Smith | 168 Verschollen in der Römerzeit | E-Book | sack.de
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E-Book, Deutsch, 264 Seiten

Smith 168 Verschollen in der Römerzeit

E-Book, Deutsch, 264 Seiten

ISBN: 978-3-7392-9348-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein paar römische Münzen, ein 1800 Jahre alter Zahn mit einer Kunststofffüllung und ein rätselhaftes Vermächtnis bringen Nelson, Luk und Judith, Schüler des Hochbegabten-Internats Burg Rosenstoltz, auf die Spur eines Zeitreisenden, der aus der Zukunft ins Köln des Jahres 168 nach Christus gereist und dort als Gladiator versklavt worden ist. Offenbar ist auch seine Schwester vom Tode bedroht. Getarnt als Tuchhändler, folgen die Freunde den Geschwistern ins römische Köln und geraten bei ihrer spektakulären Rettungsaktion schon bald selbst in Gefahr... "168 - Verschollen in der Römerzeit" ist der zweite Teil der spannenden Zeitreise-Trilogie um Nelson und seine Freunde (1. Teil: "1227 - Verschollen im Mittelalter", 3. Teil: "2033 - Verschollen in der Zukunft").

Pete Smith wurde 1960 als Sohn einer Spanierin und eines Engländers im westfälischen Soest geboren. An der Universität Münster studierte er Germanistik, Philosophie, Publizistik und Kunstgeschichte. Nach seinem Magister-Examen arbeitete er zunächst als Kulturredakteur an einer Zeitung, bevor er sich als freier Schriftsteller niederließ. Er schreibt Romane, Kinder- und Jugendbücher, Kurzgeschichten und Essays. Für seine Bücher wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Robert-Gernhardt-Preis des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst. Einige seiner Romane sind in andere Sprachen übertragen worden, etwa ins Japanische und Dänische. Smith lebt in Frankfurt am Main.
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1
Die Spinne hatte sich aus dem Nichts zu ihm abgeseilt. Wie ein Magier war sie durch die Luft spaziert, ohne Flügel oder doppelten Boden, ein schwarzer Krümel auf acht haardünnen Beinchen, die über ein unsichtbares Gewässer ruderten, bis sie wieder festen Boden berührten: eine Falte seiner Hose, in der die Spinne für Sekunden verschwand. Plötzlich tauchte sie in Höhe seines Knies wieder auf, drehte sich ein paar Mal um die eigene Achse und erstarrte, als sei sie von einem Moment auf den anderen ins Wachkoma gefallen. Nelson rührte sich nicht. Er betrachtete das wundersame Tier und fragte sich, ob Spinnen schliefen, und falls ja, wovon sie träumten, und ob sie mittags, wenn die Sonne schien, genauso träge wurden, wie er selbst sich gerade fühlte. Er schloss die Augen. Spürte die Hitze in seinem Gesicht. Roch den Frühling, die Blütendüfte und das Gras. Er fühlte den Wind, der über seine Haut strich. Er nahm die Geräusche auf, das Vogelgezwitscher und das Rauschen der Bäume. Orange schien die Sonne durch seine Lider, warm und mild, und er wäre wohl rundum glücklich gewesen, wenn… Unvermittelt stürzte die Idylle in sich zusammen. Dieser beknackte Vortrag! Warum tat er sich das bloß an? Er hätte ablehnen können, und bis auf Professor Winkeleisen hätte niemand protestiert! Aber das war leichter gedacht als getan. Er hatte es einfach nicht über sich gebracht, seinen Physiklehrer zu enttäuschen. Nelson öffnete die Augen. Die Spinne saß noch immer auf seinem Knie. „Du hast es gut“, murmelte er. „Wenn du rumspinnst, bekommt's wenigstens keiner mit." Er setzte sich auf und griff nach dem Heft, das neben ihm im Gras lag. Unwillig schlug er es auf. Sagittarius A – Das Schwarze Loch im Zentrum unserer Milchstraße stand ganz