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E-Book

E-Book, Deutsch, 240 Seiten

Teske inside tagesschau

Zwischen Nachrichten und Meinungsmache

E-Book, Deutsch, 240 Seiten

ISBN: 978-3-7844-8516-4
Verlag: Langen-Müller
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Tagesschau ist die wichtigste Nachrichtenmarke des Landes. Millionen Menschen informieren sich täglich bei ihr. Doch immer mehr Zuschauer beklagen eine einseitige Berichterstattung: Über die Flüchtlingskrise, die Coronazeit, den Klimawandel oder die Kriege in Gaza und der Ukraine. Alexander Teske hat sechs Jahre bei der Tagesschau die Themen der Sendungen geplant. In seinem Blick hinter die Kulissen zeigt er wie Karrieristen, Machtkämpfe und politische Überzeugungen die Sendung prägen. Teske hinterfragt die Nähe zur Politik, die Rolle der Experten und den Umgang mit der AfD. Er zeigt, womit die Tagesschau in den sozialen Medien erfolgreich ist, warum dem Sport, Unwettern und den Royals der rote Teppich ausgerollt wird und immer öfter Kurzatmigkeit zu Fehlern führt.
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Chefredakteurskonferenz in der »Anstalt« Neues aus der Anstalt heißt eine Satiresendung im ZDF. Der Titel spielt auf die öffentlich-rechtliche »Anstalt« an. Und darauf, dass »Anstalt« umgangssprachlich auch für eine geschlossene psychiatrische Klinik benutzt wird. In Gesprächen zwischen Redakteuren ist diese Doppeldeutigkeit schon lange präsent. Denn häufig fühlen sie sich in ihren Sendern an eine Anstalt erinnert. Natürlich im Scherz. Aber in jedem Scherz steckt ein wahrer Kern. König ohne Königreich »Einen wunderschönen guten Tag in die Runde, es ist 14 Uhr«, begrüßt Oliver Köhr zur Chefredakteurskonferenz. So beginnt jeden Werktag ein angestaubtes Ritual der ARD. Hier werden die Themen der Informationssendungen vorgestellt und kritisiert – vom Morgenmagazin über die Tagesschau bis zu Hart, aber fair. Der Chefredakteur leitet die Konferenz höchstpersönlich. »Ich beginne mit der Abfrage: Ist der Bayerische Rundfunk bei uns?« Der bayerische Vertreter antwortet stets mit einem »Grüß Gott!« Nun geht es alphabetisch über den Hessischen Rundfunk bis zum Westdeutschen Rundfunk. Auch ARD-aktuell und das Hauptstadtbüro sind dabei. »Bevor wir zum Programm kommen, noch kurz zum Angebot des HR, ein Corona-extra zu produzieren, vielen Dank dafür. Das Angebot ist an alle vorab gesendet worden und es ist auf große Zustimmung gestoßen. Ich habe mit der Programmdirektorin gesprochen und sie schätzt die Lage derzeit als nicht so dramatisch ein, weswegen sie sich heute gegen ein extra ausgesprochen hat. Gibt es dazu noch Diskussionsbedarf? Ah, der WDR, bitte, Rita.« Der Chefredakteur der ARD ist ein König ohne Königreich. Denn die ARD existiert nur auf dem Papier. Jede ihre Sendungen wird von einer der neun selbstständigen Sendeanstalten zugeliefert. So verantwortet der WDR beispielsweise das Morgenmagazin oder der MDR Brisant. Auch die Gemeinschaftseinrichtungen sind verteilt: Der RBB kümmert sich um das Hauptstadtstudio und der NDR um ARD-aktuell. Und die Chefredaktion der ARD ist im Haus des BR angesiedelt und beschäftigt nur eine Handvoll Mitarbeiter. »Also, die Lage scheint ja wirklich immer noch dramatisch und ich finde das Angebot der geschätzten Kolleginnen und Kollegen vom HR hervorragend, wie offenbar auch alle anderen hier in der Runde, und ich plädiere deswegen dafür, einen Beschluss zu fassen und dann noch einmal bei der Programmdirektorin nachzuhaken.« »Ja, danke, Rita, gibt es weitere Stimmen? Steffi!« Das Sagen hat nicht der fähige Köhr, sondern seine Chefin, die Programmdirektorin der ARD. Wenn Christine Strobl ein extra oder einen Brennpunkt ablehnt, können sich die Chefredakteure auf den Kopf stellen und mit den Beinen wackeln – dann wird es kein extra und keinen Brennpunkt geben. Es könnte der »Audience Flow« und damit die heilige Quote gefährdet werden. »Ich kann das nur unterstützen und sehe das für den MDR ganz genauso.« »Vielen Dank, Steffi, ich nehme an, das sehen alle hier in der Runde so?« Allgemeines Nicken in den Microsoft-Teams-Kacheln. »Wir Ihr wisst, ändert das aber nichts an dem zuvor schon erläuterten Beschluss. Aber ich nehme das gern mit und fasse dann noch einmal bei Christine Strobl nach. So, jetzt das Programm der Tagesschau bitte für heute in den Ausgaben um drei, vier, fünf und acht.