E-Book, Deutsch, Band 1, 340 Seiten
Reihe: Die Bar am Ende der Welt
Abrahams DIE BAR AM ENDE DER WELT
überarbeitete Ausgabe
ISBN: 978-3-95835-614-6
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
postapokalyptischer Roman
E-Book, Deutsch, Band 1, 340 Seiten
Reihe: Die Bar am Ende der Welt
ISBN: 978-3-95835-614-6
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Tom Abrahams ist Mitglied der International Thriller Writer's Association. Er schreibt post-apokalyptische Thriller, Action-Abenteuer und Polit-Thriller. Tom lebt in Houston mit seiner Frau Courtney und ihren beiden Kindern.
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Kapitel 1
Zeke Watson trat aufs Gaspedal. Der Motor seines 1970er Plymouth Superbird heulte zur Antwort auf. Das stählerne Fahrwerk vibrierte um ihn und brachte seine zusammengebissenen Zähne zum Klappern, als er die Maschine an ihre Grenzen brachte.
Mit der einen Hand hielt Zeke den Superbird auf Kurs, die andere presste er auf die klaffende Wunde unterhalb seiner Rippen. Sein Magen fühlte sich an, als wäre er nach außen gestülpt. Das war durchaus möglich. Nach allem, was er wusste, hielt nur seine Hand die Gedärme noch an ihrem Platz.
Der Highway vor ihm führte die beiden Teile der sonnenbeschienenen Ödnis wie ein schwarzer Reißverschluss zusammen. Zekes Aufmerksamkeit galt allerdings der grimmigen Truppe Männer, die hinter ihm her war. Helme und Bandanas verdeckten ihre Köpfe und Gesichter. Einige fuhren Motorräder, andere hockten auf dem Sozius oder auf den Dächern riesiger Pick-up-Trucks.
Zeke stellte sich aufs Pedal und erhob sich vom zerschlissenen Fahrersitz. Er hatte die Polsterung reparieren wollen, irgendetwas war ihm jedoch ständig dazwischengekommen.
Die weite Ödnis sauste zu beiden Seiten an ihm vorbei. Der einzige Hinweis darauf, dass er sich bewegte, war die durchbrochene Mittellinie, die unter seinem Plymouth verschwand, sowie gelegentliche Felsbrocken, die über die kahle Landschaft gesprenkelt waren. Er nahm an, dass er im Ödland war, das diffuse Gebiet, das die Stadt umgab. Vielleicht waren das Ödländer, die hinter ihm her waren, die Außenseiter, die über die unzivilisierte Wüstenlandschaft herrschten.
Es spielte keine Rolle. Das einzig Wichtige war, dass sie ihm direkt im Nacken saßen.
Ein greller Schmerz durchzuckte seine Organe. Der Schweiß brannte ihm in den Augen, als er sie zusammenkniff, um ihn wegzublinzeln. Sein Rücken, Hals und Gesicht waren vom Glanz aufkeimender Schweißperlen benetzt.
Er packte das Lenkrad fester und trieb sein Fahrzeug an. Die Bande kam näher. Näher. Immer näher.
Einer der Verfolger hatte sich von der Meute abgesetzt und stellte ihm auf seinem Motorrad nach. Es war eine tiefergelegte Harley, wie er sie aus alten Peter-Fonda-Filmen kannte und die er manchmal vor einer dieser Sportkneipen geparkt sah, deren Name in einer einfallsreichen Doppeldeutigkeit auf die weibliche Anatomie anspielte.
Der Biker trug ein schwarzes Bandana über Mund und Nase sowie eine reflektierende Sonnenbrille. Sein Schädel war kahlrasiert. Trotz der Größe seines Motorrads wirkte es im Vergleich zu dem Mann wie ein Zwerg. Es war jedoch nicht seine Größe, die Zeke immer wieder kurz von der Straße vor ihm ablenkte. Es war der gigantische .45er, den er in einer Hand hielt. Der stählerne Lauf der Waffe glänzte im Sonnenlicht.
