E-Book, Deutsch, Band 180 / 181, 202 Seiten
Reihe: MUSIK-KONZEPTE
ISBN: 978-3-86916-678-0
Verlag: edition text+kritik
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Komponist Alvin Lucier (*1931) ist ein wichtiger Vertreter der amerikanischen Musik der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ob während der Phase der Live-Elektronik in den 1960er und 1970er Jahren mittels Verbalpartituren oder seit den frühen 1980er Jahren anhand traditionell notierter Instrumentalstücke: Lucier fokussiert entsprechend konsequent akustische und akustisch generierte Phänomene wie minutiös geplante Schwebungen oder Raumresonanzen. Verstanden als ästhetische Reflexionen verweisen diese ebenso minimalistischen wie abwechslungsreichen Werke neben der Phänomenalität des Klangs stets auch auf die Wahrnehmung der Wahrnehmung selbst. Das gewöhnlich Unhörbare wird hörbar, aber auch Hörbares wird auf ungewöhnliche Weise sichtbar.
Fachgebiete
Weitere Infos & Material
- Vorwort
- Bernhard Rietbrock: Alvin Lucier und das Reale. Eine Ästhetik der minimalen Differenz
- Volker Straebel: Musikalische Repräsentation geometrischer Objekte in Alvin Luciers Kammermusik
- Sabine Sanio: Musik als Raumkunst. Zur Ästhetik von Alvin Lucier
- Tobias Gerber: Technologie als Landschaft als Klangraum. Alvin Luciers "Bird and Person Dyning"
- Jan Thoben: Look at the Natural World. Klang und Licht bei Alvin Lucier
- Dieter Mersch: Von Wissenschaft zur Kunst. Alvin Luciers kompositorisches Werk als Kunstforschung
- Jörn Peter Hiekel: "Öffnen statt Schließen". Zu Kontexten und zum historischen Ort der Musik Alvin Luciers
- Helga de la Motte: No Ideas But In Things. Das kompositorisches Denken von Alvin Lucier im Kontext amerikanischer Ästhetik
- Martin Supper: Der Raum als Instrument. Bemerkungen zu "I Am Sitting in a Room" for voice and electromagnetic tape (1969)
- Abstracts
- Bibliografische Hinweise
- Zeittafel
- Autorinnen und Autoren
Volker Straebel Musikalische Repräsentation geometrischer Objekte in Alvin Luciers Kammermusik
Well, shall we
think or listen? Is there a sound addressed
not wholly to the ear? William Carlos Williams (The Orchestra, 1954) Mit seiner Music for Solo Performer für extrem verstärkte Gehirnwellen und Perkussion hatte sich Alvin Lucier 1965 vom Paradigma der Konzertmusik verabschiedet. Das Stück verzichtet, wie die überwiegende Zahl der Kompositionen der folgenden Jahre, auf das traditionelle Modell von Partitur und eindeutig wiederholbarer Aufführung. Stattdessen entwarf Lucier Klanginstallationen oder mediale Settings, in denen Performer und Rezipienten akustische Phänomene erkunden. Diese radikal experimentelle Musik hat lange Zeit die Wahrnehmung Luciers Œuvre bestimmt. So eröffnete 1988 James Tenney ein Gespräch mit Alvin Lucier mit der Bemerkung, er habe nur Publikationen über Luciers Kompositionen bis etwa 1981 finden können – eine Feststellung, die von wenigen Ausnahmen abgesehen bis heute zu gelten scheint. Daraufhin berichtete Alvin Lucier von seiner Hinwendung zur Instrumentalmusik. Diese sei unter anderem durch den Besuch der Sammlung des Percy Grainger Museums 1984 in Melbourne befördert worden, bei dem Lucier realisierte, dass Graingers Kompositionen für individuell entwickelte, inzwischen obsolet gewordene Musikinstrumente kaum noch aufgeführt werden könnten.1 An anderer Stelle betonte Lucier, dass er seine Musik im Gegensatz dazu eigentlich immer im Mainstream des musikalischen Lebens hatte sehen wollen.2 Seit den frühen 1980er Jahren3 entstanden über 40 Instrumentalwerke, in denen akustische Instrumente zueinander oder in Bezug zu Sinusschwingungen in sich langsam ändernde mikrotonale Intervalle gebracht und so kontinuierlich sich verändernde Schwebungen ausgeprägt werden (Abb. 1). Sie stehen im Kontext von Klanginstallationen, die mittels langsam glissandierender Sinusschwingungen Schwebungen erzeugen (Seesaw, 1983; Spinner, 1984)4, und elektroakustischen Performances, in denen die räumliche Distribution von Klang erforscht wird (Outlines of Persons and Things, 1975; Directions of Sounds from the Bridge, 1978; Reflections of Sound from the Wall, 1981)5. Titel Jahr Instrumentation Sinus-Glissando,
statische Instrumente Statische Sinustöne,
glissandie-
rende Instrumente Statische Sinustöne,
mikrotonale Instrumente Statische Instru-
mente,
glissandie-
rende Instrumente Repräsen-
tation außer-
musikalischer Gegenstände Still and Moving Lines of Silence in Families of Hyperbolas 1972–2013 twelve pieces for instruments or voice with pure wave oscillators, including pieces for clarinet, female voice, flute, horn, mallet instruments, violin solo and duet, viola, and cello x (x) Crossings 1982–84 for small orchestra and slow-sweep pure wave oscillator x In Memoriam Jon Higgins 1984 for clarinet and slow-sweep pure wave oscillator x A Tribute to James Tenney 1986 for double bass and pure wave oscillators x Fideliotrio 1987 for viola, cello and piano x Kettles 1987 for five timpani and two slow-sweep, pure wave oscillators x (x) Music for Piano 1992 with slow sweep pure wave oscillators x Music for Accordion 1993 with slow sweep pure wave oscillators x (x) Music for Baritone 1993 with slow sweep pure wave oscillators x Music for Soprano 1993 with slow sweep pure wave oscillators x x Panorama 1993 for trombone and piano x x ...