Seiwert / Reimer | Christoph Werner | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 176 Seiten

Reihe: Dein Business

Seiwert / Reimer Christoph Werner

Mein Leben, meine Firma, meine Strategie

E-Book, Deutsch, 176 Seiten

Reihe: Dein Business

ISBN: 978-3-96740-310-7
Verlag: GABAL
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



"Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein." (dm)

- Der vierte Band der beliebten WiWo-Reihe "Mein Leben, meine Firma, meine Strategie"
Die Buchreihe "Mein Leben, meine Firma, meine Strategie" porträtiert herausragende Unternehmerinnen und Unternehmer, die in ihren Branchen einen bedeutenden Beitrag geleistet haben – von den Patriarchen etablierter Familienunternehmen bis hin zu aufstrebenden Köpfen der Gründerszene.
Die Autoren der WirtschaftsWoche schreiben nicht über sie, vielmehr lassen sie die Unternehmer selbst zu Wort kommen. Jeder Band ist einer Persönlichkeit gewidmet, die sich in mehreren Gesprächen den Fragen der Autoren stellt. Die Interviews über Erfolge, Krisen, Verantwortung, Führung und unternehmerischen Mut zeichnen ein authentisches Bild der Unternehmer. Sie zeigen auch den Menschen hinter dem Firmenlenker: seinen Blick auf sich selbst, seine Familie und die Gesellschaft.
Der vierte Band der Reihe widmet sich Christoph Werner, dem Chef der Drogeriemarktkette dm. Der größte Drogeriehändler Europas ist für die kluge, nachhaltige und mitarbeiterzentrierte Unternehmensführung weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Begründer dieses Erfolgs war Christoph Werners Vater, Götz Werner, der als Management-Genie gefeiert wurde. Christoph Werner erzählt von seiner Kindheit zwischen Drogeriemarktregalen, Erfolge inmitten von Wirtschaftskrisen und sein wichtigstes Erfolgsgeheimnis: Tiefer Respekt für seine über 71.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
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ERSTES KAPITEL
Die Ursprünge
Am Anfang stand der Vater
Herr Werner, für einen Gesprächsbeginn ist es ein ungewöhnliches Thema. Trotzdem möchte ich mit dem Tod beginnen, dem Tod Ihres Vaters Götz W. Werner, der im Februar 2022 gestorben ist. Er fehlt als der Gründer und Inspirator von dm, als Gesicht des Unternehmens und natürlich als Mensch. Wie geht es Ihnen heute damit? ? Der Tod meines Vaters ist ein Einschnitt für mich. Ich denke, jeder, der bereits einen Elternteil verloren hat, kennt dieses Gefühl. Es fällt auch mir nicht leicht, damit umzugehen, weil ich mit der Tatsache vertraut werden muss, dass sein Leben nun abgeschlossen und nicht mehr veränderlich ist. Solange er noch lebte, konnten Dinge besprochen werden, konnten besser verstanden werden, gemeinsame Fragestellungen konnten bewegt werden. Jetzt ist das Buch des Lebens zugeschlagen, es kann nicht mehr weitergeschrieben werden. Es bleibt mir nur noch die Interpretation dieses Buches. Das fühlt sich alles plötzlich sehr anders an für mich. Das habe ich bei meiner bereits verstorbenen Mutter so empfunden, bei verstorbenen Freunden und nun eben auch bei meinem Vater. Wie hat der Tod das Unternehmen verändert? ? Mein Vater hat das Unternehmen sehr stark geprägt, vor allem durch die Führungsprinzipien und die Strategien, die er entwickelt und dann auch mithilfe der Menschen in der Arbeitsgemeinschaft sehr kraftvoll umgesetzt hat. »Ich finde es großartig, sich aus kleinen Anfängen heraus immer größere Wirkfelder zu erschließen.« Götz (links) und Christoph Werner 2017 auf der Beautymesse »Glow« Sie sprechen von »Arbeitsgemeinschaft«, meinen damit die Belegschaft. Auch das ist ein Erbe Ihres Vaters: neue Begriffe, die eine andere Haltung zeigen. ? Ja, so hat er dm unnachahmlich geprägt. Auch wenn mein Vater in den letzten Jahren bei Entscheidungen im Unternehmen meistens gar nicht mehr dabei war, so war er doch für uns immer präsent. Was wir gemacht haben, haben wir immer noch unter zumindest gedanklicher Einbeziehung meines Vaters gemacht. Er war eine Autorität im Hintergrund … …die nun nicht mehr da ist. ? Es fühlt sich an, als hätten wir die bisherigen Führungsschienen hinter uns gelassen. Jetzt müssen wir die Entscheidungen einzig und allein aus uns selbst heraus fällen. Wird das Unternehmen nun ein anderes, als es unter Götz Werner war? ? Mein Vater ist 2008 aus der operativen Geschäftsführung ausgeschieden. Das Unternehmen hat sich schon seit diesem Zeitpunkt extrem verändert. Den Ansatz des Omni-Channel-Retailings, also den Verkauf über diverse Absatzkanäle, gab es damals noch kaum. Vor allem das Online-Geschäft hat sich erst seither entwickelt. Wir hatten damals zwar eine Website, aber wir haben dort keinerlei E-Commerce betrieben, es war nur ein Kommunikationskanal. Wir waren auch noch wesentlich kleiner. Und Schlecker – inzwischen vom Markt verschwunden – war damals noch ein einflussreicher, großer Marktteilnehmer. Wir hatten weniger Märkte, viel weniger Umsatz und waren in weniger Ländern präsent. Dadurch war die Komplexität der Organisation deutlich geringer. Also: Wir waren ein anderes Unternehmen. Trotzdem aber gelten die Grundsätze, die mein Vater geprägt