Die Ringe des Saturn
E-Book, Deutsch, 404 Seiten
ISBN: 978-3-7494-1699-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Helmut Schröder, Jahrgang 1949, studierte Elektrotechnik und Physik in Berlin. Er hat viele Jahre als Hard- und Softwareentwickler gearbeitet. Jetzt ist er Rentner und kann sich mit ernsthaften Dingen beschäftigen, wie das Schreiben von fantastischen Geschichten. Wenn er nicht schreibt, beschäftigt er sich mit Mehrkörperproblemen und Differentialgleichungen oder schreibt Software.
Autoren/Hrsg.
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Mitstreiter Lutz konnte nicht alles alleine machen. Wenn er mit Lehmann und den anderen handelseinig wurde, kam eine Menge Arbeit auf ihn zu. Die Pläne für Flugzeuge und Raketen mussten um gezeichnet und überarbeitet werden. Lutz brauchte zuverlässige Leute, die ihn unterstützten, zum Beispiel einen Softwerker, der die Programme für die hier verwendeten Computer umschrieb und neu kompilierte. Felix war ein guter Programmierer, früher hatte er viel für die freie Software entwickelt und war aktiv im KDE2-Projekt tätig. Vielleicht könnte er wenigstens die CAD-Programme so anpassen, das sie auf einem PC laufen. Auch ein Flugzeugkonstrukteur war unbedingt notwendig, ebenso wie ein Fachmann für die Hochleistungstriebwerke der Trägerflugzeuge. Lutz nippte gedankenverloren an seinem Kaffee. Er erinnerte sich, auf einer Feier bei seinem Kollegen Frank mit ein paar Leuten über die Geheimprojekte der Wehrmacht gesprochen zu haben. Darunter war auch eine Flugzeugkonstrukteurin gewesen, wenn Lutz sich richtig erinnerte. Sie hatte sich bitterböse darüber beklagt, dass sie als Frau in der Branche keine richtige Stelle bekomme, sondern nur als bessere technische Zeichnerin eingesetzt werde. Lutz rief seinen Kollegen Frank an, um ihn nach der Telefonnummer zu fragen, anschließend rief er die Frau an. „Hallo, Susanne? Ich bin Lutz Bachmann, wir haben uns vor einiger Zeit bei Frank Wächter kennengelernt und uns über Geheimwaffen des Dritten Reichs unterhalten, kannst du dich erinnern? Nicht? Spielt auch keine Rolle. Du sagtest damals, dass du Flugzeugkonstrukteurin bist und keinen vernünftigen Job bekommst, weil alle nur Männern so etwas zutrauen. Bist du zurzeit in Lohn und Brot? Eine Halbtagsstelle, aha. Ich würde mich gerne mit dir über ein Projekt unterhalten. Hättest du Interesse? Es geht um ein Flugzeugdesign, ein eigener Entwurf. Na klar sollten wir uns treffen, wann kannst du denn? Heute Abend ist klasse. Was hältst du von dem irischen Pub im Einkaufszentrum? Prima, dann bis heute Abend. Tschüs.“ Lutz suchte in seinem Datenberg nach Zeichnungen von den Flugzeugen. Fotos konnte er nicht mitnehmen, das würde viele Fragen aufwerfen. Er druckte zwei Entwürfe aus. Der eine zeigte ein zweimotoriges Kampfflugzeug mit Propeller, das andere Bild zeigte das Trägerflugzeug für die Raumfähre. Lutz überlegte, ob er die Hoheitszeichen entfernen sollte, denn auf den Bildern war natürlich das Balkenkreuz der Wehrmacht zu sehen. Er ließ es so. Wenn sie danach fragte, dann war es eben eine Marotte des Konstrukteurs. Schließlich stellte er die Leistungsdaten des Flugzeugs zusammen, die er gemeinsam mit einer anderen Grafik ausdruckte. Susanne war noch nicht da. Er setzte sich an einen kleinen Tisch und bestellte sich ein Kilkenny. Hoffentlich würde er sie wiedererkennen! Lutz bemerkte nach einer Weile eine Frau, die sich unsicher umschaute. „Susanne!“, rief er. Sie drehte sich um und kam auf ihn zu. „Lutz?“ „Ja, setz dich.“ Sie nahm Platz und bestellte sich ein Guinness. „Du sagtest, du hast einen eigenen Flugzeugentwurf? Ich wusste gar nicht, dass du auch Flugzeuge entwirfst. Wie kann ich dir dabei helfen?“, fragte sie ihn, nach dem sie einen kräftigen Schluck Guinness getrunken hatte. „Die Sachlage ist ein wenig kompliziert, aber darauf möchte ich im Moment nicht näher eingehen. Ich habe mehrere Flugzeugentwürfe, die ich realisieren möchte. Dazu brauche ich einen zuverlässigen Konstrukteur ? oder eine Konstrukteurin. Ich werde demnächst das Institut verlassen, in dem ich mit Frank zusammen arbeite, und eine eigene Firma gründen.“ Sie lachte kurz auf. „Weißt du, was das für eine Arbeit ist und was das für einen Haufen Geld kostet? Der Militärtransporter A400 hat mehr als zwanzig Milliarden gekostet und acht Jahre gedauert. Da brauchst du aber einen guten Mäzen.