Schönthaler | Grafomotorik und Händigkeit | E-Book | sack.de
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E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Schönthaler Grafomotorik und Händigkeit

Ergotherapie bei Kindern

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

ISBN: 978-3-13-243024-2
Verlag: Thieme
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sie haben es in der Hand!
Dieses Buch vermittelt übersichtlich und stringent gegliedert alles Wissenswerte über die Handentwicklung des Kindes. Der Schwerpunkt liegt auf den pädiatrischen Dauerbrenner-Themen Handgeschicklichkeit, Malentwicklung, Grafomotorik von Vorschulkindern und Grundschülern, Händigkeit und Linkshandberatung. Viele Abbildungen und Fallbeispiele erleichtern das Verständnis, Checklisten und Leitfäden geben Ihnen Orientierung.
Die Autoren verknüpfen konsequent Theorie und Praxis und bieten Ergotherapeuten im beruflichen Alltag Sicherheit, Unterstützung und Orientierung.
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Zielgruppe


Medizinische Fachberufe


Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


1 Handgeschicklichkeit und Handfunktion
Andrea Oswald 1.1 Einführung
1.1.1 Voraussetzung für die manuelle Feinmotorik
Die Entwicklungsgeschichte der Hand beginnt mit dem aufrechten Gang, der die Hände freigibt für feinmotorische Tätigkeiten und für die Handhabung von Werkzeug. Die Art Australopithecus afarensis der Gattung Australopithecinen bezeichnet aufrecht gehende Affen in Ostafrika und direkte Vorfahren der Menschen. Lucy, die Protagonistin dieser Gruppe, verfügte über differenzierte feinmotorische Fähigkeiten ( ? [339], ? [217], S. 141): den Dreipunktgriff, um mit Steinen zu klopfen (z. B. Nüsse aufschlagen), die Fähigkeit, Objekte zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfingerspitze zu halten und zu manipulieren, das Vermögen, durch ein stabiles Handgelenk bei Schlagbewegungen den Rückprall abzufedern. 1.1.1.1 Hand Die Hand (med./lat.: manus) ist das Greifwerkzeug der oberen Extremitäten der Primaten. Beim Menschen zeichnet sie sich durch den opponierbaren Daumen und die frei beweglichen Finger aus. Auch der Kleinfinger kann Richtung Daumen bewegt werden, ulnare Opposition. Durch gelenkige Verbindung mit den Unterarmknochen Radius und Ulna und den speziell angeordneten Handwurzelknochen erreicht die Hand ihr großes Bewegungsrepertoire, das für die Handgeschicklichkeit notwendig ist. 1.1.1.2 Haltung und Bewegung Die aufrechte Haltung, das Stehen und Sitzen und die Fortbewegung, das Laufen und Rennen, bilden die Voraussetzung, um mit den Händen frei agieren zu können. Aber auch in Rückenlage oder Bauchlage können wir mit den Händen Tätigkeiten durchführen; z. B. ein Buch halten und lesen, einfache Steck- und Würfelspiele spielen, den Gameboy betätigen. 1.1.1.3 Gehirn Laut Washburn ( ? [339]) steht die Gehirnentwicklung in engem Zusammenhang mit dem Werkzeuggebrauch der Hominiden. Die Verarbeitung von unterschiedlichen Informationen im Gehirn ermöglicht die Handhabung von Werkzeug. Die Genese der Bewegung erfolgt durch zentral gesteuerte Prozesse und gliedert sich in 3 Teilbereiche: Ideation, motorische Planung, Ausführung der Bewegung. 1.1.2 Definition
Merke Unter Handgeschicklichkeit wird die Koordination von feinmotorischen Bewegungen der Hände und der Arme zur Ausführung von Tätigkeiten verstanden. Für eine gute Handfunktion sind neben motorischen Funktionen auch sensorische Funktionen erforderlich. Die Aufnahme und die Verarbeitung von taktilen und propriozeptiven Sinnesreizen der Hand in Verbindung mit den visuellen Sinnesinformationen ermöglichen eine gute Auge-Hand-Koordination. Wir verwenden die Hände effizient und ökonomisch, um Tätigkeiten durchzuführen. 1.1.3 Gebrauch der Hände
Unsere Hände führen im Alltag die unterschiedlichsten Tätigkeiten aus. Mit den Händen ziehen wir uns an. Wir benutzen die Zahnbürste und kämmen unser Haar mit Kamm oder Bürste. Wir gebrauchen die Hände, um das Gesicht und den Körper zu waschen und essen mit Löffel, Messer und Gabel ( ? Abb. 1.1). Wir schälen Obst und Gemüse und schneiden Fleisch, Fisch, Brot etc. Mit den Händen betätigen wir weitere alltägliche Werkzeuge: Schere, Schreibgeräte, Computertastatur, Computermaus etc. Abb. 1.1 Essen mit der Gabel. (Foto: Andrea Oswald) Auch für spielerische, sportliche Aktivitäten gebrauchen wir die Hände; unter anderem beim Werfen von Wurfpfeilen ( ? Abb. 1.2) oder bei Ballspielen wie Völkerball, bei Ballspielen gegen eine Wand, beim Trippeln des Balles oder bei Federball