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E-Book

E-Book, Deutsch, 87 Seiten

Trott IRRWEGE

E-Book, Deutsch, 87 Seiten

ISBN: 978-80-272-2118-9
Verlag: Musaicum Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



In 'IRRWEGE' nimmt Magda Trott die Leser mit auf eine tiefgründige Reise durch die Gedankenwelt eines jungen Mannes, der in einem Labyrinth aus Selbstzweifeln gefangen ist. Trott verwendet einen poetischen und metaphorischen Stil, um die innere Zerrissenheit des Protagonisten darzustellen und den Leser zum Nachdenken anzuregen. Das Buch steht in der Tradition der modernen deutschen Literatur, die sich intensiv mit psychologischen und existenziellen Themen auseinandersetzt. 'IRRWEGE' ist ein fesselndes Werk, das den Leser dazu zwingt, über seine eigenen Lebensentscheidungen und die Suche nach Identität und Sinn im Leben nachzudenken. Magda Trott, eine renommierte Schriftstellerin und Psychologin, ist bekannt für ihre einfühlsamen Darstellungen menschlicher Emotionen und Konflikte. Als Expertin für die menschliche Psyche widmet sie sich in 'IRRWEGE' der komplexen Natur der persönlichen Entwicklung und dem ständigen Kampf zwischen Verstand und Gefühl. Dieses Buch ist ein Muss für Leser, die sich für psychologische Literatur interessieren und bereit sind, sich den tiefgründigen Fragen des Lebens zu stellen. 'IRRWEGE' wird Sie zum Nachdenken anregen und Ihre Empathie für die inneren Kämpfe anderer erweitern.
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Kapitel 2
Inhaltsverzeichnis Zögernd trat Doktor Gervinus am kommenden Tage den Weg zu Krenkow an. Je mehr er sich dem Hause näherte, umso langsamer wurde sein Schritt und immer deutlicher vernehmbar tönte eine Stimme in seinem Innern: es ist Mord, laß ab. Vergeblich versuchte er, sich selbst zu beschwichtigen. Warum sollte dieses Serum, nach dem er jahrelang suchte, nicht Erfolg haben? Er hatte schon so manchen kleinen Beweis dafür, daß alle seine Voraussetzungen bisher richtig gewesen waren. Somit konnte auch dieser Versuch glücken. Und dann, traf ihn denn eine so schwere Schuld? Krenkow brauchte ja nur nein zu sagen und alles blieb wie es war. Aber was war damit der Menschheit genützt? Selbst wenn der Schwerkranke das Opfer wurde, so konnte man an den Symptomen des Todes feststellen, wo Verbesserungen eintreten mußten. Vielleicht zeigte sich aber schon nach dem ersten Versuche der Erfolg. Und war das der Fall, dann hatte Gervinus der gesamten Wissenschaft einen unschätzbaren Dienst geleistet. Als Wohltäter der Menschheit würde er sich einen unsterblichen Namen machen, wenn es ihm gelänge, das Heilserum gegen die Rückenmarkserkrankungen zu finden. Was wog dem gegenüber ein einziges Menschenleben? Gervinus warf den Kopf in den Nacken. Ein energischer Zug prägte sich auf seinem Gesicht aus und ohne Scheu betrat er die Krenkow'sche Wohnung. Der Kranke hatte ihn bereits erwartet und hielt ihm die Hand hin. »Ich will,« sagte er und weiter nichts. Durch Gervinus Körper ging ein Ruck. Er konnte sich selbst keine Rechenschaft über das Gefühl geben, das ihn augenblicklich beherrschte. Schon nach wenigen Minuten war alles besprochen. Krenkow sollte bereits am heutigen Tage in die Klinik eingeliefert werden, am darauffolgenden Tage wollten beide gemeinsam zum Gericht gehen; Gervinus stellte Lothar und Eva je mit einem Vermögen von zwanzigtausend Mark sicher und erklärte sich außerdem bereit, den Knaben, falls die nötige Begabung vorhanden war, auf eigene Kosten für den erwählten Beruf ausbilden zu lassen. Eva würde, falls sie sich verheiratete, von Gervinus eine erstklassige Aussteuer bekommen. Außerdem versprach der Arzt für die kranke Frau nach Kräften zu sorgen und ihr nach Möglichkeit zur Erhaltung des Lebens behilflich zu sein. Alle Monate sollte Frau Krenkow die Summe von hundert Mark von Gervinus erhalten. Dieser Betrag im Verein mit den Zinsen würden genügen, um die Not von der Schwelle zu bannen. In überraschtem Staunen hörte Krenkow das alles an und vermochte es kaum zu glauben, daß der Arzt solche Zusicherungen halten könne. Er lächelte nur matt und äußerte: »Jetzt wünschte ich fast, daß ich an dem Serum zu Grunde ginge.