Zimmermann | Apokalypse-Gesamtausgabe | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 700 Seiten

Zimmermann Apokalypse-Gesamtausgabe

Bewusstseinsevolution statt Selbstzerstörung

E-Book, Deutsch, 700 Seiten

ISBN: 978-3-7431-5462-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der Roman passt genau in den Zeitgeist, da er versucht, existenzielle Fragen in einem Europa des Umbruchs zu stellen. Acht suizidgefährdete Menschen begegnen einander und fragen sich, ob ihre Lebensüberdrüssigkeit 'nur' das Symptom einer kranken Gesellschaft ist. Es geht um die Erkenntnis von Wertschätzung, Respekt und Vergebung. Letztlich stellt sich die Frage: Was haben Angst, Einsamkeit, Verzweiflung, Wut, Enttäuschung, Begehren und suizidale Gedankenmuster der handelnden Figuren mit einer äußeren Realität, mit Krieg, mit Hunger, mit Ungerechtigkeit zu tun? Hat die Apokalypse bereits begonnen? Ist die Menschheit noch zu retten? Wenn ja- wie? Mehr unter www.literatur-und-therapie.at

Peter Zimmermann, MAS Dipl. Kunst- und Gestaltungstherapeut, Dipl. Master of Advanced Studies, Supervision, Coaching und Organisationsentwicklung www.pausetaste.at
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Autoren/Hrsg.