« Ein Ritual Nun ist der frühe Inlandsplaner der Tagesschau am Zug. Heute bin ich das. Unsere Themen sind bereits um 9.30 Uhr mit den Chefs vom Dienst besprochen worden und um 10.30 Uhr noch einmal in der ARD-aktuell-Runde mit dem Chefredakteur, sie wurden um 12.30 Uhr an das Sendeteam übergeben und um 13.40 Uhr den Leitern der Zulieferredaktionen vorgestellt. Sie sind also schon seit Stunden in den jeweiligen Studios in Auftrag gegeben worden und allen bekannt. Aber ich lese sie gern noch einmal vor: »Wir bekommen die Corona-Lage allgemein für alle Ausgaben vom RBB, die Corona-Lage in Bayern macht uns der BR, der Bundesrat billigt das Infektionsschutzgesetz – Stück kommt aus dem Hauptstadtstudio, das Studio Wien zeigt uns die Corona-Lage in Österreich und wir beleuchten die Situation an der polnisch-belarussischen Grenze.« »Danke schön. Gibt es dazu Anmerkungen? Dann die Tagesthemen bitte!« Die Kollegin liest ihre Themen vor. Es sind fast die gleichen, nur anders verpackt. Plus ein langes Interview mit Markus Söder und eine Mittendrin-Reportage über den Corona-Alltag in einer psychiatrischen Klinik in Rheinland-Pfalz. Die TT-Kollegin sehe ich heute zum ersten Mal. Vor kurzem sind wir alle in einen mehrere Millionen teuren Neubau gezogen. Damit wir enger zusammensitzen und besser zusammenarbeiten können. Aber die Planungen von Tagesschau und Tagesthemen sitzen maximal weit voneinander entfernt in getrennten Räumen. Und so plant jeder allein vor sich hin. Oft dieselben Themen. Die Korrespondenten beschweren sich manchmal bei mir: »Das habe ich doch gerade deiner Kollegin erzählt. Redet ihr nicht miteinander?« Sie sitzen Tausende Kilometer entfernt und ahnen nicht, dass sich zwanzig Meter für uns genauso weit anfühlen. »Gibt es Anmerkungen zu den Tagesthemen? Ja, Hannah.« »Ich wollte nur einmal zu Protokoll geben, dass wir den Söder erst vor Kurzem hatten und er gefühlt jeden Tag bei uns auftaucht. Vielleicht steht uns eine Expertin oder mal ein anderer Ministerpräsident besser zu Gesicht.« »Absolut, liebe Hannah, das sehen wir ganz genauso und haben wir auf dem Schirm, heute bietet es sich aber noch einmal an, mit dem Söder das Thema zu vertiefen, da sie ja diesen Maßnahmenkatalog beschlossen haben.« »So, dann kommen wir jetzt zur Meinung. Hannah, was schlägst du vor?« Das Vorschlagsrecht für den Kommentar der Tagesthemen, der jetzt Meinung heißt, liegt immer bei der Leitung des Hauptstadtstudios. Wir alle wissen: Heute kann es nur ein Thema geben. Aber es ist wahrscheinlicher, dass Söder Veganer wird, als dass die ARD auf ihre Rituale verzichtet. »Ich schlage vor, dass wir die Verabschiedung des Infektionsschutzgesetzes kommentieren. Das könnte man wunderbar mit der Impfpflicht, die für Österreich kommen soll, kombinieren. Alternativ könnte man natürlich, wenn man mal ein anderes Thema mit einer Meinung versehen will, zu dem Migrationsstrom aus Belarus nach Polen schauen.« »Danke Hannah, das sehe ich genauso. Corona ist vorgeschlagen. Ich frage mal in die Runde: Ist jemand für das Thema Migration? Ja, Rita?« »Also die Corona-Lage ist ohne Frage sehr spannend und kommentierungswürdig, nur wollte ich einmal gesagt haben, dass wir das Thema bereits gestern und vorgestern mit einer Meinung bedacht haben.« »Gut, dann stimmen wir ab. Zur Auswahl stehen die Themen Corona, also die Diskussion um die Impfpflicht, und die Lage an der Grenze zu Belarus. Der BR.« »Corona.« »Der HR.« »Ebenso.« »Der MDR.« »Ich bin für Migration.« So sehr daran gewöhnt Nun geht es der Reihe herum. Und wie in der EU hat jeder genau eine Stimme. Gleichberechtigt. Egal ob Malta oder Deutschland. Oder in diesem Fall Radio Bremen und der WDR, der 20-mal mehr Einwohner vertritt. Neben den neun Landesrundfunkanstalten hat auch ARD-aktuell eine Stimme. Das Hauptstadtstudio nicht. Im Gegensatz zur EU gilt in der ARD aber nicht das Einstimmigkeitsprinzip, es reicht die einfache Mehrheit. Steht es fünf zu fünf, entscheidet am Ende der Chefredakteur der ARD über das Thema. Die Mehrheit hat entschieden, jetzt geht es darum, wer kommentieren soll: »Wir haben mit der Impfpflicht nun ein Thema. Wer möchte? Ja, Heiner?« »Ich schlage Thomas Berbner vor.« »Thomas Berbner ist vorgeschlagen. Gibt es weitere Kandidatinnen oder Kandidaten?« »Ich schlage Sarah Frühauf vor.« »Danke, Steffi. Ja, Rita?« »Ich schlage Monika Wagener vor.« Monika Wagener vom WDR, Sarah Frühauf vom MDR und Thomas Berbner vom NDR sind also vorgeschlagen. »Dann machen wir doch eine Abstimmung. Für wen ist der BR?« »Berbner.« »Der HR.« »Wir sind für Frühauf.« »Der MDR ist ebenfalls für Frühauf und der NDR für Berbner«, resümiert der Chefredakteur, denn wer einen Kandidaten ins Rennen schickt, stimmt automatisch für ihn. Dann fragt er weiter: »Für wen ist Radio Bremen?« »Wagener« Nicht jeder Redakteur darf eine Meinung sprechen. Es gibt eine Liste mit Kandidaten. Nur wer darauf steht, kann vorgeschlagen werden. Um auf diese Liste zu gelangen, muss der Sender, bei dem der Redakteur angestellt ist, einen vorschlagen. Auch am Tag der...


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