« Um die Ueberführung in die Klinik glaubhaft zu machen, bat der Kranke den Arzt, er möge sich noch einmal in das Zimmerchen seiner Frau begeben und möge selbst davon berichten, daß man alle Hoffnung habe, dem Weiterfortschreiten der Rückenmarkserkrankung entgegenzutreten, doch wäre dazu der Aufenthalt in einer Klinik erforderlich. Gervinus kam dem Wunsche des Bittenden gerne nach und herzlich drückte ihm Frau Krenkow die Hand, als der Arzt mit etwas belegter Stimme versicherte, er wolle sein Möglichstes tun, um Krenkow wieder gesund zu machen. Auch auf dem Gericht ging alles glatt. Gervinus händigte seinem Patienten die Schriftstücke aus und empfing dafür von diesem die schriftliche Bestätigung, daß er, Krenkow, sich aus freien Stücken dieser neuen Serumkur unterworfen habe, daß er völlig unbeeinflußt handle und wohl wisse, daß es sich hier um einen Versuch handle, der leicht schlecht ausgehen könne. Dafür sei dann aber Doktor Gervinus nicht verantwortlich zu machen. Am übernächsten Tage spritzte der Arzt mit eigener Hand dem Patienten das Serum ein. Am folgenden Tage wurde die Spritze wiederholt, und als Gervinus am Abend den Patienten abermals besuchte, äußerte Krenkow, daß er sich ganz überraschend wohl fühle. Die Mattigkeit sei fast völlig von ihm gewichen, außerdem hätte das Gefühl des Pelzigseins und Ameisenlaufens erheblich nachgelassen. In dieser Nacht schlief Gervinus kaum. Tausend rosenrote Bilder malte ihm die Zukunft und am frühen Morgen war sein erster Gang wieder zu Krenkow. Er war tot Fassungslos starrte Gervinus auf den Leblosen nieder, dann stürzte er davon, schloß sich in sein Arbeitszimmer ein und war für niemanden zu sprechen. Er verbrachte eine qualvolle Nacht unter tausend Gewissensqualen, Mörder, schrie es ihm ins Ohr, und Mörder hallte es von den Wänden wieder, und das Wort trieb ihn fast zur Verzweiflung. Wie hatte er es wagen können, mit dem noch nicht völlig fertigen Präparate zu experimentieren! Die Sektion der Leiche mußte ergeben, daß hier eine gewaltsame Vergiftung vorlag, und er war derjenige, der das Gift gereicht hatte. Nicht aus der festen Ueberzeugung heraus, es könne vielleicht doch helfen, nein, er hatte von Anfang an das Gefühl gehabt, du handelst verfrüht, laß vorläufig ab, ein Menschenleben zu gefährden. Er hatte der kranken Frau den Gatten, zwei unmündigen Kindern den Vater geraubt. Selbst wenn er noch so viel mit Geldmitteln tat, das alles wusch seine schwere Schuld nicht ab. Am nächsten Morgen wurde er dringend in der Klinik verlangt. Da raffte er sich auf und sezierte den Toten selbst. Da er seine Versuche streng geheim gehalten hatte, gelang es ihm, seine Kollegen zu täuschen und die Vergiftung auf andere Einflüsse abzuleiten. Da man sich im übrigen darüber einig war, daß die Tabeserkrankung bereits bis in das unheilbare Stadium vorgeschritten war, erschien dieser rasche Tod nicht außergewöhnlich und so erledigten sich alle Formalitäten glatt. Was aber Gervinus in dieser Zeitspanne aushielt, das ahnte niemand. Er hatte sich anfänglich mit der Absicht getragen, den Todesfall selbst bei Krenkows zu melden, dann aber erschien es ihm unmöglich, der kranken Frau vor die Augen zu treten. Wie sollte er vor ihr bestehen, wenn sie nach