E-Book, Deutsch, 320 Seiten
A. Die Rache des Schattenkaisers
23001. Auflage 2023
ISBN: 978-3-646-60943-1
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Royale Romantasy über eine Prinzessin, die einen finsteren Kaiser heiraten muss
E-Book, Deutsch, 320 Seiten
ISBN: 978-3-646-60943-1
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ewa A. erblickte 1970 als fünftes Kind eines Verlagsprokuristen und einer Modistin das Licht der Welt. Im Jahr 2014 erfüllte sie sich den Traum, das Schreiben von Geschichten zu ihrem Beruf zu machen, und wurde selbständig freiberufliche Autorin. Nach wie vor lebt sie mit ihrem Ehemann und den zwei gemeinsamen Kindern in der Nähe ihres Geburtsortes, im Südwesten Deutschlands.
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2. Die Kunst, den Kopf zu behalten
»Ihr habt mir nicht Euren Namen genannt, Wasserläufer.« Bewacht von zwei Schattenkriegern folge ich dem Wasserläufer durch das Labyrinth von Gängen. Mittlerweile hat draußen die Finsternis die Dämmerung besiegt und unzählige Fackeln erhellen uns mit ihrem zuckenden Licht den Weg durch den Palast. Obwohl eine laue Brise zu den hohen Arkaden hereinweht, geben die Mauern noch immer die feuchtwarme Hitze des Tages ab.
»Mein Name ist Balto Gründling, Prinzessin Nia«, antwortet der Angesprochene vor mir, ohne sich nach mir umzudrehen.
»Balto. Aha. Sagt, seid Ihr schon immer ein Anhänger des Schattenkaisers gewesen? Oder hat Euch erst die Not dazu gemacht?«
Endlich dreht der Wasserläufer sich zu mir um. Das verspielte Glitzern in seinen schmalen Augen verrät, dass meine Stichelei ihn mehr amüsiert als ärgert. »Beides, Eure Hoheit.«
Irritiert betrachte ich seinen Hinterkopf. »Wie soll das denn gehen?«
»Wenn man im Herzen schon immer ein Mann des Kaisers war und sich erst nach dessen Rückkehr traute, es zuzugeben.«
Ich antworte nur mit einem ungläubigen Grummeln, was Balto offensichtlich nicht entgeht, denn er wirft mir ein herablassendes Grinsen über seine Schulter hinweg zu.
Wir steigen eine Treppe hinab und durchqueren wieder mehrere Gänge, die im Gegensatz zu heute Mittag von einer Vielzahl von Dienern und Soldaten bevölkert sind. Vor einer von vier Kriegern bewachten Doppelflügeltür bleiben wir stehen.
Balto schiebt sie auseinander, tritt zur Seite und neigt in einer leichten Verbeugung den Kopf. »Euer Majestät.«
Anscheinend soll ich den Raum allein betreten. Mit wild klopfendem Herzen folge ich der stummen Anweisung. Was bleibt mir auch übrig.
Ein riesiges Himmelbett mit dicken Kissen und Vorhängen macht mir mit Schrecken klar, dass ich mich in einem weitläufigen Schlafgemach befinde. Heilige Mutter der Gaben, warum bin ich nicht im Thronsaal?
Zu meiner Beruhigung stelle ich fest, dass ich nicht der einzige Gast im Privatzimmer des Schattenkaisers bin. Vor einer Sitzgruppe, die aus den üblichen Tischen und Stühlen des Südens besteht und ganz untypisch für Wasserläufer ist, stehen ein Mann und eine Frau. Doch keiner der beiden wirkt wie ein Schatten. Wer sind die?
Mit der wunderschönen Flut an roten Locken und den roten hitzigen Augen gehört die Frau eindeutig dem Volk der Feuerseelen an. Wegen des bronzefarbenen Haares, der großen silbern funkelnden Augen und des langen weißen Kaftans, vermute ich, dass ein Zeitenleser ist. Und den unzähligen Perlen nach zu urteilen, die seine Kleidung zieren, gehört er einem der wichtigen Häuser an.
Balto schiebt die Türen hinter mir zu und überlässt mich den beiden Unbekannten. Wachsam versuchen wir drei, uns gegenseitig einzuschätzen. Der Zeitenleser macht ein neutrales Gesicht. Er wirkt eher neugierig als freundlich. Die Feuerseele dagegen schleicht vorsichtig in ein Eck, wo sie eine mit Büchern befüllte Regalwand im Rücken hat und zugleich den Zeitenleser und mich im Auge behalten kann. Keinen Moment steht sie still.
Sie erinnert mich an ein gefangenes Tier und das bereitet mir Unbehagen. Starkes Unbehagen. Denn wer weiß, was eine nervöse Feuerseele anstellt, wenn sie Angst bekommt? Manche von ihnen können nämlich aus dem Nichts Flammen erzeugen oder selbst zu einer werden. Und in solch einem Raum, voll von Büchern, dicken Stoffen und brennenden Kerzen ist das mehr als gefährlich. Wir alle könnten jeden Augenblick in Flammen stehen, wenn das Mädchen die Nerven verliert. Deswegen beschließe ich, die Situation zu entschärfen.
