E-Book, Deutsch, 240 Seiten, Format (B × H): 135 mm x 190 mm
Strauchenbruch Luthers Kinder
2. völlig neu bearbeitete Auflage 2017
ISBN: 978-3-374-05007-9
Verlag: Evangelische Verlagsanstalt
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 240 Seiten, Format (B × H): 135 mm x 190 mm
ISBN: 978-3-374-05007-9
Verlag: Evangelische Verlagsanstalt
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Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Elke Strauchenbruch studierte in Leipzig Geschichte. Anschließend war sie im Wittenberger Lutherhaus als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig. Später arbeitete sie als selbständige Buchhändlerin und Antiquarin. Heute lebt sie als freie Autorin vor allem populärer reformationsgeschichtlicher Bücher in Wittenberg. Als Autorin des Buches 'Luthers Wittenberg' war sie als Beraterin für das Panorama von Yadegar Asisi 'Luther 1517' tätig.
Autoren/Hrsg.
Fachgebiete
- Geisteswissenschaften Christentum, Christliche Theologie Kirchengeschichte
- Geisteswissenschaften Christentum, Christliche Theologie Christliche Kirchen, Konfessionen, Denominationen Protestantismus, evangelische und protestantische Kirchen
- Geisteswissenschaften Geschichtswissenschaft Weltgeschichte & Geschichte einzelner Länder und Gebietsräume Deutsche Geschichte
- Geisteswissenschaften Geschichtswissenschaft Geschichtswissenschaft Allgemein Biographien & Autobiographien: Historisch, Politisch, Militärisch
- Geisteswissenschaften Geschichtswissenschaft Geschichtswissenschaft Allgemein Geschichte: Sachbuch
- Geisteswissenschaften Christentum, Christliche Theologie Systematische Theologie Geschichte der Theologie, Einzelne Theologen
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
JOHANNES (HANS) LUTHER
Martin Luthers erstes Kind Johannes kam am 7. Juni 1526 zur Welt. Die Eltern empfanden die Geburt als ein wunderbares Geschenk zu ihrem bevorstehenden ersten Hochzeitstag.
Abb.1
Das Baby wurde, gemäß der Sitte, noch am Tage seiner Geburt gegen 16 Uhr in der Wittenberger Stadtkirche von Diakon Georg Rörer getauft. Die von dem berühmten Bronzegießer Peter Vischer aus Nürnberg geschaffene wunderbare Taufe wird hier noch heute benutzt. Paten des kleinen Johannes Luther waren Johann Pfister, Johannes Bugenhagen, der ihn aus der Taufe hob, Justus Jonas, der Hofmaler Lucas Cranach, die Bürgermeistergattin Benedikta Hohndorf und der Jurist und spätere kursächsische Vizekanzler Christian Beyer. Der aus Nürnberg gekommene ehemalige Augustinermönch Johann Pfister7 studierte in Wittenberg Theologie und hatte dem Ehepaar Luther bei deren Hochzeitstafel als Mundschenk gedient. Später erhielt er ein Pfarramt in Fürth. Die Paten Kaspar Müller und der in Straßburg lebende Nikolaus Gerbel8 waren bei der Taufe ebensowenig zugegen wie die Wöchnerin.9 Lange Wege waren wegen der üblichen raschen Taufe eines Neugeborenen und dessen ungewissen Geburtszeitpunktes in so kurzer Zeit nicht zu bewältigen und die Mütter lagen nach den oft schweren Geburten noch einige Tage im Wochenbett. Alle Paten und selbst der Geistliche stammten aus dem engsten Kreis um den Vater gewordenen Reformator, der just im Geburtsjahre seines Ältesten, 1526, in seinem Taufbüchlein über die Rolle der Paten für den Täufling geschrieben hat.
