Echte Kommunikation fuer Fuehrungskraefte
E-Book, Deutsch, 152 Seiten
ISBN: 978-3-7583-5542-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Professor Dr. Katrin Winkler ist Professorin für HR und Leadership an der University of Applied Sciences(UAS), Kempten, Deutschland. Als Hochschulprofessorin mit langjähriger Erfahrung als Leiterin internationaler Teams und Beraterin von Führungskräften auf der ganzen Welt teilt sie Ihre Erkenntnisse ueber effektive Kommunikation und darüber, wie man Menschen motiviert und inspiriert.
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Kapitel 1 Ein schlechter Tag im Büro? Kernaussagen Kommunizieren ist mehr als nur informieren, über Arbeitsaufgaben sprechen, oder Menschen zu sagen, was sie tun sollen Kommunikation ist ein sinnvoller Austausch zwischen Menschen, um eine Verbindung und dauerhafte Beziehungen aufzubauen Kommunikation geht leicht schief, wenn das Verständnis, die Ziele oder der Prozess fehlen Zentrale Modelle 5 Axiome, warum Kommunikation schiefläuft Situatives Einflussmodell für Führungskräfte im Einzelgespräch, in Gruppen und für größere Reichweite Erkenntnis Sich bewusst machen, wann Kommunikation besser sein könnte, ist der Ausgangspunkt des Lernens Um den Lernprozess anzuregen, werden wir im Folgenden reale Arbeitssituationen durchgehen. Für den Lernprozess ist es wichtig, darüber nachzudenken, warum Kommunikation schiefgehen kann und die eigene Rolle dabei zu analysieren. Diese kontinuierliche Reflexion hilft, ein Bewusstsein für Auslöser oder Situationen zu schaffen, die Ihre Effektivität einschränken, und Sie gewinnen ein besseres Verständnis dafür, wie andere Sie Wahrnehmen. Nur wer ein Problem erkennt, kann eine Veränderung herbeiführen. Beginnen wir mit einigen Beispielen. Stefan (Name geändert) kam zu einem Kommunikationsworkshop, weil man ihm vorgeworfen hatte, er sei ein schlechter Redner. Er selbst fand, dass sein Publikum eine zu kurze Aufmerksamkeitsspanne hatte und intellektuell nicht in der Lage war, mit ihm Schritt zu halten. Bei der Überprüfung seines Vortragsstils stellte sich heraus, dass er sehr technische Präsentationen hielt, keine Bilder einsetzte und immer überzog. Das Problem? Kompetenz – Obwohl das, was Stefan präsentierte, technisch korrekt war, war es nicht inspirierend und nicht immer relevant für sein Publikum, und er setzte zu sehr auf verbale Kommunikation, die schwer zu verstehen war. Stefan verfügte nicht über die nötigen Kommunikationskompetenzen, um eine einprägsame und einfache Botschaft zu formulieren, die die Zuhörer:innen annehmen konnten. Wie man es besser macht: Formelle Präsentationen können eine Herausforderung sein, da man das Publikum vielleicht nicht gut kennt, doch es ist immer besser: sich kurz zu fassen und einfach auszudrücken (keep it short and simple – KISS) mit einer „Warum“-Botschaft zu beginnen - war um sollten die Zuhörer:innen Ihnen lauschen, was springt für sie dabei heraus? sich nicht nur an Fakten zu halten, sondern mithilfe aussagekräftiger Beispiele auch Emotionen anzusprechen verbale Botschaften mit Schlagwortlisten, Bildern und Diagrammen zu mischen niemals zu überziehen! Dieses Beispiel macht deutlich, dass gute Kommunikation Planung und Vorbereitung erfordert und die Bedürfnisse der Zuhörer:innen immer an erster Stelle stehen müssen. Ein Monolog ist langweilig, und die meisten Menschen schalten dabei sehr schnell ab. Großartige Kommunikator:innen lernen, ihre Botschaft und ihr Verhalten an individuelle oder situative Unterschiede anzupassen. Es geht nicht darum, unauthentisch zu sein, sondern zu lernen, wie man am besten kommuniziert, so dass andere zuhören und aufpassen wollen. Maria (Name ebenfalls geändert) hatte Schwierigkeiten, in Projektbesprechungen ihre Meinung zu äußern. Sie war der Ansicht, dass sie Konflikte vermeidet, indem sie sich nicht zu Wort meldet. Dies führte jedoch dazu, dass sie frustriert und unglücklich war. Das Problem? Mentalität – Die Blockade entspringt Marias mangelnder Bereitschaft, Probleme und Unterschiede anzusprechen, weil sie diese fälschlicherweise mit einem Konflikt gleichsetzt. Stattdessen trifft sie Annahmen darüber, wie andere Menschen denken und handeln. Ohne Fragen zu stellen, um eine Situation zu verstehen, ist ein Perspektivenwechsel aber unmöglich. Wie man es besser macht: Wenn Sie versuchen, eine Situation oder die Perspektive einer anderen Person zu verstehen, können Sie damit Unterschiede anerkennen, Konflikte vermeiden und persönliche Frustrationen abbauen: Verschaffen Sie sich Klarheit, indem Sie Fragen stellen und