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Diogenes’ Therapiepraxis
Yvonne kommt, regelmäßig wie ein Uhrwerk, um fünfzehn Minuten zu spät zur Therapiesitzung, in die Praxis von Diogenes. Schön, dass sie es geschafft haben, Yvonne, setzen sie… Sorry, Doktor, ich bin schon wieder zu spät dran - gut, dann fange ich…ja, dann fange ich gleich an. Wissen Sie, Doktor, manchmal bin ich mir gar nicht so sicher, ob es ein Traum war oder Wirklichkeit. Träume und mein tiefes Dekolleté, das mögen sie, die Therapeuten, ich liebe es, wenn er die Mine seines Kugelschreibers immer wieder raus und reindrückt. Klick, klack, klick, klack. Und noch mehr liebe ich es, wenn er sich beim Anblick meiner bestrumpften Beine ertappt fühlt. Ich hasse Netzstrümpfe, aber warum soll immer nur ich leiden? Yvonne, erzählen Sie einfach. Sie ist so was von abgekocht. Immer wieder setzt sie ihre Verführungskünste ein: stark überschminkt, tiefes Dekolleté, ihre knallroten Lippen, immer die gleiche, etwas „nuttige“ Fassade. Wie ging das noch bei Villon? „Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund, ich schrie mir schon die Lungen wund nach deinem …“ Doktor? Sind Sie noch da? Wissen Sie, Doktor, diese Frau, sie befand sich – wie soll ich sagen – in einer alten Wohnung, ich kannte diese muffigen Räume. Da war diese Kommode mit den chirurgischen Instrumenten, sie lagen fein säuberlich auf einem weißen gehäkelten Tuch, so eines wie Mutter sie zu Hunderten anfertigte, alles zeigte sich so vertraut. Wissen Sie, Doktor, was ich denke? Sie hatte alles für eine Operation vorbereitet, ja, eine Operation, und ich weiß auch schon, was sie mit dem Skalpell alles anstellen wird, sagt Yvonne mit einem verführerisch süffisanten Lächeln. Über dem Bett, ich erinnere mich noch genau, da hing dieses Bild mit der Madonna und dem hilflosen Jesuskind, wie bei uns zu Hause, Sie verstehen, Doktor? Natürlich verstehen Sie, auf jeden Fall lag da auf dem Bett dieser fette nackte betäubte Mann, ich kannte ihn, oder besser gesagt, er war einem Menschen meiner Familie sehr ähnlich – mehr möchte ich dazu jetzt noch nicht sagen, Sie wissen doch, wen ich meine, diese alte Geschichte. Als Chirurgin, im Traum war sie Chirurgin – Sie verstehen doch, Doktor –, wusste sie natürlich, wie man sauber und fachgerecht einen Penis samt Hoden entfernt – Sie haben es erraten, habe ich Recht? Ihr fehlte nur noch ein wenig die Praxis, so etwas macht man ja nicht alle Tage – oder? Das Schlafmittel im Champagnerglas hatte offensichtlich gewirkt, der geile Sack schlief schon fest. Bevor sie mit dieser Sauerei anfing, schickte ich sie ins Badezimmer. Das Ganze musste doch steril ablaufen, wir sind hier ja nicht im Schlachthof. Obwohl: Schlachthof finde ich doch irgendwie passend – was meinen Sie, Doktor? Wenn sie es sagen, warum nicht? Sie haben jetzt sicher ganz anders gedacht, ich weiß, ach, lassen Sie nur, Doktor, später – heben Sie sich Ihre Analysen für später auf, nach dem ersten Akt – was für ein Wortspiel, ha, ha. Oh, der Traum, wo war ich stehen geblieben? Badezimmer, das Badezimmer war es doch. Schlachthof. Hygiene. Ja, das war es. Ich befahl ihr, Schutzbekleidung anzulegen, wie vor einer Operation, Sie verstehen doch, Doktor, dann auch noch Handschuhe, Mundschutz, Haube und Überzieher für die Schuhe. Diese „Kostümierung“ hat sie sichtlich verändert, ich erkannte sie gar nicht mehr, sie wurde mir fremd. Obwohl, sie war doch ein Teil von mir, das Objekt im Traum, sie sehen, Doktor, ich habe meine Hausaufgaben gemacht. Na ja, wie auch immer. Sie tänzelte zurück in das Schlafzimmer, machte im Spiegel einen kurzen Check, alles sitzt perfekt. Ich befahl ihr, noch eine Dosis Barbiturat in die Venen dieses Fettsackes zu spritzen, dann noch eine Dosis zur Entspannung der Muskeln. Ich wollte nicht, dass er zu zucken begann, während sie sein bestes Stück mit dem Skalpell entfernte. Spüren Sie auch so ein Kribbeln, Doktor? „Drei Jahre bedingt“, sagte der Richter, das ist doch skandalös, finden Sie nicht auch, Doktor? Schließlich hat er ein neunjähriges Mädchen vergewaltigt, dieses Schwein, dass macht er garantiert nicht noch mal…ach, Doktor, wissen Sie, was das Spannende bei dieser ganzen Operation war? Na? Raten Sie mal. Yvonne, ich habe keinen blassen Schimmer, erzählen Sie weiter. Klick, klack, klick, klack! Sie wissen es, geben Sie es doch zu, Sie Schummler. Ich lächle sie an und mache mit meinem Kopf verneinende Bewegungen. Ich notiere: Kastrationswunsch, Peiniger in der Familie, ein Klassiker – da ist noch mehr dahinter – Provokation – unterstrichen. Sie ist Finanzberaterin, es könnte auch sein, dass – abgesehen von der Missbrauchsgeschichte - durch diesen symbolischen Akt, eine Beschneidung der männlichen Macht an den Börsen gemeint ist – wie auch immer? Was