E-Book, Deutsch, 430 Seiten
Adams Outback Lovestory: Ein Sommer in Australien
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-96148-245-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman
E-Book, Deutsch, 430 Seiten
ISBN: 978-3-96148-245-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Jessica Adams deutet als Astrologin für Marie Claire und The Australian Women's Weekly die Sterne. Im Laufe ihrer Karriere hat sie außerdem schon für etliche weitere Frauenmagazine wie Elle, Vogue, Cosmopolitan und Harper's Bazaar gearbeitet. Ihre Horoskope-Webseite zieht jährlich über 2,8 Millionen Besucher an. Die Website der Autorin: www.jessicaadams.com Von Jessica Adams erscheint bei dotbooks auch das folgende eBook: »Liebesglück im Posteingang«
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Kapitel 1
Anderer Mann, andere Frisur. Komisch, dass wir immer dasselbe machen, jedes Mal wieder, wenn wir uns von jemandem trennen. Ich bin ja nicht blöd, ich weiß, dass es da ein Muster gibt. Ich muss mir bloß meine Fotoalben ansehen:
Jahr: 1985
Der Mann: Greg Daly, Buschcamper.
Das Problem: Annalise Irgendwer, eine deutsche Austauschstudentin, ebenfalls Buschcamperin.
Zwei Monate später: Die zottige Bananarama-Frisur.
Jahr: 1987
Der Mann: Phillip Zebruscki, der gern zwei bis drei Mal am Tag Sex hatte.
Das Problem: Er fand, dass ich zu sehr klammerte.
Vier Tage später: Die Prinzessin-Diana-Föhnfrisur.
Jahr: 1990
Der Mann: Jamie Streeton, baseballverrückter Amerikaner.
Das Problem: Ich war ihm zu kalt.
Vier Tage später: Die unglückselige Heimdauerwelle.
Jahr: 1993
Der Mann: Leon Mercer, radikaler Student im fortgeschrittenen Alter.
Das Problem: Riesenkrach, weil ich mir Geld aus der Tombolabüchse der Socialist Workers Party geborgt hatte, um Toblerone zu kaufen.
Ein Monat später: Der Do it yourself-Schnitt mit der Küchenschere.
Jahr: 1994
Der Mann: Anthony Anderson, »Partner«, potenzieller Zukünftiger.
Das Problem: Er spielte an der Fernbedienung des Fernsehers herum, verbrachte mehr Zeit vorm Spiegel als ich, fragte mich immer, wie er aussah, bevor er aus dem Haus ging, konnte sich nie die Namen meiner Freundinnen merken und wusch seine geblähten, sportlichen Winterjacken mit Tennisbällen in der Maschine, damit sie gebläht blieben. Verbrachte außerdem seine ganze Zeit damit, zu tauchen, übers Tauchen zu reden und Tauchkalender an die Wand zu hängen. Hatte außerdem einen Aufkleber am Auto, auf dem stand: »Taucher tun's mit Tiefe.« Eine totale Lüge, außerdem ein schlechter Aufkleber.
Eine Woche später: Der Linda-Evangelista-Bob.
Wenn ich ganz ehrlich zu mir bin, kann ich nicht sagen, dass irgendeine dieser neuen Haarlook-Taktiken je funktioniert hat. Als ich den Prinzessin-Diana-Pony hatte, nachdem Phillip Zebruscki mich verließ, wurde ich nur noch deprimierter. Ich stank nach Haarschaum. Mir kam monatelang niemand näher.
Als ich den Linda-Evangelista-Bob hatte, nachdem ich Anthony Anderson, den Scheißkerl von Taucher, und unsere kleine Doppelhaushälfte verlassen hatte, bin ich ganze zwei Jahre mit niemandem ausgegangen. Wie dem auch sei, ich brauche jetzt eine neue Frisur. Ich muss mich wieder neu fühlen. Und wie alle Frauen, die in der Liebe eine Bruchlandung gemacht haben, brauche ich all meine kleinen vertrauten Rituale um mich herum. Eine neue Frisur, ein neues Leben, man weiß ja, wie es läuft..