sensibel zuhören Gehen Sie objektiv auf persönliche Perspektiven ein Seien Sie offen für Beiträge und Ideen anderer Konzentrieren Sie sich auf die gemeinsame Basis, gemeinsame Ziele und Ergebnisse Ihre Mentalität ist die Gesamtheit der Gedanken und Überzeugungen, die Ihre Gewohnheiten prägen und großen Einfluss auf Ihr Handeln haben. Ein wesentlicher Aspekt der Mentalität sind Annahmen oder Vorstellungen, die sich aus Erfahrungen, Kultur oder Lebensphilosophie ergeben. Die Annahme, „mein Weg“ sei der beste, ist niemals wahr. Wenn Menschen über Probleme oder das Erreichen von Zielen nachdenken, bilden sich Muster. Diese sind selbstauferlegte Grenzen oder Barrieren, die unser Denken in einem Rahmen halten und so unser gesamtes Verhalten, z. B. unseren Kommunikationsstil, einschränken, statt es an Personen oder Situationen anzupassen (13). Ein Teilnehmer eines Assessment-Centers lümmelte ständig auf seinem Stuhl herum und warf nur ab und zu etwas in das Gruppengespräch ein. Als Beobachterinnen bemerkten wir dieses merkwürdige Verhalten und überlegten, was es zu bedeuten hatte: 1. Er wollte sich nicht beteiligen ... 2. Er empfand die Gruppe als unter seiner Würde ... 3. Er war sich nicht bewusst, wie er wirkte ... Beim anschließenden Feedback sprachen wir die Tatsache an, dass er arrogant wirkte und nicht bereit schien, sich an den Gruppendiskussionen zu beteiligen. Er war völlig überrascht. Das war sein blinder Fleck! Das Problem? Präsenz – Bei der Arbeit müssen wir präsent sein und ein positives Auftreten an den Tag legen. Das bedeutet, wir müssen uns aktiv beteiligen und erfordert eine angemessene Körpersprache. Durch die Art, wie wir dasitzen und wie bereit oder nicht bereit wir sind, uns zu engagieren, wirken wir nur allzu leicht desinteressiert. Wie man es besser macht: Präsenz ist körperlich, und Beteiligung ist ein aktiver Mechanismus, um Meinungen auszudrücken und Einfluss auszuüben: Zu den positiven körpersprachlichen Signalen gehören echtes Lächeln, Blickkontakt, Vorbeugen, aktive Geräusche (äh, ja ...) und eine aktive Gesprächsbeteiligung. Vermeiden Sie negative Signale wie unterbrochenen Blickkontakt, Abwenden, auf die Uhr schauen oder seufzen, verschränkte Arme, Zurücklehnen oder ein ausdrucksloses/kaltes Gesicht Gehen Sie auf andere ein: Stellen Sie Fragen, moderieren Sie Diskussionen, versuchen Sie, Erkenntnisse von allen Gruppenmitgliedern zu gewinnen, teilen Sie persönliche Beiträge/Fachwissen, fassen Sie die wichtigsten Punkte zusammen. Die menschliche Kommunikation umfasst verbale und nonverbale Elemente, und um eine Botschaft zu verstehen, muss man beide berücksichtigen. Wenn die verbalen und nonverbalen Elemente nicht übereinstimmen, verwirrt dies die Empfänger:innen und erschwert das Verstehen der Botschaft oder führt zu Missverständnissen. Nonverbale Kommunikation ist auch viel mächtiger, intuitiver und schwieriger zu manipulieren und umfasst Körpersprache, Körperhaltung, Gesten und Blickkontakt. Strukturen, aufgrund derer Kommunikation schiefläuft Es gibt fünf Axiome der Kommunikation, fünf Gründe, die erklären, wie Kommunikation funktioniert und wie es zu Missverständnissen kommen kann, und es ist unschwer zu erkennen, wie sie am Arbeitsplatz entstehen können (14). Entscheidend ist das Verständnis, dass Kommunikation auf Bedeutung und Interaktion beruht und daher in einen sozialen und kulturellen Kontext eingebettet sein muss. Grund 1: Selbst Schweigen ist Kommunikation, denn jedes Verhalten ist eine Form der Kommunikation. Es ist unmöglich, nicht zu kommunizieren. Selbst wenn man Kommunikation vermeidet, z. B. durch Schweigen, kann die Empfänger:in dieses Schweigen und die es begleitenden Gesichtsausdrücke analysieren. Wenn z. B. eine Führungskraft in schwierigen Zeiten nicht mit dem Team kommuniziert, und sei es nur, um es zu beruhigen, wird dies als eine negative Botschaft gewertet. Grund 2: Der Inhalt ist das, was wir sagen, aber unsere Beziehung zur Sender:in der Nachricht bestimmt, was wir verstehen. Abgesehen von der reinen Wortbedeutung werden weitere Informationen vermittelt. Ein einfaches Beispiel: Stellen Sie sich vor, eine Manager:in sagt zu jemandem: „Ich würde gerne Ihren Aufgabenbereich besprechen, vielleicht können wir ein paar Dinge verschieben.“ Wenn die Person der Vorgesetzten nicht vertraut, wird sie wahrscheinlich negativ reagieren, weil sie befürchtet, etwas falsch gemacht zu haben und vermuten, dass die Vorgesetzte sie bestrafen will. Wenn sie hingegen der Führungskraft vertrauen, ist sie offener für Gespräche, da sie von dieser positive Maßnahmen...