Wie du dich nachhaltig und umweltbewusst ernährst – Theorie- und Kochbuch mit 60 leckeren, klimafreundlichen Rezepten: regional, saisonal, biologisch, gesund, vegetarisch und vegan
E-Book, Deutsch, 240 Seiten
ISBN: 978-3-7453-1176-1
Verlag: riva
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Umweltaktivist Christoph Schulz und der Ernährungsspezialist Julian Hölzer haben sich mit dieser Frage befasst und zeigen in ihrem Buch, wie man mit nachhaltiger Ernährung zum Klimaschutz beitragen kann. Sie gehen dabei auf die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen unseres Konsumverhaltens ein und demonstrieren, wie zukunftsfreundliche Ernährung für Mensch und Umwelt im Alltag funktioniert – vor allem durch weniger Fleisch und Milchprodukte und mehr regionale Erzeugnisse. Wertvolle Einkaufstipps und 60 leckere Rezepte regen zum nachhaltigen Kochen an.
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Bewusst
Wer Gleichgültigkeit fördert, vernichtet Nachhaltigkeit. Deshalb ist es so wichtig, Dinge zu hinterfragen und nicht alles als selbstverständlich zu betrachten. Nur weil man etwas tut, wie man es schon immer getan hat, heißt das nicht, dass es gut ist. Nur weil etwas Arbeitsplätze schafft, heißt das nicht, dass es sich um eine gute Sache handelt. Nur weil eine bekannte Fast-Food-Kette ihr Logo plötzlich grün gestaltet, heißt das nicht, dass sie nachhaltig vorgeht. Nur weil die Produktverpackung eine Kuh auf einer grünen Wiese ziert, heißt das nicht, dass Tiere in der Produktion ein gutes Leben haben. Und so weiter. Wer jeden Tag umweltfreundlicher kochen will, muss deshalb etwas genauer hinsehen, vorausschauen und mitdenken – und sich der Folgen des eigenen Handelns bewusst sein. Achte zum Beispiel darauf, dass für deine Mahlzeiten keine Tiere leiden müssen. Dass dein Obst und Gemüse möglichst unter geringem Wasserverbrauch im Freiland und nicht im energieintensiven Gewächshaus produziert wurde. Bevorzuge kurze Transportwege und saisonale Verfügbarkeit und achte ganz bewusst auf Müllvermeidung, bevor deine Lebensmittel den Weg in deinen Einkaufswagen finden. Um dir den Verpackungsmüll für einen To-go-Snack in der nächsten Mittagspause zu sparen, kannst du zum Beispiel am Vorabend etwas mehr kochen. Ab in die Lunchbox damit und fertig! Qualität spielt ebenfalls eine große Rolle: Esse weniger, aber dafür besser! Sowohl deine Gesundheit als auch alle landwirtschaftlichen Ökobetriebe werden es dir danken. Qualität hat ihren Preis, das ist klar. Doch langfristig sparst du dir durch diese Art zu leben eine ganze Stange Geld. Du konsumierst bewusster und kaufst nur Dinge, die du wirklich brauchst. Unnötig viel Geld kostet auch die Lebensmittelverschwendung, die unbedingt vermieden werden sollte: Sie ist ein sinnbildliches Problem unserer Gesellschaft. Eine durchdachte Einkaufsplanung und die richtige Lagerung sorgen dafür, dass sich Lebensmittel wie Fleisch, Bananen oder Brokkoli möglichst lange halten und, so gut es geht, verwertet werden. Schließlich soll sich der gesamte Aufwand des Herstellungsprozesses am Ende ja auch auszahlen. Damit schon im Supermarkt weniger Lebensmittel aussortiert werden und in der Tonne landen, kannst du bewusst zu krummen Karotten, deformierten Datteln oder braunen Bananen greifen. Keine Sorge, im Kapitel über »Lebensmittel« (siehe S. 66) bekommst du eine ganze Palette an Tipps und Tricks, um dir deine Lebensmittel möglichst umweltfreundlich zu besorgen und aufzubewahren. Bewusst heißt in Bezug auf Ernährung auch, dass du überzeugt von deiner Einstellung bist und dich nicht von deinem alten Umfeld und alten Gewohnheiten hinreißen lässt. Stattdessen hast du regelmäßig die Chance, auch andere von einer klimafreundlichen Ernährungsweise zu überzeugen. Natürlich solltest du nicht plump jedem aufs Auge drücken, dass du dich jetzt pflanzlich ernährst oder kein Fleisch mehr isst. Doch spätestens am Esstisch, wenn Fragen gestellt werden, kannst du ihnen deinen Standpunkt kurz und knackig erläutern. Uns allen sollte einfach bewusst sein, dass wir nicht unsere vertrauten Mahlzeiten UND den vertrauten Planeten behalten können. Doch schon durch die kleinsten mutigen Veränderungen im Alltag kann jeder dazu beitragen, dass aus neuen Gerichten im Laufe der Wochen plötzlich vertraute Mahlzeiten werden. Vielleicht fühlt es sich erst einmal wie ein Verzicht an, doch am Ende tauschen wir nur Gewohntes gegen Neues aus, das schließlich selbst zu etwas Gewohntem wird. Aus der »Ich darf nicht«-Einstellung sollte eine »Ich will nicht«-Einstellung werden, damit