Acker / Böhme Ontosophie
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-96317-817-7
Verlag: Büchner-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Band 2: Hauptkapitel 2–4 (Materie, Subjekt, Bewusstsein)
E-Book, Deutsch, 412 Seiten, Format (B × H): 150 mm x 220 mm
ISBN: 978-3-96317-817-7
Verlag: Büchner-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Berndt Acker wurde 1949 in Kronberg (Taunus) geboren, wuchs in Frankfurt am Main auf und besuchte dort die Freie Waldorfschule bis zur Hochschulreife im Jahr 1969. Nach dem Studium der Physik an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main bis 1987 übte er diverse Tätigkeiten aus, unter anderem in der Gesellschaft für Klassifikation, einem interdisziplinären, gemeinnützigen Forschungsverbund auf dem Gebiet der Datenwissenschaft. Ab 1990 und bis zu seinem Tod im Jahr 2019 widmete er sich beinahe ausschließlich seinem Hauptwerk, der Ontosophie, die maßgeblich von seiner - auch kritischen - Auseinandersetzung mit der Anthroposophie sowie seinem Schwerpunkt im Bereich der Theoretischen Physik beeinflusst ist. Nebenbei verfasste er einige Kriminal- und Science-Fiction-Romane mit esoterischen und phantastischen Themen, die noch der Veröffentlichung harren.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 2
Können die Statements des Materialismus zutreffen?
2.1 Wichtige Projektionen
2.1.1 Körperprojektionen
Unsere Wahrnehmung endet, seit wir uns als Kiddies auf der Erde herumquälen müssen, am Horizont und an den Körper-Oberflächen. In die Körper selbst können wir nicht hineinsehen, sofern sie nicht durchsichtig sind. Und auch das Tasten endet meistens an Oberflächen. Flüssigkeiten sehen wir mehr oder weniger halb-durchsichtig, Gase oder die Luft ebenso, jedenfalls sofern wir uns in Großstädten aufhalten.
Dass es »den Raum« gibt, erfahren wir sowohl durch die Bewegungsmöglichkeit unseres Körpers als auch durch unsere Sehtätigkeit. Die Erwachsenen sagen uns zunächst, dass die Körper nicht nur an ihren Außenflächen zum Beispiel hart und warm, sondern auch im Inneren so seien. In der Schule lernen wir dann von ihrer Molekular- und Quantenstruktur. Trotzdem sind wir als Erwachsene davon überzeugt, dass die Körper vor unseren Augen, selbst wenn ihnen laut Wissenschaft letztlich winzige Gebilden der Quantenphysik zugrunde liegen, klassisch-physikalische Ganzheiten sind, in jedem Falle aber aus »hartem Etwas« und »Kraft« bestehen. Falls es sich um Flüssigkeiten oder Gase handelt, sind wir überzeugt, dass sie wenigstens ein bisschen Härte und Kraftwiderstand überall in sich haben. In dem Zusammenhang zweifeln wir auch nicht daran, dass wir uns diese »dreidimensionalen, harten« Körper und Flüssigkeiten ganz easy vorstellen können.
Das ist meines Erachtens bereits eine Täuschung, die folgendermaßen zustande kommt. Fangen wir am besten wieder in der Wiege an. Wir machen die Erfahrung, dass die Umgebung farbig ist und unterschiedlichen Widerstand bietet, wenn wir mit unseren Gliedern gegen etwas drücken. Ferner spüren wir die Oberflächenbeschaffenheit, schmecken und riechen an all den Dingen, zum Beispiel dem Kinderwagen, dem Rasselchen, Mutters Brust. Als kleine Jungs und Mädchen beginnen wir bald, diese Dinge auseinanderzunehmen. Manche nennen die Eltern auch »Spielzeug«. Von anderen wiederum behaupten sie, das sei kein Spielzeug (zum Beispiel Mutters Brust).
Indem wir nun all das Spielzeug erkunden, stellen wir schnell fest, dass es, einmal zerbrochen, wiederum allseitig farbig und tastig ist. Sobald wir ein paar Jahre alt sind und ein wenig denken können, kommen wir auf die Überlegung oder die Frage, ob nicht das unzerbrochene Spielzeug (oder das zerbrochene vor seiner Zerstörung) innendrin farbig, tastig und hart ist oder gar auch innendrin riecht und Geschmack hat. Das Denknis namens »innendrin« kennen wir inzwischen an seiner Absichtsbedeutung, dass Körper zerstörbar sind und dabei Inneres zeigen. Und dass all das Spielzeug »Körper« heißt, wissen wir inzwischen auch. Nun, die Erwachsenen bestätigen unsere Überlegungen oder beantworten unsere Fragen bejahend.
Wichtig ist, dass wir uns bei diesen sich anbietenden Denknisketten Vorstellungen machen und sie »hineinvorstellen« – in die gesehenen farbigen Oberflächen der Körper. Die wichtigste ist wohl eine Pseudosynthese von Härte-Tastigkeitsvorstellung einerseits und Farbflächenvorstellung andererseits. Wir fantasieren uns eine farbige Fläche, und diese zugleich tastig, als würden wir mit der Hand daran drücken oder reiben – aber ohne Vorstellung von der Hand selber! Das heißt: Wir fantasieren eine sowohl farbige als auch tastige Fläche (natürlich keine ideal zweidimensionale, sondern eine ein ganz klein wenig »dicke Platte«). An diese setzen wir alsdann in der Vorstellung eine zweite, dritte, vierte usw., damit es auch eine räumliche Ausfüllung ergibt. Und dieses Ganze »hineinvorstellen« wir insbesondere hinter die farbigen Oberflächen vor unseren Augen. Das wiederum wird für uns dann die erweiterte Absichtsbedeutung des Begreifs »Körper«.