Ich glaube, ich brauche auch eine neue Haarfarbe. Ich will es diesmal sehr kurz und sehr rot. Alles, was es letztes Mal nicht war. Vielleicht wirke ich dadurch zur Abwechslung sogar mal hart, denn diese Art von Selbstschutz werde ich benötigen, wenn ich Dan je zufällig auf der Straße begegne. Oder Dan mit einer Neuen. O Gott. Der Gedanke, Dan mit einer Neuen zu begegnen ...
Das muss das Schlimmste an einer Trennung sein. Die atemberaubende Leichtigkeit, mit der man sich vorstellen kann, wie jemand, der noch vor wenigen Wochen an deinem Arm hing, jetzt seine Zunge in den Mund deiner Nachfolgerin steckt. Und ich muss sagen, der einzige Grund, weshalb ich es so einfach finde, es mir vorzustellen, ist, dass es wirklich passiert ist. Es passiert immer. Mir, meinen Freundinnen. Es ist einfach eine traurige Tatsache des Singlelebens.
Jemand hatte Anthony, den Scheißkerl von Taucher, nur ein paar Monate, nachdem ich aus unserer Wohnung ausgezogen war, mit einer nach einer Riesenanwaltsfirma aussehenden Frau erwischt. Und es dauerte etwa fünf Minuten, bis ich dieses pseudo-glückliche Single-Image, das ich so sorgfältig kultiviert hatte, wieder verlor.
Bis zu diesem Augenblick hatte ich alles im Griff. Ich ging abends öfter aus, gab mir mehr Mühe und nahm mir morgens mehr Zeit für mein Make-up, weil man das kann, wenn man Single ist. Doch dann sah ihn eines Abends jemand mit der nach einer Riesenanwaltsfirma aussehenden Frau, und die Eifersucht fraß mich fast auf. Damals dachte ich sogar, ich würde davon Krebs bekommen.
Und obwohl ich wusste, dass Anthony und ich nicht gut für einander waren, und obwohl ich Gott weiß wie lange Telefongespräche geführt und mich bei meinen Freundinnen über ihn ausgejammert hatte, und obwohl ich ihn, als ich ihn verließ, so sehr hasste, dass ich seinen Schnorchel von einem Ende des Schlafzimmers zum anderen schleuderte ... als er anfing, auf der Straße mit der nach einer Riesenanwaltsfirma aussehenden Frau Händchen zu halten, habe ich Anthony, den Scheißkerl von Taucher, in meinem ganzen Leben nicht so sehr begehrt wie in diesem Moment, glaube ich.
Ich habe alles durchexerziert. Angerufen, dann den Hörer wieder aufgeknallt. Die langweiligsten und unpersönlichsten Gegenstände, wie zum Beispiel Anthonys Kreditkartenrechnungen, gefunden und mit zur Arbeit genommen, damit ich in der Mittagspause darüber schmachten konnte. Und wissen Sie, was? Das alles habe ich wieder vor mir. Denn wenn ich eines über Dan weiß, meinen Geliebten, meine einzige Liebe, dann das: Er ist nicht fähig, emotionale Dinge länger als eine Woche zu verarbeiten. Jetzt, wo ich weg vom Fenster bin, wird eine andere da sein. Es ist wirklich nur eine Frage der Zeit, bis jemand sie zusammen sieht und mich anruft, um es mir auf die Nase zu binden. Oder – der schlimmstmögliche Fall: Ich sehe ihn selbst.
Beim Friseur ist es heute brechend voll und hinter mir sitzt sogar eine Braut, die ihre Haare gemacht bekommt. Es ist erstaunlich – alle Angestellten des Salons scheint es dorthin gezogen zu haben. Ein Teil von mir will zu ihr rüber gehen und fragen, wie, zum Teufel, sie das geschafft hat, und ein Teil von mir – ich schäme mich, es zuzugeben – will vom Stuhl aufstehen und auf ihre weißen Velourslederschuhe kotzen.
Ich frage mich, ob Dan wirklich meine letzte Chance war. Statistisch gesehen weiß ich, dass es nicht so ist. Bei der gegenwärtigen Scheidungsrate (und Hilary, die wie ich Single ist, hat gestern Abend Stunden damit verbracht, es für mich auszurechnen) hat jede Singlefrau zwischen dreißig und achtunddreißig eine Chance von eins zu drei, sich einen verzweifelten, geschiedenen Mann zu schnappen, der auf Mitte vierzig zusteuert.