Interessant ist, dass Luther bei der Wahl der Paten für seine Kinder keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen machte. Beide Geschlechter seien für die Erziehung der Kinder zum rechten Glauben berufen und so finden sich auch in den Tauflisten seiner nachgeborenen Kinder Männer und Frauen. Eine weitere Aufgabe von Paten ist die Sorge um verwaiste Patenkinder. Da Luther stets in Erwartung seines baldigen Todes lebte, war die Wahl der Paten durch ihn immer mit deren möglichen und in seinen Augen sehr wahrscheinlichen Aufgaben bei der Sorge um seine verwaisten Kinder verbunden, zumal nach damaligem Recht die Mutter und Witwe ohne Vormund nicht rechtsfähig war. Die hohe Geburtenzahl in Wittenberg bedingte auch zahlreiche Patenschaften. Am 20. Januar 1539 wurden neun Kinder auf einmal getauft. Luther, Melanchthon, Bugenhagen und viele andere ehrsame Leute wurden häufig Gevattern, Luther zahllose Male. Einmal hatte er vergessen, wem alles er dafür eine Zusage gegeben hatte und musste seinen losschicken, es auszukundschaften.
Abb.2
Luther war noch immer krank, als die Pest in die Stadt einzog. Die Universität wurde nun eilends nach Jena verlegt. Am 10. August traf ein Schreiben im Lutherhause ein, in dem der sich noch in Torgau aufhaltende Kurfürst Johann der Beständige den Professor besorgt aufforderte, sich mit der Familie ebenfalls nach Jena zu begeben und so sein Leben vor der Seuche zu schützen. Doch Luther und Bugenhagen harrten bei den Wittenbergern und den wenigen nicht aus der Stadt geflohenen Studenten aus. In der trügerischen Hoffnung, so der Krankheit weniger ausgesetzt zu sein, zog Stadtpfarrer Bugenhagen mit seiner Familie Mitte August in das Haus des noch immer leidenden Freundes ein. In diesen Tagen und Wochen der Sorge füllte sich das Lutherhaus immer weiter mit Freunden und Gästen, Gesunden und Kranken. Geboren werden und sterben, alles das fand hier plötzlich statt; alles das mit einem schwer erkrankten Hausherrn und einer hochschwangeren Hausfrau, die beide wohl sehr viel weniger Zeit und Kraft für ihr nun gut eineinhalbjähriges Söhnlein Johannes hatten. Zu ihrem Entsetzen erkrankte Hänschen Ende Oktober an schwerem Fieber. Luther berichtete am 4. November 1527: (Bugenhagen) (Anna Moschwitz?, Ehefrau Augustin Schurffs, Prof. der Medizin, Leibarzt des Kurfürsten und Luthers Freund) (Bugenhagen)
Hoffnung wuchs in dem Vater erst am 11. November und er teilte Jonas mit: Hänschen erholte sich und konnte zum Jahreswechsel nicht nur stehen, sondern auch die ersten Schritte machen, konnte nicht nur lallen, sondern erste Worte sprechen. Überdies wurde ihm am 10. Dezember ein Schwesterchen geschenkt, Elisabeth. Jahre später wird Hans darüber nachgedacht haben, wie die Eltern das wohl alles durchgestanden haben.
Abb.3
Man soll die Kinder sind.23
Doch die unbeschwerte Zeit der Kindheit des kleinen Hans neigte sich schon um seinen 4. Geburtstag herum ihrem Ende zu. Der auf Zuverdienst angewiesene Theologiestudent Hieronymus Weller zog ins Lutherhaus und wurde Hänschens erster Lehrer. Damit war das Kind natürlich privilegiert, denn Gleichaltrige hatten oftmals schon zum Leben der Familie beizutragen. Sie mussten kleinere Geschwister beaufsichtigen, beim Spinnen helfen, sich als Gänsehüter verdingen oder im Haushalt, im Handwerk des Vaters, im Garten, im Weinberg und auf dem Acker helfen. In Mühlhausen in Thüringen wurde sogar einmal eine Mutter vom Stadtgericht zur Rechenschaft gezogen weil ihr Sohn als Hütejunge versagt hatte.24 Kinder unter fünf bis höchstens sieben Jahren hatten bei der Getreideernte den ersten Halm zu schneiden oder das erste Strohseil zu winden und selbst das erste Obst, das ein junger Baum trägt, ließ man möglichst von einem kleinen Jungen pflücken, denn das versprach im Volksglauben für die...




