die Einzelnen sich von Herzen dazu verpflichten, Zeugin der Leere zu sein, nimmt das Gefäß in Bezug auf die Entwicklung verkörperter kollektiver Bewusstheit an Stärke zu.

Während der Kreis sich zur Arbeit mit dem bewussten Körper hin erweitert, der dritten der drei Erfahrungswelten, wird die Form selbst transparenter. Persönlichkeit verändert sich hin zu Erfahrung von Präsenz, Empathie verwandelt sich zu Mitgefühl, und in Augenblicken der Gnade wird Leiden erträglich. Das Üben hin zu Präsenz entwickelt sich zu Momenten, in denen der Körper, der Körper als Gefäß, als leer erfahren wird.

Eine andere Sehnsucht taucht aus dieser Leere auf: die Sehnsucht nach Darbringung. Der sich bewegende Körper wird durchscheinender, wird Tanz, und Tanz wird zu einer Gabe. Worte werden durchscheinender, wandeln sich zu Poesie, und Poesie ist eine Gabe. Wenn energetische Phänomene, die im Körper als direkte Erfahrung des Göttlichen erlebt werden können, sich im bewussten Körper konzentrieren und durch ihn hindurch bewegen, wird die Energie selbst zu einer Gabe – für die Sichbewegende, für die Zeugin, für unsere sich weiterentwickelnde Welt, für unsere sich nach Bewusstheit sehnende Welt. Während die Gemeinschaft diese Gaben empfängt und zeitweise in sie eintaucht, werden wir daran erinnert, dass dieser Weg auf uraltem Boden wächst.

Die Wurzeln dieser Arbeit, die in allen drei Erfahrungswelten des Weges klar erkennbar sind, werden unmittelbar im Tanz, in Heilungsarbeit und in der Mystik erlebt. Die dyadische Beziehung zwischen einer Sichbewegenden und einer Zeugin spiegelt am deutlichsten das Wurzelgeflecht wider, das aus der Heilungsarbeit früherer Zeiten stammt und dann im Westen als therapeutischer ‚Container‘, als das haltgebende Gefäß, verstanden worden ist. Auf vielfältige Art und Weise manifestiert die westliche Therapeutin spezifische und prägende Qualitäten der alten Rabbinerinnen, Priesterinnen und Schamaninnen, die bewusst eine haltende Beziehung zum emotionalen und spirituellen Leben von Einzelnen und Gemeinschaften aufrecht erhielten. Beim Weg Authentic Movement durchdringt die buchstäbliche Kraft des Sichbewegens und des Sehens der Verkörperung von Empfindung, Gefühl und Geist die Beziehung mit einer neuen Art des Wissens um sich selbst und die oder den anderen.

Aufgrund einer solchen Tiefe und Komplexität des verkörperten Innenlebens der Sichbewegenden, der Zeugin und der Beziehung, die sich zwischen ihnen entwickelt, ist es in der heutigen Zeit am angemessensten, wenn eine Lehrerin dieses Weges eine professionell ausgebildete Tanz-/Bewegungstherapeutin oder eine körperorientierte Psychotherapeutin ist. Andere Therapeutinnen, Meditationslehrerinnen, Choreographinnen, politische Aktivistinnen oder Bewegungslehrerinnen, die Aspekte dieses Weges in ihre berufliche Praxis integrieren, können ihre Arbeit auf sichere Weise stärken, indem sie selbst sich von ganzem...



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