Schneider | Von Liebe und Lügen | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 400 Seiten

Schneider Von Liebe und Lügen

E-Book, Deutsch, 400 Seiten

ISBN: 978-3-7448-4596-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Alte Liebe, neue Liebe, keine Liebe: Was ist Wahrheit, was ist Lüge? Jonah und Lynn sind ein Traumpaar und geben in ihrer Clique den Ton an. Doch dann muss Lynn ein Jahr vor dem Abitur mit ihren Eltern nach Asien umziehen. Sie hinterlässt eine Lücke: Nicht nur für Jonah ändert sich ohne Lynn alles, auch die Clique gerät aus dem Gleichgewicht. Plötzlich scheint jeder sein eigenes Spiel zu spielen, niemand weiß mehr, was der andere tut, was Wahrheit ist und was Lüge. Was Jonah niemandem erzählt: Er fühlt sich immer wieder beobachtet. Wird er langsam verrückt und sieht Gespenster? Aber Gespenster können keine Todessymbole hinterlassen, oder?

Anna Schneider wurde 1966 in Bergneustadt geboren und ist seit Kindertagen ein Bücherfan. Schon als Jugendliche schrieb sie Gedichte, die in Anthologien veröffentlicht wurden. Nach Studium und Promotion in Trier sowie verschiedenen beruflichen Stationen als Personalberaterin, Dozentin und Coach, entschloss sie sich 2008, wieder zu schreiben. Gleich mit ihrer ersten Krimi-Kurzgeschichte gewann sie einen Literaturwettbewerb. Das nahm sie als Zeichen und sattelte beruflich um. Heute verbringt sie ihre Zeit am liebsten in ihrem Schreibzimmer, um sich bei einer Tasse Kaffee und Schokolade spannende Geschichten auszudenken. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in der Nähe von München und in Nordholland.
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Saskia