wird das wieder für ein „Spiel“, frage ich mich, wie so oft bei Yvonne? Ihre große rote Ledertasche fällt mir jetzt auf, sie liegt auf ihrem Schoß, fest umklammert mit ihren Händen; passender Nagellack. Ein Gefühl der Unsicherheit, Angst aber auch Wut und Neugierde macht sich bei mir bemerkbar. Tief durchatmen, entspannen. Menschen mit komplexen Persönlichkeitsstörungen sind faszinierende Menschen, sie spielen in einer anderen Realität, nach ihren Regeln, ein hochinteressantes Spiel, schwer zu durchschauen. Genau genommen spielen wir ja alle in unterschiedlichen Realitäten, spinne ich diesen Gedanken weiter, sonst wäre die Kommunikation nicht so komplex. Aber – zurück zu Yvonne: Ehrlichkeit und Authentizität, wenn es so etwas überhaupt gibt, sind bei solchen Grenzgängerinnen sehr dehnbare Begriffe. Ihre Lebenslügen treffen sich selten mit den Lebenslügen anderer Menschen, dennoch haben alle eines gemeinsam: Es sind Überlebenslügen, welche als Wahrheit interpretiert werden. Yvonne kämpft immer noch mit einem schweren Kindheitstrauma. Sexueller Missbrauch zerstört das Selbstwertgefühl und damit auch die Lebensfreude. Diese tiefe Kränkung muss vom psychischen Apparat „korrigiert“ werden. Eine kompensatorische Überlebensstrategie muss immer wieder von ihr kreiert werden. Yvonne versucht nun ihre verletzte, unter Wiederholungszwang (Wiederholung des traumatischen Erlebnisses) leidende Persönlichkeit abzuspalten. Imaginativ konstruiert Yvonne immer wieder neue Persönlichkeiten; Persönlichkeiten, welche ihre unterschiedlichen emotionalen Impulse leben dürfen. Kontrolle und Macht sind für sie Ventile, die sie durch Identifikation mit einem imaginären Rollenbild „erleben“ kann. Die Männerwelt beherrschen und sie bezahlen lassen, das sind in ihr fest verankerte Glaubenssätze. Ein weiteres Verhaltensmuster ist ihre Erlebnis- und Konsumsucht, Kompensationen für Entbehrungen in ihrer Kindheit, die nie erlebte Zuneigung und Liebe wird durch gekaufte Objekte ersetzt (ein Klassiker: letzte Woche erzählte sie mir vom Kauf der dreihundertsten Paar Schuhe). Yvonne hat verständlicherweise ihr Vertrauen in die Menschen verloren, fühlt sich von allen angegriffen (paranoider Modus). Ihre Geschichte begann mit der Beschreibung eines ihr bekannten Zimmers, einer genauen Erinnerung an ihr Elternhaus, das Bild an der Wand im Schlafzimmer, ihre zittrige Mutter, die immer „wegschaute“, und der fette Mann – alles emotionale Botschaften über Symbole. Ich bin mir aber nicht so sicher, ob meine Interpretationen wirklich zulässig sind. Was hat Yvonnes Biografie mit meiner Biografie zu tun? Da entwickelt sich noch eine sehr erkenntnisreiche Geschichte. Beziehungsarbeit hat immer eine sehr komplexe Psychodynamik. Ein Wechselspiel zwischen den bewussten und unbewussten Kräften aller Beteiligten. Die Verschränkung psychischer Abläufe von Menschen, die einander sicher nicht zufällig begegnen, ist schwer zu analysieren, aber – sehr spannend und aufschlussreich. Der Therapeut lernt einen wesentlichen Teil seines psychischen Apparates über den Patienten kennen – was aber vom Therapeuten nicht immer gleich erkannt wird. In der Literatur wird dieses „Phänomen“ als Spiegelungseffekt bezeichnet. So gesehen müsste die Honorarverrechnung ja oft umgekehrt erfolgen. Aber das ist eine andere Geschichte. Na gut, Doktor, hallo, sind Sie noch da, Sie machen so einen abwesenden Eindruck, ich langweile Sie doch nicht, Doktorchen? Ich mache es spannender und sage Ihnen noch eine Merkwürdigkeit: Ich sah mir bei der Operation zu! Ja, da staunen Sie, ich stand in der Ecke des Zimmers und beobachtete mich im Traum, da war ein zweites ICH, Sie wissen schon, wie ein Klon – ja, ganz real, stellen Sie sich das einmal vor, es war so aufregend, diese Spannung – ich habe mich aufgespalten, oder wie sagt man dazu? – ist jetzt auch nicht so wichtig, Doktorchen – oder? Jetzt hat sie auch noch außerkörperliche Erfahrungen, denke ich und „sehe“ Yvonne in ihrer Vielfalt im Raum schweben. Kaum zu glauben! Wenn das zutrifft, werden diese außerkörperlichen Erfahrungen für das autobiografische Selbst von Yvonne noch von Bedeutung werden. Man nennt sie auch Klarträume. Die Träumerin verlässt ihren Körper und ist sich ihrer Traumsituation bewusst, dabei kann sie ihren schlafenden Körper beobachten. Natürlich könnte es auch eine imaginäre Projektion sein. Ob wahr oder nicht, spielt aber keine wesentliche Rolle, allein die Vorstellung, dass es so sein könnte, erzeugt wahrscheinlich den gleichen Effekt für Yvonne. Bin schon gespannt, wie es weitergeht. Klick, klack. Doktor, es war so eigenartig, wie soll ich es erklären, es war so, als würde ich meinem zweiten ICH jeden Handgriff zuflüstern. Ja, genau so, sie wurde meine...


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