der raschen Todesursache fragte? So wurde ihr durch einen Boten die traurige Nachricht übermittelt. Der Beerdigung wohnte Gervinus bei. Vergeblich suchte er in dem sehr kleinen Trauergefolge nach der Frau des Dahingegangenen. Aber nur der Knabe und das Mädchen schlichen mit verweinten Gesichtern hinter dem schwarzen Sarge her. Da erst fiel ihm wieder ein, daß ja auch Frau Krenkow schwer krank war, und nun hielt ihn nichts mehr zurück. Er trat, nachdem der Sarg in die Erde hinabgelassen war, zu den beiden Kindern heran und äußerte, er wolle mit ihnen heimfahren. Die Kinder waren viel zu sehr bedrückt und schluchzten immer wieder, so daß sie nicht wehrten, als sich der Arzt neben sie in ein Auto setzte und seinen Plan ausführte. Auch Frau Krenkow war auf das tiefste erschüttert und niedergeschlagen. Jetzt erst, bei einer längeren Unterredung sah sich Gervinus die Kranke näher an. Ohne Zweifel, sie war schwer krank, aber vielleicht war es doch noch möglich, den beiden Vaterlosen die Mutter zu erhalten. Allerdings durfte nicht gezögert werden. Gervinus wollte sofort Maßregeln treffen, damit die Kranke in gesunder Luft ihre kranke Lunge kräftigen könne. Mit größtem Befremden hörte die Frau die Vorschläge des Arztes an, dann schüttelte sie weinend den Kopf. »Sie sind so gut, aber wie kann ich von Ihnen all das annehmen. Nie könnte ich Ihnen zurückzahlen, was ein Aufenthalt im Gebirge oder gar im Süden kosten würde.« »Machen Sie sich deswegen keine Gedanken, Frau Krenkow. Ich hoffte Ihren Mann gesund machen zu können, aber es gelang mir nicht. Nun will ich die Mutter wenigstens den Kindern erhalten, und Sie müssen daher auf meinen Vorschlag eingehen, um Ihrer Kinder willen.« Die Kranke faltete die Hände. »Gibt es denn wirklich noch so gute Menschen, die für die Armut ein Herz haben? Der Himmel segne Sie, Herr Doktor und ich will nicht aufhören, für Sie zu beten, und meine Kinder sollen Zeit ihres Lebens Ihnen, als ihrem Wohltäter, danken.« Gervinus wehrte ab. Er besprach rasch, um die Frau abzulenken, die Zukunft Lothars und Evas. Die Kinder durften natürlich aus der Schule nicht herausgerissen werden und auch da wollte Gervinus Sorge tragen. Als er dann von Frau Krenkow erfuhr, daß Lothar in der Gemeindeschule bereits durch seine hohe Begabung das Aufsehen der Lehrer erregt habe, schlug Gervinus vor, den Knaben umzuschulen und ihm die Möglichkeit zu bieten, sich durch eigene Tüchtigkeit eine geachtete Stellung einstmals zu erringen. Auch Eva sollte in eine bessere Schule eintreten, damit die beiden Kinder ins Leben als gute Grundlage eine gediegene Schulbildung mitnehmen. Frau Krenkow war völlig fassungslos. Sie glaubte zu träumen und erst, als einige Tage später Gervinus sich abermals bei ihr einstellte, als sie sah, daß der Arzt bereits alle nötigen Schritte getan hatte für ihre Reise und die Unterbringung der Kinder, da brach die kranke Frau in leidenschaftliches Weinen aus. »Komm her, mein Lothar und auch du Evchen. Jetzt reicht diesem Manne hier eure Hände. Hier am Bette eurer kranken Mutter, die durch die Hilfe dieses edlen Wohltäters wieder zu genesen hofft, versprecht ihm, euer ganzes Leben lang daran zu denken, daß ihr alles Gute nur ihm allein verdankt. Versprecht mir, daß ihr stets bereit sein wollt, alles für ihn zu tun, was in euren Kräften steht, um ihm dadurch einen Teil eurer tiefen Dankesschuld abzutragen.« Fast heftig wollte Gervinus abwehren, aber Paula Krenkow drang immer mehr in die Kinder, und so reichten die beiden schüchtern dem Arzte die Hände und sprachen die Worte nach, die ihnen die Mutter vorsagte. Die achtjährige Eva schien nicht ganz zu verstehen, was hier...


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