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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 456 Seiten

Reihe: Die Sophie-Brinkmann-Trilogie

Söderberg Der zweite Sohn

Thriller

E-Book, Deutsch, Band 2, 456 Seiten

Reihe: Die Sophie-Brinkmann-Trilogie

ISBN: 978-3-492-97181-2
Verlag: Piper ebooks in Piper Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wie schuldig darf man sich machen, um das Richtige zu tun? Ausgerechnet jetzt, da Hector Guzman im Koma liegt, steht sein international agierendes Drogenkartell gleich von zwei Seiten unter Beschuss: die Konkurrenz und die Polizei sind ihm auf der Spur - ihm und seiner Geliebten Sophie Brinkmann. Als die unbescholtene Krankenschwester gemerkt hatte, dass Hector von Berufs wegen nicht selten die Grenzen der Legalität erweitert, war es längst zu spät gewesen. Und jetzt ist es an ihr, das Schlimmste zu verhindern: Dazu muss sie sich auf die Spielregeln der Widersacher einlassen und das Böse in sich selbst entdecken. Doch wie weit darf sie gehen, ohne den Glauben an das Gute und die Kontrolle zu verlieren?
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Stockholm Der Tote lag bäuchlings auf dem Parkettboden. Zwischen seinen Schulterblättern steckte ein Messer, und neben ihm lag eine Bettdecke. Er war nackt, oder genauer gesagt fast nackt, er hatte das Leben so verlassen, wie er es einst begonnen hatte, abgesehen von den weißen Sportsocken an seinen Füßen. Antonia Miller betrachtete die Leiche. Dann ging sie in die Hocke, um den Mann genauer zu untersuchen. An der Einstichwunde war kaum Blut ausgetreten. Und seine Position? Hatte er im Bett gelegen, als er erstochen wurde? War er aufgewacht und aus dem Bett getaumelt? Oder war er am Boden ermordet worden? Das grelle Blitzlicht einer Kamera riss Antonia aus ihren Gedanken. Ein Kriminaltechniker dokumentierte den Tatort und schien mit dem Fotografieren gar nicht mehr aufhören zu wollen. Antonia erhob sich und ließ den Blick durch das Zimmer wandern. Eine Kommode, darüber das Poster eines Basketballteams in Sternenbannertrikots mit vorgedruckten Autogrammen – die Harlem Globetrotters 1979. In einem Bücherregal aus Kiefernholz standen alte Dirty-Harry- und Charles-Bronson-Filme. Und eine Sammlung Transvestitenpornos. Aus ihrer Gesäßtasche fischte Antonia ein zerbeultes Notizbuch. Wie hieß der Mann noch gleich? Conny Blomberg. Die Wohnung gehörte einer Frau, unter deren Namen zwölf weitere über die Innenstadt und Vororte verteilte Wohnungen gemeldet waren. »Ich bin jetzt fertig«, sagte der Kriminaltechniker und verließ das Zimmer. »Danke«, murmelte Antonia. Als sie erneut Schritte hinter sich hörte, wandte sie sich um. Tommy Jansson, ihr Chef, stand in der Tür und betrachtete die Leiche. Von seiner schwarzen Lederjacke rannen geschmolzene Schneeflocken, und Antonia beschlich ein Gefühl, als hätte er die Eiseskälte von draußen mit hereingebracht. Und noch etwas anderes. Eine permanente Wut und Unruhe, die ihn ständig überallhin begleitete. Mit dem Daumen hinter sich deutend, zischte Tommy gereizt: »Diese beschissene Einbahnstraße. Bin aus der falschen Richtung gekommen. Am Arsch der Welt musste ich parken und zwei Blocks herlaufen!« Aus seinem Mund klang es, als existierten Einbahnstraßen einzig und allein deshalb, um ihn, Tommy Jansson, in den Wahnsinn zu treiben. In Erwartung einer Antwort oder zumindest irgendeiner Form der Bestätigung blickte er Antonia unverwandt an, doch die reagierte nicht darauf. »Was machst du hier, Tommy?«, fragte sie stattdessen. Es war eine berechtigte Frage, wenn man bedachte, dass er mittlerweile nur noch selten an einen Tatort kam. »War gerade in der Gegend, als ich es im Radio gehört habe«, grummelte er und wies dann auf die Leiche. »Kannst du das übernehmen, Antonia?« »Ich bin doch schon hier.« »Den ganzen Fall, meine ich. Und zwar nur den«, erklärte Tommy. »Ähm … ja?« »Du beschwerst dich doch, du hättest zu viel um die Ohren«, ergänzte er. »Nein, das tue ich nicht«, erwiderte sie. ———————— Gemeinsam verließen sie die Wohnung und bestiegen den Fahrstuhl, dessen in die Jahre gekommene Mechanik sie ratternd ins Erdgeschoss beförderte. Sonderlich gut kamen Antonia Miller und Tommy Jansson nicht miteinander aus, aber die wichtigsten Dinge wussten sie doch voneinander. Tommys Frau war an ALS erkrankt, deshalb fragte Antonia jetzt: »Wie geht es Monica?« Zunächst hielt Tommy den Blick weiter auf den Boden gerichtet, dann hob er den Kopf und sah sie intensiv an, als ob er auf der Suche nach dem Motiv ihrer Frage wäre. »Keine Veränderungen.« Der sachliche Ton seiner Antwort versetzte ihr einen Schlag in den Magen. Im Erdgeschoss angekommen, riss Tommy das knirschende Fahrstuhlgitter beiseite und stieg aus. Ladies first galt offenbar nicht für den Chef. Als sie hinaus auf die Sofiagatan traten, hatte sich der Schnee in Hagel verwandelt. »Vielleicht sehen wir uns heute Abend«, sagte Antonia. »Kann sein«, murmelte er leise und fluchte dann: »So ein Scheißwetter!