Zeke dachte zuerst, er wäre das Ziel. Dann dämmerte ihm, das Gaspedal noch immer voll durchgedrückt, dass das Ungetüm seine Hinterreifen anvisierte. Zeke traf eine Blitzentscheidung.
Im Rückspiegel sah er die Horde nur ein paar Meter hinter sich. Er tippte die Bremse fest genug an, um langsamer zu werden, und riss das Lenkrad gleichzeitig nach links.
Die Räder des Plymouth qualmten, das Auto erzitterte.
Zekes Körper hielt dem plötzlichen Trägheitsmoment stand. Die Reifen hafteten auf dem kochend heißen Asphalt, er behielt seine Hand am Lenkrad.
Das reichte aus, um das Vorderrad des Motorrads zu schneiden, es von der Fahrbahn abzubringen und den Revolver aus der Hand des Riesen zu schlagen.
Der Mann verlor die Kontrolle über sein Motorrad, schlingerte und stürzte in ein paar andere Biker am linken Rand der Meute. Die Kettenreaktion setzte ein halbes Dutzend von ihnen außer Gefecht. Drei oder vier verschwanden unter den übergroßen Reifen eines höhergelegten Sattelschleppers. Rot spritzte aus der Massenkollision auf und Zeke richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf die Straße.
Dann sah er es.
Zu seiner Linken, mindestens zwei Kilometer voraus, stand ein einsames Gebäude, dessen Silhouette wie eine Fata Morgana zwischen den Hitzewellen über der sauren Erde flimmerte. Rauchschwaden stiegen aus dem Umriss empor und lösten sich im wolkenlosen Himmel auf.
Zeke überprüfte seinen Tacho. Er fuhr hundertsiebzig Kilometer pro Stunde, der Zeiger vibrierte am oberen Ende der Skala seines Muscle Cars. Das war gut. Allerdings hatte er nicht genug Sprit.
Er tippte die Benzinuhr mit dem Finger an. Nichts bewegte sich. Zeke schlug mit der flachen Hand gegen das Lenkrad und erhaschte dabei einen weiteren Blick auf das wabernde Abbild des Gebäudes. Jetzt war er nah genug, um die trüben Umrisse der Fahrzeuge zu erkennen, die davor geparkt waren. Da waren Leute.
Ein lauter Knall erregte Zekes Aufmerksamkeit und zwang ihn zu einem Blick in den Rückspiegel. Auf dem Dach eines Trucks stand ein Mann und zielte mit einem Gewehr auf ihn, aus dessen Mündung Rauch aufstieg. Ein weiterer Schuss blitzte auf und ließ die Heckscheibe explodieren. Scherben flatterten am Rahmen. Zeke kämpfte sich geduckt weiter, das vor ihm liegende Gebäude im Blick. Wenn er es nur erreichen konnte, vielleicht würde ihm jemand helfen.
Ohne die Heckscheibe dröhnte die offene Straße durch die Fahrerkabine des Plymouth. Der Wind peitschte. Die teuflisch trockene Hitze und der Geruch von verbranntem Gummi, vermischt mit den Abgasen, wirkten augenblicklich erstickend.
Er war noch immer mehrere hundert Meter davon entfernt. Das Ödland verzerrte Raum und Zeit.
Ein weiterer Knall, diesmal lauter und heftiger als der letzte, erschütterte seinen Körper im Superbird, gefolgt von einem brennenden Stechen in seiner Schulter. Sein rechter Arm fiel betäubt zur Seite.
Zekes Herz schlug schneller. Der Schweiß lief in Strömen. Sein Puls hämmerte in Hals und Schläfen. Mit jedem Pochen brannte seine Schulter mehr.
Er krümmte sich vor Schmerz, hielt den Atem an und steuerte den Plymouth mit seiner Linken, die Knöchel traten weiß am Lenkrad hervor. Das Muscle Car überquerte die Mittellinie. Die Felsblöcke seitlich des Highways wurden größer und verschwanden dann hinter ihm. Zekes Sicht verschwamm für einen Moment und er biss sich in die Wange, um sich zur Konzentration zu zwingen.