oben. Darunter hatte er einige Zahlen gekritzelt: Entfernung von der Erde: 26.000 Lichtjahre. Ausdehnung des Schwarzen Lochs: 14 Millionen Kilometer. Masse des Schwarzen Lochs: 4 Millionen Sonnen. Ausdehnung der aktiven Hülle: 300 Millionen Kilometer. Temperatur der Hülle: mehrere 100 Millionen Grad Celsius. Eigentlich war der Notizzettel überflüssig, schließlich kannte er die Zahlen in- und auswendig. Aber wenn er morgen den Vortrag halten musste, war es vielleicht besser, irgendetwas in der Hand zu haben. Etwas, an dem er sich festhalten konnte. Dabei hatte er am wenigsten Angst davor, die Fakten durcheinander zu bringen. Die Theorie der Schwarzen Löcher gehörte immerhin zu seinen Spezialgebieten. Als Astrophysiker vor wenigen Jahren eine Gaswolke sichteten, die auf das Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße zuraste, glaubten die meisten Experten, dass sie zwar haarscharf daran vorbei käme, dabei jedoch zerreißen würde. Nelson hingegen hatte gewusst, dass die Gaswolke die Begegnung mit Sagittarius A unbeschadet überstehen würde, weil sie in Wirklichkeit ein hinter Gas verborgener kleiner Stern war – und Recht behalten. Dass ihm der bevorstehende Vortrag dennoch Magengrummeln bereitete, hatte einen anderen Grund: Es sollte das erste Mal in seinem Leben sein, dass er sein Wissen vor so vielen fremden Leuten ausbreitete. Was ihn wirklich nervös machte: im Mittelpunkt zu stehen. Alle Augen auf sich gerichtet zu sehen, die Erwartung darin, vielleicht auch den Zweifel. Weil ein Teenager einer versammelten Elite aus Ärzten, Rechtsanwälten, Lehrern, Hochschuldozenten, Architekten und Ingenieuren etwas Neues über ein längst bekanntes Phänomen erzählen wollte. Es war Professor Winkeleisen gewesen, der den Kontakt zu den Leuten von Mensa hergestellt hatte. Ursprünglich hatte der Physikdozent des Hochbegabten-Internats Burg Rosenstoltz den Vortrag über das Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße selbst halten sollen. Doch zu Nelsons Unglück war er auf die Idee verfallen, dass ein anspruchsvolles Referat wie dieses für seinen besten Schüler die Gelegenheit sei, seine Fähigkeiten auch einmal außerhalb der Schule unter Beweis zu stellen. Und das vor Gelehrten, die Bildung zu schätzen wussten. Mensa war eine weltweite Vereinigung intelligenter Menschen, die sich über alle Grenzen hinweg dem vergnüglichen Austausch tief schürfender, gewagter oder bloß luftiger Gedanken verschrieben hatten. Zutritt bekam nur, wer einen Intelligenzquotienten von mindestens 130 besaß. Weltweit zählte der Verein mehr als 110.000 Mitglieder in 100 Ländern, in Deutschland waren es rund 11.000. Nelson selbst war kein Mensaner. Obwohl sein IQ bei exakt 184 lag. Ermittelt im zarten Alter von drei Jahren und später mehrfach bestätigt. Aber Nelson hasste Vereine. Außerdem gab es im Internat Burg Rosenstoltz schon genug Hirnmonster, wie Judith zu sagen pflegte. Eine Schule für Wunderkinder eben – da sehnte er sich in seiner Freizeit nicht gerade nach weiteren Intelligenzbestien. Er blinzelte in die weißgelbe Sonne. Ganz schön blöd, an einem Tag wie diesem über Schwarze Löcher nachzudenken. Unter ihm schlängelte sich der Fluss durchs Tal. Die Mandelbäume, die den Weg hinauf zur Burg säumten, standen in voller Blüte. Schlehen, Hagebutten und Vogelbeersträucher trieben Knospen, und an den Hängen oberhalb des Ufers flatterten an Rebstöcken Tausende blauer Bändchen im Wind. Nelson seufzte. Frühling! Endlich waren die kalten Tage vorüber! Überall sprossen zarte Pflänzchen aus der Erde, Farben wie frisch