Seifried / Drewes / Hasselhorn | Handbuch Schulpsychologie | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 435 Seiten

Seifried / Drewes / Hasselhorn Handbuch Schulpsychologie

Psychologie für die Schule
3. überarbeitete Auflage 2021
ISBN: 978-3-17-039788-0
Verlag: Kohlhammer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Psychologie für die Schule

E-Book, Deutsch, 435 Seiten

ISBN: 978-3-17-039788-0
Verlag: Kohlhammer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das Handbuch Schulpsychologie bietet einen aktuellen Überblick über die Schulpsychologie in ihren wichtigsten Arbeitsfeldern und über das psychologische Wissen für die pädagogische Arbeit in Schulen. Erfahrene Autorinnen und Autoren aus der schulpsychologischen Praxis sowie der Pädagogischen und Klinischen Psychologie spannen einen Bogen von den wissenschaftlichen Grundlagen und Methoden über die Bedingungen erfolgreichen Lehrens und Lernens bis hin zur Begabungsförderung, Inklusion, Förderung bei Lese-Rechtschreib- und Rechenschwäche, Klassenführung, Schuldistanz, Gewaltprävention und Krisenintervention, Supervision und Qualitätsmanagement. Neben den Grundlagen der Schulpsychologie stehen die Lernbedingungen einzelner Schülerinnen und Schüler sowie psychologisches Wissen für Lehrkräfte und Schulen im Fokus.

Klaus Seifried, Dipl.-Psych., ist Lehrer, Psychologischer Psychotherapeut und Schulpsychologiedirektor i. R., freiberuflich tätig in Berlin. Stefan Drewes, Dipl.-Psych., ist Leiter des LVR-Zentrums für Medien und Bildung in Düsseldorf. Marcus Hasselhorn, Prof. Dr., ist Direktor am DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation in Frankfurt am Main. Mit Beiträgen von: Klaus Seifried, Stefan Drewes, Marcus Hasselhorn, Meltem Avci-Werning, Ulrike Becker, Christian Böhm, Gerhard Büttner, Anna-Theresia Decker, Jasmin Decristan, Holger Domsch, Hanna Dumont, Marcus Eckert, Christian Fischer, Andreas Fischer, Christiane Fischer-Ontrup, Jürg Forster, Natalie Förster, Boris Forthmann, Jan Frederichs, Letizia Gauck, Caterina Gawrilow, Andreas Gold, Norbert Grewe, Alexander Grob, Dietmanr Grube, Alexa Hagen von, Priska Hagmann-von Arx, Helen Hertzsch, Emely Hoch, Manfred Holodynski, Christian Huber, Anne Huber, Stephan Jeck, Robin Junker, Peer Kaeding, Ursula Kessels, Olga Kunina-Habenicht, Mareike Kunter, Judith Lanphen, Christiane Loßnitzer, Claudia Mähler, Tomasz Moschko, Bettina Müller, Marion Müller-Staske, Anja Niebuhr, Katrin Rakoczy, Gabie Ricken, Heinrich Ricking, Uwe Schaarschmidt, Claudia Schedlich, Katharina Scheiter, Johanna Schmid, Kirsten Schuchardt, Bernhard Sieland, Elmar Souvignier, Hannah Streck, Gunnar Wiedenbauer und Nina Zeuch.
Seifried / Drewes / Hasselhorn Handbuch Schulpsychologie jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


2          Wissenschaftliches Selbstverständnis schulpsychologischen Handelns


Marcus Hasselhorn, Stefan Drewes und Klaus Seifried


2.1   Einleitung

2.2   Grundlage: Theorien und Befunde der wissenschaftlichen Psychologie

2.3   Herausforderung: Handeln unter Unsicherheit bei hohem Handlungsdruck

2.4   Umsetzung: Hypothetisch-deduktives Denken

2.5   Ausblick

Literatur

2.1       Einleitung


Schulpsychologie ist »angewandte Psychologie für die Schule« (BDP, 2018, S. 3) und basiert als solche auf den Erkenntnissen der akademischen Psychologie. Sie bedient sich der Theorien, Befunde und Methodologie der gesamten Psychologie. Insbesondere die Klinische Psychologie, die Pädagogische Psychologie und die Entwicklungspsychologie spielen als zentrale Bezugsdisziplinen eine große Rolle. Zudem greift sie auf die Theorien, Befunde und Werkzeuge der psychologischen Diagnostik, Sozialpsychologie, Arbeits- und Organisationspsychologie und anderer psychologischer Teildisziplinen zurück.

