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E-Book, Deutsch, Band 2, 304 Seiten

Reihe: Milosevic und Frey ermitteln

Adam Agonie

Thriller | Ein abgründiger Thriller mit Setting in Hamburg: spannend, aktuell, brutal
23001. Auflage 2023
ISBN: 978-3-8437-3065-5
Verlag: Ullstein Taschenbuchvlg.
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Thriller | Ein abgründiger Thriller mit Setting in Hamburg: spannend, aktuell, brutal

E-Book, Deutsch, Band 2, 304 Seiten

Reihe: Milosevic und Frey ermitteln

ISBN: 978-3-8437-3065-5
Verlag: Ullstein Taschenbuchvlg.
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sie tut alles, um Tiere zu schützen. Doch sich selbst retten kann sie nicht  ... Als eine bekannte Umwelt-Influencerin wie Schlachtvieh zugerichtet in ihrem Loft aufgefunden wird, ahnen die Mordermittler Jagoda Milosevic und Vincent Frey, dass sie es mit einem Hassverbrechen zu tun haben: Die junge Frau legte sich nicht nur mit Großkonzernen an, sondern vertrat lautstark unpopuläre Meinungen. Doch je länger Milo und Vince im Umfeld der Toten ermitteln, desto überzeugter sind sie, dass das Mordmotiv ein finanzielles sein könnte: Die junge Frau hatte Videomaterial gesammelt, das einen großen Fleischkonzern die Lizenz kosten würde, käme es an die Öffentlichkeit. Bevor sie den Fall zur Anzeige bringen können, wird Milo jedoch brutal überwältigt und entführt ...  Milosevic und Frey ermitteln gegen einen übermächtigen Gegner Zwischen Menschhandel und der Fleischindustrie ermitteln Vincent Frey und Jagoda Milosevic in diesem düsteren Thriller für alle Fans von 'Die Brücke' und 'Fake'. 

Lea Adam ist das Pseudonym der Autorinnen Regina Denk und Lisa Bitzer. Zwischen der schwedischen Küste und dem Münchener Umland haben sie unabhängig voneinander zahlreiche Buchprojekte veröffentlicht. Stigma ist ihr erster gemeinsamer Thriller.
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1


3. April 2023, 9:30 Uhr, HafenCity

»Und wie, denkst du, soll ich da hochkommen?«, knurrte Vince wie ein wütender Schäferhund, dem man gerade das Drogendummy weggenommen hatte.

Stumm fragte sich Milo, wie lange die Freude über die Rückkehr ihres Kollegen noch anhalten würde, und schämte sich im selben Atemzug dafür. Auch weil sie sich für seine Misere verantwortlich fühlte. Immerhin war sie es gewesen, die zugelassen hatte, dass er dem Täter in ihrem letzten Fall direkt in die Arme gelaufen war. Rational betrachtet, konnte natürlich weder sie noch irgendjemand anderes im Team etwas für Vince’ Verletzung. Und ihr war ebenso bewusst, dass es auch jeden anderen der Mordkommission hätte treffen können. Bis auf Horst vielleicht, der mit seinem Stuhl verwachsen schien und den Schreibtisch wirklich nur verließ, wenn er von Serpil, der Kommissionschefin, dazu verdonnert wurde. Theoretisch hätte jeder von ihnen an Vince’ Stelle sein können: Philipp, Gioia, sie selbst. Vor allem sie selbst.

Sie lebte nur deswegen noch, weil sich Vince der Kugel in den Weg geworfen hatte, die eigentlich für sie bestimmt gewesen war. Und auch, wenn sie den Schuss überlebt hätte: Wie wäre sie damit umgegangen, wenn die Kugel nicht die Lunge ihres Partners, sondern ihre eigene durchbohrt und sie für Monate in die Reha befördert hätte? Die Ärzte hatten gesagt, Vince sei dem Tod in letzter Sekunde von der Schippe gesprungen. Also egal, wie mies er seit dem Zwischenfall in der Waldhütte drauf war: Milo war unendlich froh, dass er bei dem Schusswechsel nur verletzt worden war. Selbst wenn dieses »nur« an manchen Tagen einen sehr bitteren Beigeschmack hatte.