du deine Ernährung positiv verändern kannst. So schaffst du eine bessere Welt für alle Lebewesen auf der Erde – für dich selbst, für deine Kinder und Enkelkinder, für Tiere und Pflanzen. Die Symbiose der wichtigsten Grundgedanken: Nun wissen wir viel über die einzelnen Denkansätze der nachhaltigen Ernährung. Wir sind dir aber noch ein schönes Beispiel schuldig, das sie alle miteinander kombiniert. Die Uni Gießen hat uns eine Steilvorlage geliefert139, die wir dir nicht vorenthalten möchten: Produktionsart CO2 in Gramm pro Kilogramm Lebensmittel Konventioneller Anbau im heimischen beheizten Gewächshaus außerhalb der Saison 9.300 Ökologischer Anbau im heimischen beheizten Gewächshaus außerhalb der Saison 9.200 Flugware von den Kanaren 7.200 Konventioneller Anbau in der Region während der Saison im nicht beheizten Gewächshaus 2.300 Freiland-Tomaten aus Spanien 600 Konventioneller Anbau in der Region während der Saison 85 Ökologischer Anbau in der Region während der Saison 35 Klischees abfrühstücken »Eine biologische und nachhaltige Ernährungsweise ist viel zu teuer!« Ist sie das wirklich? Oder glaubst du das nur, weil die Bio-Gurke üblicherweise etwas mehr kostet als die industriell produzierte? Hochwertige und gesunde Lebensmittel haben aber natürlich grundsätzlich ihren Preis, das stimmt. Schließlich müssen sie fair und umweltfreundlich hergestellt werden. Auch Billigprodukte sind also teurer, als sie scheinen, die Kosten werden nur von unserer Umwelt und deiner Gesundheit getragen. Pflanzliche Grundnahrungsmittel wie Haferflocken, Hülsenfrüchte, Pasta, Obst und Gemüse bekommst du zu wirklich erschwinglichen Preisen. Wenn du aus deiner persönlichen Einstellung heraus nachhaltig lebst, sparst du außerdem auch in anderen Bereichen deines Lebens sehr viel Geld ein: zum Beispiel beim Strom-und Wasserverbrauch, bei der langfristigen Benutzung deines Smartphones oder bei der Bevorzugung von Mehrweg- anstelle von Einwegprodukten. »Für Soja werden die Wälder abgeholzt?
Soja essen doch fast nur die Veganer!« Soja ist tatsächlich eine der Pflanzen, die von Veganern bevorzugt wird, weil sie viele Proteine liefert. Und es stimmt auch, dass für den Sojaanbau große Flächen des Regenwalds gerodet werden. Allerdings enden etwa 80 Prozent der weltweiten Sojaernte als geschrotetes Futtermittel in der industriellen Tierfutterproduktion.140 Keiner der gängigen Produzenten von Tofu, Sojamilch und anderen Sojaprodukten in Deutschland, Österreich und der Schweiz bezieht Soja aus Gebieten des Regenwalds.141 Genverändertes Soja ist in Deutschland nicht einmal als Lebensmittel für Endverbraucher zugelassen – als Tierfutter allerdings schon. Die Abholzung der Wälder ist daher zum größten Teil auf den Konsum tierischer Produkte zurückzuführen. Und wenn sich alle Menschen vegan ernähren würden, würde sich der Sojabedarf im Gleichschritt mit dem Tierfutterbedarf sogar drastisch verringern. »Ohne tierische Lebensmittel fehlt es dir an Nährstoffen – du bekommst zum Beispiel einen Proteinmangel.« Es ist ein klassischer Irrtum, zu glauben, dass eine rein pflanzliche Ernährung unseren Proteinbedarf nicht abdecken kann. Auch Kühe und Schweine erhalten ihre Proteine aus Futterpflanzen wie Sojaschrot. In vielen pflanzlichen Lebensmitteln stecken sogar noch mehr Proteine als in Fleisch. So sind beispielsweise Hülsenfrüchte, Sojabohnen, Seitan, Erdnüsse, Kürbiskerne und Vollkornprodukte reich an Proteinen. Auch Brokkoli oder Champignons haben einen hohen Proteinanteil, gemessen an ihren Kalorien. Wenn du dich ausgewogen pflanzlich ernährst, musst du dir keine Sorgen über einen Nährstoffmangel machen. Mit einer Ausnahme: Vitamin B12. Es existiert im Boden, doch durch die aufwendige Verarbeitung von Lebensmitteln geht es verloren. Auch wenn die empfohlene Tagesdosis verschwindend gering ist, sollten Veganer sicherheitshalber mit einem Nahrungsergänzungsmittel nachhelfen. Fleischesser supplementieren Vitamin B12 auch, allerdings indirekt. Denn es wird im Futter von Nutztieren wie Kühen oder Schweinen ergänzt, wodurch auch ihr Fleisch das wertvolle Vitamin B12 enthält. »Wer sich pflanzlich ernährt kann doch fast nichts mehr essen.
Das geht doch alles gar nicht.« Lasse dich nicht von deinem ersten Eindruck beirren, sondern betrachte die Umstellung auf eine pflanzliche Ernährung eher als einen Schritt-für-Schritt-Prozess und nicht als Hauruck-Aktion. Die vegane Ernährung öffnet dir eine Tür in eine noch vielfältigere Küche, in der du auch weiterhin Pizza, Schnitzel und all die anderen leckeren Dinge essen kannst, die...