»Seid gegrüßt«, nicke ich den beiden zu. »Ich bin Prinzessin Nia aus Seelenheim. Und wer seid ihr?«
Der junge Mann, der ungefähr in meinem Alter sein muss, lächelt mir freundlich zu. »Prinz Cason, aus dem Hause Becrux. Ich bin ein Zeitenleser.«
»Freut mich, dich kennenzulernen, Cason«, erwidere ich mit einem Grinsen und blicke dann zu dem Feuermädchen hinüber. »Und du? Wie ist dein Name? Du bist eine Feuerseele, nicht wahr?«
Sie reckt ihr Kinn und strafft ihre Schultern. »Das bin ich. Ximenia, Tochter König Sauls, aus dem Feuerland.«
Sacht lächle ich ihr entgegen. »Ximenia. Ein wunderschöner Name. Und dein Haar … Ich bewundere es.« Meine Worte zeigen Wirkung. Ihre Schultern senken sich leicht, verlieren an Spannung, weswegen ich fortfahre. »Wurdet ihr auch hergebracht, um den Kaiser zu treffen?«
Beide bejahen.
Nur Cason spricht. »Ich warte schon seit gestern auf eine Audienz bei ihm.«
»Ich seit heute Morgen«, gibt Ximenia dann ebenso zu.
»Ich traf heute Mittag ein. Hielt man euch auch gefangen?«
Wieder nicken beide auf meine Frage hin.
»Weswegen seid ihr hier?«, erkundigt sich Cason. Sein Blick schweift von Ximenia zu mir, wo er schließlich verweilt. Seine Miene bleibt unter der ausgiebigen Musterung vollkommen ausdruckslos, sodass mir nicht nur wegen seiner Frage seltsam zumute wird.
Was hat er bloß? Warum sieht er mich so an?
Bevor ich antworten kann, platzt Ximenia heraus. »Ich bin hier, um dem Schattenkaiser meine Hand anzubieten.«
Während mir über diese Neuigkeit das Herz in die Hose rutscht, zieht Cason eine seiner Augenbrauen hoch. »Ach, tatsächlich?«
Ximenia nickt hektisch. »Natürlich, welche Wahl haben wir denn schon, um Frieden mit ihm zu schließen?« Sie blickt zu mir. »Ich wette, deswegen bist du doch auch hier, Seelenleserin. Oder etwa nicht?«
Ich nicke betreten, traue mich fast nicht, den Blick vom Boden zu heben. Trotzdem entgeht mir Casons Schmunzeln nicht.
Er kichert und unterzieht mich erneut einer eingehenden Inspektion. »Ja, warum sollte sie auch sonst hier sein?«
Empört will ich erwidern, dass ich auch als Botschafterin meines Vaters hier bin, doch da zieht plötzlich eine Bewegung aus dem Augenwinkel meine Aufmerksamkeit auf sich. Etwas Längliches schlängelt über den Fußboden auf mich zu.
Kreischend schwinge ich mich auf einen der Stühle. »Heilige Mutter, eine Schlange. Wo kommt die denn her?«
Lautlos zischelnd scheint sie über die Steinfliesen hinweg zu schweben.
Cason, der ebenfalls auf einen der Stühle gesprungen ist, schaut sich wirr um. »Wahrscheinlich von draußen. Dort hinter dem Vorhang geht es wohl ins Freie.«
Erst jetzt schenke ich unserer Umgebung mehr Beachtung. Zu allen Seiten sind wir entweder von Schränken, Bücherregalen oder Arkaden umgeben. Jene mit den bodenlangen Vorhängen scheint dagegen wirklich ein Durchgang zu sein. Als eine leise Windböe den Stoff zur Seite weht, erspähe ich dahinter ein in den Boden eingelassenes Wasserbecken. Rosa Blüten treiben darin.
Himmel, was für ein Prunk. Ja, die teuren Stoffe, dicken Teppiche, goldenen Buchrücken, feinen Vasen, Schalen und Kerzenhalter, alles in diesem Raum ist wirklich eines Kaisers würdig. Er muss zuvor König Anka gehört haben. Aber warum gelangt eine Schlange hier hinein? In das Gemach des Kaisers? Bestimmt hat man für uns nicht nur vor den Flurtüren Wachen platziert, sondern auch dort draußen. Wohin es auch immer hinter diesem Vorhang führen mag, ich bin mir sicher, eine Flucht ist uns unmöglich.
»Ist das ein Anschlag auf den Kaiser oder auf uns?«, fragt Cason.
»Ist die Schlange überhaupt giftig?«, will Ximenia wissen, die mittlerweile mit angezogenen Beinen auf dem Tisch kauert.
»Weder noch.«
Wir alle zucken von der tiefen Stimme zusammen. Mit ihr dringt auf einmal aus den Schatten, im Eck der Bücherregale, ein Mann ans Licht. Erschrocken halte ich die Luft an. Der bewaffnete Schattenkrieger ist ein Berg von einem Mann. Seine zurückgebundenen Haare wie sein Bart sind tiefschwarz. Genau wie seine Augen, in denen nichts als Kälte zu lesen ist. Die Muskeln seines Oberkörpers sind kaum verhüllt von der schweren Ledermontur, die wohl seine Rüstung darstellt. Sie schützt nur Schultern, Teile seiner Brust und Oberarme. Manschetten, Hose und Stiefel, die aus dem gleichen robusten Leder bestehen, bilden den Rest seiner Panzerung. Dennoch bedecken Schmutz, Blut und Wunden seine gebräunte Haut. Offenbar kommt er aus einem Kampf. Heilige Mutter, wie konnte dieser Riese sich unbemerkt in dem schmalen Schatten verbergen? Kein Wunder, dass der Schattenkaiser schier unbesiegbar ist, wenn sich seine Leute so gut tarnen können.
Noch ehe ich einen weiteren Gedanken fassen kann, bemerke ich, wie auf Casons Gesicht so etwas wie nackte...