“ „Ich habe verschiedene Patente beantragt, da wird dann sicher Geld fließen. Übermorgen werde ich die Daten des Flugzeugs einer Flugzeugfirma vorstellen, die diese wiederum der Luftwaffe unterbreitet.“ „Das wird ein Kampfflugzeug?“ „Das eine ja, das andere nicht.“ Sie sah ihn an und schüttelte den Kopf. Lutz griff in seine Tasche. Er gab ihr die Computergrafik des zweimotorigen Kampfflugzeugs und den Ausdruck mit den technischen Daten. „Sieht gut aus“, bemerkte sie anerkennend, „aber ein Turboprop mit den Daten gibt es nicht.“ „Wird es aber bald geben“, entgegnete er. „Die Entwicklung läuft bereits.“ „Das schaffst du nicht. Das Einzige, was du machen kannst, ist, damit bei EADS oder einer anderen Firma vorstellig zu werden. Die Amerikaner haben immer Interesse an ausgefallenen Ideen. Sei mir nicht böse, ich hätte wahnsinnige Lust, bei diesem Projekt mitzumachen, aber ich sehe keine Möglichkeit, das ohne einen wirklich großen Partner durchzuziehen. Wie viele Konstrukteure hast du denn schon?“ Er grinste. „Du bist die Erste.“ Jetzt lachte sie schallend. „Du bist ein Traumtänzer, das funktioniert nicht.“ Lutz wurde wieder ernst. „Doch, es wird funktionieren. Der Entwurf ist komplett fertig, das Flugzeug ist vollständig durchkonstruiert. Man muss es nur noch bauen.“ „Und das hast du gemacht?“ „Nein, aber ich soll die Entwürfe realisieren.“ „Wird der Konstrukteur mit dabei sein?“ „Nein, er lebt nicht mehr.“ Das entsprach zwar nicht der Wahrheit, aber eine andere Erklärung konnte er ihr jetzt nicht geben. Vielleicht später. „Was ist das andere für ein Flugzeug?“ Er reichte ihr die Zeichnung. Sie sah sich die Grafik an und bekam große Augen. „Das ist nicht dein Ernst. Das ist doch der Entwurf für das Projekt Sänger!3 Hast du vielleicht dafür auch schon die Pläne?“ „Ja“, sagte er lächelnd, „alles fertig.“ Sie trank mit einem Zug den Rest ihres Bieres aus und bestellte sich ein neues. Lutz schloss sich an. Während sie auf die Getränke warteten, studierte sie eingehend die Entwürfe. Plötzlich hörte Lutz jemanden seinen Namen rufen. Felix kam an ihren Tisch. „Hey, Lutz, schön, dich hier zu treffen! Ich wollte ein Bier trinken und eine Kleinigkeit essen. Darf ich mich zu euch setzen, oder wollt ihr lieber alleine sein?“ „Setz dich hin, Felix. Das ist eine geschäftliche Besprechung.“ Er stellte Felix und Susanne einander vor. „Programmierst du eigentlich noch?“, fragte er. „Die letzte Zeit nicht, aber das wird demnächst wieder mehr. Ich habe zwei Mitarbeiter, die sind zuverlässig und richtig gut. Da kann ich mir wieder etwas mehr Zeit nehmen.“ Der Kellner brachte das Bier. Felix gab seine Bestellung auf, und Lutz und Susanne bestellten sich ebenfalls etwas zu essen. „Warum fragst du, hast was zu programmieren?“, nahm Felix den Faden wieder auf. „Ich habe ein Konstruktionsprogramm, das müsste für PC angepasst und neu kompiliert werden. Ebenso der Compiler für die Sprache, in der es geschrieben wurde.“ „Also nicht C++, was dann?“ „Es ist eine grafische, objektorientierte Programmiermethode. Man muss nicht mehr kilometerlangen Text schreiben. Ist eine prima Sache.“ Felix überlegte kurz. „Davon habe ich noch nichts gehört. Von welcher Firma ist das?“ „Von mir“, antwortete Lutz. „Und dieses Konstruktionsprogramm, was konstruiert das?“, hakte Felix nach. „Unter anderem Flugzeuge.“ Susanne schaute bei diesen Worten hoch. „Das da?“, fragte Felix und deutete auf die Zeichnungen. „Ja“, sagte Lutz. „Sind das Sachen aus deinem Datenbestand, den du neulich sichern wolltest und aus einem Paralleluniversum mitgebracht hast?“ Susanne schaute wieder hoch als Felix das Wort Paralleluniversum erwähnte. „So ist es“, sagte Lutz. „Paralleluniversum?“, fragte Susanne ungläubig. „Ihr spinnt! Jetzt mal im Ernst, Lutz. Woher hast du die Sachen? Eine komplette Flugzeugkonstruktion stellt einen Milliardenwert dar, das gibt doch keiner einfach weg. Selbst wenn der Hauptkonstrukteur nicht mehr lebt, hat die Firma, die das bezahlt hat, die Finger drauf. Das kannst du nicht einfach für dich verwenden!“ Bevor Lutz antworten konnte, schaltete sich Felix ein. „Was sollst du machen? Bist du auch Informatikerin?“ „Nein, ich bin Flugzeugkonstrukteurin. Lutz fragt mich, ob ich bei der Umsetzung eines Entwurfs mitmachen will, der komplett fertig ist.“ „Cool“, war Felix’ Kommentar. „Und du bist jetzt skeptisch, wo das herkommt.“ „Ja, aber auch die Finanzierung sehe ich nicht.“ „Was hast du eigentlich vor?“, fragte Felix. „Willst du plötzlich Flugzeugbauer werden? Das ist doch eigentlich gar...