E-Book, Deutsch, Band 3, 296 Seiten
Reihe: Prepper
Abrahams PREPPER - Band 3
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-95835-933-8
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
postapokalyptischer Roman
E-Book, Deutsch, Band 3, 296 Seiten
Reihe: Prepper
ISBN: 978-3-95835-933-8
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Tom Abrahams ist Mitglied der International Thriller Writer's Association. Er schreibt post-apokalyptische Thriller, Action-Abenteuer und Polit-Thriller. Tom lebt in Houston mit seiner Frau Courtney und ihren beiden Kindern.
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KAPITEL 1
IRGENDWO IM ZENTRALEN WEST-TEXAS 19. FEBRUAR 2021 FÜNF JAHRE VOR DEM NETZAUSFALL
G-Man hielt die Handflächen dicht an die Flammen. Er versuchte, wieder Gefühl in seine Hände zu bringen, indem er die Finger bewegte. Die Außentemperatur betrug minus zwei Grad um halb sieben Uhr in der Früh. Seine morgendlichen Aufgaben hatten mehr Zeit in Anspruch genommen als sonst. Die Kälte in seinen Knochen hatte ihn steif werden lassen, auch weil er in der Nacht zuvor so wenig geschlafen hatte. In sechsunddreißig Minuten würde die Sonne aufgehen.
Holz knackte und knisterte in der Feuerstelle. Die Flammen leckten am Rand der Feuerschale, und dunkler Rauch stieg kräuselnd zum Rauchfang auf. Gedankenverloren starrte G-Man ins Feuer. Hitzeimpulse wärmten sein Gesicht und seinen Hals. Seine Hände tauten auf.
»Du siehst aus, als wärst du ganz woanders.«
Die sanfte Stimme erschreckte ihn und holte ihn aus seiner kurzen Versunkenheit. G-Man drehte sich um und erblickte seinen Hausgast. Sie trug sein grau meliertes University-of-Texas-Sweatshirt, ein kokettes Lächeln und sonst nichts. Das Licht funkelte in ihren Augen.
»War ich auch«, sagte er. »Hab nur nachgedacht.«
Sie schloss die Lücke zwischen ihnen und setzte sich, die nackten Füße unter den Körper gezogen, neben ihn auf den Wollteppich. Als sie sich an seine Schulter lehnte, küsste er sie auf den Kopf.
Der Hibiskusduft erinnerte ihn an ihre gemeinsame Dusche in der Nacht zuvor.
»Ich bin aufgewacht, und du warst weg«, sagte sie. »Zuerst hab ich gedacht, du hättest mich abserviert. Dann ist mir eingefallen, dass wir bei dir sind.«
Ins Feuer starrend lachte er leise. »Das tut mir leid. Ich musste die Tiere füttern. Ich hab dieses Zicklein, das eine Menge Aufmerksamkeit braucht.«
Sie schob ihren Arm unter seinen. »Ich war noch nie ein Ziegenmensch. Ihre Augen haben mich schon immer gegruselt.«
»Diese Augen sind ziemlich magisch.«
»Wie das?«
»Die breiten, rechteckigen Pupillen verschaffen ihnen ein fantastisches peripheres Sehen. Das hilft, zu verhindern, dass sie zur Beute werden.«
»Das wusste ich nicht.«
»Sie sind Lebensretter«, sagte er, »aber ich finde auch, dass sie ein wenig absonderlich aussehen.«
»Aber das Kleine ist schon süß«, gab sie zu. »Hast du ihm schon einen Namen gegeben?«
»Noch nicht. Möchtest du Kaffee?«
Sie säuselte: »Ich dachte schon, du fragst nie. Werden wir noch vom Generator versorgt?«
»Ja. Hab gerade nachgesehen. Er brummt. Wir kommen klar, bis der Strom wieder angeht.« G-Man strich ihr mit der Hand übers Bein. Sie küssten sich. Sie fuhr mit den Fingern durch die Haare an seinem Hinterkopf. »Komm schnell zurück.«
»Werde ich.«
G-Man stand auf. Das Gefühl ihrer Haut an seiner weckte Erinnerungen voll Herzklopfen an die Nacht zuvor. Sie war dem Stromausfall um Stunden zuvorgekommen und schon herzerfrischende vier Tage bei ihm. Ihnen blieb noch einer, bevor ihr Urlaub vorbei war.
