Acker / Böhme Ontosophie
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-96317-816-0
Verlag: Büchner-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Band 1: Vorbemerkungen und Hauptkapitel 1
E-Book, Deutsch, Band 1, 504 Seiten
Reihe: Ontosophie
ISBN: 978-3-96317-816-0
Verlag: Büchner-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Berndt Acker wurde 1949 in Kronberg (Taunus) geboren, wuchs in Frankfurt am Main auf und besuchte dort die Freie Waldorfschule bis zur Hochschulreife im Jahr 1969. Nach dem Studium der Physik an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main bis 1987 übte er diverse Tätigkeiten aus, unter anderem in der Gesellschaft für Klassifikation, einem interdisziplinären, gemeinnützigen Forschungsverbund auf dem Gebiet der Datenwissenschaft. Ab 1990 und bis zu seinem Tod im Jahr 2019 widmete er sich beinahe ausschließlich seinem Hauptwerk, der Ontosophie, die maßgeblich von seiner - auch kritischen - Auseinandersetzung mit der Anthroposophie sowie seinem Schwerpunkt im Bereich der Theoretischen Physik beeinflusst ist. Nebenbei verfasste er einige Kriminal- und Science-Fiction-Romane mit esoterischen und phantastischen Themen, die noch der Veröffentlichung harren.
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Vorwort und Einführung zur Edition der »Ontosophie«
Ab November 2017 war ich eine Zeitlang für den Araki-Verlag in Leipzig tätig, dessen Verleger Georg Dehn mir gleich zu Beginn eröffnete, ein guter Freund arbeite schon lange an einem großen Projekt. Der Titel laute »Ontosophie«. Bei einem solchen Titel fühlte ich mich als Student der Philosophie natürlich angezogen. Herr Dehn fragte mich, ob ich Lust hätte, dieses Werk zu lektorieren, und ich bejahte und machte mich direkt an die Arbeit. In der Kommunikation mit Berndt Acker hatte ich den Eindruck, dass er sich sehr freute, dass jemand seinen Text so ernst nahm und ihn gründlich las. Immerhin hatte er über zwei Jahrzehnte an der Ontosophie gearbeitet. Das Lektorat und die intensive Diskussion desselben mit dem Autor zog sich über zwei Jahre bis in den Juni 2019 hin. Mir erschien seine Gedankenwelt erst sehr fremd, denn dieser Text ließ sich kaum mit denjenigen anderer Vertreter*innen der Philosophie oder der Wissenschaft vergleichen. Es war in jeder Hinsicht ein eigenständiges Werk, das Berndt Acker hier vorgelegt hatte.
Die Ontosophie ist ein sehr neugieriges Projekt, das sich mit der Frage auseinandersetzt, wie die Realität als Ganzes aufgebaut ist. Berndt Acker leitet den vorliegenden Band mit dem Abdruck einer Rezension über ein Buch von Rupert Riedl ein, der davon überzeugt war, dass die Evolution uns mit einem Gehirn ausgestattet hat, das die Realität erkennen kann, sondern vielmehr den Imperativen des Überlebenstriebs folgen muss. Daher muss man die evolutionär bedingten, kognitiven Verzerrungen oder Bias, wie man neudeutsch sagen würde, beseitigen, um überhaupt etwas über die Natur des Seins in Erfahrung zu bringen. Erkenntnis ist so betrachtet etwas, das sich der Stromrichtung des Natürlichen im Menschen widersetzen muss, um sich zu behaupten. Erkenntnis ist also das Verlassen des unmittelbar Gegebenen, weil gerade dieses Gegebene und das Selbstverständliche das Verzerrte sind.
Das Anliegen des Autors besteht daher in einer gründlichen Revision unserer konventionellen, alltäglichen Auffassung der Wirklichkeit. Er nimmt den naiven Realismus, wie es in der Philosophie bezeichnet wird, zum Ausgangspunkt und versucht ihn im vorliegenden Band vor allem sprachphilosophisch zu dekonstruieren und eine eigene Interpretation und Ontologie bereitzustellen. Sie werden das beim Lesen vor allem daran merken, dass der Autor häufig doppelte Anführungszeichen gebraucht, wenn er Wörter benutzt, die innerhalb des naiven Realismus schon eine ganz bestimmte, ihn stabilisierende Bedeutung haben. Die Anführungszeichen sind daher meist als Warnung gemeint – man sollte die so gekennzeichneten Begriffe mit Vorsicht genießen und verstehen, dass der Autor sie nur benutzt, um auf etwas hinzuweisen, das jenseits unseres alltäglichen Verständnisses der Wirklichkeit liegt.
Der Autor selbst gibt in diesem Band eine eigene Einführung, in der er auf solche Dinge näher eingeht. Einige Grundgedanken und Anmerkungen möchte ich aber vorwegnehmen, damit die Intention des Textes von Beginn an gut verständlich ist. Zunächst einmal ist die Ontosophie kein einfaches Werk. Vor allem der erste Band fordert, wie der Autor auch selbst schreibt, starkes Mitdenken vonseiten der Leser*innen. Gleich auf den ersten Seiten des ersten Buches beginnt der Autor mit einer Reihe von Neologismen und Neudefinitionen von bestimmten Begriffen. Auf diese und mit ihr verbundene Grundgedanken wird er im Verlauf der gesamten Ontosophie immer zurückgreifen. Trotzdem sind auch spätere Hauptkapitel in der Regel weitestgehend für sich selbst lesbar. Darum habe ich in Zusammenarbeit mit dem Autor ein Glossar erstellt, auf das Sie immer wieder zurückgreifen können, wenn Ihnen die Bedeutung eines ontosophischen Terminus nicht klar ist. Mit »Hauptkapitel« werden im Übrigen die verschiedenen Teile der Ontosophie, also ihre erste Gliederungsebene bezeichnet; die gesamte Ontosophie besteht aus neun Hauptkapiteln und in diesem Band finden Sie das »nullte« und das erste Hauptkapitel.