und Tennis. Abb. 1.2 Wurfpfeile werfen. (Foto: Andrea Oswald) Komplexität. Die Hände führen komplexe Tätigkeiten aus: Knöpfe öffnen und schließen, einen Verschluss betätigen ( ? Abb. 1.3, ? Abb. 1.4), Knoten und Schleifen binden. Wir erkennen die Komplexität meist erst dann, wenn die manuelle Geschicklichkeit nicht zur Gänze vorhanden ist. Am deutlichsten wird sie durch das Fehlen der Hand, wenn diese durch ein Hilfsmittel (Orthese) ersetzt werden soll. Abb. 1.3 Schnappverschluss, Fahrradhelm schließen. (Foto: Andrea Oswald) Abb. 1.4 Sonnenbrille aufsetzen. (Foto: Andrea Oswald) Wichtig Um Auffälligkeiten unserer handmotorischen Fähigkeiten und Fertigkeiten erkennen zu können, ist die Kenntnis der Normalentwicklung, speziell der Hände und der oberen Extremitäten, unerlässlich. 1.2 Normalentwicklung
1.2.1 Im ersten Lebensjahr: Greifen und Spiel
1.2.1.1 1. Monat Der neugeborene Säugling liegt in Rücken- und Bauchlage in leichter Beugehaltung. In den wachen, aktiven Phasen bewegt er sich mit globalen, fließenden, komplexen und variationsreichen Bewegungen ( ? [82]). Die Greifreaktion bestimmt weitgehend die Bewegungen der Hände; spontane Fingerbewegungen sind bereits vorhanden. In Bauchlage und Seitenlage nuckelt der Säugling an seinen Händen und erkundet diese. 1.2.1.2 2. Monat In Rückenlage ist die Beugehaltung noch vorherrschend, doch Streckbewegungen treten häufiger auf. Der Kopf kann zu beiden Seiten gelegt werden. In Bauchlage liegt der Säugling vorwiegend in Beugehaltung, der Kopf kann bis 45° angehoben werden. Die Hände sind meist gefaustet, öffnen sich häufiger. Der Säugling nuckelt an der ganzen Hand oder an den einzelnen Fingern. Bei Berührung des Handrückens öffnet sich die Hand. Gegenstände werden umfasst und zufällig wieder losgelassen. Die Hände bereiten sich auf das Greifen vor. Bewegte Gegenstände in 30–40 cm Abstand von den Augen können kurz fixiert werden. Die Augen können nicht getrennt vom Kopf bewegt werden. 1.2.1.3 3. Monat Die fließenden, globalen Bewegungen werden von willkürlichen motorischen Aktivitäten abgelöst. Der Säugling entwickelt sich in Bauch- und Rückenlage zur Symmetrie und lernt, seine Körperlängsachse zu stabilisieren. In Rückenlage zeigt sich der Hand-Hand-Kontakt. In Bauchlage ist der Säugling auf seine Unterarme gestützt und hebt den Kopf 45° an. Die Hände sind meist geöffnet oder locker gefaustet. Ein in die Hand gelegter Gegenstand wird mittels Greifreaktion festgehalten. Der Säugling greift meist ulnar. Er umfasst den Gegenstand mit Mittel-, Ring- und Kleinfinger. Er spielt mit seinen Händen und steckt die ganze Hand oder den Daumen in den Mund. Er kann Gegenstände kurz fixieren und sie mit den Augen verfolgen. Die Koordination der Augenbewegungen beginnt. 1.2.1.4 4. und 5. Monat Der Säugling hat die Symmetrie erreicht und hält den Kopf stabil in der Mitte. In der Bauchlage wird der Kopf bis 90° angehoben und gehalten. Das Abstützen auf den Unterarmen wird stabiler, der Handstütz entwickelt sich. Der Säugling stützt sich mit gestreckten Ellbogen auf den Händen ab (Handwurzelknochen). Der Säugling erwirbt das willkürliche Greifen. Gegenstände in der Nähe werden mit zielgerichteter Arm- und Handbewegung umfasst, festgehalten, bewegt und (noch) unabsichtlich losgelassen. Palmares Greifen mit beiden Händen ist möglich. Hände und Finger werden intensiv betrachtet und in den Mund gesteckt. Mit den Händen wird gespielt und erkundet. Der Säugling greift beidhändig mit gestreckten Armen. Das einhändige Greifen beginnt sich zu entwickeln. Das Kind kann nun Gegenstände länger fixieren und über 180° visuell gut verfolgen. Es betrachtet einen Gegenstand und bringt seine Hand und den Gegenstand in Beziehung zueinander. Dann ergreift das Kind den Gegenstand (beginnende Augen-Hand-Koordination). 1.2.1.5 6.–8. Monat Das Kind beginnt die selbstständige Fortbewegung (Drehen, Robben, Krabbeln) zu erlernen. Mit etwa 8 Monaten kann das Kind frei sitzen. Das Kind greift mit der ganzen Hand und es kann seine Hände willkürlich öffnen. Die Greifreaktion ist nicht mehr vorhanden. Es kann einen Gegenstand von einer Hand in die andere Hand transferieren. Das dissoziierte Greifen ist möglich. Eine Hand ist geöffnet, die andere Hand schließt sich. Mit ca. 8 Monaten kann das Kind in jeder Hand einen Gegenstand halten und gegeneinander schlagen (manuelles Erkunden). Das Greifen wird differenzierter. Das palmare Greifen wird durch den Scherengriff (Schlüsselgriff) erweitert. Der Daumen entwickelt sich Richtung...


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