Wissenschaftliche Forschungsergebnisse bilden die Handlungsgrundlage praktisch arbeitender Schulpsychologinnen und Schulpsychologen. Wie aber gelingt es, dass wissenschaftliche Forschungsergebnisse angemessen und erfolgreich in der Praxis genutzt werden? Hierfür müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt sein. So muss entsprechend relevante Forschung vorliegen, die systematisch aufbereitet und hinreichend verständlich verfügbar gemacht worden ist. Auch müssen praktisch tätige Schulpsychologen und Schulpsychologinnen diese wissenschaftlichen Befunde kritisch reflektieren und hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit und Nützlichkeit bewerten. Um das angemessen und erfolgreich zu leisten, bedarf es solider Kenntnisse forschungsmethodologischer Grundlagen ebenso wie der Befähigung zur kritischen Reflexion wissenschaftlicher Forschungsbefunde. Psychologische Forschung ist dann besonders nützlich, wenn sie zielgerichtet auf die Fragestellungen und Handlungsbedarfe der Schulpsychologie ausgerichtet ist, oder wenn sie schulpsychologische Beratungs- und Interventionsinstrumente evaluiert. Die Einrichtung schulpsychologischer Kompetenzzentren an den Universitäten in Tübingen und Frankfurt lassen vermuten, dass zukünftig vermehrt für die Schulpsychologie nützliche psychologische Forschung stattfindet.

Obwohl schon jetzt viele nützliche Theorien und Befunde in der wissenschaftlichen Psychologie vorliegen und die praktisch tätigen Schulpsychologinnen und Schulpsychologen über hinreichende forschungsmethodologische Kenntnisse verfügen und zur kritischen Reflexion wissenschaftlicher Forschungsbefunde befähigt sind, stehen sie in der Praxis immer wieder neu vor der Herausforderung, dass die Probleme, zu deren Lösung sie beitragen sollen, oftmals diffus, widersprüchlich, komplex und zumindest uneindeutig sind. Die Folge ist, dass das alltägliche schulpsychologische Handeln immer wieder unter großer Unsicherheit erfolgt und subjektiv als Theorie-Praxis-Dilemma wahrgenommen wird. Diese Unsicherheit ist ein inhärenter Bestandteil des beruflichen Handlungsspektrums in der Schulpsychologie, da die schulpsychologische Expertise immer dann angefragt wird, wenn im Bereich des Erlebens und Verhaltens von Schülern und Schülerinnen oder aber in der Interaktion zwischen diesen und Lehrkräften Probleme auftreten, die sich nicht durch pädagogisch bewährte Maßnahmen haben lösen lassen und bei denen die beteiligten Schulverantwortlichen unter Handlungsdruck (oftmals auch unter Leidensdruck) stehen. Expertinnen und Experten der Schulpsychologie werden dann bei Krisen und Problemlagen einbezogen, wenn Standardlösungen nicht erfolgreich waren und bei den Verantwortlichen in der Schule große Unsicherheit herrscht.

Ein solcher Dauerzustand ist ein objektiver Belastungsfaktor für die Ausübung des Berufs einer Schulpsychologin bzw. eines Schulpsychologen, und damit ist das Risiko erhöht, sich permanent gestresst und überfordert zu fühlen. So verwundert es auch nicht, dass in verschiedenen Befragungen von praktisch tätigen Psychologinnen und Psychologen in den letzten Jahren auf das Theorie-Praxis-Dilemma hingewiesen und zum Ausdruck gebracht wurde, dass man weite Teile der Studieninhalte nicht für den beruflichen Alltag gebrauchen könne (z. B. Schneider & Roebers, 2000; Frensch, 2013; Hasselhorn, 2009). Oftmals führt das zu Debatten, ob überhaupt ein Vollstudium in Psychologie die bestmögliche Grundausbildung für eine eigenverantwortliche Tätigkeit in der Schulpsychologie sei. Wir sind der Überzeugung, dass eine solide psychologische Vollausbildung notwendige Voraussetzung ist, um die psychologische Expertise zu sichern, die maximal erfolgreiche Lösungen bei Problemen in der Schule und rund um das Thema Schule zu finden verspricht. Dazu wird ein wissenschaftliches Selbstverständnis schulpsychologischen Handelns skizziert, das seine Grundlage in den Theorien und Befunden der wissenschaftlichen Psychologie hat, die von Schulpsychologinnen und Schulpsychologen durch ihr im Studium geschultes Vermögen zum hypothetisch-deduktiven Denken reflektiert und für die Suche und Entwicklung von Problemlösungen im schulpsychologischen Alltag genutzt werden (können). Allerdings sollte der breit qualifizierende Masterabschluss in Psychologie ergänzt werden durch spezielle Weiterbildungen, die gezielt auf das Arbeitsfeld der Schulpsychologie vorbereiten.1