Saskia kettete ihr pinkes Fahrrad an und rannte im Laufschritt durch das Café, das an warmen Tagen ein angesagter Treffpunkt für Jugendliche war. Getränke gab es aus großen Plastikeimern in denen bunte Strohhalme steckten und während man in Liegestühlen lag, konnte man die Füße in weißen Sand stecken. Sie war zu spät dran und ließ ihren Blick über die vollbesetzte Terrasse schweifen, wo die anderen sicher schon eine Weile zusammen saßen. Seit drei Wochen hatte sie die Clique nicht mehr gesehen und sie winkte, als sie sie entdeckte. Aber die anderen waren alle über ihre Handys gebeugt und bemerkten sie gar nicht. Saskia schlängelte sich zur Clique durch und freute sich, als sie einen leeren Stuhl zwischen Ruben und Jonah sah. Ein Glück, dass sie ihr den freigehalten hatten, denn sie hätte sonst definitiv keine Sitzgelegenheit mehr gefunden. Eigentlich konnte man prima auf dem Boden sitzen, aber Saskia vermied das, weil sie nichts mehr hasste, als Sand in den Klamotten zu haben. Vor allem, weil sie heute ein Minikleid trug. »Störe ich?«, fragte sie munter und stellte sich direkt vor den Tisch. »Hey, Saskia, ich dachte schon, du kommst nicht mehr!«, rief Jonah, sprang auf und umarmte sie zur Begrüßung. Er war erst am Tag zuvor aus dem Surfurlaub mit seinen Eltern gekommen und tiefbraun geworden, seine dunklen Haare waren von der Sonne und dem Salzwasser ausgeblichen. Er trug ein türkises Poloshirt zu seinen Jeansshorts, wodurch seine grünblauen Augen plötzlich einen Ton hatten, der an das Meer denken ließ. Jonah war ein echter Hingucker, aber auch ein netter Kerl und echter Kumpel, deshalb ließ Saskia sich mit Freuden in den Stuhl neben ihn fallen. Auch Franzi und Ruben waren aufgestanden. Ruben schlug ihr auf die Schulter und sie und Franzi begrüßten sich mit den üblichen Wangenküsschen. Franzi war die Jüngste in ihrer Clique. Sie trug schwarze Leggings und ein weißes T-Shirt und schien in den letzten Wochen mehrere Kilo abgenommen zu haben. Es stand ihr total gut, dennoch wirkte sie unglücklich, als sie sich wieder setzte. Andererseits – wann wirkte Franzi mal nicht unglücklich? »Sorry, das ist der Platz von Em«, erklärte ihr Ruben, der seine blond gefärbten Dreadlocks zu einem dicken Zopf gebunden hatte. Er wurde rot, spielte verlegen mit dem Piercing an seiner Oberlippe und wies mit der Hand auf einen bunten Beutel, der gleich daneben stand. »Oh, na klar. Konnte ich ja nicht wissen.« Saskia war über diese Zurechtweisung so verdattert, dass ihr kein passender Kommentar einfiel. Also schob sie sich aus dem Liegestuhl hoch und stand irritiert vor dem Tisch. Wer war denn Em? Hatte sie irgendwas verpasst? Saskia war zwar schon seit letzter Woche wieder zu Hause, aber im Gegensatz zu den anderen war sie nicht in den Ferien gewesen, sondern hatte jobben müssen. Ihre Eltern legten Wert darauf, dass sie sich selbst Geld dazuverdiente, damit sie den Wert von Arbeit kennenlernte und nicht allzu leichtfertig mit dem umging, was sie besaß. Deshalb hatte sie erst zwei Wochen lang als Ferienbetreuerin am Chiemsee gearbeitet und danach noch ein paar Tage auf einer großen Messe als Hostess. Gerade der letzte Job war aufregend gewesen, sie hatte es unheimlich genossen, dass wildfremde Menschen sie unbedingt neben einem der Nobelautos fotografieren wollten. Das grüne Kostüm, das sie getragen hatte, passte gut zu ihren langen roten Locken und sie hatte sich absolut wohlgefühlt. Doch mit den Tagen war dann das Stehen anstrengender geworden und es war ihr immer schwerer gefallen, dauernd zu lächeln und in die Blitzlichter zu schauen. Obendrein musste sie nebenher Latein pauken, wo ihr nach den Ferien eine Nachprüfung bevorstand und so hatte sie kaum Zeit zum Ausspannen gefunden. Doch das lag jetzt alles hinter ihr. Mit ihrem selbst verdienten Geld wollte sie sich den Rest der Ferien etwas gönnen und heute feiern. Nur brauchte sie dafür erst einmal einen Sitzplatz. »Du kannst dich auch hier hin setzen, wenn nichts anderes frei ist, Rotschopf!«, rief Jonah und klopfte einladend auf seine muskulösen Schenkel. »Danke, nein!«, erwiderte Saskia. »Da würde ich bei diesen Temperaturen schon nach fünf Minuten festkleben. Voll ekelhaft die Vorstellung! Da ziehe ich doch Sand im Slip vor. Das ist wenigstens noch irgendwie … anregend«, witzelte sie, um ihre Enttäuschung zu überspielen, dass die anderen nicht an einen Platz für sie gedacht hatten und ließ sich einfach neben Franzis Liegestuhl auf den Boden plumpsen. »Du siehst toll aus heute!