Er sah über die Schulter nach ihr, stahl einen heimlichen Blick, wie sie auf der Seite vor dem Feuer lag. G-Man lächelte vor sich hin und atmete ein. Er konnte den Hibiskus riechen. Oder glaubte es zumindest.
Sie war so klug, wie sie schön war, so gerissen, wie sie witzig war. Und während G-Man nicht wusste, was sie an ihm fand, bemühte er sich nicht, nachzufragen.
Die Röte in seinen Wangen brachte ihn beinahe zum Schwitzen. Auf dem Weg zur Küche bemerkte er, dass er immer noch seine Arbeitsjacke trug. Als er den Esstisch erreichte, streifte er sie ab und hängte sie über einen der Stühle.
Er ging zur Arbeitsplatte und seiner hochpreisigen Kaffeemaschine. Zumindest für ihn war sie hochpreisig. Es gab weit kostspieligere Modelle auf dem Markt. Aber für einen Kerl, der lange mit Filterkaffee aus einer billigen Maschine zufrieden gewesen war, war seine Nespresso ein Luxus.
G-Man öffnete einen der oberen Schränke und holte zwei Tassen heraus. Eine davon stellte er unter den Spender der Nespresso, dann öffnete er die Schublade, in der er seine Pod-Sammlung aufbewahrte. Es verblüffte ihn, dass Kaffee in so vielen Variationen daherkommen konnte. Von allen technischen Spielereien seines größtenteils vom Versorgungsnetz abgekoppelten Anwesens war diese seine liebste.
Kondensation ließ das Fenster über der Spüle anlaufen. Es verschleierte die Welt draußen, so wie es auch ihr Besuch getan hatte. Wäre da nicht der Stromausfall, wären die letzten paar Tage Walhalla gewesen.
Sie mochte ihre Morgenmischung mit einem Hauch Kirsche. Während die Tasse zubereitet wurde, fand er die Milch hinten im Kühlschrank, füllte sie in einen Stahlbecher und schäumte sie auf, bevor er sie auf den Kaffee goss.
G-Man kopierte den Vorgang mit seiner eigenen Tasse und trug beide Getränke zurück ins Wohnzimmer.
Als er näherkam, setzte sie sich auf und nahm ihre Tasse begierig mit zwei Händen. »Danke.«
»Klar. Ist der gleiche wie gestern.«
»Nehm ich«, sagte sie.
Er stellte seine Tasse auf den niedrigen, quadratischen Kaffeetisch hinter ihnen, bis er wieder auf dem Boden saß. Sie blies über den Schaum hinweg, und der bewegte sich über die Tasse, häufte sich wie eine Schneewehe an einer Seite am Rand auf.
»Ich bin froh, dass du mich besuchen gekommen bist«, sagte er. »Besonders angesichts des Sturms.«
»Ich auch, Tim. Ich möchte nirgendwo anders sein. Das ist genau die Verschnaufpause, die ich gebraucht habe. Von der Bildfläche verschwunden. Keine Arbeit. Kein Telefon. Kein gar nichts, nur du und ich. Ich bin nur froh, dass du mich nicht zuerst in Quarantäne gesteckt hast, obwohl ich geimpft bin.«
»Die Arbeit hat dich dazu gezwungen, richtig?«
»Ja. Alle Bundesangestellten.«
»Ich bin froh, dass die Pandemie abzuflauen scheint.«
»Ich auch«, sagte sie. »Ich hätte meine Zeit mit dir ungern abgesagt, Tim. Ich bin sehr gerne mit dir zusammen.«
Sie nannte ihn nicht bei dem Spitznamen, den er in der Army erhalten hatte. Sie mochte seinen Vornamen. Er war biblisch, sagte sie.