Ein großer Truck rammte ihn von hinten. Erneut spannte Zeke seinen heilen Arm an, diesmal fester als vorher.
Er blickte nach vorn. Das Gebäude lag gut fünfzig Meter entfernt, der Parkplatz noch weniger. Zeke überprüfte den Seitenstreifen vor sich und entdeckte keinerlei Hindernisse. Keine Steine, keine Kakteen oder verrottete Pflanzen, keine Tiere. Er hatte freie Bahn.
Der Truck stieß ihn ein letztes Mal an, bevor Zeke das Lenkrad nach rechts riss. Quietschend verließ der Plymouth den Asphalt und setzte auf dem Wüstenboden auf. Die Radaufhängung hielt dem Aufprall stand und federte das unregelmäßige Terrain ab. Es war nicht so eben wie gedacht, aber der Parkplatz und das Gebäude lagen nun geradewegs vor ihm.
Zeke hüpfte in seinem Sitz auf und ab, die ausgeleierten Federn konnten gegen sein Körpergewicht und die Stärke seiner Bewegung wenig ausrichten. Sein rechter Arm fühlte sich elektrisiert an, als das Gefühl in ihn zurückkehrte. Er blickte nach unten und sah die rechte Seite seines Oberteils von Blut durchtränkt. Seine Sicht verschwamm erneut. Er starrte geradeaus und widerstand dem Drang, sich seinen Wunden zu widmen.
Der Motor heulte auf. Die Reifen wirbelten Steine auf, die gegen das Fahrgestell knallten und Dellen schlugen. Vielleicht würde er es schaffen.
Zekes konnte den Staub und die Hitze schmecken. Sein Kopf brummte und war vernebelt. Dann erstarb der Plymouth.
Der Motor stockte und hustete. Die Benzinuhr loderte auf und schlug zur linken Seite des kreisrunden Displays aus. Der Tacho zeigte eine rapide Verlangsamung an.
Zeke fluchte. Die Obszönitäten sprudelten aus seinem Mund wie das Blut, das aus der Schusswunde hinten an seiner Schulter lief.
Der kleine Vorsprung, den er sich gegen die Horde erarbeitet hatte, verpuffte sofort. Der Plymouth rollte im Leerlauf dahin, wurde langsamer und konnte seinen Kurs nicht mehr halten. Als dann die Vorderreifen über die abgeschlagene Betonkante zwischen dem brüchigen Asphalt des Parkplatzes und der Wüste rollten, die das Grundstück umgab, öffnete Zeke mit Schulter und Ellbogen die Tür und kugelte aus dem Auto.
Der Plymouth hielt erst an, als er in das Heck eines 85er Ford Bronco knallte. Zeke sah den Aufprall nicht, während er sich abmühte, auf die Beine zu kommen, aber das Geräusch der kollidierenden Fahrzeuge war unmissverständlich.
Ohne sich umzublicken, rannte Zeke los. Er war außer Atem, seine Beine wie Wackelpudding, sein rechter Arm hing schlaff herunter. Sein Magen fühlte sich an, als würde er mit jedem Schritt zum Gebäude weiter aufreißen.
Durch den aufsteigenden Nebel des Schockdeliriums sah Zeke die zweigeschossige Struktur aus Holz und Kalkstein, mit einer großen, überdachten Veranda, die drei Seiten umspannte. Eine blaue Flagge hing von einem Pfosten an der Vordertreppe und flatterte im heißen Wind. Auf der Mitte der Flagge prangte ein sechszackiger Stern mit Flügeln an den Spitzen und einer Flamme, die aus dem obersten Stachel wuchs.
Er taumelte vorwärts, schwer atmend und mit schwächer werdenden Beinen.
Hinter ihm wuchs das Rumpeln der Trucks zu einer ohrenbetäubenden Lautstärke an. Die verschwommenen Umrisse zweier Motorräder rasten auf ihn zu.
Er war nun so...