« Tommy bog nach rechts ab, und Antonia sah ihm noch einen Moment nach, hob dann den Blick zum düsteren Himmel, der seine Schleusen geöffnet hatte, um kleine Eiskügelchen auf sie abzufeuern. Schließlich gab sie sich einen Ruck und spurtete zu ihrem Auto, schloss auf und stieg ein. Immer heftiger donnerte der Hagel auf das Blechdach hinab. Sie wartete noch eine Weile, während das Gebläse auf höchster Stufe gegen die beschlagene Scheibe ankämpfte. Dann ließ sie den Motor an und fuhr los, vorbei an Tommy, der dicht an den Hausfassaden entlanglief, die Hände in den Jackentaschen vergraben und mit einer Körperhaltung, die deutlich machte, dass er schwere Qualen litt. Daran, ihn bis zu seinem Auto mitzunehmen, verschwendete Antonia keinen Gedanken.   Sein Vorname wurde ausgesprochen wie das englische Längenmaß oder der amerikanische Trompeter, obwohl seine Eltern weder englische Vorfahren noch eine Vorliebe für Jazz hatten. Aber als Diplomaten legten sie Wert auf einen möglichst international klingenden Vornamen. Also hieß er Miles. Schon seit mehreren Generationen waren die Mitglieder der Familie Ingmarsson Diplomaten und trugen so unschwedische Namen wie John, Cathrine, Sandy, Ted, Sam oder Molly. In einem früheren Leben hatte auch Miles sich dem Auswärtigen Dienst verschrieben gehabt, war in dieser Welt aber von der ersten Sekunde an zum Scheitern verurteilt gewesen. Ihn befremdeten die sozialen Spielregeln, an die sich alle anderen offenbar ganz selbstverständlich halten konnten. Seine Karriere verlief rückwärts, er war auf höchster Ebene eingestiegen und hatte dann einen langsamen, aber stetigen Abstieg erlebt. Von der Botschaft in Ankara nach Skopje in Mazedonien, weiter nach Chi?inau in Moldawien, bis er schließlich in Khartum im Sudan landete, um dort eine Position zu übernehmen, von der niemand genau wusste, weshalb sie überhaupt existierte. Getreu der Etikette hatte er geheiratet, eine mittelmäßig attraktive Frau mit akademischem Hintergrund und der Fähigkeit, Konversation zu betreiben. Aber dass sie mit der Zeit Gefühle für ihn entwickeln würde und ihn verstehen wollte, damit hatte er nicht gerechnet. Miles bekam Todesangst. Also ließen sie sich scheiden, und im Handumdrehen hatte sich seine Exfrau einen Zahnarzt aus Bromma geangelt und war schwanger geworden. Fortan versuchte die Diplomatenverwandtschaft, ihn mit guten Ratschlägen für die Zukunft zu versorgen. Es war nicht auszuhalten. Ein Karrierewechsel schien die einzige Rettung, und aus diesem Grund beschloss Miles, sich so weit wie nur möglich vom Auswärtigen Amt und der Diplomatie zu entfernen. Und landete bei der Polizei. Diplomaten und Polizisten: Gegensätze, Gegenpole – auf jede erdenkliche Weise. Seine Familie brach den Kontakt ab. Ihre Enttäuschung war ebenso groß wie seine Erleichterung. Heute war Ingmarsson fünfundvierzig Jahre alt und dank seiner eisernen Trainingsroutine mit Liegestützen und Sit-ups schlank und athletisch. Er hatte dunkles graumeliertes Haar und das Gesicht und den Ausdruck eines Filmstars der goldenen Ära. Doch seine Ausstrahlung wurde von seiner Körperhaltung beeinträchtigt, die von einer Trauer geprägt war, auf die sich nicht einmal Freud einen Reim hätte machen können. Und erst recht nicht Miles selbst. Er war süchtig nach Stripperinnen, denn in ihrer Gegenwart fühlte er sich besser. Allein die Wärme, die von den Frauen ausging, ihre Brüste, ihre Kurven, ihre Weiblichkeit, verschaffte ihm Entspannung. Dabei ging es nicht um Sex, sondern eher um die krampfhafte Sehnsucht nach einer Sicherheit, die er nirgendwo sonst empfand. Und ausprobiert hatte er reichlich: Alkohol, Hasch, Essen, Sport, Glücksspiel. Nichts hatte dieselbe Wirkung auf ihn wie ein guter Striptease. Fünfmal in der Woche besuchte er die entsprechenden Etablissements, das ganze Jahr über. Und nun saß er an einem Tisch in einer abgedunkelten Ecke und starrte auf eine dürre Frau mit Silikonbrüsten, die zu billigem Ostblock-Elektro an der Stange tanzte. Und das nicht besonders gut. Am liebsten hätte er sie gebeten, mit dem Tanzen aufzuhören, einfach nur dazustehen und sich ein bisschen zu bewegen … Sein Telefon vibrierte in der Jackentasche. »Ja?« Tommy Jansson von der Säpo, der Sicherheitspolizei des Reichskriminalamts, fragte ihn, wo er sei. »Beim Mittagessen«, antwortete Miles. »Willst du für mich arbeiten?« Die Stripperin schwang sich ungelenk und viel zu schwungvoll um die polierte Stange. »Okay«, sagte Miles. ———————— Miles stapfte durch den frisch gefallenen Schnee, der sich in großen zusammengeschaufelten Haufen auf dem Bürgersteig türmte, damit die Autos freie Fahrt hatten. Er ging dicht an den Hauswänden entlang, fischte eine Zigarette aus der Manteltasche und zündete sie sich an. Dann nahm er einen Zug und inhalierte, ehe er den Rauch wieder ausstieß. Die letzten Jahre hatte Ingmarsson in der Abteilung für Wirtschaftskriminalität gearbeitet, an uninteressanten Fällen, die meistens ins Leere führten. Was für ihn in Ordnung war, weil er so eine ruhige Kugel schieben konnte. Aber jetzt hatte Tommy Jansson angerufen und wollte mit ihm reden. Er sollte in den Pub im Klara-Viertel kommen, in dem alle Bullen immer abhingen. Miles war ein paarmal dort gewesen, hatte sich aber nicht wohlgefühlt. Die sogenannten Kollegen dort waren ihm regelrecht zuwider. Aber Tommy...