Die Tatsache, dass ihr Partner dank des Lungenschusses mit dem Rauchen aufgehört hatte, machte die Sache nicht besser. Eigentlich ein Grund zur Freude, war es Milo in der Vergangenheit doch regelmäßig auf den Keks gegangen, dass Vince wie ein Aschenbecher stank und seine Kippenstummel überall in der Botanik und Stadt verteilte. Aber nun war er seit Wochen gereizt und hatte, seitdem er das Krankenhaus verlassen hatte, eine unglaublich kurze Zündschnur. Wie lange dauerte so ein Nikotinentzug eigentlich? Hätte er nicht schon längst über den Berg sein müssen?

Seufzend drückte sie ihren Partner in den Rollstuhl, den sie mühsam aus dem Kofferraum seiner alten Schrottkarre gehievt und dann vor der Beifahrertür aufgeklappt hatte. Noch weitere drei Wochen maximale Schonung und Rollstuhl, das war die Bedingung für seinen vorgezogenen Wiedereinstieg. Serpil, ihre Chefin, hatte kein Geheimnis daraus gemacht, was sie mit ihnen beiden anstellen würde, wenn sie die Auflage missachteten. Gleichzeitig konnte sich Milo vorstellen, wie schwer es Vince fiel, auf den Rollstuhl angewiesen zu sein. Und sie konnte es ihm nicht verdenken.

»Erstens, du wolltest unbedingt mitkommen und endlich wieder ›Einsatzluft schnuppern‹«, antwortete Milo und gab sich Mühe, freundlich zu klingen. »Und zweitens, schau dir den Protzbunker doch mal an. Die werden doch wohl einen Fahrstuhl haben.«

Ihr Blick wanderte über die makellose Glasfassade am Gebäude nach oben. Die Hamburger Morgensonne und die glitzernde Elbe spiegelten sich darin um die Wette. Milo versuchte sich vorzustellen, was Wohnungen in so einem schicken Bau in der HafenCity im Monat kosten mussten. Die Tote, wegen der man sie gerufen hatte, musste also was auf der hohen Kante gehabt haben. Schade, dass sie von dem vielen Geld jetzt nichts mehr hat, dachte Milo und zuckte im selben Moment innerlich zusammen.

Sie erinnerte sich an die Worte ihrer Mentorin Angela Kaltenbach: »Irgendwann wirst du hart werden. Das ist der Moment, in dem dich die Schicksale nicht mehr berühren. In dem du dein Mitgefühl für andere verlierst. Oder für dich selbst. Beides ist gleich schlimm.«

War sie an diesem Punkt angekommen? War ihr das Schicksal der anderen gleichgültig … oder ihr eigenes?

»Möchtest du vielleicht lieber in den Rollstuhl? Dann kommen wir schneller voran!« Unbemerkt war Vince an ihr vorbei Richtung Eingang gerollt. Vorwurfsvoll blickte er erst auf Milo, dann auf die schweren Glastüren, die er offensichtlich nicht ohne ihre Hilfe öffnen konnte.

Milo atmete tief durch. »Ich komm ja schon.« Sie warf die Autotür ins Schloss und war mit ein paar langen Schritten bei Vince. Sie hatte die Tür noch nicht berührt, da schwang sie wie von Zauberhand nach innen auf. Milo warf einen Blick an die Decke, wo ein kleiner, kaum sichtbarer Sensor angebracht war. »Bewegungsmelder«, erklärte sie unnötigerweise.

»Danke, Blitzmerkerin.« Vince’ Stimmung wurde nicht besser, und kurz war sie versucht, ihm eine Zigarette aufzuzwingen, um wenigstens für ein paar Minuten seine Laune soweit aufzuhellen, dass es erträglich wurde.

»Du bist nicht «, antwortete sie bemüht ruhig.

»Warum muss ich dann in diesem verfickten Stuhl sitzen?«

, mahnte sich Milo im Stillen.