Vielleicht sollte ich mich in Socken auf den schwarzen Drehstuhl stellen und all den Singlefrauen beim Friseur die gute Nachricht verkünden. Und das schließt auch die gesträhnte Blondine mit Folie im Haar ein, die ganz offensichtlich gelogen hat, als sie der Friseuse erzählte, sie hätte heute Abend eine Verabredung, und auch die Brautjungfer, die die Braut in der Ecke zur moralischen Unterstützung begleitet hat. Und ich weiß auch, was die Brautjungfer denkt: Werde ich das auch einmal erleben? Jemals? Selbst, wenn's erst im Jahr 2040 ist? Gibt es auch ein Paar weiße Velourslederschuhe für mich?
Ich weiß, dass Hilary Recht damit hat, dass es irgendwo da draußen einen geschiedenen Mann über vierzig für mich gibt. Als Bibliothekarin hat sie mit Statistiken meistens Recht. Was mir Sorgen macht, ist, dass ich mich nicht in ihn verlieben kann, wenn wir uns schließlich treffen. Oder in irgendeinen von ihnen. In Dan dagegen war ich ganz eindeutig verliebt. Und bin es immer noch. Wie alt muss man eigentlich werden, bis man lernt, sich schneller wieder zu erholen?
Hilary will, dass ich ihn das Anwaltsarschloch aus Leichhardt nenne, weil ein Spitzname, den man so ausspeien kann, einem immer den Schmerz nimmt. Aber das funktioniert nicht. Oder vielleicht muss sie dabei sein, damit ich üben kann. Doch in diesem Moment, hier im Salon, ist er einfach nur Dan für mich. Und genau wie am Anfang will ich mit Kuli seinen Namen in riesigen verrückten Großbuchstaben auf Zettelchen schreiben und Herzen drum herum malen wie eine liebeskranke Vierzehnjährige.
Bis jetzt habe ich noch nicht geweint, was eine Premiere sein muss. Ich war auf meiner Geburtstagsparty so sturzbesoffen, dass ich dachte, ich hätte es vielleicht getan, aber nein. Vielleicht lag es daran, dass es alle von mir erwartet haben. Die Leute haben praktisch einen Präventivschlag durchgeführt, mir die Hand gedrückt, Bemerkungen gemurmelt, wie zum Beispiel: was für einen schlechten Zeitpunkt Dan sich ausgesucht hat und dass (ja, wir wissen es, gähn) alle Männer Scheißkerle sind und dass ich mich besser fühlen würde, wenn ich mich richtig ausweinen würde. Und in der ganzen Zeit stopfte ich, wie ich noch weiß, ganz ruhig Nachos in mich rein und kippte Wodka mit Tonic runter – und empfand nichts. Nur zur Information.
Aber ich erinnere mich, dass ich stark geschwitzt habe, trotz der ausbleibenden Tränen. Vielleicht ließen die Riesenmengen Alkohol, die ich zu mir nahm, mir die Tränen aus den Achselhöhlen strömen.
Ich erinnere mich auch noch an etwas anderes, worüber ich volltrunken mit Hilary debattierte, nachdem Dan Schluss gemacht hatte, nachdem er die Party verlassen hatte, nachdem er weggefahren war, nämlich darüber, wie beschränkt die Natur ist. Wieso besteht die Liebe weiter, wenn sie der Menschheit nicht die geringste Hilfe ist? Im Moment kann ich der Weiterentwicklung der Spezies überhaupt nicht dienen. Ich nutze meine Fortpflanzungsorgane nicht. Und weil ich immer noch in Dan verliebt bin und nicht im Geringsten verliebt in irgendeinen der verfügbaren Männer der Liga geschiedener Vierzigjähriger, sieht es nicht so aus, als würde sich das bald ändern. Ich empfinde das große Gefühl der Paarbindung, wie es die Natur vorgesehen hat, und habe niemanden, an den ich mich binden kann. Also wozu, zum Teufel, ist das gut?
Ich weiß, es ist erst achtundvierzig Stunden...