2.2       Grundlage: Theorien und Befunde der wissenschaftlichen Psychologie


Vor mehr als 100 Jahren hat der große Hamburger Psychologe William Stern den Terminus »Angewandte Psychologie« als Sammelbegriff für die praktische Anwendung psychologischer Erkenntnisse eingeführt ( Kap. I-1). Der gleiche William Stern war es auch, der im Rahmen eines Jugendkongresses 1911 die Einsetzung von Schulpsychologen forderte – eine Forderung, die in den Reihen der Schulverantwortlichen und der Lehrerschaft noch jahrelang auf heftigen Widerstand stieß. In der Forschung hat William Stern 1911 mit seinem Buch Differenzielle Psychologie die Teildisziplin der Differenziellen und Persönlichkeitspsychologie begründet. Lange Zeit kannte die Forschungsdisziplin Psychologie daraufhin nur den Unterschied zwischen einer Allgemeinen Psychologie und einer Differenziellen Psychologie. Während erstere sich mit der Beschreibung und der für alle Menschen geltenden Erklärung des Verhaltens und Erlebens beschäftigte, war letztere an der Beschreibung und Erklärung systematischer interindividueller Unterschiede zwischen Menschen interessiert. Heute ist das Spektrum der auch für die Schulpsychologie relevanten Teildisziplinen der Psychologie ungleich breiter. Neben der Allgemeinen Psychologie der Wahrnehmung, des Lernens, des Denkens, der Motivation, der Emotionen und des Handelns spielen gerade für das Handlungsfeld der Schulpsychologie auch die Entwicklungspsychologie und die Sozialpsychologie eine große Rolle. Hinzu kommt die anwendungsorientierte Subdisziplin der Diagnostik, die Instrumente zur Verfügung stellt, um die interindividuellen Unterschiede zwischen Menschen in ihrem Erleben und Verhalten objektiv, reliabel und valide erfassen zu können. Aber auch die Anwendungsdisziplinen der Klinischen Psychologie, der Arbeits- und Organisationspsychologie und insbesondere der Pädagogischen Psychologie haben viele Theorien, Konzepte und Ansätze erarbeitet, die zur Grundlegung schulpsychologischen Handelns gut geeignet sind.

In allen diesen Teildisziplinen werden Phänomene des menschlichen Erlebens und Verhaltens beschrieben und mit Hilfe von Theorien zu erklären versucht. Der wissenschaftliche Wert einer psychologischen Theorie bemisst sich daher über deren Erklärungswert. Dieser wiederum hängt ab von der Kohärenz und Eindeutigkeit der in der Theorie formulierten Zusammenhänge sowie vom Grad der empirischen Bewährung von Vorhersagen, die man aus der Theorie ableiten kann. Um Letzteres beurteilen zu können, ist eine gründliche methodische Ausbildung zu den Forschungsgrundlagen der Psychologie ( Kap. I-3) erforderlich.

Aus der Perspektive der angewandten Psychologie ist ein hoher Erklärungswert allerdings nur die notwendige Bedingung dafür, dass die entsprechende Theorie eine geeignete Grundlage für professionell erfolgreiches Handeln ist. Hinzu kommt als zweites Kriterium die Nützlichkeit der Theorie. Erklärungsstarke psychologische Theorien unterscheiden sich im Grad ihrer Nützlichkeit für praktisches Handeln. So können beispielsweise zwei bewährte und erklärungskräftige Theorien über die Mechanismen, die bei Teilleistungsstörungen verantwortlich sind, für die Diagnostik...


Klaus Seifried, Dipl.-Psych., ist Lehrer, Psychologischer Psychotherapeut und Schulpsychologiedirektor i. R., freiberuflich tätig in Berlin.
Stefan Drewes, Dipl.-Psych., ist Leiter des LVR-Zentrums für Medien und Bildung in Düsseldorf.
Marcus Hasselhorn, Prof. Dr., ist Direktor am DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation in Frankfurt am Main.

Mit Beiträgen von:
Klaus Seifried, Stefan Drewes, Marcus Hasselhorn, Meltem Avci-Werning, Ulrike Becker, Christian Böhm, Gerhard Büttner, Anna-Theresia Decker, Jasmin Decristan, Holger Domsch, Hanna Dumont, Marcus Eckert, Christian Fischer, Andreas Fischer, Christiane Fischer-Ontrup, Jürg Forster, Natalie Förster, Boris Forthmann, Jan Frederichs, Letizia Gauck, Caterina Gawrilow, Andreas Gold, Norbert Grewe, Alexander Grob, Dietmanr Grube, Alexa Hagen von, Priska Hagmann-von Arx, Helen Hertzsch, Emely Hoch, Manfred Holodynski, Christian Huber, Anne Huber, Stephan Jeck, Robin Junker, Peer Kaeding, Ursula Kessels, Olga Kunina-Habenicht, Mareike Kunter, Judith Lanphen, Christiane Loßnitzer, Claudia Mähler, Tomasz Moschko, Bettina Müller, Marion Müller-Staske, Anja Niebuhr, Katrin Rakoczy, Gabie Ricken, Heinrich Ricking, Uwe Schaarschmidt, Claudia Schedlich, Katharina Scheiter, Johanna Schmid, Kirsten Schuchardt, Bernhard Sieland, Elmar Souvignier, Hannah Streck, Gunnar Wiedenbauer und Nina Zeuch.



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.