hat, größtenteils bis heute. Sie sind lebendig, finden teilweise aber vor dem Hintergrund der Anforderungen der Zeit neue Ausdrucksweisen. Wäre Ihr Vater stolz, dass viele seiner Regeln noch nicht über den Haufen geworfen wurden? Oder würde er kritisieren, dass dm heute nicht innovativ genug sei? ? Mein Vater hat Grundsätze geprägt, damit sie möglichst lange Orientierung geben. Aber er wollte auch, dass sie ständig überprüft und, wenn nötig, verändert werden. Ich denke, das tun wir. »Kontinuität und Kreativität« nannte er das Prinzip. ? Ja, das war einer dieser Grundsätze. Kontinuität war ihm wichtig. Zum Beispiel, dass das Unternehmen immer auch von den Kunden als dm erkannt und als verlässlich erlebt wird. Oder Kontinuität bei den Prozessen, damit sie dann auch funktionieren. Wichtig war ihm aber eben auch die Kreativität. Dass man also immer nach Wegen sucht, Dinge besser zu machen. Deswegen hat er mitunter Schritte unternommen, die so groß waren, dass sie andere Menschen irritiert oder sogar verstört haben. Ich war bei der Gedenkfeier für Ihren Vater. Da haben Sie gesagt, er habe sich vom Querkopf über den Querdenker zum Vordenker entwickelt. ? Diese Entwicklung war wirklich etwas, das ihn ausgezeichnet hat. Dem Querkopf Götz Werner ging es darum, die Dinge anders zu machen als bislang üblich. Er spürte, dass es auch anders gehen würde, und er hat sich deshalb gegen Etabliertes aufgelehnt. Als Querdenker (im ursprünglichen Sinne!) ist es ihm dann gelungen, Impulse für Perspektivenwechsel zu geben, um andere Lösungen als die bisher bekannten denken zu können. Und schließlich übernahm er die Rolle des Vordenkers, der nicht nur das Bestehende umdenkt, sondern aus der Zukunft, vom Ende her denkt und neue Wege weist. Aus diesen Worten spricht Bewunderung. ? Ich finde es großartig, wenn es im Leben gelingt, aus kleinen Anfängen heraus sich immer größere Wirkfelder zu erschließen. Und das ohne Verbissenheit. Mein Vater hat das alles nicht erzwungen. Es ist auf ihn zugekommen. Zum Beispiel hat er im letzten Drittel seines Lebens unglaublich viele Vorträge gehalten. Es kamen einfach so viele Menschen auf ihn zu mit dem Wunsch, dass er einen Vortrag halte. »Auszeichnungen werden schnell zu einem süßen Gift.« Posthume Aufnahme von Götz Werner in die »Hall of Fame der Familienunternehmer« mit Handelsblatt-Chefredakteur Sebastian Matthes (links) und Christoph Werner Warum dieses Interesse an ihm? Wie erklären Sie sich das? ? Ich glaube, er hat Menschen auf eine Art und Weise angesprochen, die Hoffnung und Zuversicht auslöst hat. Es gibt ja zweifellos auch viele Schattenseiten in der Wirtschaft. Die Wirtschaft wird deshalb oft als bedrohlich erlebt, als ein menschenfeindliches System. Mein Vater hat dm transformiert von einem Aldi für Drogeriewaren hin zu einem Unternehmen, das aus meiner Sicht sehr zu Recht den Slogan hat: »Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein.« Diese starke Leistung der Arbeitsgemeinschaft dm und dieses zugewandte Wesen meines Vaters, das hat die Menschen in ihrer Zuversicht bestärkt. Ich würde sogar sagen: Es hat sie berührt. Was war das für ein Mensch, der hinter dieser Leistung und auch hinter dieser Botschaft steckte? ? Er war ein Mensch, der das faustische Prinzip für sich realisiert hat. Er hat es wirklich gelebt. Also das rastlose Streben nach neuer Erkenntnis, die ständige Suche als Ziel. ? Es war gar nicht so, dass er diesem Prinzip unbedingt gerecht werden wollte. Es war einfach in ihm veranlagt. Er hat nie aufgehört, Dinge infrage zu stellen, nach dem Besseren zu suchen. Das kam vielleicht auch durch seine Kindheit, seinen Werdegang. Inwiefern? ? Mein Vater wurde in eine Ehe geboren, die zerbrochen ist, als er noch ein Kind war. Dies zu einer Zeit, als eine Scheidung noch ein Makel war. Als Kind hatte er es somit nicht leicht. Es gibt nun zwei Möglichkeiten, wenn Sie in Widerstände hineingeboren werden: Entweder Sie verlässt der Mut oder Sie entwickeln Willenskräfte, um damit klarzukommen. Mein Vater bezog seine Kraft aus der festen Überzeugung, dass es immer Wege gibt und dass die Suche danach nie aufhören darf. Ihr Großvater war Drogist. Hat der kleine Götz davon geträumt, Drogist zu werden? Oder doch eher Feuerwehrmann? ? Ursprünglich wollte er Kapitän auf dem Neckar werden, denn die Schiffe, die durch Heidelberg fuhren, haben ihn fasziniert. Später aber hatte er dann tatsächlich den Berufswunsch Drogist. Er hat als Kind in der elterlichen Drogerie schon viel mitgearbeitet. Er hat sich dort ein zusätzliches Taschengeld verdient, mit dem er seine elektrische Eisenbahn weiter ausbauen konnte. Und so ging er dann also, in Abstimmung mit seinem Vater, ganz bewusst den Weg in Richtung Drogist. Er hat kein Abitur gemacht, sondern ging auf die Handelsschule und hat dann eine Drogistenausbildung bei einer befreundeten Drogerie in Konstanz gemacht. Wenn jemand stirbt, dann befasst man sich oft noch einmal mit seinem Leben, geht vielleicht alte Briefe oder Fotos durch. Sie haben das auch getan, auch für die Vorbereitung der Gedenkfeier. Was haben Sie dabei über Ihren Vater...