Eine solche Wortneuschöpfung, wie sie für die Ontosophie bezeichnend ist, ist die des »Denknisses«. . Berndt Acker unterteilt dann in verschiedene Arten von Denknissen, die alle spezifische Charakteristika haben, wie zum Beispiel Verbaldenknisse oder Bilddenknisse, bei denen Sie die Bedeutung vermutlich schon erahnen können. Eine besondere Abwandlung eines Denknisses ist das sogenannte »U-Denknis«, ein unvollständiges Denknis, nach dem wir zwar schon fragen können, dessen wirkliche Bedeutung aber noch unbekannt ist. U-Denknisse sind für den Autor von besonderem Interesse, weil sie es sind, die uns zum Wissenszuwachs, zu neuen Erkenntnissen führen. Um also wissenschaftlichen Fortschritt zu erzielen, müssen wir U-Denknisse als solche identifizieren und das Unvollständige daran spezifizieren. Der Autor hat, wie man immer wieder merken wird, eine besonders ausgeprägte Neugier und eine Faszination für gerade diese unvollständigen Dinge, die noch im Dunklen liegen.
Ein weiterer zentraler Grundbegriff der Ontosophie ist der der »Verdingung«. . Mit anderen Worten: die Tendenz, die Denknisse im Denkprozess nicht als Denknisse zu erkennen und wahrzunehmen. Das heißt, dass der naive Realismus vor allem darin besteht, seinen Denknissen ohne Weiteres zu glauben und sie nicht als unsere eigene Schöpfung zu begreifen. Um von diesen evolutionär bedingten Denknissen und damit Verzerrungen Abstand zu gewinnen, ist es nötig, ihnen mit Misstrauen zu begegnen und sie geistig wirklich zu durchleuchten.
Berndt Acker bediente sich dafür der introspektiven Methode und dessen, was er in der Ontosophie nennen wird. Das bedeutet die Mobilisierung geistiger Kräfte, die sich entweder im bewusstseinserweiterten oder im nachdenkenden Zustand um das Verständlich- und Anschaulichmachen bemühen sollen. Vor allem ist es eine eigene Form der Meditation und des In-sich-Gehens, die der Autor viel praktizierte und die ihn zu seinen Erkenntnissen führte. Es ist also eine Methode, die im Grunde jeder ausführen kann und die der Autor durch seine Schriften direkt demonstriert. Mit diesen wenigen Grundbegriffen sollten Sie als Leser*in schon einen Vorgeschmack bekommen haben, und ich hoffe, sie können sich ungefähr vorstellen, was Sie erwartet.
Eine ganze Reihe weiterer wichtiger Funktionen des menschlichen Geistes werden in diesem ersten Buch erläutert werden, wie etwa Empfindungen, Erinnerung, Lernen und der menschliche Wille. Berndt Acker war davon überzeugt, dass es viele Welten und viele Universen gibt, und er betrachtete die Erde stets als einen winzigen Punkt in einer unendlichen Komplexität aus inhärenten Dimensionen und parallel existierenden Räumen und Entitäten. Wenn auch sein Werk ein sehr eigenständiges ist, so gibt es doch eine starke Verwandtschaft mit der Anthroposophie Rudolf Steiners, wie es im Titel »Ontosophie« ja auch schon angedeutet ist. In Berndt Ackers Familie gab es mehrere Generationen von überzeugten Anthroposoph*innen, und er selbst war auch in dieser Szene unterwegs. Allerdings distanzierte er sich später auch von ihr und übte Kritik an bestimmten Ausprägungen der Anthroposophie. Die geistige Nähe zu Rudolf Steiner hat der Autor aber immer beibehalten und diese wird im Buch auch an vielen Stellen spürbar.
Großen Einfluss auf die Ontosophie hat auch der fachliche Hintergrund des Autors als diplomierter Physiker. Auch wenn es im ersten Band vorwiegend um sprachphilosophische und erkenntnistheoretische Themen gehen mag, so ist doch der physikspezifische Hintergrund des Autors in vielen Dingen unverkennbar. Immer wieder nimmt er Bezug auf mathematisch-physikalische Theorien, und in seiner ganzen Denk- und Schreibweise geht der Autor häufig sehr untergliedernd und gewissermaßen schematisch vor. In einem persönlichen Gespräch habe ich ihn einmal gefragt, ob diese schematischen Unterteilungen beim Thema Gedächtnis und Erinnerung eigentlich theoretisch-begrifflicher Natur sind oder ob er denkt, dass diese wirklich in der beschriebenen Form existieren. Für ihn war ganz klar Letzteres der Fall. Wie wir Themen intuitiv auffassen und verstehen – beispielsweise die Frage, wie das Gedächtnis funktioniert –, beschreibt Acker aus einer ganz anderen, zuweilen kontraintuitiven Perspektive. Bildlich gesprochen wird häufig gegen den Strich gebürstet und oft meint Acker es gerade dann wirklich ernst.
Eine letzte wichtige Anmerkung, die ich gerne vorausschicken möchte, ist, dass die Ontosophie in einer gewissen Hinsicht paradox ist. Denn sie ist gleichzeitig systematisch und undogmatisch. Eine systematische Analyse der Realität braucht Begriffe, die gesetzt und definiert und strukturell untereinander verbunden werden, und das hat der Autor auch geleistet. Ebenfalls ist es ihm wichtig gewesen, dass man diesen Text gründlich studiert und ihn durchdringt. Gleichzeitig wollte der Autor aber niemals neue Dogmen, Schematismen und...