Es ist nun zu beachten, dass diese Farbtast/Widerstandsvorstellungen keinesfalls dreidimensional, sondern in dem Sinne zweidimensional sind, wie jede Bildvorstellung zweidimensional ist. Dabei trägt zudem nur der Farbanteil zur »Dimension« bei; die Widerstands/Tastvorstellung hingegen ist gar nicht »dimensional«. Ferner werden die »ganz vielen« ebenfalls nicht voll dreidimensional vorgestellt, sondern auch nur zweidimensional. Das geschieht auf folgende Weise: Man denke sich Bilder, und zwar jetzt richtig materielle (also keine »Vorstellungen«), die wie die Handtücher auf einem Wäschetrockner irgendwo dicht hintereinander aufgehängt sind; man denke zudem, dass man von oben auf die Serie schaut und dabei die einzelnen Bilder gerade noch so sieht. Dann ist das nicht drei-, sondern zweidimensional, wenn auch mit etwas Raumtiefe. So ähnlich ist die »Körper-Ausgefülltheits-Projektion« zu verstehen, die wir hinter die farbigen Oberflächen der »Körper« senden, um sie damit scheinbar »dreidimensional dick« zu bekommen. Aber das ist eine Illusion. Der einzige Körper, den wir wirklich dreidimensional ausgefüllt erleben, ist unser eigener. Der aber scheint mit etwas ausgefüllt zu sein, das wir als Lebendigkeit bezeichnen.
Nun wird dieser »Vorstellungssalat« nach und nach immer vorbewusster und »sickert« damit in den zweiten Bilderring. Und dadurch passiert, was ich schon in einem Kleinstkapitel erläuterte1 – dass er nämlich zur Scheinbedeutung eines Scheindenknisses wird, das dem Hauptdenknis eine Verfremdungstäuschung aufdrückt, nämlich die »Denknis-Illusion«, die extra ausgesprenkt lauten könnte: »Die Körper sind innendrin in der Weise farbig und hart, wie wir beim Sehen und Anfassen Farbigkeit und Härte erleben, jedoch voll dreidimensional« (wie unser Körperinhalt). Ohne dieses Scheindenknis hätten wir das reine Hauptdenknis mit einer Information, die lauten könnte: »Die Körper sind dreidimensional mit etwas (!) ausgefüllt«, ohne dass das »Etwas« näher bestimmt wäre.
Spätestens, wenn wir in die Schule kommen, wird das Denknis »Körper« noch durch ein weiteres Scheindenknis verfremdet. Speziell der Kraftanteil unserer Vorstellung von Tastsinnesscheinungen erfährt noch eine Besonderheit, die im nächsten Kapitel ebenso kritisch untersucht wird wie der ganze andere Anteil. Wenn wir an einen Körper drücken und Kraft erleben, sind wir im Laufe der Kindheit immer mehr davon überzeugt, dass wir zwar gegen einen Widerstand drückten, dessen Reaktionskraft uns jedoch vom Inneren des gedrückten Körpers her entgegenkomme. Das mechanische Grundgesetz »Aktion gleich Reaktion« können wir daher in der Schule kinderleicht begreifen.
So fantasieren wir in die Körper eine weitere Doppelvorstellung, die aus einer Kraft- und einer Bildvorstellung besteht. Genauer betrachtet sieht das folgendermaßen aus: Die Kraft fantasieren wir so, wie wir sie am eigenen Arm erleben. Jener Widerstand, gegen den der Arm drückt, wird nun zusätzlich bildlich, also als Farbfläche vorgestellt, und zwar darum, weil man nur dadurch sich einbildet, sich weiter vorstellen zu können, wie die Gegenkraft einem von gegenüber, von der Fläche (also vom Inneren des gedrückten Körpers) her, entgegenkommt.
Es gibt noch eine kleine Variante. Da man eine Gegenkraft von »hinter der Oberfläche kommend« sich nur schwer vorstellen kann, stellt sich mancher vorbewusst so etwas wie einen Vektorpfeil vor. Der ist aber optischer Natur, weshalb es naheliegt, dass die Psyche ihn auf etwas entsprechend Optisches, also eine Farbflächenvorstellung auftreffen lässt, wenn auch eine nicht ganz bewusste.
Mit dieser Vektorpfeil-Vorstellung hat es indes noch eine andere Bewandtnis. Natürlich wird der Vektorpfeil zusammen mit der Kraftvorstellung vorgestellt, da man ja keinen Vektorpfeil, sondern eben eine Kraft vorstellen will. Aber diese Kraftvorstellung ist jetzt eine ganz »normale«, wie man sie vom eigenen Arm her kennt, weil man überhaupt nur eine solche sich vorstellen kann. Jedoch hat diese »normale« Kraft(vorstellung) die Eigenschaft, vom Körper nach vorne zu verlaufen, und kann daher nicht von »noch weiter vorne« entgegenkommen! Folglich bekommt der entgegenkommende Vektorpfeil jetzt in dieser Art Vorstellungssynthese eine Kraftvorstellung zugeordnet, die eher noch weiter nach vorne, also zum »Vektor-Hintern«, anstatt von diesem zur Vektorspitze verläuft. Der Vorstellende merkt das nicht, weil ihm allein der Verlauf des Vektorpfeils die Illusion vermittelt, dass die Gegenkraft korrekt vorgestellt ist! Darum vor allem stellt die Psyche den Vektorpfeil vor! Und die »falsch, weil nach vorne« verlaufende Kraftvorstellung ist dabei natürlich relativ zum bewussteren Vektorpfeil unterbewusster, zumindest vorbewusst.
Es kann aber auch hier zu...