Reimer, Hauke
Hauke Reimer ist Vize-Chefredakteur der WirtschaftsWoche. Der unter anderem mit dem Helmut-Schmidt-Journalistenpreis ausgezeichnete Wirtschaftsjournalist arbeitete vor seinem Wechsel zu dem Düsseldorfer Magazin als Finanzmarktkorrespondent der Nachrichtenagentur vwd in Frankfurt. 1997 übernahm der studierte Volkswirt die Federführung des WirtschaftsWoche-Finanzressorts, das er bis heute leitet.

Seiwert, Martin
Martin Seiwert hat die Buchreihe Mein Leben, meine Firma, meine Strategie entwickelt und ist der redaktionelle Leiter. Der Redakteur der WirtschaftsWoche hat sich auf die Berichterstattung über Unternehmen spezialisiert. Als Leiter des New Yorker WirtschaftsWoche-Büros verantwortete er die Wirtschafts- und Politikberichterstattung aus den USA. Seiwert wurde als Journalist des Jahres, mit dem Herbert-Quandt-Medienpreis sowie mit Nominierungen für den Nannen-Preis und den Deutschen Journalistenpreis ausgezeichnet. Er ist Autor der Bücher „Die Mitte von Nirgendwo“, „Reinhold Würth – Mein Leben, meine Firma, meine Strategie“ und „Claus Hipp – Mein Leben, meine Firma, meine Strategie.“

Hauke Reimer ist Vize-Chefredakteur der WirtschaftsWoche. Der unter anderem mit dem Helmut-Schmidt-Journalistenpreis ausgezeichnete Wirtschaftsjournalist arbeitete vor seinem Wechsel zu dem Düsseldorfer Magazin als Finanzmarktkorrespondent der Nachrichtenagentur vwd in Frankfurt. 1997 übernahm der studierte Volkswirt die Federführung des WirtschaftsWoche-Finanzressorts, das er bis heute leitet.

Martin Seiwert hat die Buchreihe "Mein Leben, meine Firma, meine Strategie" entwickelt und ist der redaktionelle Leiter. Der Redakteur der WirtschaftsWoche hat sich auf die Berichterstattung über Unternehmen spezialisiert. Als Leiter des New Yorker WirtschaftsWoche-Büros verantwortete er die Wirtschafts- und Politikberichterstattung aus den USA. Seiwert wurde als Journalist des Jahres, mit dem Herbert-Quandt-Medienpreis sowie mit Nominierungen für den Nannen-Preis und den Deutschen Journalistenpreis ausgezeichnet. Er ist Autor der Bücher "Die Mitte von Nirgendwo", "Reinhold Würth – Mein Leben, meine Firma, meine Strategie" und "Claus Hipp – Mein Leben, meine Firma, meine Strategie."


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