gewaschen, Blütenblätter, die der Wind vor sich hertrieb, und über all dem ein tiefblauer Himmel wie auf einer kitschigen Postkarte. Einen Augenblick lang dachte er an Judith. Sie fehlte auf diesem Postkartenidyll. Nelson klappte das Heft zu und warf es ins Gras. Die Spinne war fort. Wahrscheinlich hatte sie sich in nichts aufgelöst. Wer durch die Luft spazieren konnte, für den war das sicher die leichteste Übung. Er sank zurück und schloss die Augen. Irgendwo zankte ein Amselpärchen miteinander. Vielleicht war ihr aufgeregtes Gezwitscher aber auch nur eine nette Art, sich gegenseitig zu schwören, wie lieb sie sich hatten. Noch konnte er absagen. Ein plötzliches Unwohlsein. Oder Migräne. Unter heftigen Kopfschmerzattacken litten nicht wenige seiner Mitschüler. Kam vom vielen Grübeln. Aber wenn er Migräne vortäuschte oder Übelkeit, dann müsste er den nächsten Tag im Bett verbringen oder zumindest auf seinem Zimmer. Montags jedoch hatten sie nachmittags Sport, genauer Leichtathletik, und ab dieser Woche wollten sie sich wieder draußen auf dem Platz treffen. Nelson hatte sich den ganzen Winter so darauf gefreut. Endlich raus aus der Halle! Weitsprung mit echtem Anlauf. Und ein Sprint ohne Kurve… Nein, er würde den Vortrag halten! Professor Winkeleisen hatte darauf bestanden, ihn zu begleiten. Sie würden frühmorgens mit dem Zug fahren. Eine halbe Stunde hin, eine halbe Stunde zurück. Mittags würden sie wieder auf Burg Rosenstoltz sein. Das Referat selbst sollte nur gut eine Stunde dauern. Das würde er hinkriegen. Irgendwie. Als die Sonne den Rand der Weinberge berührte, stand Nelson auf. Er raffte seine Sachen zusammen und machte sich an den Aufstieg zur Burg. Mächtig stemmten sich ihre Türme gegen den verblassenden Himmel. Ein unglaublicher Anblick! Und doch waren die Ausmaße der Anlage winzig im Vergleich zu jenen Ausdehnungen, die sie zu Zeiten ihrer Gründung im August 1227 gehabt hatte. Nelson erinnerte sich an den Spätsommer vergangenen Jahres. Er hatte Burg Rosenstoltz in ihren ursprünglichen Abmessungen gesehen. Nicht auf einer Zeichnung oder einem Gemälde. Er hatte die Burg in echt erlebt. Denn er und seine Freunde waren Gäste jenes Turniers gewesen, das aus Anlass der Einweihung Burg Rosenstoltz' am 18. August 1227 ausgerichtet worden war. Sie waren in die Zeit gereist. Madonna sei Dank! Vor den Toren der Burg stieß Nelson auf Alois Kunkel, den Hausmeister des Internats. Er nahm keine Notiz von ihm, sondern brummelte missmutig vor sich hin. Zwischen den Fingern hielt er etwas Glänzendes, das er drehte und wendete, wobei sein Kopf im Takt eines Metronoms hin- und herpendelte. „Diese verfluchten Bälger“, zischte er leise, „könnte ihnen so passen, dass ich auf ihre Mätzchen hereinfalle, verdammtes Gesocks, verdammtes! Meinen, mit dem Kunkel können sie's machen, ist ja bloß Hausmeister, was ist das schon, ein Hausmeister, aber da habt ihr euch geschnitten. Nicht mit mir! Ein Schatz, na klar, und dem Kunkel laufen die Augen über, als ob… Auch das noch! Was willst du denn hier?“ Nelson hatte sich geräuspert, und endlich hatte ihn der Hausmeister von Burg Rosenstoltz wahrgenommen. Jetzt starrte er ihn feindselig an. „Ich, ähm, komme eher zufällig hier vorbei“, stotterte Nelson. „Ich wollte nur…“ „Gehörst du auch zu denen da?“, unterbrach ihn Kunkel und hielt ihm das flache runde Metall unter die Nase, das aussah wie eine abgewetzte Münze. „Zu wem denn?“ „Zu diesen…“ Gerade noch rechtzeitig schluckte der Hausmeister das Wort,...


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