»Weil Serpil sonst dafür sorgt, dass du ihn für den Rest deines Lebens brauchst und außerdem keinen Job mehr hast. Die paar Wochen wirst du noch aushalten. Das ist gut für deine Gesundheit.«

»Lieg du mal ein halbes Jahr im Bett herum, lass dir beim Pissen und Scheißen helfen und mach Reha-Übungen auf Kindergarten-Niveau, und dann sag mir, was gut für die Gesundheit ist!«, fauchte ihr Partner. »Das würde ich gern mal sehen. Jagoda Milosevic in der Wiedereingliederung. Du würdest nach fünf Tagen alle umbringen.«

Milo konnte nicht anders, sie musste lachen. Vince hatte recht. Sie hätte das alles nicht annähernd so gut gemeistert wie er. Versöhnlich legte sie ihm die Hand auf die Schulter, und für einen kurzen Moment verzog sich sein Gesicht tatsächlich zu einem kleinen Lächeln. Ein seltener Anblick, der Milo gleichermaßen freute wie ihr den Atem nahm. Plötzlich waren die Schrecken der alten Waldhütte, in der sich Vince seine, nein, Kugel eingefangen hatte, wieder sehr präsent.

Er schien zu wissen, woran sie gerade dachte, denn er fragte unvermittelt: »Weißt du, was Rollstuhlfahrer und Mörder gemeinsam haben?«

Sie seufzte anstelle einer Antwort.

»Sie sitzen lebenslänglich.«

Milo rollte die Augen, aber lächelte. Ihr Partner war einfach unmöglich. »Hast du schon was über die Tote erfahren?«, fragte sie, um nicht noch mehr politisch inkorrekte Witze hören zu müssen.

Er schüttelte den Kopf. »Vermutlich weiß ich nicht mehr als du. Tote Frau im Penthouse, heute Morgen von ihrer Assistentin gefunden, die immer noch unter Schock steht. Muss ein ziemlich übler Anblick gewesen sein.«

Das Innere des Gebäudes stand der eleganten Außenfassade in nichts nach: Marmor, indirekte Beleuchtung und leise Musik aus unsichtbaren Lautsprechern. Zwei Fahrstühle warteten an der dem Eingang gegenüberliegenden Wand auf bewegungsmüde Bewohner.

»Guck. Natürlich gibt es Aufzüge.« Milo drückte den kleinen Pfeil, der nach oben zeigte, und nur wenige Augenblicke später öffneten sich die beiden Türen mit einem leisen .

»Bestimmt ernennen sie dich zum Superhirn des Jahres«, feixte Vince und rollte an ihr vorbei in die voll verspiegelte, luxuriös anmutende Liftkabine. Es lief die gleiche beunruhigend beruhigende Musik wie im Foyer.

Der Blick ihres Partners wanderte auf dem Tastenfeld nach oben bis zum Knopf für die oberste Etage. »22 / P« stand in schwarzen Lettern auf das glänzende Gold geschrieben – für Vince unerreichbar. »Mach du das«, stöhnte er, als hätte er ihre Gedanken gelesen.

»Was meinst du, woher hatte das Opfer das nötige Kleingeld für diese bescheidene Unterkunft?«, wollte Milo wissen und drückte den Knopf.

Während sich die Türen hinter ihnen schlossen, dachte sie für einen Moment über die vielen Menschen nach, die ihren Alltag mit einem körperlichen Handicap meistern mussten. Gerade in der Großstadt kein leichtes Leben. Zwar waren mittlerweile fast neunzig Prozent aller U- und S-Bahn-Haltestellen in Hamburg barrierefrei, aber wichtige Ziele wie die Reeperbahn oder das Berliner Tor eben noch nicht. Und wenn bei den anderen Stationen mal ein Lift ausfiel, saß man richtig in der Tinte. Aber Milo würde sich hüten, das Gespräch mit Vince in diese Richtung zu lenken. Sie war ja nicht lebensmüde.

»Was könnte die Dame gewesen sein … Reederei-Besitzerin? Bankerin? Irgendwas mit Investment-Fonds, Immobilien?«, überlegte Vince laut und kaute auf seiner Unterlippe herum. »Escort? Geliebte? Kryptoqueen?«

Bevor seine Fantasie weitere wilde Auswüchse hervorbringen konnte, kündigte ein erneutes ihre Ankunft an. Nacheinander verließen sie den Fahrstuhl. Die Wände rechts, links, unter und über ihnen bestanden aus demselben spiegelglatten Marmor wie im Erdgeschoss. Eine schwere, dunkle Holztür, mit auf alt gemachtem Stuck verziert, stand weit offen und führte in die einzige Wohnung der obersten...



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