»Er ist der Schutzheilige gegen Magenleiden«, rief G-Man ihr in Erinnerung, wann immer sie ihn an seinen wahren Namenspatron erinnerte.
»Trotzdem ein Heiliger«, sagte sie dann.
In diesem Augenblick lächelte er. »Ich bin auch furchtbar gern mit dir zusammen.« G-Man nahm einen Schluck Kaffee. Er war heiß, aber erträglich.
Keiner von beiden mochte Süßungsmittel. Für ihn hieß das, dass sie füreinander geschaffen waren. Er machte sich nicht die Mühe, zu fragen, was sie von dieser Gemeinsamkeit oder ihrer Zukunft zusammen hielt. G-Man hatte gelernt, dass das Beste, was er im Leben für die Zukunft tun konnte, war, sich auf sie vorzubereiten, auch wenn sie sich selten so entwickelte, wie er es erwartete.
»Ich denke darüber nach, Washington zu verlassen«, sagte sie. »Ich hab die Nase voll von diesem Hamsterrad.«
G-Man hielt mitten im Trinken inne. Er setzte sich aufrecht. »Wirklich?«
»Eigentlich sind es die Hamster selbst, die mich mürbe gemacht haben. Capitol Hill, das ist ein Spielplatz für die Jungen, Tim. 24/7/365, ohne Pause. Weißt du, dass das mein erster Urlaub in drei Jahren ist?«
»Drei Jahre?«
»Na ja, zwei«, sagte sie. »Nach den Zwischenwahlen 2018 habe ich mir eine Auszeit genommen. Das muss Ende des Jahres gewesen sein, um die Feiertage herum. Wir haben erst Februar. Das sind was, siebenundzwanzig Monate?«
»In etwa. Was ist mit der Pandemie? Hast du nicht frei bekommen?«
»Kaum. Von zu Hause zu arbeiten hat in Wirklichkeit bedeutet, die ganze Zeit zu arbeiten. Es gab keinen Feierabend. Die Arbeitszeit ist mit der Freizeit verschmolzen. Das war keine Erholung.«
»Aber wir haben dadurch Zoom bekommen.«
Sie schmunzelte. »Wir hatten doch schon Facetime und WhatsApp und tausend andere Wege zum Videochatten. Dafür haben wir kein Zoom gebraucht.«
»Stimmt. Und dazu ist WhatsApp verschlüsselt. Besonders vertraulich.«
Er zwinkerte. Sie verdrehte die Augen.
»Nichts ist vertraulich. Das weißt du sehr genau. Deshalb hast du komplett auf analog umgestellt und eine Baumfeste mitten im Nirgendwo gebaut.«
»Wohl wahr. Aber im Ernst, warum denkst du darüber nach, D. C. zu verlassen?«
»Einfach weil …« Sie zögerte und trank noch einen Schluck Kaffee. »Meine Eltern sind älter geworden, und beide haben gesundheitliche Probleme. Ich will einen Job, von wo aus ich hingehen und helfen kann, wenn sie mich brauchen. Außerdem ist D. C. was für junge Menschen. Ich habe auf beiden Seiten von Capitol Hill gespielt. Ich bin müde, und ich bin nicht mehr so jung.«
»Du bist jung.«
»Ich bin älter als du.«
»Siebenundzwanzig Monate«, sagte er.
Sie neigte den Kopf. Eine Linie aus Schaum auf ihrer Oberlippe funkelte im Feuerschein. »Stimmt das?«
Er zeigte auf ihre Oberlippe. Sie leckte den Schaum ab. »Ja«, sagte er. »Zwei Jahre und drei Monate.«
»Ich bin ein Cougar.«
»Das glaube ich nicht«, sagte er. »Ich bin fünfunddreißig.«
Sie streckte die Hand aus und strich ihm den Pony aus der Stirn. »Du bist noch ein Baby.«
G-Man lenkte das Gespräch von ihrem kleinen Altersunterschied auf ihre Bekanntmachung zurück. Das interessierte ihn. »Wohin würdest du gehen?«
»Ich habe ein...