Pluschkat, Stefan
Stefan Pluschkat, 1982 in Essen geboren, studierte Komparatistik und Philosophie in Bochum und Göteborg. Er lebt als freier Übersetzer aus dem Schwedischen in Berlin.

Söderberg, Alexander
Alexander Söderberg, geboren 1970, arbeitete als Dramaturg, Redakteur und Drehbuchautor für das schwedische Fernsehen. Sein Debüt als Thrillerautor, der Auftakt seiner auf drei Teile angelegten Serie um die Heldin Sophie Brinkman, verkaufte sich innerhalb kürzester Zeit in 34 Länder Länder, darunter auch die USA und England. Ridley Scott hat sich die Filmrechte für Hollywood gesichert.

Alexander Söderberg, geboren 1970, arbeitete als Dramaturg, Redakteur und Drehbuchautor für das schwedische Fernsehen. Sein Debüt als Thrillerautor, der Auftakt seiner auf drei Teile angelegten Serie um die Heldin Sophie Brinkman, verkaufte sich innerhalb kürzester Zeit in 34 Länder Länder, darunter auch die USA und England. Ridley Scott hat sich die Filmrechte für Hollywood gesichert. Dies ist der zweite Band der Serie, der in SChweden seit Wochen auf der Bestsellerliste steht.


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