«, raunte Saskia ihr zu, um sie aufzuheitern, doch Franzis Miene blieb unverändert. Bevor sie sich bei Franzi erkundigen konnte, wer diese »Em« war, verkündete Ruben lautstark: »Da ist ja mein Mädchen wieder!« Neugierig schaute Saskia hoch. Das also war die ominöse Em. Das Mädchen trug einen bodenlangen bunten Rock, ein ausgewaschenes rotes Shirt und hatte über ihrem langen geflochtenen Zopf ein Dreieckstuch in demselben Rot gebunden. Neben der kreisrunden Sonnenbrille, die sie ganz vorne auf der Nasenspitze trug, fiel Saskia gleich das auffällige Oberarmtattoo auf – und die nackten Füße. Em war offenbar etwas älter als der Rest der Clique und wirkte sehr selbstbewusst. »Hallo, wir kennen uns noch nicht«, sagte Sas-kia und rappelte sich aus dem Sand hoch. »Ich bin Saskia.« Mit diesen Worten streckte sie ihre Hand aus, die das Mädchen allerdings ignorierte und sich erst einmal zu Ruben hinunterbeugte, um ihm einen Kuss zu geben. Saskia zog ihre Hand rasch zurück und tat so, als wäre sie nur aufgestanden, um einen kräftigen Zug aus dem gelben Eimer zu nehmen, in dem Erdbeerbowle war, wie sich herausstellte. Gleichzeitig ärgerte sie sich über sich selbst – warum versuchte sie eigentlich, die peinliche Situation zu überspielen? Hatte sie das wirklich nötig? »Saskia ist übrigens die letzte im Bunde. Jetzt kennst du alle«, klärte Ruben Em gerade auf. Die war jedoch mit ihrem Handy beschäftigt und schien dieser Information keine besondere Aufmerksamkeit zu schenken. »Bis auf Lynn«, krächzte Franzi dazwischen und begann zu husten. Saskia hielt ihr einen Strohhalm hin. Genau, bis auf Lynn. Saskia nickte und wünschte sich von Herzen, dass genau die jetzt hier wäre. Ihre beste Freundin hätte sich niemals so verunsichern lassen. Sie beschloss sich ein Beispiel an ihr zu nehmen und das Mädchen einfach zu ignorieren. »Wie geht es denn eigentlich unserer Weltreisenden? Habt ihr was gehört?«, fragte Saskia interessiert. »Wir haben gerade die Fotos verglichen, die sie uns geschickt hat, bevor du gekommen bist«, meinte Ruben. »Hier gibt es eine klare Rangordnung, musst du wissen. Während Franzi vorwiegend Landschaftsaufnahmen bekommt, schickt sie Jonah ein Selfie nach dem anderen, bei denen sie entweder ein verführerisches Duckface macht oder ziemlich viel Dekolleté zeigt. Oder beides. Ich bekomme nur kurze Textnachrichten.« »Die bekomme ich auch«, fiel Jonah ein. »Aber die gehen euch nichts an.« Jonah hatte den Kopf gedreht und sah auf den See hinaus. Über sein Gesicht hatte sich ein leichter Schatten gelegt, den Saskia nicht so recht einordnen konnte. »Von denen hast du vorhin aber nichts erzählt«, fuhr Ruben unbeirrt fort, der Jonahs Stimmungswechsel offenbar nicht bemerkt hatte. »Schweinkram, würde ich wetten. Was meinst du, Em?« Ruben sah seine Freundin verliebt an, die jedoch keine Miene verzog, sondern weiterhin ihr Handy fixierte. Dennoch legte er seine Hand auf ihr Knie und schaute sie innig an. Vermutlich wollte er so in Kontakt mit ihr bleiben, obwohl sie gar nicht richtig dabei zu sein schien. »Der Gentleman genießt und schweigt«, erwiderte Jonah. »Und um auf deine Frage zurückzukommen: Ich glaube, sie kommt besser klar, als sie gedacht hat. Nur eines will sie partout nicht: Skypen. Sie meint, wenn sie mich sehen und hören müsste, würde sie vor Sehnsucht durchdrehen.« Saskia nickte. Das konnte sie verstehen. Die beiden waren in den letzten Monaten ja auch unzertrennlich gewesen. Sie war sicher, dass Lynn litt wie ein Hund, das aber nicht zugeben wollte. Jonah wirkte nachdenklicher als sonst. Genauso wie Franzi. Im Grunde waren sie alle verändert. Saskia betrachtete Ruben, bei dem ihr erst jetzt auffiel, dass er keine Kopfhörer dabei hatte. Sie hätte schwören können, dass sie ihn heute zum ersten Mal ohne ein elektronisches Gerät sah, aus dem Musik kam. Ruben war DJ und lebte für die Musik. Wieder musterte sie kurz die Neue, die nicht wirkte, als hätte sie große Lust auf Rubens Freunde. Egal, sie wollte sich nicht von Em die Laune verderben lassen, denn sie hatte sich auf darauf gefreut endlich wieder in der vertrauten Runde zu sein. Also ignorierte sie das deutliche Störgefühl und nahm noch einen großen Schluck von der Bowle, die viel zu süß war. Gefährlich süß. »Was schickt Lynn dir denn?«, wollte Ruben jetzt wissen. »Alles mögliche. Eine bunte Reihe sozusagen«, beeilte sich Saskia zu sagen. Tatsächlich hatte sich Lynn zwar jeden Tag gemeldet, aber die Nachrichten waren...


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